Pimp Your DAW - Analog vs. Plug-in feat. FreqPort FreqInOut
Das Boss Effects Plug-in nimmt den Kampf gegen seine eigenen Vorbilder auf, schlägt sich dabei verdammt gut und bietet gegenüber den analogen Pedalen sogar Vorteile! Wir spielen heute Schiedsrichter.
- Was ist es? Eine hochwertige Plug-in-Version klassischer Boss-Effektpedale, die originalgetreu klingt, moderne Features bietet und über die Roland Cloud genutzt wird.
- Authentischer Sound: Die digitalen Repliken klingen erstaunlich nah an den analogen Originalen und liefern Top-Ergebnisse.
- Moderne Features: Funktionen wie Stereo-, Dual-Mono-Betrieb, Presets und Automation heben das Plug-in über Hardware hinaus.
- Intuitive Bedienung: Das vertraute Pedaldesign sorgt für eine einfache und effektive Nutzung in der DAW.
- Preislich kritisch: Die Abo-Pflicht mit 19,99 USD/Monat ist für Einzelanwender zu hoch – eine Kaufoption fehlt bisher.
- Vielseitige Auswahl: Acht kultige Pedale, darunter seltene Effekte wie Slow Gear und Spectrum, decken ein breites Klangspektrum ab.
Inhaltsverzeichnis
Boss Effektpedale – ein paar Mythen
Die nächste Fußball-WM ist noch fern und bevor wir alle wieder zu Bundestrainern mutieren dürfen, gehen wir die Sache etwas entspannter an und werden vorerst zum Schiedsrichter. Im direkten Duell treten an: das nagelneue Boss Effects Plug-in und zwei Legenden des guten Tons, die sich auf zahllosen Pedalboards der Welt befunden haben und noch immer befinden. Ladies und Gentlemen, die orange-gelbe Macht aus dem fernen Osten, die heimlichen Stars des verzerrten Tons: Boss DS-1 und SD-1. Natürlich werde ich euch die anderen Pedale des Boss Effects Plug-in nicht ersparen, denn da ist heißes Zeug dabei!
Glaubt man den Mythen, die sich um die alten Boss-Pedale ranken, wäre wohl kaum ein Album der Rockgeschichte ohne diese Pedale entstanden. Fakt ist, dass einige der Pedale tatsächlich maßgeblich den Sound ihrer Benutzer mitgeprägt haben. Kurt Cobain beispielsweise war zunächst DS-1-User, bei späteren Auftritten allerdings nie ohne seinen Turbo Distortion DS-2 auf der Bühne, Steve Rothery von Marillion hat seinen Trademark-Sound mit einem modifizierten DS-1 geschaffen („Nothing beats a Roland JC-120 for the clean sounds or the solo sound I get with a Boss Analogman-modded DS-1 distortion.“).
Zu den bekanntesten Nutzern gehören oder gehörten noch Steve Vai, Billie Joe Armstrong, Eddie Van Halen, Zakk Wylde und Mark Knopfler. Auch John 5 und Richie Sambora setzen auf Boss-Pedale. Aber wie auch immer all diese Koryphäen ihren Sound erzeugt haben, lasst euch sagen und seid sicher: 99 % des Sounds kommen aus den Fingern, Pedale, Gitarren und Verstärker sind immer nur Mittel zum Zweck und die Werbung hat einfach verdammt viel Einfluss.
Boss Effects Plug-in – ein paar Fakten
Bevor wir zur alles entscheidenden Schlacht übergehen, ein paar Facts und Audiobeispiele zum neuen Boss Effects Plug-in. Das bietet nämlich deutlich mehr als die oben genannten Klassiker der Verzerrungskultur.
Insgesamt acht Pedale bietet das Boss Effects Plug-in derzeit, deren Auswahl nicht zufällig getroffen worden sein dürfte. Ganz im Gegenteil. Neben den drei Verzerrern, die allesamt Kultstatus genießen, finden wir im Modulationsbereich noch den Phaser PH-1 und unter der Überschrift „Others“ den Compressor CS-1, das Touch Wah TW-1 und die beiden legendären Pedale Slow Gear SG-1 und Spectrum SP-1. Teilweise ist es schwierig, die Originale auf dem Gebrauchtmarkt zu finden, insbesondere Spectrum und Slow Gear sind kaum zu vertretbaren Konditionen zu bekommen.
Die meisten dieser Pedale muss man nicht mehr vorstellen, was diese Treter können, ist bekannt, beliebt und klingt gut. Aber gerade die beiden Letztgenannten sind mächtige Werkzeuge für einen individuellen Sound. Slow Gear ist ein Swell-Effekt, der mit zwei Reglern (Sens und Attack) auskommt und das Gitarrensignal erst nach dem Anschlag einblendet. Spectrum ist ein Equalizer mit einer fest einstellbaren Frequenz, mit deren Hilfe man etwa ein feststehendes Wah Wah-Pedal simulieren kann. Alles kein Hexenwerk, aber eben sehr beliebt und deshalb auch in gebrauchtem Zustand recht kostspielig.

Das gewohnte Design der Pedale macht die Bedienung des Boss Effects Plug-ins intuitiv. Pic: Roland/Boss
Nun ja, jetzt gibt’s ja Abhilfe. Das Boss Effects Plug-in ist nämlich, und das ist die gute Nachricht, kostenlos, wenn man – und das ist direkt die schlechte Nachricht – ein Roland-Cloud-Abo abschließt. Und zwar in der Ultimate-Version, was mit 19,99 USD monatlich zu Buche schlägt. Will man das Boss Effects Plug-in also über einen längeren Zeitraum nutzen, kann das schnell recht teuer werden. Eine Möglichkeit, für die Software einen Lifetime-Key zu kaufen, gibt es bislang nicht. Ich hoffe, dass Roland da schnell ein Angebot macht, wie es bei der Software des Roland JC-120 auch der Fall ist. Diese kann nämlich für 199 USD auf Lebenszeit freigeschaltet werden.
Die Installation der Software erfolgt über den Browser der Roland Cloud und bereitet keinerlei Probleme. Nach einem Neustart der DAW ist die Roland Cloud mit allen installierten Erweiterungen im Insert der DAW (in meinem Fall Logic Pro) zu finden und kann verwendet werden.
Technische Unterschiede zu den analogen Pedalen
Klar, die Pedale sind aus Metall und Elektronik zusammengesetzt, die Software aus Bits und Bytes. Und sonst noch? Hier ein paar Punkte, die in der Software, aber nicht in den Pedalen zu finden sind:
- Stereobetrieb
- Dual-Mono-Betrieb
- Automationsfähigkeit der Parameter
- speicherbare Presets
- Tempo-Sync bei zeitbasierten Effekten
- Mid/Side-Processing möglich
Mid/Side-Processing ist eine Technik, die ein Stereo-Signal in zwei Komponenten aufteilt: Mitte und Seite. Dabei werden die Informationen, die für die räumliche Darstellung und Stereobreite des Signals verantwortlich sind, auf die Seitenkomponenten übertragen, während die Mittelkomponente den monophonen Anteil des Signals enthält. Diese Technik wird häufig verwendet, um bestimmte Bereiche des Signals präziser bearbeiten zu können, beispielsweise um die Stereobreite zu optimieren, die Monokompatibilität zu verbessern oder die räumliche Wahrnehmung zu beeinflussen.
Der Sound des Roland/Boss-Plug-ins
Okay, kurze Verwirrung: Das Plug-in wird unter dem Label Roland angeboten, nicht unter dem Markennamen Boss. Das ist uns eigentlich völlig egal, aber wenn man die Software sucht, dann sollte man eben nicht die Seite von Boss aufrufen, sondern bei Roland und dann die Roland Cloud aufsuchen.
Um die acht Pedale zu demonstrieren, lade ich ein paar von mir oft genutzte Plug-ins und deaktiviere deren Vorschaltpedale. Zum Einsatz kommen hier die Neural DSP Morgan Software, Scuffham Amps S-Gear und Amplitube 5. Als kleinen Vorgeschmack auf einen zukünftigen Test kommt auch das JC-120-Plug-in von Roland zum Einsatz.
Die Pedale nutze ich mit den Werks-Presets. Die Namen der Audiofiles geben Auskunft über das Preset, die Pedale sind alle vor den Amps platziert. Ich kann bei keinem der virtuellen Pedale einen Schwachpunkt ausmachen, vor allem die seltenen und gesuchten Pedale Slow Gear und Spectrum machen richtig Spaß!
Die analogen Pedale im Freqport Loop
Das Freqport FreqInOut habe ich in einem gesonderten Testbericht besprochen, deshalb hier nur ein paar Facts: Beim FreqInOut handelt es sich kurz gesagt um eine Patchbay, die es ermöglicht, analoge Pedale wie ein Plug-in in einer DAW zu nutzen. Die Boss-Pedale werden also, genau wie in der rein digitalen Lösung eben, einfach innerhalb einer Spur im Insert vor der Amp-Simulation eingesetzt. Und siehe da: Pedale und Boss Effects Plug-in klingen verdammt ähnlich. Hier hat Boss also bei der digitalen Nachbildung wirklich ganze Arbeit geleistet.
Das Boss-Distortion-Pedal DS-1 klingt in der analogen Variante etwas luftiger, während das Plug-in anscheinend mehr komprimiert. Die Einstellungen beider Pedale sind selbstverständlich exakt gleich. Beim DS-1 kommt das Preset „Low Gain Dist“ zum Einsatz und wird am realen Pedal nachgebildet, während beim SD-1 das Preset „Hi Gain Super OD“ werkelt. Beim SD-1 ist der Unterschied gravierender, beide Sounds bilden aber den sehr offenen Charakter des SD-1 gut ab.

































Interessant! Danke für diesen Artikel mit aussagekräftigem Vergleich!
Bei Scuffham fühle ich mich gut aufgehoben…
Wie kann am Rechner der offene und luftige Klang der analogen Pedale virtuell erreicht werden?
Da wird es eng für die Analogen Pedale, wenn wir eine Digitalschaltung am Körper tragen, um die Plugins ständig an der Gitarren-Hand zu haben! 🤪👍
@CDRowell Ich empfehle Bauchgurt und Laptop 😜
@Jan Steiger 🤣👍
@CDRowell 👍 Die Frage war eher rhetorisch, da ich nicht so wirklich warm werde, mit den Klängen der Plugins werde ich nach Antestung in der Cloud nicht wirklich warm…😇
Ich bezweifle, dass die 1/2 so gut klingen… Sorry!
Folge dem Geld und Du erkennst die Welt! 😍
Leider klingen die guten Teile nicht wirklich wie das Original, auch bei Scuffham ist nihct alles Gold was glänzt, jedoch mit ein bisserl Dazutun (Optimierung für den Song) hören 90% der Zuhörer sicher NICHT, ob virtuelle oder digitale Effekte genutzt wurden…😙 😚 😗