Test: BOSS MD-500, Effektgerät

20. Oktober 2017

Modulationen ohne Limit!

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Das Boss MD-500 erblickte im Sommer 2017 das Licht der Welt. Es ist ein Modulationspedal, prall gefüllt mit einem Dutzend verschiedener Modulationseffekte. Diese orientieren sich klanglich an den allseits bekannten und bewährten BOSS Klassikern, die man seit den 70er Jahren einzeln käuflich erwerben kann. Jeweils zwei Effekte sind bei Bedarf gleichzeitig nutzbar, selbstverständlich in Stereo. Mehr gleichzeitige Modulation auf einmal wäre auch überflüssig. Natürlich lassen sich die editierten Programme auch (auf 297 Speicherplätzen) abspeichern und bei Bedarf auch via MIDI abrufen bzw. kontrollieren. In einen internen Loop kann man den eigenen Effekt der Wahl einbauen, welcher vor, hinter oder auch zwischen die beiden aktiven Effekte des MD-500 positioniert werden kann. Damit sollten zunächst einmal alle Bedürfnisse befriedigt sein.

— Das BOSS MD-500 —

Das BOSS MD-500 hat das gleiche Format wie die Kollegen RV-500 bzw. DD-500 aus gleichem Hause. Diese Reihe von BOSS Effektgeräten, die sich auf eine Effektgattung spezialisiert, konkurriert mit den Pedalen von Herstellern wie beispielsweise Eventide und Strymon. Das gleiche Konzept war auch bereits schon seit langer Zeit vom Hersteller Line6 zu sehen.

Die Bedienung ist absolut intuitiv, die wichtigsten Parameter sind sekundenschnell zu erreichen. Wer darüber hinaus noch tiefer in das Editieren eintauchen möchte, dem stehen im Edit-Mode noch genügend weitere Parameter zur Bearbeitung bereit. Diese kann auch bequem vom Computer aus via die eingebaute USB-Schnittstelle und dem kostenlosen Editorprogramm erfolgen. Wir sind gespannt, was das Pedal auszeichnet und wie es sich von der Konkurrenz absetzt.

Facts & Features

Das Pedal bringt das Gewicht von knapp 1 kg auf die Waage und ist mit seinen Abmessungen von 170 x 138 x 62 mm etwa so groß wie zwei nebeneinander verkabelte Einzeleffekte der Firma BOSS.

Es simuliert 12 klassische Modulationseffekte, darunter natürlich auch Phaser, Tremolo, Vibe, Rotary, Flanger etc., aber auch etwas ausgefallene Effekte wie z.B. Slicer, Ring Mod und Filter. Mit Letzterem ließe sich über ein Expressionpedal die Funktion eines Wah-Wahs übernehmen. Natürlich könnte dieses Pedal dann auch die Geschwindigkeit der Modulation bzw. jeden anderen Parameter fernsteuern.

Das MD-500 orientiert sich optisch an einigen Kollegen aus eigenem Hause (RV-500,  DD-500). Seine Behausung ist ein relativ schlichtes Stahlblechgehäuse in Metallicblau. Die Farbe Blau wird gerne mit Modulationseffekten in Verbindung gebracht. Wir kennen dies z.B. von dem Modulationspedal des Herstellers Hersteller Line6. Die Optik ist bekanntermaßen, wie meist bei japanischen Geräten üblich, relativ sachlich. Der bei manchem amerikanischen Boutiquepedal aufkommende Sex-Appeal (Strymon, Eventide) bringt das Boss MD-500 nach meinem Empfinden nicht wirklich an den Start, aber auch das obliegt dem Urteil des Betrachters.

— Ein Dutzend Modulationseffekte bei verhältnismäßig geringem Platzbedarf —

Drei Fußtaster sind vorne auf einer schrägen Fläche angebracht. Diese haben den idealen Abstand, sodass sowohl ein Treten eines Tasters genauso fehlerfrei funktioniert, wie das gleichzeitige Betätigen zweier nebeneinander liegender Taster. Durch die Abschrägung des Fußtasterbereichs wird auch eine Beeinflussung der anderen Bedienelemente durch den Fuß vermieden.

Das Pedal lässt sich auf Wunsch mit True-Bypass betreiben, ermöglicht jedoch auch ein Aktivieren des internen Buffers. Das MD-500 besitzt einen „Simul“-Modus, in dem zwei Effekte gleichzeitig genutzt werden können und eine „Insert Loop“-Funktion, mit der ein externes Effektgerät eingebunden werden kann. Ein großes Übersichtliches LC-Display macht auch visuell Veränderungen der Parameter augenblicklich sichtbar. Satte 297 Speicherplätze stehen zur Ablage der eigenen bzw. Werksklänge bereit.

— Übersicht der 12 Effekte —

Bedienelemente

Das BOSS MD-500 verfügt über drei große Fußtaster, die die Umschaltung leise und knackfrei per Relais besorgen. Zwei von ihnen erledigen die Umschaltung bzw. Aktivierung eines Effekts. Der rechte Taster dient zum Tappen des Tempos der Modulation.

Vier kleine schwarze Schalter ( Up – Down – Exit – Edit) gestatten die Navigation in den Presets. Links neben dem Display wird an einem Endlosdrehrädchen (Mode) zwischen den 12 verfügbaren Effekttypen ausgewählt. Die fünf schwarzen Regler auf der rechten Seite (Rate/Value, Depth, E.Level, Param 1 und Param 2 ermöglichen ein schnelles Editieren der Programme.

— Schneller Zugriff auf die wichtigsten Parameter —

Anschlüsse

Das MD-500 bietet 6,3-mm-Klinkenbuchsen, jeweils zwei für Ein- und Ausgänge, ist also bei Bedarf auch voll stereo zu betreiben. Des Weiteren haben wir eine Schnittstelle für ein Expressionpedal bzw. einen Fußschalter, MIDI-In und MIDI-Out. Ein USB-Anschluss ermöglicht die Kommunikation zwischen Pedal und einem Computer. Die kostenlose Editorsoftware ist sowohl für Mac als auch PC erhältlich.

Natürlich finden wir auch einen 9-Volt-Netzteilanschluss (Koaxialbuchse 5,5 x 2,1 mm – Minuspol innen). Das Pedal ist stromhungrig (Stromverbrauch vom Hersteller mit 255 mA angegeben), deswegen ist ein Betrieb mit Batterien nicht zu empfehlen. Wer das dennoch tun möchte, benötigt vier Exemplare einer Batterie des Typs AA. Ein Netzteil befand sich leider nicht im Lieferumfang.

In der Praxis mit dem Boss MD-500

Die Bedienung gestaltet sich außerordentlich intuitiv. Möchte man in das gerade aktive Preset eingreifen, bedient man sich einfach der vier Drehknöpfe, die für die wichtigsten Parameter verantwortlich zeichnen. Kurz einstellen und abspeichern, fertig.

Eine Bank besteht lediglich aus zwei Sounds, vorausgesetzt, man nutzt den rechten Taster als Tap-Tempo-Funktion (NORMAL-Modus). Diese Einstellung halte ich im Livebetrieb für am geeignetsten. Aber auch eine andere Aufgabe kann dem rechten Taster (C) zugewiesen werden, wenn dies gewünscht wird. Hier kann man sehen, welche Optionen zur Verfügung stehen.

— Anpassen der Fußtasterbelegung —

Das Umschalten der  Bank wird durch Betätigen zweier Fußtaster gleichzeitig erwirkt (Bank abwärts A+B bzw. B+C Bank aufwärts)

Sound

Die eingespeicherten Werksklänge sind mit großer Sachkenntnis programmiert worden. Man findet sofort viele schöne Klänge, die kein weiteres Editieren erfordern. Ich war besonders gespannt, wie die Emulation des CE-1 Chorus Ensembles ausfallen würde, da ich selbst eines besitze. Im direkten Vergleich kommt der Chorus des MD-500, insbesondere in puncto Wärme und Lebendigkeit an den Originalsound nicht vollständig heran. Dafür ist der Klang des Pedals aber auch rauschfrei. Hier kann man den Chorus hören:

Der Phaser kann mit dem (wahrscheinlich als Vorbild herangezogenen) BOSS Phase 90 Pedal klanglich voll mithalten, auch hier erfreulicherweise ohne vernehmbares Rauschen.

Auch das Tremolo klingt sehr schön und authentisch.

Der Vibratoeffekt kann gleichfalls überzeugen:

Der Slicer arbeitet ähnlich dem Tremolo jedoch mit einer Rechteckschwingung. Er schaltet das eingehende Signal im gewünschten Rhythmus praktisch nur an und aus.

Hier auch eine Kostprobe des Rotary-Effekts:

Zum Klang des MD-500 kann man grundsätzlich sagen, dass dieser hochklassig ist. Wenn man aber auch die Originale kennt bzw. im direkten Vergleich hört, stellt man fest, dass die analogen Teile einfach ein wenig lebendiger klingen. Das ist natürlich nichts Neues, da beim Wandeln des analogen Gitarrensignals, welches zweifellos bei der Verwendung eines digitalen (Multi-) Effektgerätes erfolgt, meist etwas verloren geht. Da man mit dem MD-500 auch auf die komplette Speicherbarkeit von 297 Presets erwirbt, mit MIDI belohnt wird und auch vom einfachen Editieren per Editorsoftware profitiert, ist die Anschaffung des MD-500 sicherlich lohnenswert.

Software

Über einen USB-Anschluss kann das BOSS MD-500 mit einem Computer verbunden und über das entsprechende Editor-Programm bequem programmiert werden. Das kostenlose Editor-Software ist für PC wie auch Mac erhältlich. Die Software sowie der dafür notwendige Treiber kann auf der Website des Herstellers heruntergeladen werden.

— MD-500 Editor für PC und Mac zum bequemen Einstellen via Comuter —

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment erstellt:

Stratocaster – BOSS MD-500 – Orange Tiny Terror Head, Clean, keine weiteren Effekte – Mesa Boogie 1×12″ Box, halboffen – Shure SM 57 – Apogee Duett – Mac mit Logic.

Fazit

Sicherlich ist es komfortabel, sämtliche Modulationseffekte abrufbereit in einer relativ kleinen Kiste zu haben. Die Idee ist nicht neu. Das BOSS-MD-500 simuliert die analogen Effektklassiker aus eigenem Hause auf hohem Niveau. Kaufte man sich die Treter einzeln, würde man deutlich mehr Geld als beim Erwerb des MD-500 los, abgesehen davon, dass man deutlich mehr Platz auf dem Pedalboard benötigt. Ist man alt genug, die Vintage Originaltreter noch persönlich zu kennen, kann man im direkten Vergleich feststellen, dass die analog aufgebauten Originale teilweise wärmer, aber auch deutlich rauschintensiver klingen. Ein digitales Gerät birgt natürlich auch enorme Vorteile durch die Nutzung von enorm vielen Speicherplätzen, MIDI, USB-Anschluss bzw. einfacher Programmierbarkeit mittels des dazugehörigen Editorprogramms. Angenehm ist z.B. auch das Steuern der gewünschten Parameter mithilfe eines Expressionpedals. So kann man den Filter als Wah-Wah nutzen und mehr Leben in das eigene Spiel bringen, indem man die Geschwindigkeit der Modulation mit dem Fuß beliebig beeinflusst und dies nicht permanent einem LFO überlassen muss.

Wer gerne vielfältig Modulationseffekte nutzt, sollte das MD-500 unbedingt antesten, da es durch den guten Klang, seine Kompaktheit und die einfache Bedienbarkeit überzeugen kann. Feine Unterschiede sind im Vergleich mit den Originalen hörbar, halten sich jedoch absolut in Grenzen. Man muss dem MD-500 eine gelungene Reproduktion der Vintage-Pedale attestieren.

Plus

  • Klangqualität
  • Verarbeitung
  • Flexibilität
  • intuitive Bedienung
  • Expressionpedalanschluß
  • ausreichend Speicherplätze
  • bei Bedarf auch zwei Effekte gleichzeitig nutzbar
  • MIDI
  • USB
  • Editorsoftware

Preis

  • Ladenpreis: 350,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Numitron  

    Hallo!

    Das phase 90 ist von mxr nicht von boss.
    (Anmerkung Redaktion: Link wurde gelöscht. Bitte Link-Shortener verwenden)

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Hallo Numitron,
      stimmt, da hast Du natürlich recht. Das Phase 90 ist natürlich von MXR.
      Für mich der Maßstab, wenn es um analoge Phaser geht, deswegen habe ich es auch als Maßstab genommen,

      Gruß,

      Johannes

  2. Profilbild
    mar beso 1

    Hallo Johannes,
    danke für den Test. Weißt du ob eine VST-Einbindung in bekannte DAW´s geplant ist? Und wie siehst du den Preis/Leistungsvergleich zum Eventide H9 Max mit 45 Algorithmen?

    Danke dir.

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Hallo mar beso,
      ob eine VST Einbindung geplant ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis.
      Das H9 ist deutlich kostenintensiver, qualitativ sicherlich sehr hochwertig und bietet ja auch noch Reverb und Delay. Da fällt ein Ratschlag aus der Ferne nicht leicht, da ich Deine persönlichen Bedürfnisse nicht genau kenne. Besser Du probierst beide einfach in Ruhe parallel aus, dann weißt Du mehr.

      Gruß,

      Johannes

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