AMAZONA.de

Test: Bricasti M7


Bricasti M7

Zolner: Wir hatten die Idee etwas besser zu machen, aber der Konzern wollte sich mit unseren Innovationen nicht anfreunden. Also haben wir es einfach selber gemacht :-).

 

AMAZONA: Richtig so! ;-) Wie lange hat es denn gedauert, das M7 fertig zu stellen?

Zolner: Es hat fast drei volle Jahre gedauert, die Revision 1 produktionsfähig zu entwicklen, aber wie bei vielen anderen Produkten dieser Art werden wir das M7 immer weiter verfeinern.

 

AMAZONA: Was war das Vorbild für den M7 Algorithmus? Angeblich soll es ja die Boston Konzerthalle, ein Lexicon-Gerät oder gar Dein Badezimmer gewesen sein? Ist es nur ein Algorithmus oder sind es sechs verschiedene?

Zolner: Der M7 Algorithmus unterscheidet sich stark von den Lexicons, TC oder Anderen und die einzige Gemeinsamkeit ist, dass es sich um einen synthetischen algorithmischen Hall handelt und nicht etwa um einen Faltungshall, der auf Samples basiert. Um es auf einem traditionellen Weg zu erklären, es hat einen (!) Algorithmus, der aus verschiedenen Unter-Algorithmen aufgebaut ist (s.u.). Alles kann vom Anwender auf einmal kontrolliert werden, womit wir keine verschiedenen nachladbaren Algorithmen brauchen wie z.B. Lexicon. Zudem ist die Hardware nur entwickelt worden, um unsere Algorithmen darauf laufen zu lassen.

Das Ergebnis unserer Arbeit ist ein Reverb, das sehr natürlich und real klingt, gleichzeitig aber kontrolliert werden kann wie bekannte Hallgeräte. Viele Presets haben wir anhand verschiedener Aufnahmen von realen Umgebungen erstellt. Wir haben auch Mikrofone in Räume gestellt und den Hall aufgenommen und diesen dann mit den M7 Parametern nachgestellt. Da wir dies während der Entwicklung getan haben, denken wir, dass das M7 einen sehr guten Job in der Emulation echter Räume macht.

Unser Beta-Gerät wurde mit großem Erfolg für Aufnahmen benutzt, die in der Boston Konzerthalle getätigt wurden. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass unser "Boston Hall A" Preset nicht wirklich die Halle ist, sondern eine angenäherte Version durch unser Preset wenn sie leer ist. "Boston Hall B" ist ein Preset, das wir der vollen Halle nachempfunden haben. Und in der Anwendung dieses Presets kann das M7 mit einem sehr natürlichen Hall glänzen, der genauso toll ist, wie die echte Boston Halle klingt.

Es ist eine der schwierigsten Anwendungen für einen künstlichen Hall mit einem echten Hall kombiniert zu werden, und was man danach normalerweise wirklich hört, sind die Artefakte des künstlichen Halls und die wundervoll natürliche Halle klingt plötzlich nur noch nach z.B. 480L. Ich habe zum M7 ein Zitat von dem Toning, der die Boston-Aufnahme gemacht hat:

< 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 >

Klangbeispiele

  1. Avatar
    Moritz

    Seit langem mal wieder ein Test der kein Blatt vor den Mund nimmt. So wünsche ich mir das. Vor allem das Interview ist aufschlußreich und widerlegt die meisten Gerüchte, sehr gut!

  2. Avatar
  3. Avatar
    Mirco Dalio

    Guter Testbericht. Haben Sie auch Klangbeispiele von dem Lexicon 960L und Quantec? Ich hätte den den M7 gerne im Vergleich gehört.

  4. Avatar
  5. Avatar
  6. Avatar
  7. Avatar
    Holger Siedler

    Kommentar ist soweit OK. Bezüglich der frühen Reflexionen, die hier etwas kritisiert werden, bin ich anderer Ansicht. Genau diese Umsetzung der Klangverdichtung vor dem eigentlichen Hall ist hier nahezu genial gelungen und im Verbund der anderen Teilalgorythmen
    dichter und natürlicher als TC-6000 sowieo… als auch 960.

  8. Avatar
    ralf

    also ich hab den m7
    und er ist mit abstand das beste hallgerät auf dem markt, wer was anderes sagt hat halt keine ahnung oder ein defektes gehör.
    verglichen mit den 1000 anderen reverb-boxen am markt, ich rede nicht von plugins, die haben eh keine chance gegen gute hardware
    ist der m7 ein traum !

  9. Profilbild
    psv-ddv ••••

    Super bericht, ich schliesse mich der Bewertung des Autors voll an. das gilt auch für die mittlerweile erhältliche „V2“ Firmware.
    Ich hatte den M7 bereits zwei mal für einige Wochen als Demo im Studio, da ich ihn mir anschaffen wollte. Beide Male habe ich ihn zurückgeschickt, da er mir zu weichgespült klingt. Wie ein Lexicon mit Zuckerguss drüber. Das führe ich auf die im Bericht erwähnte Gestaltung der ERs zurück. Realistisch klingen die nicht wirklich. Für meine Anwendung überhaupt nicht schlimm, das Bricasti M7 klingt ohne Zweifel sehr gut, entspricht aber letztendlich einfach nicht meinem Geschmack. Als Vergleichsreferenzen waren bei mir PCM96,92,82, 480L,224xl,224,QRS, Yardstick2496, RMX16, AKG ADR, Altiverb am Start.
    @Ralf: 1000 „reverb-boxen“ hatte ich leider nicht zur Verfügung. Aber gut, daß ich jetzt weis, dass mein Gehör „defekt“ ist. :)))

    • Profilbild
      pmm AHU

      > Als Vergleichsreferenzen waren bei mir PCM96,92,82, 480L,224xl,224,QRS, Yardstick2496, RMX16, AKG ADR, Altiverb am Start.

      Das nenne ich einmal einen Vergleich. Da fehlt nicht viel. Beim AKG bin ich mir jetzt nicht sicher, welches ich letztens bei swissdoc hören durfte. Dessen Klang war ein Traum. Bestimmt nicht für jede Anwendung geeignet, aber solo einfach wunderschön. Den M7 fand ich so lala, müsste ich aber im Mix hören. Da finde ich z.B. das Roland R-880 unterbewertet.

      • Profilbild
        psv-ddv ••••

        Ja, Hallvergleiche finde ich super spannend. Gerade algorithmische Hallgeräte klingen ja eher hyperrealistich als realistisch und sind für mich auch voll im Bereich Klangkunst anzusiedeln. Daher ist die alte, raue Digitaltechnik dem Hallklang auch oft eher förderlich als der heutige blitzsaubere 24/96 delta-sigma Klang.
        Das AKG das Du bei Swissdoc gehört hast wird ein ADR68k gewesen sein. Weitere Hallgeräte hat AKG meines Wissens nach nicht gebaut. Das Teil klingt in der Tat wunderschön. Luftig und offen. Definitiv ein Geheimtipp. Mit dem R-880 bin ich nie warm geworden, vielleicht bin ich Rolandmässig vorbelastet. Das SRV330 war mein erstes richtiges Hallgerät, hat mich aber enttäuscht. Es konnte dem internen Hall meines ASR10 Samplers nie das Wasser reichen. Das R-880 muss ich mir bei Gelegenheit nochmal in Ruhe anhören.
        Das M7 funktioniert im Mix schon sehr gut, auch wenn es nicht den grossartigen Mix-Verschmelzungs-Effekt liefert wie das 480L. Das M7 ist mittlerweile auf so gut wie allen Hollywood Produktionen zu hören. Aber genau wie früher beim 480L will man seine Produktion ja vielleicht nicht unbedingt mit dem o8-15 Hallstandard glattbügeln, auch wenn er gut funktioniert.

      • Profilbild
        swissdoc RED

        Peter hat bei mir in der Tat ein AKG ADR68K gehört. Und zwar den Hall-Algoritmus, der gemäss Internet Wissen stark auf dem Lexicon Hall-Algoritmus aufbaut. AKG hat noch einiges an Hallgeräten produziert, allerdings analoge Feder-, Platten- oder Folien-Geräte. Auch wurde zumindest ein Halltank im OEM Bereich vertrieben (Swissecho 2000 mit AKG BX-15 Tank). Das ADR68K sollte man aber eher Ursa Major zurechnen, es handelt sich vermutlich um eine verbesserte Version des 8×32.

        In Sachen Bricasti hat Peter ein Plate-Preset gehört und da ich das Gerät erst kurz mein Eigen nennen darf, bin ich noch nicht so vertraut mit der Kiste. Allerdings haben ihm die paar Presets vom PCM-92 dann doch besser gefallen.

        Kennt jemand die Midi-Specs vom M7? Es gibt ja ein VST zum Fernsteuern und wie es scheint, hat Bricasti die Commandos nicht dokumentiert und versucht so offenbar dieses VST zu promoten, oder die Kunden zur Remote zu treiben, die witzigerweise die Menubedienung einfach nur kopiert und keine Regler bietet, wie das die meisten anderen Remotes so tun.

  10. Profilbild
    psv-ddv ••••

    Korrekturen, ich war wohl heute morgen noch etwas neben der Tasse. Wollte sagen: „Weitere Digitalhallgeräte hat AKG meines Wissens nach nicht gebaut.“ Analog gibt es da natürlich Einiges.
    Verleichsreferenzen waren PCM96, PCM91 und PCM81, etc.pp. Ein PCM82 gibt es nicht. sorry.

Kommentar erstellen Kommentar erstellen Leser-Story erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

Test: Bricasti M7

Bewertung: 5 Sterne Bewertung des Autors
Leserbewertung: 5
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.

AMAZONA.de Charts

Aktion