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Test: Bogner Ecstasy Mini Amp Head, Verstärker für E-Gitarre

10. Oktober 2021

Kultiger Amp in Mini-Format - Bogner in klein!

Bogner Ecstasy Mini Amp, Frontal

Bogner Ecstasy Mini Amp Head, dieses Mal mit Transistoren

Die Firma Bogner ist für ihre hochklassigen, stets kostenintensiven Röhrenverstärker und auch Lautsprecherboxen bekannt. Hier muss man für gewöhnlich leider etwas tiefer in die Tasche greifen, aber manchmal gibt es eben keine Kompromisse, denn die Produkte von Bogner sind sicherlich großartig. Nun gesellt sich ein winziger und leichtgewichtiger Transistorverstärker mit einer Leistung von 30 Watt in das Programm der Edelschmiede. Die Konkurrenz schläft nicht, so hat auch Friedman kürzlich einen kleinen und  leichten Transistorverstärker, den Friedman BE-Mini Amp Head auf dem Markt gebracht, da darf Bogner natürlich nicht schwächeln. Der Bogner Ecstasy Mini-Amp verfügt über nur einen Kanal, hat jedoch einige wirkungsvolle Features zu bieten und kann bei Bedarf auch außerordentlich satt zerren, wenn man die entsprechenden Schiebeschalter in Stellung bringt und die nötigen Einstellungen vornimmt. Äußerlich und klanglich wurde er vom mehrkanaligen Röhrenverstärker Ecstasy inspiriert. Zum Reisen ist dieser Zwerg sicherlich hervorragend geeignet, da er nur schlappe 1,8 kg wiegt und wahrhaft kleine Ausmaße 241 x 159 x 133 mm besitzt. Vermutlich wird hier die Technik der Bogner Ecstasy Blue– bzw. Red Channel Verzerrern in der Vorstufe zum Einsatz kommen, da diese gleichfalls mit den kleinen Schiebschaltern und auch ähnlichen Ausstattungsmerkmalen bestückt sind, nur dass man hier auch noch eine Endstufe für ein paar extra Euro dazu bekommt. Erfreulich ist der für „Bogner-Verhältnisse“ günstige Preis von nur knapp 300,- Euro. Ob die 30-Watt-Transistorleistung auch für einen Auftritt ausreichen, indem man sich neben einem engagierten Drummer behaupten muss, werden wir später herausfinden. Wer mit einem Verstärker der Marke Bogner liebäugelt, erwartet vermutlich einen dynamischen Vollröhrenklang, schauen wir, was der kleine Zwerg, der über keine Glaskolben verfügt, zu bieten hat.

Bogner Ecstasy Mini Amp Head – Facts & Features

Holt man den kleinen Boliden aus dem Karton, kommt augenblicklich Freude auf. Die Verarbeitung des kleinen Verstärkers ist ausgezeichnet, das schwarze Tolex wurde perfekt aufgeleimt und zugeschnitten, was bei einem Verstärker ohne aufgebrachte Metall-Ecken ja immer gut zu sehen ist. Auch das weiße Piping, die Bast-Frontbespannung und der Firmenschriftzug sitzen einwandfrei. Die 6,3 mm-Klinkenbuchsen und kleinen Schiebeschalter sind von guter Qualität, gleichfalls die Potis, die sich mit einem leichten Widerstand drehen lassen. Die kleinen, weißen Chickenhead-Knöpfe passen gut zum Design. Natürlich finden wir einen Schalter zum Einschalten (der rot leuchtet) und eine Eingangsklinkenbuchse für das Instrumentenkabel am Frontpanel.

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Das mitgelieferte Netzteil (24 V) des Zwergs auf Halbleiterbasis besitzt Ähnlichkeit mit Netzteilen, die für Laptops etc. Verwendung finden, das bedeutet, wir haben eine relativ dünne Zuleitung zur Hohlsteckerbuchse am Rückenpanel. Das Netzteil innerhalb des Chassis unterzubringen, wäre sicherlich die elegantere Lösung, sorgte allerdings möglicherweise auch für mehr Einstreuungen bzw. Nebengeräusche, gerade wenn man viel Zerre am Start hat und genau dafür ist der kleine Bogner gebaut.

Die vier soliden Gummifüße besitzen eine ausreichende Höhe, um den Amp auch ohne „Kippeln“ auf einer Lautsprecherbox mit obenliegenden Griffen zu platzieren. Die Vorteile eines so kompakten Verstärkers liegen natürlich im Gewicht und der „Reisefreundlichkeit“. Auch als Backup-Amp wäre der kleine Bolide leicht mitzuführen.

Bogner Ecstasy Mini Amp, schräg

Klassisches Rock-Styling

Bedienelemente des Desktop Verstärker

Bei genauem Hinschauen ist am Frontpanel einiges zu entdecken. Der kleine Bogner besitzt sechs Potis (Volume, Bass, Middle, Treble, Presence, Gain), deren Funktionen selbsterklärend sind und hier nicht erläutert werden müssen. Interessanter wird es dann schon, schaut man sich die vier kleinen Schiebeschalter an (zwei haben zwei Stellungen, die anderen jeweils drei Stellungen), die den Klang außerordentlich formen können, als da wären:

Gain

Der kleine Gain-Schiebeschalter besitzt zwei Stellungen, steht der Schalter auf „-„, setzt der Verstärker verhältnismäßig weniger Gain frei, braucht man viel Verzerrung, wählt man die Stellung „+“. Der Unterschied beider Optionen ist sehr deutlich hörbar.

Mid Freq

Dieser Schalter ist außerordentlich effektiv, damit lässt sich eine Betonung gewisser Mittenfrequenzen vornehmen, was gerade bei High-Gain-Sounds sehr wichtig ist. Auf Stellung B1 bzw. B2 werden die unteren-  bzw. die oberen Mittenfrequenzen angehoben, was sehr deutliche Auswirkungen auf den Klang hat. In Stellung N (neutral) bleiben die Mitten „linear“.

Pre Eq

Der kleine Kippschalter (drei Stellungen) justiert den Höhenanteil (Präsenzen) des Sounds und kann bei Bedarf ordentlich Biss erzeugen. Hier lassen sich Gitarren mit diverser Tonabnehmerbestückung  (Singlecoil, Humbucker) im Handumdrehen den persönlichen Klangvorstellungen anpassen.

Variac

Hier wird der sogenannte „Tonesag“ (Voltagedrop) einer aufgerissenen Röhrenendstufe simuliert. Ist der Variac-Kippschalter in Stellung ON, wird der Klang etwas leiser, aber auch noch etwas fetter im Bassbereich. Dieses Feature ist auch in einigen weiteren Pedalen von Bogner zu finden und quasi ein Alleinstellungsmerkmal, da es ansonsten in den mir bekannten Fußtretern analoger Bauweise nicht anzutreffen ist. Einigen Vollröhrenverstärkern (z. B. Mesa Boogie) wurde jedoch dieses Feature integriert (das auf Röhrenbasis etwas anders hergestellt wird).

Natürlich ist der Gesamtsound stets in Verbindung mit der angeschlossenen Lautsprecherbox zu betrachten, Diese wird den Sound nach eigenem Gutdünken „verbiegen“ umso erfreulicher, wenn man über einige Optionen verfügen kann. Eine 1x 12″ Box wird sich klanglich selbstverständlich anders verhalten als beispielsweise eine 2x 12″ oder gar 4x 12″ Box.

Rückseite des Bogner Miniverstärker

Das Chassis bietet rückseitig nur das Nötigste, auf einen frequenzkorrigierten Line-Ausgang, mit dem man beispielsweise auch aufnehmen könnte, wurde verzichtet.

Bogner Ecstasy Mini Amp, Rear

Die Rückseite des Mini Ecstasy

Schön, dass dem kleinen Zwerg ein Einschleifweg spendiert wurde, sonst wären ein Delay oder Hall beispielsweise nur vor dem Eingang nutzbar, was bei einem heftig zerrendem Amp sicherlich schrecklich klänge. Zeitbasierende Effekte sollten, wenn die Verzerrung des Verstärkers genutzt wird, stets im Effektweg platziert bzw. eingeschleift werden. Bis zu zwei Lautsprecherboxen (8 bzw. 16 Ohm) können an den Mini Ecstasy angeschlossen werden.

Pete Thorn klingt wie immer fantastisch, auch mit diesem Amp:

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Das ist der Sound des Mini Bogner in der Praxis

Eines sei an dieser Stelle nochmals klargestellt. Der kleine Ecstacy ist sicher nichts für Freunde eines klaren „Fendrigen“ Klangs, sondern eindeutig auf verzerrte Sounds ausgelegt ist. Schon bei einer Einstellung des Gain-Reglers über 9 h fängt der Verstärker „leicht“ an zu zerren. Die erzielbaren Sounds bewegen sich zwischen einem „Marshallesqen-JCM-Crunchton“ und “ Zerre bis zum Abwinken“. Im obigen Video ist teilweise eine satte Prise Delay zu hören, in den folgenden Klangbeispielen ist der Sound vergleichsweise trockener, um den Klang gut einschätzen zu können.

Hören wir zunächst einen verzerrten Crunchsound. Alle Regler der Klangregelung stehen auf ihrer Mittelposition. Der Mittenschalter steht auf „neutral“, es wird also kein bestimmter Mittenbereich angehoben bzw. abgesenkt.

Auch zur Aufnahme verzerrter Sounds aller Art im Studio etc. ist der kleine Bogner sicherlich ein ausgezeichnetes Werkzeug. Klare Sounds bietet er dagegen nicht, auch wenn man den Gain-Regler stark zurücknimmt und den Mastervolume-Regler aufreißt. Wer sich für typische Bogner Sounds interessiert, hat seine klanglichen Präferenzen ohnehin hauptsächlich im verzerrten Sektor.

Im zweiten und dritten Klangbeispiel kommt der Mitten-Boost ins Spiel, wir hören einen Sound mit gleicher Einstellung, nur steht hier der Mittenschalter auf Stellung B1.

Hier der Klang bei Stellung B2:

Jetzt testen wir die Möglichkeiten seines Zerrvermögens aus und reißen den Gain-Regler bis zur 3 h Marke auf. Wieder steht der Mid-Switch auf B1, man beachte das enorme Sustain am Ende des Klangbeispiels:

Jetzt mit gleicher Einstellung bis auf den Mid-Switch, dieser steht hier auf Stellung B2:

Dieser kompakte Verstärker ist für den Rockfreund, der ausschließlich verzerrt spielt. Natürlich kann ein Transistorverstärker mit relativ kleiner Leistung nicht wirklich mit der Dynamik eines leistungsstarken Vollröhrenamps mithalten, aber die klangliche Vielfalt und der Sound des kleinen Zwergs sind beeindruckend. Berücksichtigt man den kleinen Preis, ist er sicherlich ein „Gadget“ mit hohem Spaßfaktor, was keinesfalls bedeutet, dass es sich bei diesem Verstärker um ein Spielzeug handelt, im Gegenteil, nur wenige Verstärker befriedigen die klanglichen Bedürfnisse eines harten Rockers so treffsicher.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Gibson ES335 – Bogner Ecstasy Mini Amp Head – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

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Fazit

Der kleine Bogner Ecstasy Mini Amp Head liefert eine enorme Klangpalette an verzerrten Sounds, nicht zuletzt auch durch die vier kleinen Kippschalter, die eine  luxuriöse Klangformung ermöglichen. Das kleine Biest kann bei Bedarf sehr laut werden. Auch für das Studio und als Übungsverstärker ist der „Kleine“ sicherlich ein ausgezeichnetes Werkzeug. Hier wird viel Spaß für kleines Geld geboten und kultig sieht er natürlich auch noch aus.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • klanglich variabel
  • Preis
  • Gewicht
  • toll klein

Minus

  • einkanalig
  • kein Clean-Sound

Preis

  • 299,- Euro
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