Test: BOSS OC-5, Effektgerät für E-Gitarre

17. November 2020

Weiterentwicklung des Klassikers

Test Boss Octave OC-5 Octaver Pedal

Die Meisten unter euch kennen sicherlich noch den Klassiker OC-2, der seit Jahrzehnten die Wahl vieler Profis ist. Dieser bekannte Klassiker unter den Oktav-Pedalen (oder auch der OC-3) erhielten nun ein Upgrade mit einer neuen Funktion. Die Tracking-Technologie wurde ebenfalls weiterentwickelt, um eine präzisere Ansprache und ein natürliches Spielgefühl ohne Latenz zu ermöglichen. Das Pedal bietet zwei Modi. Der Vintage-Modus ist eine präzise Nachbildung des legendären OC-2 Mono-Pedals aus dem Jahr 1982. Im polyphonen Modus zeigt sich der OC-5 nun mit einigen Verbesserungen und erweitertem Tonumfang. Von satten, tiefen Mono-Sounds bis zu oktavierten Akkorden und mehr. Das entscheidende neue Ausstattungsmerkmal ist die Möglichkeit, das Signal nun auch zusätzlich mit einer Oktave nach oben anzureichern. Der Range-Regler, der den Tonumfang, indem die Noten im Poly-Mode oktaviert werden, einschränkt, sodass beispielsweise nur der Grundton eines Akkords bzw. die tiefste angeschlagene Note des Akkords oktaviert wird, war bereits auch in das Vorgängermodell OC-3 integriert.

BOSS OC-5 – Facts & Features

Natürlich besitzt der OC-5 die allseits bekannte BOSS Optik und die üblichen Maße von 73 x 129 x 59 mm (BxTxH). Die Farbe Braun war schon immer dem Oktaver vorbehalten, auch daran hat sich nichts geändert. Möchte man das Originalsignal unabhängig abgreifen (einem zweiten Amp in einem Wet/Dry-System zuführen etc. bzw. separat bearbeiten), steht hierfür auch ein zweiter Klinkenausgang bereit. Die Stromversorgung kann wahlweise über eine 9 Volt Batterie oder 9 V Gleichspannungsnetzteil erfolgen. Ein Netzteil ist nicht im Lieferumfang enthalten, meist wird das Pedal sowieso auf einem Board platziert. Der BOSS OC-5 kann in zwei verschiedenen Modi betrieben werden:

Der Vintage-Modus ist eine Nachbildung des originalen OC-2 und arbeitet ausschließlich in Mono. Neu ist die Möglichkeit der Aufwärtsoktavierung (+1 OCT), die unabhängig dem trockenen Signal hinzugemischt werden kann.

Der polyphone Modus kann auch mehrstimmige Signale verarbeiten. Die Lautstärken beider hinzugefügten Oktaven lassen sich unabhängig mit den +1 OCT bzw. -1 OCT-Reglern einstellen. Der Range-Regler bestimmt den Wirkungsbereich des Effekts. Mit der Einstellung „Lowest Range“ wirkt der Oktav-Effekt nur auf die tiefste Note eines Akkords, drehen wir ihn weiter auf, erweitert sich der tonale Bereich, in dem die gespielten Noten mit dem Effekt versehen werden.

BOSS OC-5 schräg

Vertrautes Erscheinungsbild mit neuen Features

Octaver- und Synthie-Sounds mit dem Boss OC-5

Der BOSS OC-5 besitzt vier Regler. Der linke Regler (Direct Level) bestimmt die Lautstärke des Direktsignals, was meist bedeutet, dass der Regler voll aufgedreht bleibt. Möchte man mit einer Gitarre einen Bass simulieren, würde man diesen Regler auf Linksanschlag drehen, um ausschließlich das Effektsignal zu hören. Mit den beiden mittleren Reglern kann man dem Originalsignal jeweils eine Oktave nach unten bzw. nun auch eine Oktave nach oben unabhängig und stufenlos hinzumischen. Stehen diese Regler auf der Mitte, ist das Effektsignal ungefähr gleich laut wie das Originalsignal. Dreht man die Oktavregler weiter auf, wird dem Sound etwas „Schmutz“ hinzugefügt.

Ein kleiner Schiebeschalter am Frontpanel bestimmt den Modus, in dem der Effekt betrieben wird.
Der kleine Schiebeschalter an der Stirnseite erlaubt die Wahl zwischen Gitarre und Bass.

Vintage Mode

Steht der kleine Schiebeschalter in Stellung Vintage Mode, erhalten wir vergleichsweise mit dem klassischen Vorbild, flexiblere Möglichkeiten.

Dem Originalsignal kann jeweils eine Oktave nach unten und bei Bedarf auch nun eine Oktave nach oben stufenlos hinzugemischt werden. Natürlich ist es auch möglich, das Originalsignal ganz aus dem Signal zu nehmen, um mit einer Gitarre beispielsweise einen Bass zu simulieren.

Poly-Mode

Der Poly-Mode erlaubt es, auch mehrstimmige Signale zu oktavieren. In diesem Mode steht ein weiteres intelligentes Feature zur Verfügung. Man kann das Originalsignal zunächst mit der gewünschten Oktavierung versehen, aber den tonalen Bereich, in dem die Effektsignale hörbar sind, einschränken. Dies hat den Vorteil, keinen Klangmatsch zu produzieren und den Sound so zu gestalten, dass beispielsweise nur die tiefen Töne eines Akkords oder Riffs beeinflusst werden.

BOSS OC-5 Stirn

An der Stirnseite kann man mittels eines kleinen Schiebeschalters wählen, ob man den Effekt mit einer Gitarre oder einem Bass betreibt.

Der Sound des BOSS OC-5 Octaver-Effektpedals

Der OC-5 „trackt“ erfreulicherweise sehr schnell, es sind keine spürbaren Latenzen festzustellen, man hat das Gefühl, dass das Signal genau in der Millisekunde erklingt, in der man die Saiten anschlägt. Hören wir uns zunächst einmal an, wenn ein Bass-Sound mit einer Gitarre simuliert werden soll. Dabei steht der Direct-Regler am Linksanschlag, wir wollen in diesem Falle ja lediglich einen Bass-Sound hören und die Gitarre (das Originalsignal) ausblenden.

Wir hören zunächst ein Riff im Vintage-Mode, der direkte Klanganteil wurde vollständig zurückgedreht, wir hören also nur das Effektsignal (-1 OCT.), um den Klang eines Basses zu simulieren:

Der Sound ähnelt mehr einen Guitar/Bass-Synthesizer als einem realen Bass, was ich mir persönlich anders gewünscht hätte.

Schrauben wir uns, abgesehen vom Direktsignal, auch die zweite Oktaven hinzu, könnte das so klingen (der Effekt wird erst nach einem Takt aktiviert, um einen klanglichen Vergleich zu haben):

Hier hören wir den Poly-Mode mit einer Oktave nach unten (-1 OCT) angereichert:

Kommen wir zu den verzerrten Sounds mit aktiviertem Poly-Mode. Hierfür wurde der zweite Kanal meines Peavey Classics aktiviert, der hier eine moderate Verzerrung erzeugt. Im ersten Klangbeispiel ist der Range-Regler voll aufgedreht, es werden also sämtliche Noten mit einer Oktave nach oben (und unten) angereichert.

Jetzt kommt der Range-Regler ins Spiel. Drehen wir diesen auf ca. 9 h, werden nur die Töne der tiefen Saiten (E und A) mit dem Effektsignal angereichert, die höheren Bereiche bleiben jedoch unbeeinflusst, was das Spiel in den höheren Lagen durchsichtiger und unten „fetter macht“. Der Bereich, in dem der Effekt aktiv ist, ist mit dem Range-Regler stufenlos einstellbar, womit sich genau bestimmen lässt, „wo dieser gerade noch greift“ bzw. welche der tiefen Noten oktaviert werden sollen.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

PRS Custom 24 – BOSS OC-5 – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

Fazit

Der BOSS OC-5 macht einen guten Job und ist aufgrund des „Upgrades“ klanglich flexibler als die Vorgängermodelle. Erfreulich sind das schnelle Tracking und der Range-Regler, der eine optimale Anpassung an das „Gespielte“ erlaubt. Der beste BOSS-Oktaver, den es bislang gibt, da er einerseits die klassischen Sounds reproduziert, aber auch mit einem neuen Feature (+1 OCT) ausgestattet wurde, das nun auch eine Transposition um eine  Oktave nach oben erlaubt.

Plus

  • Sound
  • superschnelles Tracking
  • Range-Regler zum Limitieren des Tonumfangs des Effektsignals
  • nun auch +1 OCT verfügbar

Minus

  • Bass-Simulation mit Gitarre klingt eher nach Synthie als nach realem Bass

Preis

  • 134,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Winnie the Pooh  

    Wenn der Range-Regler ganz auf Linksanschlag steht, dann ist der Range-Mode ein anderer als im sonstigen Regelbereich. Während der Range-Regler normalerweise einen Frequenzbereich definiert, ab dem die Suboktave langsam hinzukommt, ist es bei Linksanschlag immer die tiefste Saite und zwar egal in welchem Frequenzbereich die angesiedelt ist. Dieses Feature hätte mich in Bezug auf seine Praxistauglichkeit ganz besonders interessiert und wäre auch ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, falls es zuverlässig funktioniert.
    Eine aus meiner Sicht ärgerliche Einschränkung ist, dass die Belegung des Direct-Outs das Dry-Signal im Mix deaktiviert.

  2. Profilbild
    Sevenofnine

    Ich hatte den Vorgänger lange Zeit auf dem Board und war immer sehr zufrieden. Ist dann leider verloren gegangen. Ich werde das Upgrade mal antesten.

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