Test: Casio, XW-P1, Performance Synthesizer

Sounds

Kommen wir zum Herzstück des XW-P1: Die Tonerzeugung. Er tritt als Klangmaschine an und bietet dafür die oben genannten Verfahren.

 

Zunächst haben wir es mit dem Solo Synthesizer zu tun, eine monophone VA-Tonerzeugung mit bis zu 6 Oszillatoren, alle möglichen Eingangssignale mitgezählt. Die ist in Blöcke aufgeteilt, wobei die ersten beiden Schwingungsformen bieten wie Sinus und Sägezahn sowie Filter, Hüllkurven und Amp. Block 3 und 4 arbeiten mit Samples, Block 5 steht für externe Signale zur Verfügung, Block 6 offeriert einen Rauschgenerator, Block 7 hat eine Masterfunktion für Envelope Generator, Filter und Solo Synth DSP, und die Blöcke 8 und 9 sind jeweils LFOs.

Soundanwahl

Soundanwahl

Kontrollieren lässt sich das neben dem Display mit den auf der linken Panelseite untergebrachten Schiebereglern sowie den darüberliegenden Tastern. Leadsounds, Bässe, Soundeffekte, das alles kann der neue Casio richtig gut und kommt mit ganz schöner Power. Bis zu 2 VA-Oszillatoren plus 2 PCM-Waves plus Noise plus External Input – das ist schon eine Ansage für einen monophonen Synthesizer. Zwar ist die Zahl der Parameter nicht allzu umfangreich, auch die Abteilung Filter kennt nur 3 Typen, doch das kümmert die klanglichen Resultate wenig und man muss sich nicht besonders eingeschränkt fühlen. Denn hier macht es die Summe der Einzelfaktoren und Casio hat es gut verstanden, aus den Möglichkeiten das Beste zu machen. Und gleichzeitig ein angepeiltes Klientel, nämlich Synthi-Einsteiger, Singer/Songwriter sowie Musiker mit Keyboard als Nebeninstrument, die nicht mit unnötiger Featuritis überfordert werden möchten. Die Filter arbeiten ordentlich, die 2 LFOs kann man als angemessene Ausstattung akzeptieren. Allerdings sind die Parameterschritte gelegentlich zu hören, als leichte Stufenabbildung. Kontrolliert wird das live per Realtime Controller auf der linken Seite, die darunter liegenden Slider dienen der Anwahl und Volume Control der Oszillatoren. So wird ein typisches „Synthesizer Feeling“ erreicht, wenn man die während des Spielens auf der Tastatur zusätzlich als Dynamikelement einsetzt.

 

Die nächste Sektion nennt sich Hex Layer. Entmystifiziert heißt das vor allem gesampelte Klänge stapeln, und zwar bis zu 6 gleichzeitig. Über 700 PCM Waves stecken im ROM. Die Palette reicht von Grand Piano über Ethnic Instruments bis zu synthetischen Klängen und Soundeffekten. Die meisten sind als eine Art Wellenform zu betrachten und entsprechend kreativ zu benutzen, denn sie sind größtenteils zwar Multisamples, jedoch unmittelbar nach dem Tonansatz kurz geloopt. Einen Sampleplayer für die Erfüllung besonders pianistischer oder orchestraler Ansprüche darf man da nicht erwarten. Dennoch sind einige durchaus auch abseits von Fantasiesounds verwendbar, zum Beispiel Grand Piano, E-Piano und E-Bässe. Angesichts der Preisklasse des Instrumentes ist ein Vergleich mit Yamaha Motif oder Roland Jupiter-80 jedoch völlig abwegig. Andererseits ist es sehr praktisch, solche Sounds an Bord zu haben, denn damit wird der XW-P1 zum Allrounder, der eben nicht nur Synthisounds liefert. Dank Layer-Option hören wir so auch Klangfarben der Kategorie Songwriter, also Klavier gemischt mit Strings, Fantasia Sounds ähnlich D50, Violin Sections der etwas schrofferen Kategorie, die schon beinahe an alte Emax-Zeiten erinnern. Alles jenseits von Hi Fi und großartigem Dynamikspektrum, doch ganz wunderbar synthetisch eben. Einzelne Samplesounds sind via PCM Taster schön nach Kategorien sortiert auf Knopfdruck erreichbar: Piano, Strings/Brass, Guitar/Bass, Synth, Various. Auch hier können die Controller eingesetzt werden, aber oh Schreck: Der Filter Cutoff Regler reagiert erst mit seinem veränderten Wert nach neuerlichem Tastenanschlag. Das lässt es nicht zu, Flächensounds via Control Knob in Realtime mit einer eleganten Filterbewegung zu verschönern. Diese Einschränkung ist meiner Ansicht nach nicht unerheblich und hoffe, dass sich vielleicht mit einem OS-Update was machen lässt.

 

Es folgt die Orgel-Abteilung, die eine echte Überraschung darstellt. Nicht nur der Grundsound ist überzeugend, sondern auch die Bedienung. Diesmal sind die links untergebrachten Slider nämlich Zugriegel wie bei einer Hammond, und ihre Position lässt sich zusätzlich dank Displaygrafik komfortabel kontrollieren.

Multifunktionale Slider: Drawbars, OSC Mixer und mehr

Multifunktionale Slider: Drawbars, OSC Mixer und mehr

Neben dem obligatorischen Rotary Speaker Effekt, denkbar griffgünstig untergebracht mit Taster oberhalb der beiden Wheels, können Percussion und Effekte individuell eingestellt werden. Am Ende kommt zwar kein superauthentischer Vintagesound raus, aber ein wirklich passabler dennoch, wenn auch mit Power-Schwächen im Diskant. Vor allem die Tonkontrolle aber ist es, die einem das typische Orgelspielfeeling verschafft, obwohl es bei Sliderbewegungen je nach vorprogrammierter und momentan tatsächlicher Position systembedingt zu Lautstärkesprüngen kommt. Doch vielleicht gibt es irgendwo noch eine Slider Catch Option, und ich habe sie lediglich noch nicht gefunden. Denn auch hier macht sich die doch umfangreiche Funktionsliste bemerkbar, die Orgelsounds lassen sich nämlich noch erheblich weiter editieren, etwa die Percussion.

 

Und wir haben auch eine Drum Machine an Bord! Über 350 Drum Samples stehen bereit, die sich sowohl über die Tastatur spielen als auch via Step Sequencer als Patterns organisieren lassen. Die Drums können editiert werden, wobei die Zahl der verfügbaren Parameter sehr überschaubar ist.

 

Step und Phrase Sequencer sowie Arpeggiator für die weitere Soundgestaltung sind mehr als nur nette Zugaben, sondern schieben den XW-P1 ganz schön an die konzeptionelle Grenze in Richtung Workstation. Vor allem die einfache Handhabung mittels eigener Taster macht Spaß, denn so können ohne Umschweife schnelle Begleitsequenzen, Rhythmen und perlende Arpeggien erstellt und aktiviert werden. Alles in Echtzeit und Ideen sind sehr schnell umsetzbar. Beim Arpeggiator ist mir die Stabilität der Musterwiedergabe aufgefallen, bei Ton- bzw. Tastenwechsel kommt es zu keinerlei Timingschwankungen oder verzögerter Tonansprache.

 

Als Polyphonie gewährt der XW-P1 maximal 64 Stimmen, das reduziert sich bei komplexen Layers im Ernstfall bis auf 1 Stimme. Nun gut, es ist eben ein Synthesizer, also kann ich damit leben. Allerdings merke ich bei solchen Details schon, dass der Rotstift zugunsten des Kaufpreises mehr als nur einmal gezückt wurde. Denn auch der Einsatz der Effekte generell unterliegt systembedingten Voraussetzungen. So ist zum Beispiel immer nur einer der 3 verfügbaren Effekttypen Chorus, Normal-DSP und Solo-Synthesizer-DSP verfügbar. An diese Einschränkungen muss sich der Besitzer des Instrumentes halt gewöhnen, wenn neue Presets erstellt oder vorhandene benutzt werden. Die genannten Effektblöcke arbeiten so: Die Chorus Sektion reichert Klänge mit gewissen Schwebungen an. Der Normal-DSP bietet 46 verschiedene Typen von Distortion, Wha Wha, Delay bis Tremolo. Mit dem Solo-Synthesizer-DSP gibt es 6 Typen von Ringmodulator bis Auto Pan. Schließlich ist da noch der Master EQ, er hat 4 Frequenzbänder übergreifend zur gesamten Klangkontrolle. Via extra Mixer Button lassen die sich einstellen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    YC45D  

    „Beim Arpeggiator ist mir die Stabilität der Musterwiedergabe aufgefallen, bei Ton- bzw. Tastenwechsel kommt es zu keinerlei Timingschwankungen oder verzögerter Tonansprache.“
    schöner Bericht,nur hätte ich noch ganz gerne erfahren ob der Sequenzer,bzw.Arpeggiator mit Midi Clock einwandfrei funktionierte,oder ist das nicht getestet worden?

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      AMAZONA Archiv

      Im Rahmen des Testberichtes wurde dieses Details nicht überprüft, aber danke für den Hinweis, ich notiere das für Künftiges.

  2. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Eine große Überraschung habe ich heute früh erlebt. Auf dem Fernsehsender 3Sat war gegen 5 Uhr ein Mitschnitt der australischen Band DIRTY YORK bei einer „Rockpalast“-Veranstaltung zu sehen. Der Keyboarder spielte eine so sackgeile (t´schuldigung des Ausdrucks, aber so war´s) Orgel mit einem sehr eigenständigen Sound.

    Und was sehe ich?? Hatte er doch tatsächlich den Casio XW-P1 auf seinem Keyboardständer!

    Diese Band ist eine astreine Rock´n Roll-Truppe mit total geilen (t´schuldigung….) Eigenkompositionen, geht ab wie Schmidts Katze, aber auch schöne Balladen. Und in die mächtigen Gitarrensoli bettete sich der Casio mit seinen Orgelvariationen erstklassig ein, auch die Piano-Sounds holte sich der Keyboarder von diesem Instrument.

    Er bearbeitete den XW-P1 wie einst John Lord seine Hammond und er hatte offensichtlich eine Riesenfreude mit dem Casio. Er sah auch optisch toll aus mit seiner dezenten Beleuchtung (der Casio, nicht der Keyboarder…..).

    Also, ich mag die neuen Casios.

    Musikalische Grüße

    Onkel Sigi

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      AMAZONA Archiv

      Cool! Und danke für die Info. Ja, diese neuen Casios wird man wohl noch öfter so präsent sehen – aus guten Gründen :)

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