Modernes Spektralsynthese-Plug-in für jede DAW
Kürzlich erschien das neue BLEASS Spectral Resonator Plug-in. Das Motto lautet: „Colour your Frequencies.“ Wie der Name schon sagt, geht es darum, Audiomaterial mithilfe von spektraler Synthese zu verfremden oder zu verfärben. Wir haben uns das näher angeschaut.
Was ist es? BLEASS Spectral Resonator, Spektralsynthese-Plug-in, ein kreativer Audioeffekt und spielbares Instrument zur spektralen Klangbearbeitung in Echtzeit.
- Spektralsynthese: Verfremdet Audiomaterial mithilfe von FFT-Analyse und resonanter Klangbearbeitung.
- Flexibilität: Als Effekt oder MIDI-spielbares Instrument einsetzbar.
- Sounddesign: Erzeugt Klangwolken, resonante Delays, digitale Texturen und Vocoder-ähnliche Sounds.
- Feinjustierung: Umfangreiche Eingriffsmöglichkeiten über Harmonics, Chunks, Hop-Faktor, Unisono und Detune.
- Fazit: Vielseitiges Spektralsynthese-Plug-in mit intuitiver Bedienung und großem Klangpotenzial.
Inhaltsverzeichnis
BLEASS Spectral Resonator Plug-in
Die französische Firma BLEASS habe ich hier schon bei mehreren Gelegenheiten vorgestellt (hier im Test der Synthesizer, hier im Test der Effekte). Man lässt sich unter anderem von Jean-Michel Jarre beraten und inspirieren und stellt virtuelle Instrumente und Effekte her. Deren Benutzeroberfläche hebt sich durch ihre einfache Bedienbarkeit von der Konkurrenz ab. Die GUIs sind nicht nur für Touchscreens optimiert. Die Plug-ins sind außerdem meist auch als iOS-Version erhältlich.
Installation – neue App
BLEASS Spectral Resonator ist in den Formaten AU, VST3, AAX und CLAP (macOS, Windows) sowie für iOS ab sofort verfügbar.
Neu bei BLEASS ist die Einführung eines Plug-in-Installers. Das wurde mir erst klar, nachdem ich diesen installiert hatte, ohne genauer hinzuschauen, und das neue Plug-in nicht fand. Denn bei meinem vorherigen Test war es noch nötig gewesen, alle Plug-ins einzeln zu installieren.
Jetzt geht das wesentlich bequemer mithilfe der Plug-in-Installer-App. Diese erlaubt es, ähnlich wie beispielsweise bei Arturia, sämtliche installierten Plug-ins schnell zu aktualisieren oder Lizenzaktivierungen auf einem Computer vorzunehmen. Für jedes installierte Plug-in sind bis zu fünf Aktivierungen möglich.
Doch auch nach der Installation mithilfe der dedizierten App tauchte der Spectral Resonator nicht in der Liste meiner Instrumente auf. Das lag daran, dass das Plug-in als Effekt eingeordnet wird, aber auch als Instrument genutzt werden kann.
MIDI Instrument und/oder Effekt
Als Instrument ist Spectral Resonator deshalb nicht aufgelistet, weil es ein Eingangssignal benötigt. Ist dieses vorhanden, kann man das Plug-in auch über ein Keyboard spielen. In Logic findet man es zusätzlich unter den sogenannten AU-MIDI-gesteuerten Effekten. Das funktioniert ähnlich wie bei verschiedenen Vocoder-Plug-ins, mit denen Spectral Resonator durchaus Gemeinsamkeiten hat.
Spectral Resonator verfremdet also eingehendes Audiomaterial mithilfe von FFT (Fast Fourier Transformation) in Echtzeit. Dabei kann es im Default-Preset auf Drum-Loops wie ein kurzes tonales Delay klingen und entsprechend eingesetzt werden. Die Ergebnisse werden visuell in einem sogenannten Rainbow-Diagram dargestellt.
Im „Internal“-Modus lassen sich die Tonhöhen von bis zu vier Noten durch die Auswahl der entsprechenden Noten oder Frequenzen festlegen. Der Grundton kann zusätzlich mithilfe eines virtuellen Keyboards bestimmt werden. Im „MIDI“-Modus wird die Tonhöhe dagegen über MIDI gespielt. In diesem Fall haben wir es mit einer Art Synthesizer zu tun, der auch über Polyphonie- und Unisono-Einstellungen verfügt.
- Interner Modus
- MIDI Modus
Unten am Plug-in sieht man ein großes virtuelles Keyboard mit Modwheel und Pitchbend-Option. Es gibt sogar einen Latch-Modus, allerdings konnte ich dabei im Test nur eine und nicht mehrere Noten halten. Die Pitchbend-Range ist einstellbar und es gibt sogar ein Modwheel.
Harmonics-Bereich/Frequenzbänder und Parameter
Entscheidend für das klangliche Resultat ist insbesondere der Harmonics-Bereich. Hier lässt sich, ähnlich wie beim Spectral Resonator von Ableton Live, an den das BLEASS-Plug-in nicht nur wegen des gleichen Namens erinnert, die Zahl der Obertöne beziehungsweise der genutzten Frequenzbänder einstellen – bis hin zu maximal 256.
Mit dem Stretch-Parameter verändert man das Verhältnis der harmonischen Teiltöne zueinander. Mithilfe des Density-Parameters kann die Zahl der spektralen Anregungen, die sich aus der vorherigen Analyse ergeben, reduziert werden. Über Blur lassen sich die Ergebnisse der Spektralanalyse gezielt verwischen. Dadurch fällt das Klangergebnis in der Praxis weniger tonal aus und kann stärker in Richtung Rauschen gehen.
Shift verschiebt das komplette Spektrum, bevor es von der Resonatorsektion verarbeitet wird. Decay bestimmt die Ausklangdauer der erzeugten Resonanzen. Hier lässt sich zusätzlich eine frequenzspezifische Einstellung mithilfe von Hochpass- und Tiefpassfiltern vornehmen.
Für FFT sind Chunk- beziehungsweise Blockgrößen einstellbar. Während dies vielleicht noch von anderen Plug-ins mit FFT-Analyse bekannt ist, war mir ein sogenannter Hop-Faktor als Einstellmöglichkeit bislang noch nicht begegnet. Dieser wird in Relation zur Chunk- beziehungsweise Blockgröße eingestellt und ermöglicht durch Überlappungen ein tendenziell weicher klingendes Ergebnis. Ähnlich wie bei den Einstellungen eines Bitcrushers kann es aber auch interessant sein, mit kleineren Blockgrößen oder niedrigeren Hop-Faktor-Werten zu arbeiten.
Mix, Freeze, Kill
Ergänzt wird die Ausstattung durch eine Mix-Sektion. Diese ermöglicht Operationen wie Freeze und Kill, bietet Optionen zur individuellen Lautstärkeregelung der Ein- und Ausgangsbereiche sowie Panning-Funktionen und verfügt über einen Dry/Wet-Regler.
Mit Freeze wird ein aktuelles Analysesignal dauerhaft gehalten. Zusätzlich gibt es noch einen Limiter sowie eine Gate-Einstellung. Letztere hatte im Test die gleiche Wirkung wie bei einem Dynamics-Plug-in der Kategorie Gate.
Random, Undo/Redo
Im oberen Bereich des Plug-ins befindet sich eine Random-Funktion, die sich auf alle Parameter auswirkt, um schnell und spontan etwas anderes ausprobieren zu können. Im Test kamen dabei oft interessante Ergebnisse heraus. Zusätzlich findet man daneben noch Schaltflächen für Undo und Redo.
Praxis und Klang
Blockgröße und Hop-Faktor sorgen in der Praxis für sehr unterschiedliche Klangergebnisse. Natürlich klingt das Ergebnis oft recht digital, dennoch lassen sich hier durchaus interessante Nuancen herausarbeiten. Größere Blockgrößen und höhere Hop-Faktor-Einstellungen bewirken, nicht zuletzt in Kombination mit längeren Decay-Einstellungen, einen weicheren Sound. Entsprechende Presets heißen treffenderweise beispielsweise „Major Chimes“ oder „Minor Chimes“.
Kleine Blockgrößen hingegen führen tendenziell eher zu harschen digitalen Klängen. Für die klassischen kurzen resonanten Delays lassen sich hier beispielsweise feine Nuancen justieren. In der Praxis sollte man jedoch mit jedem Sound etwas experimentieren. Kleinere Blockgrößen können interessant und kantig klingen, und nicht immer wirkt ein hoher Hop-Faktor klanglich am besten. Er benötigt allerdings die meiste CPU-Leistung.
Oft klang es im Test erstaunlicherweise deutlich besser, nur die geraden Obertöne („Even Harmonics“) zu nutzen, beispielsweise beim Preset „Major Chimes“. Eine höhere Harmonics-Zahl sorgt grundsätzlich für einen brillanteren Klang. Es kann aber durchaus sinnvoll sein, die Anzahl der Obertöne auch einmal zu reduzieren.
Die Preset-Auswahl ist umfangreich und zeigt, wie auch bei anderen BLEASS-Plug-ins, sehr gut die klangliche Bandbreite der Möglichkeiten auf.
Die Shift-Einstellung wirkt hier fast wie ein Filter und verschiebt das Frequenzspektrum des Effekts. Zusätzliche Filtermöglichkeiten stehen außerdem im Bereich der Spektralanzeige zur Verfügung.
Die Wirkungen von Detune und Unison sind gekoppelt. Nur bei aufgedrehtem Unison hört man die Veränderungen durch Detune. Das kann subtile bis äußerst wirkungsvolle Veränderungen bewirken, da sich das Detuning separat und präzise dosieren lässt.
Hier einige Beispiele, die das Klangspektrum und die beschriebenen Funktionen verdeutlichen. Zunächst spiele ich Klänge mit einem E-Piano-Sound und nutze Spectral Resonator als Effekt. Anschließend bearbeite ich Drums damit. In einem weiteren Beispiel wechsle ich durch verschiedene Presets, wobei Drums als Ausgangsmaterial dienen. Die letzten Beispiele zeigen Veränderungen der Parameter Odd/Even, Decay sowie der Blockgröße und des Hop-Faktors.
Alternativen
Der Spectral Resonator von Ableton Live lässt sich dort etwas einfacher integrieren, weil er beispielsweise von Haus aus eine Umschaltung zwischen einem internen und einem MIDI-Modus bietet. Dort fehlt die Wahl zwischen geraden und ungeraden Obertönen (Even/Odd Harmonics), dafür lassen sich die Harmonischen quantisieren.
Auch das Unisono-Detuning lässt sich dort nicht so detailliert einstellen wie im BLEASS-Plug-in. In Live wird der Spectral Resonator vom Spectral Time Plug-in begleitet, das ebenfalls über eine Freeze-Option verfügt.
Vielleicht benötigen Ableton-User das BLEASS-Plug-in nicht unbedingt. Umso erfreulicher ist es für Nutzer anderer DAWs, den BLEASS Spectral Resonator verwenden zu können, der das Ableton-Plug-in hinsichtlich der Möglichkeiten häufig sogar übertrifft, insbesondere bei Unisono-Funktionen und der klanglichen Feinjustage über Chunks und den Hop-Faktor.
Video
Hier noch ein kleines Begleitvideo in deutscher Sprache:
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Mir gefallen die PlugIns von Bleass. Kein Firlefanz, kein Versuch einen Regler als glänzenden Potiknopf darzustellen, keine Holzseitenteile. Und der Preis stimmt auch.