Test: Bose T4S und T8S ToneMatch, digitale Mischpulte

Für die genauere Anpassung hat die Company noch zwei Equalizer implementiert. Der zEQ bietet 3 Bänder, die sehr breit greifen. Auch hier habe ich mit rosa Rauschen einen Test gemacht und das Low- und High-Band maximal angehoben, die Mitten hingegen ganz abgesenkt. Hier das optische Ergebnis. 

Eine Maximaleinstellung, ohne Empfehlung

Extreme Einstellungen sind zudem ein Geduldsspiel, um von 0 dB zu 15 dB zu kommen, drehe ich in der Regel 13 mal am Rad. Ich hoffe, dass hier bei einem der nächsten Firmware-Updates Abhilfe geschaffen wird, das Prinzip, schneller kurbeln -> größere Wertesprünge, wird ja nun schon ein Weilchen angewendet. Schön ist, dass jedes Band separat in den Bypass-Modus zur Kontrolle geschaltet werden kann.

Besser anzupassen ist der folgende Para EQ, der drei vollwertige parametrische Bänder aufweist. Da dies reine Glockenfilter sind, kommen sie vorwiegend zur Bearbeitung der Mitten in Frage. 

 

Drei identische parametrische Mitten sind vorhanden

Drei identische parametrische Mittenbänder sind dabei

Dafür ist der Wertebereich von 50 Hz bis 16 kHz recht weit gefasst. Das bedeutet im Extremfall wieder unendliches Drehen am Poti.

Zusammenfassend überzeugt mich die Klanganpassung in den drei Stufen ToneMatch, zEQ, Para EQ nicht, mit einer herkömmlichen Klangregelung Low-Cut, Kuhschwanzfilter für Low und High und ein oder besser zwei parametrischen Mitten wäre ich bedeutend schneller und flexibler. So ist diese Form des „autonomen Mischens“ eher für wenig Technik-affine Musiker gedacht. Hier muss ich durchaus zugestehen, dass ich genügend Musiker kenne, dich sich da von Bose gern etwas Arbeit abnehmen lassen und auf ToneMatch schwören. Die nachfolgenden EQs kommen dabei eher marginal zur Anwendung. 

Aber genug gemeckert, machen wir mit den Dynamics weiter. Compressor ist mit drei Presets vorhanden, die Einstellung erfolgt mit den Threshold-Regler, auch eine Gain-Anpassung ist vorhanden. Die Kompression wird durch eine Anzeige visualisiert, so dass hier schnell ein ansprechendes Ergebnis gefunden ist. Auch der Limiter, eine Sonderform der Kompression, findet sich in den Presets.

Weiter geht es mit dem De-Esser. Die Parametrisierung ist dieselbe wie bei den Kompressoren. Hier können zischelnde Signale eingebremst werden. Vorsicht aber vor zu hohen Werten, da neigt das Signal gerne zum Lispeln. 

Das Noisegate arbeitet mit drei Parametern. Mit Threshold wird die Einsatzschwelle fest gelegt, Speed legt die Geschwindigkeit fest, mit der sich das Gate wieder schließt und Ramp bestimmt die Steilheit des Einsatzes. Grundsätzlich arbeitet das Gate gut, allerdings scheint der Speed-Parameter außer Kraft, hier bleibt die Schließzeit immer gleich. Wieder ein Punkt für das nächste Update.

Einen Spezialfall macht das KickGate aus. Hier wurde ein sehr schnelles Gate verwendet, das im Grunde nur den Attack der Bassdrum durchlässt. Damit ist die Bassdrum sehr laut zu bekommen. Die beiden Presets Regular und Fast scheinen hier allerdings noch vertauscht zu sein.

Die Dynamikeinheit macht einen guten Eindruck und lässt sich schnell einstellen. Im Grunde ist nur der Threshold relevant, das passt dann meist schon und unterstützt wieder den oder die Künstler, die hier sowieso nicht dezidiert eingreifen möchten.

Die Effektabteilung des T4S / T8S ist sehr umfangreich ausgestattet. Dabei geht Bose teilweise weg von den über Aux-Wege eingeschleiften Effekte, Modulation und Delay sind pro Kanal personifiziert verwendbar. 

Die Modulationseffekte klingen durch die Bank gut, Chorus, Flanger und Phaser werden in mehreren Variationen angeboten und können zudem in drei (beim Phaser zwei) Parameter getunet werden. Das Tremolo bietet mit Speed und Depth zwei Einstellungsmöglichkeiten. 

Auch die Delay-Abteilung ist schnell und einfach bedienbar. Time, Feedback und Mix können eingestellt werden. Die maximale Delayzeit von 500 ms ist ausreichend, von den drei Variationen ist das Tape-Delay mein klarer Favorit, das Digital-Delay eignet sich sehr gut für kürzere Verzögerungszeiten, das Analog-Delay wirkt leider schon ab der ersten Wiederholung sehr dumpf und bringt so die Charakteristik eines Eimerkette- Echos nicht adäquat rüber.

Beim Reverb steht nun nicht mehr für jeden Kanal ein eigenes Zur Verfügung, das wäre auch zuviel des Guten. Jedoch kann in jedem Kanal das angewählte Reverb mit dem Bright-Parameter angepasst werden, eine schöne und übersichtliche Lösung. Fünf Hall-Presets sind gelistet, die wirklich anständig und brauchbar klingen. Mit Time und Balance werden sie feiner abgestimmt. Balance steht hier übrigens für das Mischungsverhältnis Predelay zu Hallfahne, da also nicht verwirren lassen und eine dry/wet Signalbalance vermuten.

Die Reverb-Parameter im Kanalzug

Für die Aux-Wege kann übrigens ein eigener Hall ausgewählt werden, das ist grundsätzlich eine prima Idee, so kann man seinen Monitorsound mit etwas Reverb auffrischen, ohne den Large-Reverb aus dem Saal-Sound da drauf zu haben. Allein, bei den Auxen kommt nichts an, auch hier wieder ein dringender Fall für das nächste Software-Update. Bei der Gelegenheit, auch die Mute-Funktion des Reverbs funktioniert nicht, bitte auch gleich diesen Bug fixen. Und wo wir gerade dabei sind, ein Firmware-Update ist mir auch nicht geglückt, mein Mac konnte die angebotene Datei nicht öffnen. Die versprochene Antwort von Bose steht hier seit mehreren Tagen leider aus.

Insgesamt lässt sich der gesamten Effektabteilung ein gutes Urteil ausstellen, die Ungereimtheiten werden sicher bald der Vergangenheit angehören. Je Kanal kann die Effektreihe stummgeschaltet werden, ein übergeordneter Gesamtmute, evtl. sogar als Fußschalter, fehlt leider.

Wenn nun alles soweit eingestellt ist, lässt sich der Gesamtsound noch mit dem Master-EQ anpassen. Die sechs Bänder starten bei 125 Hz und sitzen im 1-Oktav-Abstand bei 250, 500 und 1000 Hz. Dann fehlen allerdings die 2 kHz, hier geht es direkt mit 4 kHz und zum Abschluss mit 8 kHz weiter. +/-18 dB ist der Level-Bereich, da lässt sich mit arbeiten. Leider ist der EQ nur auf den Master-Out beschränkt, die Aux-Ausgänge müssen leider ohne diese Hilfe auskommen. 

Abschließend werfe ich noch einen Blick auf den Szenenspeicher. Hier hat Bose schon fünf Presets implementiert und bietet 6 freie Plätze an. Hier Presets sollten laut Anleitung nicht veränderbar sein, sind sie aber doch. Wenigstens das Factory-Setting sollte hier nicht überschreibbar sein, um immer ein gleiches Ausgangsprogramm zu haben. Ebenso spricht die Bedienungsanleitung von 10 freien Plätzen, ich denke, auch hier wird sich bei einem Firmware-Update noch etwas tun.

Fazit

Bose bietet mit den neuen Mixern T4S und T8S zwei gut bedienbare Mischpulte, die mit sehr ordentlicher Ausstattung und gutem Klang punkten.

Die einzelnen Klangbearbeitungen lassen sich auf ein Minimum beschränken, um auch dem unerfahrenen Benutzer zu schnellen und brauchbaren Ergebnissen zu verhelfen. Dabei unterstützt die übersichtliche Benutzerführung.

Leider gibt es auch einige Schwachpunkte. Neben den im Test erwähnten Bugs, die sicher bald der Vergangenheit angehören werden, fehlt ein allgemeiner FX-Mute, die beiden Aux-Inputs sind nur als Hilfskanäle zu verwenden und für die Aux-Outs sind keine EQs vorhanden.

Plus

  • guter Grundsound
  • sehr gute Ausstattung
  • übersichtliche Bedienung
  • hilfreiche Presets
  • klein und kompakt

Minus

  • recht teuer
  • kein globaler FX-Mute
  • keine EQs in den Aux
  • Aux-In stark eingeschränkt

Preis

  • Ladenpreis T4S: 577,- Euro
  • Ladenpreis T8S: 848,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    akademus

    Schon vor längerer Zeit hatte ich mir mal zwei L1 Compact-Systeme beschafft und mich damals gewundert, dass Bose keinen passenden Stereo-Mixer anbietet. Mit dem T8S ist nun diese Lücke geschlossen, weshalb ich mich trotz des vergleichsweise hohen Preises sofort dafür entschieden habe.
    Ich bin vom Sound rundherum zufrieden mit dem Teil. Die Bedienung ist allerdings nach meinem Verständnis nicht 100%ig intuitiv, weswegen ich mich anfangs bei der Funktionswahl doch manchmal „verdrückt“ oder falsch „am Rad gedreht“ habe. Da ich mit verschiedenen Besetzungen arbeite, ist die Szenen-Speichermöglichkeit eine große Hilfe.
    Was mich noch stört – und da hoffe ich auf ein Software-Update, dass der integrierte Audioplayer (Wiedergabe von USB-Sticks) nur sehr rudimentäre Funktionen hat. Z.B. ist kein schnelles Vor- oder Rückspulen zum Auffinden einer bestimmen Stelle in einem Titel möglich.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Minimixer zum maxipreis. In der heutigen Zeit klingen die Geräte insgesamt doch sehr gut, selbst wenn sie billig sind. Also. Kein Argument so viel Geld zu verlangen. Dafür bekommt man einen Zoom R24 der lässt sich mit Batterie betreiben und kann auch noch super Aufnahmen machen. Harte Kongurrenz finde ich.

  3. Profilbild
    Mechaniker

    Danke für diesen Test. In der Bedienungsanleitung steht auch was von der Möglichkeit, den Mixer als DJ Set einzusetzen. Lassen sich die einzelnen Spuren mit dem Kopfhörer vorhören?
    Lars

      • Profilbild
        Mechaniker

        Ok, vielen Dank. Das heißt also, dass diese Szene:

        „DJ/Wiedergabe
        Die Szene DJ/Wiedergabe eignet sich für DJ-Veranstaltungen und die allgemeine Audiowiedergabe. Diese
        Einrichtung umfasst zwei Mikrofone sowie entweder ein Mobilgerät, ein Mischpult oder einen Laptop.“

        zwar möglich ist, aber ohne Vorhören leider sinnlos ist, wenn ich mir ein Mischpult einsparen will. Wäre doch zu schön gewesen, ein Soundupdate für meine 2 L1 + Platz & Gewichtsersparnis mit einem Gerät zu bekommen.

        • Profilbild
          Armin Bauer  RED

          Zudem darfst du nicht die Line Inputs benutzen, da diese weder Klangregelung, Effekte oder Aux-Wege ansteuern können.

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