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Test: Boss RC-202, Loop-Station

15. Januar 2017

Loop-Station im Gleichtakt

Loop-Stations sind schon seit einigen Jahren vor allem bei Gitarristen sehr beliebt. Ermöglichen sie es doch, die Backing-Band zu Hause zu lassen, ohne auf eine Begleitung verzichten zu müssen. Wie ist das möglich? Ganz einfach, man begleitet sich einfach selbst. Die Loop-Station ist dabei die Schaltzentrale, denn mit ihr lassen sich mehrtaktige Musikschnipsel aufzeichnen und danach verzögerungsfrei wiedergeben. Genau solch ein Looper ist der Boss RC-202. Ob der Loop-Neuling etwas taugt, wird der nun folgende Testbericht zeigen.

Loop-Multitalent - Boss RC-202

Loop-Multitalent – Boss RC-202

Gemeinsam ist den meisten Loopern, dass sich mit ihnen fast unendlich viele Loops auf einer Spur übereinander schichten lassen. Auch als Ein-Mann-Band lassen sich auf diese Weise eindrucksvolle Klanglandschaften und ganze Lieder erstellen. Möchte man jedoch mehrere Spuren, einen Mikrofoneingang und MIDI-Synchronisation, dann landet man momentan unweigerlich bei einem Gerät der Firma Boss. Die Tochterfirma von Roland spielt im Markt der Loop-Stations seit jeher eine gewichtige Rolle und hat bisher vor allem die Gitarristen mit entsprechenden Bodentretern versorgt. Mit dem Boss RC-505 kam vor ein paar Jahren erstmals eine Desktop-Loop-Station auf den Markt. Nun hat Boss die Zweikanal-Version RC-202 des Tisch-Loopers auf den Markt gebracht, um gezielt DJs, Sänger und Beatboxer mit geringerem Budget anzusprechen.

Features

Der Boss RC-202 ist eine Zweikanal-Loop-Station, was bedeutet, dass sie über zwei separate Aufnahmekanäle verfügt. Die maximale Aufnahmezeit beträgt laut Datenblatt ca. 3 Stunden (stereo). Aufgenommen wird im WAV-Format bei einer Abtastrate von 44,1 kHz in 16 Bit. Das mag zwar nicht aktueller Studiostandard sein, aber immerhin CD-Qualität, was für den Zweck vollkommen ausreichen sollte.

Boss RC-202 von oben

Boss RC-202 von oben

Der Boss RC-202 besitzt einen XLR-Eingang zum Anschluss eines Mikrofons, wobei sogar an eine 48V-Phantomspeisung gedacht wurde, so dass der Nutzung von Kondensator-Mikrofonen nichts im Wege steht. Weiterhin gibt es einen Instrumenteneingang in Stereo, der eine Eingangsimpedanz von einem Megaohm besitzt. Das ist wichtig für den Anschluss von Gitarren, da diese bei zu geringer Impedanz schnell dumpf klingen. Als Drittes gibt es einen Aux-Eingang im Miniklinken-Format zum Anschluss von Zuspielern aller Art. Der Eingangspegel kann für alle Eingänge mit Ausnahme des Aux-In per Gain-Regler eingestellt werden. Ausgangsseitig gibt es einen Stereo-Out im Klinkenformat.

Boss RC-202 Rückansicht

Boss RC-202 Rückansicht

Bei Loop-Stations eher die Ausnahme ist die MIDI-Implementierung. Meine Online-Recherche bei einem großen deutschen Musikhaus hat sogar ergeben, dass momentan die einzigen Loop-Stations, die sowohl einen Mikrofoneingang als auch eine MIDI-Implementierung besitzen, die RC-Geräte von Boss sind.

Das Boss RC-202 ist da glücklicherweise keine Ausnahme und besitzt einen MIDI Ein- und Ausgang im DIN-Format. Zusätzlich gibt es einen USB-Anschluss. Über diesen können Audiodaten vom PC auf den RC-202 sowie zur Datensicherung vom RC-202 auf den PC übertragen werden. Zusätzlich gibt es MIDI über USB, so dass der Boss RC-202 ohne Umwege über eine DAW wie Cubase oder Logic Pro synchronisiert und teilweise auch gesteuert werden kann.

Der RC-202 kann sogar als Audiointerface herhalten, wobei klar sein sollte, dass er ein klassisches Audiointerface in Hinsicht auf den Funktionsumfang und die gebotene Audioqualität nicht ersetzen kann. Zu guter Letzt besitzt der Boss RC-202 einen Eingang für Fußschalter. Dort kann entweder ein Expression-Pedal oder ein Fußschalter mit bis zu zwei Kanälen angeschlossen werden. Die Zuweisungsmöglichkeiten sind dabei sehr vielfältig. So lässt sich z.B. die Aufnahme- und Wiedergabefunktion auf den Fußschalter legen. Erstens hat man dadurch die Hände frei und zweitens lässt sich das Gerät trotzdem in Handweite platzieren, was das zusätzliche Parameter-Geschraube vereinfacht.

Verarbeitung

Boss RC-202 - Plastik-Fantastik

Boss RC-202 – Plastik-Fantastik

Wer schon ein Bodeneffektgerät von Boss sein Eigen nennt oder die Loop-Station RC-300 für die Gitarrenfraktion kennt, der wird von der Plastik-Anmutung des RC-202 nicht begeistert sein. Boss-Effektgeräte sind ja im Allgemeinen für ihre Robustheit bekannt, das RC-202 fühlt sich dagegen an wie ein günstiges Einsteiger-Multieffektgerät für die Gitarre. Gegen die Taster und Regler ist im Allgemeinen nichts auszusetzen, aber das Gehäuse wirkt zu fragil. Man sollte es also vermeiden, das Gerät auf dem Bühnenboden mit den Füßen zu bedienen, auch wenn es prinzipiell möglich ist und ich es im heimischen Studio auch barfuß (!) erfolgreich getan habe.

Boss RC-202 als Bodentreter zweckentfremdet

Boss RC-202 als Bodentreter zweckentfremdet

Aufnahme läuft

Die grundlegende Bedienung ist recht simpel. Man steckt ein Mikrofon oder ein Instrument in den dafür vorgesehen Eingang, dreht den mit Mic-Level bezeichneten Gain-Regler soweit auf, bis die Peak-LED an den lautesten Stellen höchstens kurzzeitig gelb aufleuchtet und wählt dann einen leeren Phrasen-Speicher aus.

Es gibt insgesamt 8 Phrasenspeicher pro Bank und es gibt insgesamt 8 Bänke, was summa summarum 64 Phrasenspeicher ergibt. Pro Phrasenspeicher können die aufgenommenen Audiodaten beider Spuren gespeichert werden. Pro Bank können wiederum die Einstellungen der Effekte, des Begleitrhythmus, des Loop-Modus und der angeschlossenen Pedale gespeichert werden.

Ein Bankwechsel macht also ein Umschalten des Arbeitsmodus möglich. Zum Aufnehmen muss nun lediglich der große Play/Record-Knopf gedrückt werden, die Aufnahme beginnt unmittelbar mit dem Drücken. Die Aufnahme läuft, bis ein zweites Mal der Play/Record-Knopf gedrückt wird und wechselt mit dem Ende der Aufnahme direkt in den Abspielmodus. Der momentane Status wird mithilfe der Farbe des Knopfes signalisiert (Grün=Wiedergabe / Rot=Aufnahme / Gelb = Overdub / Unbeleuchtet=Stop).

Doppelter Spaß per Overdub

In den Overdub-Modus gelangt man, wenn auf einer Spur schon eine oder mehrere Aufnahmen gemacht wurden und man ein weiteres Mal darauf aufnimmt. Dabei gibt es auch eine Undo-Funktion, mit der man in Grenzen sogar vier Spuren verwalten kann, obwohl es eigentlich nur zwei Spuren gibt.

Hat man auf einer Spur nämlich einen Take aufgenommen und fügt per Overdub eine weitere Aufnahme hinzu, dann kann man über die Undo-Funktion nämlich die Overdub-Aufnahme aus der Spur entfernen, aber auch wieder hinzuschalten. Die Pegelverhältnisse müssen natürlich schon bei der Aufnahme stimmen, da sie nachträglich nicht mehr geändert werden können. Aufpassen muss man dann jedoch mit dem Play/Record-Knopf. Mehr als einmal habe ich diesen aus Versehen gedrückt, obwohl ich die Wiedergabe eigentlich stoppen wollte (blöde Angewohnheit). Damit wird aber eine weitere Overdub-Aufnahme gestartet und die ersten beiden Aufnahmen werden unwiederbringlich zusammengemischt, es sei denn, man hat vorher gespeichert.

Für die Overdub-Aufnahme kann man zwischen Overdub und Replace auswählen. Bei Letzterem wird die zweite Aufnahme nicht zur ersten hinzugemischt, sondern ersetzt. Auch für die Wiedergabe gibt es pro Spur mehrere Optionen. Die Spur kann nämlich entweder in einer Endlosschleife oder als sogenannter One-Shot abgespielt werden. Per One-Shot Funktion wird die Spur einmalig bis zum Ende abgespielt und stoppt danach. Zusätzlich kann eine Spur auch rückwärts abgespielt werden. Drückt man den Stop-Taster mindestens zwei Sekunden, dann wird der Inhalt der Spur gelöscht.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    lonelyulf

    Mich interessiert, ob Boss der Algorithmus zur Berechnung von time stretching gegenüber der RC-505 verbessert hat. Dort brechen die Spuren nämlich schon ab ca. 5bpm komplett auseinander.

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