Test: Brauner VMA, VMX, Valvet, VM1 S, Phantom Classic

Ohrenschmaus

Der Vergleich von Mikrofonen miteinander ist etwa genauso abwegig wie der von Klavieren mit Gitarren. Das Ergebnis einer Aufnahme hängt nicht nur von der Qualität des Mikrofons, sondern von einer komplexen Kette mit teilweise schwer vorhersehbaren Wechselwirkungen ab. So kann man möglicherweise mit einem minderwertigen Mikrofon und einem günstigen Vorverstärker Klänge einfangen, die Spaß machen, mit edelsten Teilen aber auch sehr unbefriedigende Ergebnisse bekommen. Je nachdem, wie gut die verwendeten Komponenten zusammenpassen oder eben nicht. Das gilt für Vorverstärker, Mikrofon, Kabel, Popfilter, Aufnahmeraum und vor allem natürlich den Musiker bzw. sein Instrument.

Somit musste ich für den anstehenden Test zunächst einen Vorverstärker wählen. Dabei entschied ich mich gegen meine Pre-Amps von Amek, Focusrite und Universal Audio für einen Prototypen meines befreundeten Elektronikgenies Oliver Könke, da sein Verstärker besonders neutral arbeitet.

Sicher ist das nicht für alle getesteten Mikrofone die beste Wahl, aber diejenige, die den fairsten Vergleich liefert.

Ich verwendete für alle Mikrofone das mitgelieferte Vovox Kabel und immer den gleichen AKG Popfilter.

Ich habe später den mitgelieferten VM1-Popfilter mit einem gewöhnlichen verglichen und war sehr überrascht, wie deutlich der Unterschied ausfällt. Auf jeden Fall sollte man den Einfluss des Popschutz auf die Transparenz nicht unterschätzen. Die Klangbeispiele beinhalten Gesang und Sprache. Ich entschied mich hierbei für eine tiefe Männerstimme, da so ein dichtes Obertonspektrum sichergestellt werden konnte, das in allen Frequenzbereichen Unterschiede hörbar macht. Alle Beispiele sind auf eine subjektiv gleiche Lautstärke gebracht. Die Auflösung, um welches Modell es sich handelt, kommt jeweils am Ende eines Beispiels, um ein un voreingenommenes Hören zu ermöglichen.

Ich habe zusätzlich Mikrofone, die vielen Amazona-Lesern möglicherweise vertraut sind, ins Testfeld aufgenommen, um eine bessere Vergleichsmöglichkeit zu bieten.

Unter anderem ein Neumann U87 und ein AKG C414, also zwei Klassiker im gehobenen Preissegment, ein Audiotechnika at 4033a und ein Rhöde NT2, als typische Mikrofone im „ambitionierten Homerecording“, sowie ein Rhöde Classic als Beispiel für ein Röhrenmikrofon, bei welchem eine den Brauner Mikrofonen sehr gegensätzliche Philosophie verfolgt wurde.

Nach dem Aufnehmen der Klangbeispiele habe ich die Mikrofone drei Wochen lang bei diversen Produktionen von hart bis zart zu schätzen gelernt.

 

In der Praxis

Alle getesteten Brauner Mikrofone bestechen durch ihren natürlichen Klang. Aufgrund des gewaltigen Schalldrucks, den sie verzerrungsfrei übertragen können, ist ihre Anwendung nicht nur auf die Aufnahme von Gesang beschränkt. Ohne hörbare Verzerrungen ließen sich auch laute E-Gitarren, Bässe und Bläser abnehmen. Ich habe das VM1 S in MS Anordnung als Ambience-Mikrofonie für Schlagzeugaufnahmen verwendet. Beim Mix gefiel mir dieses Signal so gut, dass ich auf die Overheads nahezu verzichtet habe.

Auch wenn alle Brauner Mikrofone sehr natürlich wirken, klingen sie nicht gleich:

Das VM1 klingt sehr ausgeglichen, aber dennoch nicht nüchtern. Rauschen und Verzerrungen sind wie bei allen Brauner Mikrofonen kein Thema. Ein edles Universalmikrofon, das sich mit EQ und Kompressor ausgesprochen gut in die unterschiedlichsten Richtungen bearbeiten lässt.

Dem VMX darf man schon eher einen eigenen Charakter vorwerfen als dem VM1. Allerdings nicht auf Kosten eines unausgeglichenen Frequenzgangs. Manchen Stimmen liefert es genau den richtigen Push, zu anderen mag es aber auch mal weniger passen. Insgesamt also etwas festgelegter als das VM1.

Das VMA soll in einer Stellung Klang nach Vorbild des VM1 liefern und in einer anderen nach dem des VMX. Beide Stellungen klingen hervorragend, dennoch treffen sie die Vorbilder nicht hundertprozentig.

Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Was Wilhelm hier super auf den Punkt bringt: Billige Kapseln haben viele Resonanzen, die erst beim "durchklingeln" des Frequenzbandes hörbar werden. Teurere Modelle der üblichen Verdächtigen haben weniger Resonanzen und wenn doch, sind diese weit weniger ausgeprägt.

    Dieser Punkt sollte bei Argumenten wie "ich zahl da nur den Namen" bedacht werden…

    Es gibt das Gerücht, dass Brauner seine Kondensatorfolien mit viel mehr Spannung in die Fassung einpasst als die Konkurrenz. Der höhere Ausschuss würde für die etwas höheren Preise mit verantwortlich sein. Ob das stimmt, weiss ich leider nicht.

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    Uh, anstrengende Soundbeispiele! Dem Test angemessen wäre vielleicht ein Sänger gewesen, der singen kann und der Sprache mächtig ist, in welcher er da zu singen versucht.

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    hallo Sabrina,
    es tut mir leid, wenn dir die Klangbeispiele nicht gefallen.
    Mir war es nur wichtig, eine Stimme zu haben, die die Unterschiede der Mikrfone deutlich hörbar macht.
    Darf ich deine Kritik als Bewerbung verstehen, beim nächsten test selbst ein paar Beispiele beizusteueren?
    Willi Dammeier

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    AMAZONA Archiv

    Uff. Aber holla!!
    Und überhaupt: Ein bißchen mehr Informationen hätte ich mir schon gewunschen, wenn man sich schon Mikrofone im Wert eines Mittelklasse-PKWs nach Hause schicken läßt.
    Und vielleicht ein paar selbstgemachte Fotos, auch von der Vocal-Session. Oder sieht der Sänger so aus wie er singt?

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    AMAZONA Archiv

    Super Test, aber das Brauner Classic als Sieger, dies kann ich nicht so sehen.
    Eher das Phanthera.
    Das VMA und das VMX klingen sehr gut aber um es kurz auf den Punkt zu bringen, sehe ich das Rode NT2 als Totalen Preis Leistungssieger.
    Es kann voll mit den Großen Brauner Classic und Neumann mithalten.
    Das AKG 414 habe ich aber besser in Erinnerung – schade, es ist eigentlich auch en gutes Mikrofon.

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      AMAZONA Archiv

      hallo wolfi,
      ich wollte nicht das Phantom Classic zum generellen Sieger küren, sondern lediglich für mein persönliches Anforderungsprofil.
      Charaktervolle Mikrofone habe ich schon genug in meiner Sammlung.
      Das NT 2 zählt auch zu meinen Lieblingsmikrofonen. Wenn du aber mal extrem den Präsenzbereich anhebst, wirst du dich wundern, wie viele Resonanzen und Verzerrungen hervortreten, die das Brauner nicht macht. Da hört man dann den berechtigten Preisunterschied.
      AKG C414 gibt es übrigens in sehr verschiedenen Versionen, mit und ohne Übertrager und mit verschiedenen Kapseln. Über die Jahre ist das C414 immer weiterentwickelt und verändert worden. Daher ist es möglich, daß du es anders in Erinnerung hast.

      mfg
      Willi Dammeier

  6. Profilbild
    SteffMan

    Also ich persönlich finde, dass des Sängers Stimme eigentlich nur beim VM1 nicht völlig trommelfellzerreisend klingt. Sieger: VM1, 2. VMX, 3. Panthera

  7. Profilbild
    ypsilio

    interessanter Test, vielen Dank für die Mühe. Kann mich aber nur SabrinaWegenast anschließen, diese Singerei ist an der Grenze zur Ohrenfolter, wenn man selbst mal Instrumente gelernt hat, weil er nur die wenigsten Töne trifft, auch wenn die Stimme nicht schlecht klingt. Hätte mir die Soundbeispiele auch systematischer aufgewertet gewünscht, damit man Mikros besser vergleichen kann. Die Soundschnipsel bei Thomann finde ich da besser (allerdings haben die nur für einige Brauners Aufnahmen eingestellt).

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