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Test: Casio Celviano AP-300 Digitalpiano

Guter Sound und edles Design

8. Januar 2025
Casio Celviano AP300 Digitalpiano Test Aufmacher

Test: Casio Celviano AP-300 Digitalpiano

Mit dem Celviano AP-300 stellt Casio ein neues Digital-Piano der Mittelklasse vor, das sich anschickt, die „akustische Präsenz eines Flügels erlebbar“ zu machen. Ein verheißungsvolles Versprechen oder eher eine Übertreibung der Marketing-Abteilung?

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Casio Celviano AP-300

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Casio Celviano AP-300 Digitalpiano

Aufbau

Knapp 60 kg wiegt das Paket, das mir der freundliche Spediteur samt Palette vor der Eingangstür abliefert. Irgendwie gelingt es mir, die unhandliche Box mit einem Rollwägelchen ins Wohnzimmer zu bugsieren. Der Aufbau verläuft reibungslos und einfacher als befürchtet. Das Casio AP-300 ist transportsicher verpackt mit viel Karton und erstaunlich wenig Styropor.

Casio Celviano AP-300 Digitalpiano im Karton verpackt

Das Casio Celviano AP-300 Digitalpiano wird in einem großen Karton geliefert

In der Box finden sich zwei Seitenteile, eine Rückwand, eine Pedalleiste, ein Notenständer, einige Schrauben sowie natürlich das eigentliche Digitalpiano, dessen Tasten mit Schaumstoff und Klebeband, das sich rückstandsfrei entfernen lässt, gesichert sind. Die mehrsprachige Anleitung zeigt Schritt für Schritt die Montage, wobei im Gegensatz zu einem schwedischen Möbelhaus das passende Werkzeug nicht beiliegt. Ein normaler Kreuzschraubenzieher reicht aus oder, um die Handgelenke zu schonen, ein Akkuschrauber.

Casio Celviano AP-300 Digitalpiano Aufbau Anleitung

Vor dem ersten Ton will das Casio Celviano AP-300 erst montiert werden

Etwa anderthalb Stunden dauerte es, um das Instrument vollständig zu montieren, zumindest für mich mit meinen bescheidenen Handwerkskünsten und Erfahrungen.

Casio Celviano AP-300 Digitalpiano im aufgebauten Zustand

Fertig aufgebaut sieht das Casio Celviano AP-300 Digitalpiano wirklich schick aus

Design

Auf den ersten Blick spricht mich das schlichte Design an, erhältlich in den Farben Schwarz, Weiß und Braun. Die gebremste Tastenklappe schließt beinahe geräuschlos – aus meiner Sicht kein notwendiges Gimmick und dennoch sehr schön und praktisch. Nicht ganz ideal ist der Notenständer, der etwas breiter und höher sein könnte, einzelne Notenblätter könnten nach hinten abknicken. Außerdem empfand ich es als etwas störend, dass sich das Notenpult nicht umklappen, sondern nur vollständig entfernen lässt.

Die Anschlüsse liegen alle auf der Unterseite: zwei Kopfhörerausgänge über große Klinke (praktischerweise mit zusätzlichem Haken, um den Kopfhörer zu verstauen), ein mehrpoliger Pedalanschluss, Stromversorgung für 24 V Gleichstrom, USB-MIDI und USB für den beiliegenden Bluetooth-Adapter.

Casio Celviano AP-300 Digitalpiano Notenpult

Leider ist das Notenpult gesteckt und lässt sich nicht nach hinten klappen

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Casio AP-300 BK
Casio AP-300 BK Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Bedienung und Funktionen des AP-300

Der Einschaltknopf befindet sich vorne rechts. Nach einem kurzen Druck beginnt dieser weiß zu leuchten, während links der Tastatur auf der eigentlich glänzend schwarzen Backe (so nennt man die seitlichen Holzklötze neben der Tastatur) in gut lesbarer Schrift die Bedienelemente eingeblendet werden.  Denn außer eines Lautstärkepotis besitzt das AP-300 keinerlei Knöpfe und Schalter. Die Bedienung erfolgt über die berührungsempfindliche Oberfläche links der Klaviatur und ist nicht gerade das, was ich als intuitiv bezeichnen würde.

Um einen anderen Sound als das Standardprogramm Grand Piano Concert auszuwählen, muss man dessen beleuchteten Namen auf der berührungsempfindlichen Oberfläche berühren und gleichzeitig über die Tasten den gewünschten Klang auswählen. Diese sind zwar in kleiner Schrift oberhalb der Taste notiert, jedoch lässt sich danach nirgends ablesen, welchen Klang man ausgewählt hat.

Casio Celviano AP-300 Digitalpiano Menü-Panel

Das Menü des Pianos befindet sich auf der linken Seite

Möchte man zwei Klänge layern, muss zuerst die Layer-Funktion – in der deutschen Anleitung Mischklang – durch eine Tastenkombination aktiviert werden: Grand Piano gedrückt halten und die Taste C7 drücken, woraufhin ein zweiter Klang gewählt werden kann, der zum ersten, bereits bestehenden Sound, hinzugemischt wird. Um die Lautstärke anschließend zu ändern, braucht es wiederum eine Tastenkombination (Grand Piano gedrückt halten und mit den Tasten A0 und Bb0 die Lautstärke schrittweise reduzieren oder erhöhen).

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Beim Layer 2 verfährt man ähnlich, bloß sind hier die Lautstärken auf den Tasten C#7 und D7. Mit Verlaub, aber dies halte ich für ein etwas unintuitives Vorgehen, das wahrscheinlich dazu führen wird, dass die Layer-Funktion selten bis gar nie genutzt wird. Problematisch ist auch, dass man keinerlei visuelle Kontrolle über das Klangprogramm hat. Man weiß nicht, was eingestellt ist.

Casio Celviano AP-300 Digitalpiano Casio Music Space App für Android und iOS

Casio Music Space App für Android und iOS Geräte

Abhilfe schafft indes die App, die auf iOS und Android Geräten läuft und sich auf meinem vierjährigen iPhone SE problemlos installieren ließ. Seltsam ist, dass die Verbindung zum AP-300 jedes Mal neu gewählt werden muss. Aber davon abgesehen lässt sich das Casio AP-300 über die App („Music Space“) einfacher bedienen, z. B. auch für Layer-Sounds, die interne Aufnahmefunktion oder die Stummschaltung der Lautsprecher bei eingesteckten Kopfhörern.

Zudem dient die App als Lernhilfe mit Notensätzen ausgewählter Stücke, die zusätzlich in animierten Piano-Roll-Videos in beliebigem Tempo abgespielt werden können, wahlweise für beide oder nur eine Hand. Das Casio AP-300 nutzt Bluetooth für MIDI und Audio und lässt sich auch als Bluetooth-Lautsprecher nutzen, jedoch nur über die App, eine Bluetooth Verbindung zum Rechner ist nicht vorgesehen.

Eine für mich eher verspielte Funktion ist der „Live Concert Simulator“, der auf Wunsch Publikumsgeräusche und Applaus verschieden großer Konzertsäle, Jazzclubs und Arenen einblendet für ein authentisches Konzerterlebnis aus Spielersicht.

Casio Celviano AP-300 Casio Music Space App Pianorolle

Lernen mit der Pianorolle in Casio Music Space

Das AP-300 bietet eine Aufnahmefunktion mit zwei Spuren, die unter anderem zum Erlernen neuer Stücke praktisch sein kann, um mit beiden Händen getrennt zu üben. Ein Metronom findet sich ebenso – mit bis zu neun Schlägen pro Takt. Das Tempo kann getappt werden (Metronom gedrückt halten und Taste Bb2 zum Tappen nutzen). Um ein Tempo einzustellen, bedarf es bestimmter Tastenkombinationen. Auch hier empfiehlt sich die App.

Casio Celviano AP-300 Casio Music Space App Layer Sounds

Mit Casio Music Space lassen sich Layer- und Split-Sounds im Handumdrehen einstellen

Tastatur und Pedale

Die 88 Tasten sind, wie nicht anders zu erwarten, gewichtet, zusätzlich mit unterschiedlichen Widerständen je nach Tonhöhe, wie auch auf einem akustischen Instrument, das im Bass größere (und somit schwerere) Hammerköpfe verwendet als im Diskant. „Smart Scaled Hammer Action Keyboard“ nennt sich dies im Casio-Jargon, man könnte auch etwas nüchterner von Skalierung sprechen.

Die Oberflächen der weißen Tasten sind leicht angeraut mit einer elfenbeinartigen Textur, die schwarzen sind Ebenholz nachempfunden. Zusammen ergibt dies ein natürliches Spielgefühl, das zwar etwas schwerer und träger als die Renner Mechanik meines Flügels sein mag, aber dem Ideal eines Flügels ziemlich nahe kommt und flüssig repetiert. Angenehm sind auch die Pedale, über die ich mir keinerlei Gedanken machte, was bedeutet, dass sie sich genau passend anfühlen.

Casio Celviano AP-300 Digitalpiano Pedale

Die Pedaleinheit des Casio Celviano AP-300 Digitalpiano

Klänge

Das Casio AP-300 ist mit 19 Klängen bestückt, davon drei Flügel, die mit Concert, Bright und Mellow umschrieben werden. Hinzukommen Varianten dieser Klänge (Rock, Jazz und Ballad). Welche Instrumente hierzu gesampelt wurden, wird nicht weiter dokumentiert, spielt letzten Endes aber auch keine Rolle, da erstens Zustand und Intonierung mindestens so wichtig sind wie die Marke und zweitens etwaige Diskussionen ob Bechstein, Bösendorfer oder Steinway besser seien, müßig sind.

Das Grand Piano Concert des AP-300 spielt sich hervorragend: ein feiner, nuancierter Klang, voll und warm, von zart bis kräftig und de facto für jeden Stil geeignet.

Gelungen sind auch die simulierten Saitenresonanzen, also die Wechselwirkungen zwischen den Saiten. Als Beispiel halte ich einen C-Dur Dreiklang in der Mittellage gedrückt, ohne dass die Töne angeschlagen werden. Auf einem akustischen Klavier wären nun die entsprechenden Dämpfer angehoben und die Saiten freischwingend. Wenn nun ein tiefes C angeschlagen wird, werden die Töne des C-Dur Dreiklangs angeregt und schwingen leise mit, da sie auch als Obertöne des tiefen Tons betrachtet werden können. Spielt man hingegen ein tiefes C#, wird der Dreiklang kaum angeregt.

Nebst den sechs akustischen Pianos finden sich verschiedene E-Pianos, darunter ein gut klingendes Rhodes und zwei digitale E-Piano-Sounds im Stil der 80er-Jahre. Ferner ein etwas zu brillantes Cembalo (Harpsichord), zwei Streicherklänge, verschiedene Orgeln sowie ein gezupfter Kontrabass für Split-Konfigurationen.

An Effekten können verschiedene Hall- und Chorusvarianten gewählt werden, außerdem steht eine Surround-Funktion zur Verfügung, die auf meine Ohren eher dezent wirkt.

Casio Celviano AP-300 Effekte Casio Music Space App

Effektauswahl in der Casio Music Space App

Die Klangqualität des AP-300 bewegt sich zwischen gut und sehr gut. Doch was nützen einen die besten Samples ohne passende Abhöre? Das integrierte Lautsprechersystem des AP-300 ist fein abgestimmt und bettet den Spieler in eine angenehme Klangwolke, auch bei geringen Lautstärken. Zudem lässt sich durch die Klappenöffnung zwischen direktem und indirektem Klang wählen.

Casio Celviano AP-300 Deckel

Der hintere Deckel des Casio Celviano AP-300 Digitalpianos lässt sich für Klangvarianten öffnen und schließen

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Klangbeispiele
Fazit

Das Casio AP-300 ist ein gut klingendes Digital-Piano mit natürlichem Spielgefühl, kombiniert mit einem eleganten und zeitlosen Design. Die Bedienung ist für die Grundfunktionen simpel – und für weitergehende Einstellungen etwas undurchsichtig. Auf ein Display zu verzichten, ist bei einem Instrument dieser Komplexität eine zumindest zweifelhafte Entscheidung, so dass sich die Nutzung der Bluetooth App Music Space in vielen Situationen aufdrängt, auch wenn diese etwas stringenter gestaltet sein könnte.

Manche Funktionen sind mir zu verspielt, aber vielleicht gehöre ich nicht zur Zielgruppe. Doch davon abgesehen glänzt das Casio AP-300 als angenehm zu spielendes Digitalpiano mit einem runden Klangbild.

Plus

  • Klang
  • Spielgefühl
  • Design

Minus

  • Bedienung am Gerät undurchsichtig

Preis

  • 1.365,- Euro
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Über den Autor
Profilbild

Martin Andersson RED

Martin Andersson ist Jazzpianist, Multiinstrumentalist, Opernregisseur, Videokünstler, Dokumentarfilmer und Naturwissenschaftler. Mit fünf Jahren lernte er das Geigenspiel, mit sechs wechselte er zum Klavier. Ursprünglich in klassischer Musik unterrichtet interessierte er sich seit seiner frühen Kindheit für die improvisierte Musik, namentlich den Jazz. Seine Liebe zu lateinamerikanischer Musik führte ihn zunächst nach Brasilien, später nach Kuba, wo er an der Kunsthochschule Musik ...

Klangbeispiele
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