Schlankes Design, voller Klang
Casio baut seit Jahren hochqualitative Digitalpianos, auch wenn das Unternehmen dabei stets ein wenig im Schatten der Platzhirsche wie Roland, Yamaha oder Kawai stand – zumindest in der Wahrnehmung hiesiger Musiker. Die beiden Celviano Modelle Casio AP-S450 und Casio AP-S200 verstehen sich als leichte und platzsparende Alternative zu den Modellen AP-750, AP-500 und AP-300. Ob zu Recht, soll dieser Test zeigen.
Kurz & knapp
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- Design & Gewicht: Schlank, leicht und ideal für kleine Räume.
- Klangerzeugung: Gute Sounds, zwei Flügelklänge beim AP-S450.
- Bedienung: Touch-Flächen und App ersetzen klassische Knöpfe.
- Unterschiede: Lautsprecher etwas schwächer als bei größeren Modellen.
- Preis-Leistung: Viel Klang und Funktion fürs Geld.
Inhaltsverzeichnis
Casio AP-S200 und AP-S450 Celviano
S wie Slim
Mit gerade einmal 38 bzw. 34 kg gehören die Modelle AP-S450 und AP-S200 zu den leichteren Digitalpianos in Konsolenbauweise am Markt. Hinzu kommt eine schlanke Linienführung sowie die Tatsache, dass auf die Rückwand unter dem Instrument verzichtet wurde – was beiden Instrumenten eine visuelle Leichtigkeit verleiht und sie weniger dominant erscheinen lässt.
Der Aufbau ist schlicht und stabil. Die Instrumente stehen solide, ohne jegliche Bewegung oder Wippen – auch bei intensiverem Spiel. Die Pedale bieten einen angenehmen Widerstand und sind standardmäßig wie beim Flügel konfiguriert: Links das Piano-Pedal, auch Verschiebepedal genannt, das den Klang etwas leiser und weicher macht, mittig das Sostenuto, das alle Töne hält, die beim Aktivieren des Pedals gedrückt werden, und rechts – wie nicht anders zu erwarten – das Haltepedal, in MIDI-Sprache „Sustain“.
Die Anschlüsse befinden sich sämtlich auf der Unterseite (!) der Instrumente: links vorne zwei Kopfhöreranschlüsse mit großer Klinke, mittig die Stromversorgung, deren Kabel mittels Klemmen diskret geführt wird. Ferner gibt es zwei USB-Buchsen sowie einen mehrpoligen Anschluss für die Pedale. MIDI über die klassischen DIN-Buchsen steht nicht zur Verfügung.
Die Lautsprecher sind unter den Instrumenten in Plastikkörben mit feinen Schlitzen angebracht und strahlen in alle Richtungen. Beim AP-S200 handelt es sich um ein 2-Wege-System mit zwei Lautsprechern, beim AP-S450 um ein 2-Wege-System mit deren vier.
Die Klaviaturen der Casio AP-S200 und AP-S450 Pianos
Das AP-S450 verfügt über die hauseigene „Smart Hybrid Celviano Edition“-Klaviatur – eine Hybridtastatur aus Kunststoff und Holz. Sie spielt sich angenehm flüssig, auch wenn ich der Meinung bin, dass sich eine Tastatur aus Massivholz etwas anders anfühlt. Vielleicht täuschte mich meine Erinnerung während des Tests im Casio-Showroom.
Ehrlich gesagt war ich nicht restlos überzeugt von der Tastatur – was in erster Linie eine individuelle Erfahrung und Meinung ist, andere Pianisten werden dies womöglich anders beurteilen.
Die Klaviatur des AP-S200 ist vollständig aus Kunststoff gefertigt, was in erster Linie dem Gewicht zugutekommt. Sie fühlt sich um Nuancen leichter an als die des AP-S450.
Andererseits ist alles eine Frage der Gewöhnung: Bisher hatte ich mich noch nie an meiner gewichteten Tastatur von Fatar gestört, die ebenfalls vollständig aus Plastik gefertigt ist.
Klänge aus der Casio-Bibliothek
Die beiden Digitalpianos greifen auf dieselben Samples zurück wie die anderen Vertreter der Celviano-AP-Baureihe. Sie unterscheiden sich lediglich in der Anzahl der Klänge: 19 beim AP-S200 und 26 beim AP-S450. Beide bieten Standardklänge in guter Qualität – darunter Pianos, E-Pianos, Orgeln und Streicher.
Der wichtigste Unterschied betrifft die Flügel-Samples: Beim S200 basieren alle Piano-Sounds auf einem einzigen Sampleset, während das S450 zwei Sets bietet, die von Casio mit „Hamburg“ und „Vienna“ umschrieben werden. Auch wenn dies nicht offiziell bestätigt ist, können wir davon ausgehen, dass es sich dabei um einen Hamburger Steinway und einen Bösendorfer handelt – wahrscheinlich Konzertflügel, da diese heute als Standard für Samples gelten. (Nur nebenbei bemerkt: Aus Musikersicht ist das etwas schade, da auch kürzere Flügel einen vollen Klang erzeugen, der mich als Pianisten oft stärker anspricht als ein Konzertflügel von über 2,7 m Länge. Wer Samples dieser Art sucht, wird bei Casio nicht fündig.)
Welches der beiden Samples beim S200 zum Einsatz kommt, wird nicht dokumentiert. „Wenn ansonsten nichts steht, wird’s wohl ein Steinway sein“, ist der naheliegende Gedanke. Beim Test des AP-S750 konnte ich die insgesamt drei Casio-Samplesets vergleichen. Dabei attestierte ich dem Hamburger Modell „mehr Druck und einen tendenziell warmen Klang“, womit meine Bedürfnisse an einen universellen Flügelklang gut getroffen sind. Natürlich ist es reizvoll, aus mehreren Flügelklängen auszuwählen – letzten Endes spielt das im Alltag aber eine geringere Rolle, zumal die Klänge in verschiedenen Varianten vorliegen: Grand Piano Concert, Bright, Mellow, Rock Piano, Jazz Piano und Ballad Piano basieren auf denselben Samples, deren Charakter mittels Equalizer und Hall bearbeitet wurde.
Die Kategorie E-Pianos bietet drei Varianten, darunter ein FM-E-Piano, das sich in typischer 80er-Manier für Pop-Balladen eignet, sowie ein älteres Rhodes („60s“) mit einem warmen, vollen Sound. Die übrigen Klänge umfassen ein Cembalo, Orgeln (eine majestätische Kirchenorgel, eine Hammond und ein Transistormodell), ein schönes Vibraphon, Streicher sowie einen Bass für Splitsounds.
Die Celviano Slim Pianos in der Praxis
Casio verfolgt bei den aktuellen Celviano-Pianos ein Bedienkonzept, das etwas eigen und gewöhnungsbedürftig ist – aber immerhin bei allen Instrumenten dieser Baureihe konsequent umgesetzt wird. Auf den ersten Blick finden sich außer dem Einschalt- und Lautstärkeknopf keinerlei physische Bedienelemente. Stattdessen „erwachen“ einzelne Zonen des Digitalpianos – namentlich die Fläche links der Tasten und die Front oberhalb der Tasten – zu berührungsempfindlichen, leuchtenden Bedieneinheiten mit direktem Zugang zu ausgewählten Funktionen wie dem Metronom, einer Aufnahmefunktion und dem wichtigsten Sound, nämlich dem Flügel. Alle weiteren Funktionen werden durch Tastenkombinationen aufgerufen.
Um beispielsweise das Hallprogramm „Opernhaus“ zu aktivieren, hält man das Feld „Sound Mode“ gedrückt und spielt anschließend die Taste Bb0. Daraufhin beginnt auf der berührungsempfindlichen Fläche ein kleines Quadrat ohne weitere Beschriftung zu leuchten („Reverb-Indikator“). Um welches Hallprogramm es sich dabei handelt, ist jedoch nicht ersichtlich.
Ähnlich geht man vor, um andere Klänge außer dem Standardflügel auszuwählen: Die Fläche „Grand Piano“ berühren und über die Tasten den gewünschten Sound aktivieren. Diese sind immerhin dezent oberhalb der Tasten beschriftet – doch auch hier fehlt das visuelle Feedback, welcher Klang aktuell ausgewählt ist, da Casio zugunsten eines schnörkellosen Designs auf ein Display im eigentlichen Sinne verzichtet.
Wesentlich einfacher und übersichtlicher gestaltet sich die Bedienung über die hauseigene App namens Casio Music Space. Die Verbindung erfolgt per Bluetooth, was am Instrument durch einen blau leuchtenden Ring am Einschaltknopf signalisiert wird. Die App ist größtenteils selbsterklärend und bietet einfachen Zugang zu sämtlichen Funktionen. Mit wenigen Handgriffen lassen sich Splitsounds erstellen, Velocity-Kurven bearbeiten und eigene Songs mit zwei Spuren aufnehmen. Zudem dient die App als Lernhilfe mit Notensätzen ausgewählter Stücke, die zusätzlich in animierten Piano-Roll-Videos in beliebigem Tempo abgespielt werden können – wahlweise für beide oder nur eine Hand. Das Casio AP-300 nutzt Bluetooth für MIDI und Audio und lässt sich auch als Bluetooth-Lautsprecher verwenden, allerdings nur über die App, eine Bluetooth-Verbindung zum Rechner ist nicht vorgesehen.
Dass sämtliche Buchsen auf der Unterseite liegen, mag aus Designgründen sinnvoll sein – besonders praktisch empfinde ich es nicht. Gerade die USB-Buchse hätte ich mir etwas zugänglicher gewünscht, um die Pianos bei Bedarf mit einem Rechner zu verbinden. Dass auf DIN-MIDI verzichtet wird, empfinde ich als eher störend – doch ehrlicherweise gehöre ich auch nicht zur primären Zielgruppe dieser Digitalpianos, die sich in erster Linie an Pianisten richtet, die ein einfach zu bedienendes Instrument wünschen.
Bei aller Sympathie und (zumindest partieller) Begeisterung für diese beiden Digitalpianos würde ich persönlich die ansonsten baugleichen Schwestermodelle bevorzugen. Das AP-S200 und AP-S450 mögen etwas leichter sein als andere Digitalpianos – doch wirklich transportabel im Sinne eines Stagepianos sind sie bei ihrem Gewicht und ihren Maßen trotzdem nicht.
Die Klangerzeugung ist den etwas größeren Instrumenten AP-300 respektive AP-500 entlehnt, über Kopfhörer sind keine Unterschiede auszumachen. Doch obwohl die Slim-Modelle über dieselbe Abhöreinheit wie die Schwestermodelle verfügen, klingen sie (zumindest in meinen unperfekten Musikerohren) etwas weniger detailliert und kräftig. Gewicht und Größe fordern ihren Tribut.
Ein weiterer Unterschied betrifft die Position der Lautsprecher: Bei den größeren Modellen sind sie im Gehäuse untergebracht und nach oben gerichtet – verdeckt durch eine Holzklappe, die sich ähnlich einer Flügelklappe in verschiedenen Winkeln öffnen lässt. Diese Klappe bleibt den Slim-Modellen vorenthalten. Ob man sich daran stört, ist Geschmackssache. Auf jeden Fall lohnt sich der Blick zu den anderen Celviano-Modellen – die Preisunterschiede sind eher gering.
Casio AP-S200 und AP-S450: Klangbeispiele
Um die Unterschiede in der Lautsprecherwiedergabe einzufangen, haben wir den Flügelklang über zwei Studiomikrofone aus Spielerperspektive aufgezeichnet. Das Casio AP-S450 bietet dabei einen etwas volleren Klang.
Die übrigen Klangbeispiele sind direkt aufgezeichnet.




































