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Test: Celemony Melodyne 3

22. Februar 2006

Celemony Melodyne 3

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Viele tausend registrierte User schwören nun schon seit 5 Jahren auf die einzigartigen und qualitativ hochwertigen Funktionen von Melodyne. Was früher noch als Geheimtipp galt, hat sich heute in vielen Studios weltweit fest etabliert. Zahlreiche Preise hat das Programm seitdem eingeheimst. Gutes kann aber auch noch besser werden – davon überzeugt uns in diesen Tagen die deutsche Softwareschmiede Celemony und stellen den Nachfolger Melodyne 3 der Öffentlichkeit vor. Dieser Testbericht beschäftigt sich mit den neuen Funktionen in der Version 3 – einen kompletten Testbericht zur Vorgängerversion mit vielen Audio- und Bearbeitungs-beispielen finden Sie im Archiv unter Celemony Melodyne Studio Edition 2.5 von Jan Wollnik.

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Neue Funktionen

Das Herzstück der aktuellen Version ist ein neuer Algorithmus, mit dem im Gegensatz zu den Vorgängerversionen erstmals auch mehrstimmiges Material bearbeitet werden kann. Damit ist es nun möglich, komplette Songs in der bekannten Melodyne-Klangqualität zu pitchen, zu stretchen oder neu zu quantisieren – und das alles natürlich in Echtzeit. Dabei erkennt Melodyne automatisch, ob es sich um melodisches oder polyphones/perkussives Material handelt. Die einzelnen Stimmen innerhalb eines Akkordes werden vom neuen Algorithmus allerdings nicht erkannt – das kann selbst Melodyne nicht.

Wer Melodyne in der Vergangenheit hauptsächlich für Gesangs- oder Melodiespuren eingesetzt hat, wird sich über die neuen Automatikfunktionen freuen: bereits beim Laden des Audiomaterials wird dieses analysiert und anschließend in der typischen Melodyne-Optik mit den Noten-„Blobs“ im Editor dargestellt. Dieser gesamte Vorgang dauert erfreulicherweise nur wenige Sekunden: auf unserem Referenz-PC (P4 3.4 GHz, 2 GB Speicher) mussten wir auf eine 2-minütige Gesangsaufnahme lediglich 10 Sekunden warten.

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Mit Hilfe der Notenleiste auf der linken Bildschirmseite kann man auf den ersten Blick erkennen, ob der Gesang treffsicher auf der korrekten Note liegt oder, wie in unserem Beispiel, knapp daneben. Musste man in der Vorgängerversion noch jeden einzelnen Noten-„Blob“ mit der Maus korrigieren, so steht für die Anpassung der Tonhöhe jetzt ein praktisches Makro zur Verfügung, mit dem man eine entsprechende Korrektur für alle Noten automatisch mit nur 2 Mausklicks vornehmen kann.

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Mit Hilfe des oberen Schiebereglers wird der Tonhöhenschwerpunkt einer Note auf den nächst erreichbaren Notenwert korrigiert. Beim Aufruf dieses Makros steht der Wert auf 100% und im Hintergrund wurden bereits alle Noten-„Blobs“ exakt auf die korrekte Note positioniert – ein Klick auf die OK-Schaltfläche genügt und alles ist in Butter. Der zweite Schieberegler beseitigt Schwankungen in der Intonation, die entstehen, wenn z.B. der Sänger oder die Sängerin eine bestimmte Tonhöhe nicht punktgenau trifft, sondern langsam auf diese zugleitet oder nicht stabil halten kann. Hier lohnt sich das Spielen mit dem Schieberegler! Änderungen werden auch hier sofort hörbar – ein gewolltes Vibrato oder ein Triller bleiben jedoch erhalten!

Ein weiteres häufiges Problem bei Gesangsaufnahmen ist das Timing. Stimmt dieses nicht, so musste in der Vergangenheit mühevoll jede Audiospur in ihre Einzelteile zerlegt und neu positioniert werden. Seit Melodyne gestaltet sich diese Arbeit glücklicherweise wesentlich einfacher und mit Einsatz der Version 3 jetzt sogar vollautomatisch! Für diesen Zweck steht ein weiteres Makro zur Verfügung, mit dem die Noten-„Blobs“ in ein musikalisch sinnvolles Zeitraster gebracht werden können. Das Makro setzt dabei die Startpunkte der einzelnen Noten auf die nächste Unterteilung des Taktrasters und passt gleichzeitig ihre Längen an, um die Tonhöhen und sonstigen Übergänge zwischen ihnen zu bewahren. Als Groove-Referenz kann zu diesem Zweck ein Notenwert als Zielparameter und ein Referenz-Track eingestellt werden.

Umfangreiche Klangbeispiele finden Sie auf der Celemony-Interseite. Hier gibt es auch polyphones Material und komplette Mixe sowie einige interessante Gesangsbeispiele.

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Das Makro kann auch als kreatives Werkzeug, z.B. bei Drumloops eingesetzt werden: mit Hilfe der Groove-Referenz bringen Sie einen Loop beispielsweise zum swingen oder lassen komplett neue Rhythmen entstehen.

Neben diesen Automatikfunktionen erlaubt Melodyne aber auch eine Bearbeitung der Erkennungs- und Wiedergabealgorithmen. Zu diesem Zweck kann man so ziemlich alle Parameter selbst einstellen und als Preset für weitere Erkennungen auswählen. Die Funktionen sind hauptsächlich für fortgeschrittene User zu empfehlen – alle Befehle werden im Handbuch aber ausführlich beschrieben.

Eine weitere Neuerung ist das komplett überarbeitete Benutzerinterface. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche wurde die Übersichtlichkeit und damit die Arbeitsgeschwindigkeit deutlich gesteigert – damit lässt sich Melodyne auch von Einsteigern leichter bedienen. Alle Funktionen lassen sich auf Tastaturkommandos verteilen und speichern. Sehr praktisch: hält man die Strg-Taste gedrückt und bewegt die Maus, so kann der im Arrangement-Fenster dargestellte Bereich horizontal und vertikal beliebig verschoben werden. Hält man jetzt noch zusätzlich die Alt-Taste gedrückt, kann man mit Hilfe des Zoom-Werkzeugs in alle möglichen Richtungen die dargestellten Noten-„Blobs“ verkleinern oder vergrößern. Auch das Scrubbing erfolgt jetzt ohne gesonderte Werkzeuge: einfach die Maustaste festhalten und die Maus im oberen Bereich des Takt/Zeit-Lineals hin und herbewegen.

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Grafisch bleibt bis auf einige Verbesserungen bei der Darstellung der Noten-„Blobs“ alles beim Alten – das ist ein bisschen schade, denn auch hier könnte durch Einsatz von Farben und grafischen Elementen die Benutzerfreundlichkeit noch einmal deutlich erhöht werden. Ein weiterer Pluspunkt in Sachen Benutzerfreundlichkeit ist ein komplett überarbeitetes deutsches Handbuch mit vielen Tipps und Beispielen. Das Handbuch ist absolut lesenswert und beschreibt auf über 160 Seiten alle Funktionen und wie sie sinnvoll in der Praxis eingesetzt werden können.

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Neu in Version 3 ist die Möglichkeit, Liquid-Soundbänke der Firma Überschall zu laden. Diese werden über den neuen Melody Manager geladen. Der Melody Manager ist ein Datei-Browser mit komfortablen Funktionen. Audiodateien können z.B. vorgehört und direkt an die richtige Position ins Arrangement gezogen werden – und zwar nicht nur als komplette Datei, sondern auch Teilbereiche bis hin zu einzelnen Noten können selektiert werden!

Deutliche Verbesserungen gibt es auch bei der Einbindung von Melodyne in andere Sequenzer-Programme zu vermelden. Dazu wurde die Melodyne-Bridge und die Rewire-Schnittstelle technisch komplett überarbeitet. Beide Schnittstellen laufen jetzt ressourcenschonender und zuverlässiger. Aber: es laufen immer noch zwei Programme gleichzeitig und daher ist ein aktueller Rechner zwingend notwendig. Steht dieser nicht zur Verfügung, so reißt die Übertragung zwischen der MelodyneBridge und dem Sequenzer unverhofft ab. Hinzu kommt noch, dass die Leistungsanzeige des Sequenzers den Leistungsbedarf vom Melodyne-Mutterprogramm nicht berücksichtigt. Aus diesem Grund besitzt Melodyne eine eigene Lastanzeige. Durch die Unterstützung von Dual-Prozessor-Rechnern lassen sich Rewire und MelodyneBridge deutlich flüssiger einsetzen. Ein Problem besteht jedoch mit der aktuellen Logic 7.1-Version und der MelodyneBridge: die Bridge steigt oft aus und arbeitet nicht zuverlässig. Das Problem ist bei Apple bekannt und wird sicherlich in einem der nächsten Logic-Update behoben sein.Auch im Bereich Timestretching hat sich etwas getan: das korrekte Tempo wird nun bereits beim Laden der Audiodatei erkannt und im Transportfeld angezeigt. Sollte Melodyne das Tempo mal nicht richtig erkannt haben, so kann man per Maus das Takt-/Zeitlineal neu ausrichten und dann den „Autostretch“-Schalter aktivieren. Jetzt passt sich das Audiomaterial automatisch an, wenn man das Tempo ändert – einfacher geht’s nicht.

Fazit

Mit dem Update auf die Version 3 ist Melodyne jetzt einfacher und praxisgerechter zu bedienen und lässt sich sogar von Einsteigern leichter beherrschen. Durch die Reduktion auf die wesentlichen Bedienelemente wurde die Übersichtlichkeit und damit die Arbeitsgeschwindigkeit deutlich erhöht. Die automatische Erkennung des Audiomaterials bereits beim Laden erleichtert die weitere Bearbeitung wesentlich. Die beiden neuen Makros arbeiten absolut überzeugend und die Intelligenz begeistert! Außerdem merkt man förmlich, dass die User-Wünsche mit in die Updateplanungen eingeflossen sind. Einziger Minuspunkt aus meiner Sicht: Melodyne könnte ein bisschen mehr Farbe vertragen, um mehr Frische in das zumeist graue Benutzerinterface zu bringen.

Melodyne ist ab sofort im Fachhandel oder im Webshop von Celemony erhältlich. Insgesamt gibt es neben der hier getesteten Studio-Version noch die kleinere cre8-Version sowie die Einspur-Version uno. Ein ausführlicher Vergleich der Versionen findet man auf der Celemony-Homepage im Internet.

PLUS
++++ sehr gute Klangqualität
++++ automatische Erkennung des Materials beim Laden
++++ Makros für automatische Anpassung von Tonhöhe und Timing
+++ Bedienung deutlich optimiert
+++ verständliches, deutsches Handbuch
+++ Informativ gestaltete Internetseite mit Forum

MINUS
– Gestaltung der Benutzeroberfläche
– Integration in Host-Programm nur über MelodyneBridge oder Rewire möglich

PREIS

UVP / Straßenpreis
€ 699,- / € 679,-        Melodyne 3 Studio
€ 150,-                       Melodyne 3 Studio Extra Lizenz für einen weiteren Arbeitsplatz
€ 319,- / € 288,-        Melodyne 3 Cre8
€ 169,- / € 148,-        Melodyne Uno

Getestete Version: 3.0.1.5

Systemvoraussetzungen:

Macintosh:
–  Mac OS X Version 10.3.9 oder höher
–  G3 (optimiert für G5)
–  73 MB freier Festplattenspeicher
–  512 MB RAM (1 GB empfohlen)
–  CD-ROM Laufwerk und schneller Internet-Zugang (für Updates)

Windows:
–  Microsoft Windows XP
–  PII 400 MHz (1 GHz empfohlen)
–  32 MB Grafik-RAM
–  73 MB freier Festplattenspeicher
–  512 MB RAM (1 GB empfohlen)
–  CD-ROM Laufwerk und schneller Internet-Zugang (für Updates)

 

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