Test: Celemony – Melodyne Editor DNA

15. März 2010

Melodyne DNA

Angefangen hat es mit Chers „Believe“ von 1998, welches die Sparte der Tonkorrekturprogramme einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte und mit dem Sänger T-Pain den Zenit des sogenannten Autotune-Sounds erreichte. Doch erst Ende 2009 war die Informatik soweit, nicht nur einen Ton korrigieren zu können, sondern viele gleichzeitig. Dieser Sprung ist der deutschen Firma Celemony und ihrer Tonkorrektur-Software Melodyne gelungen. Bisher konnten mit Melodyne oder überhaupt mit vergleichbaren Programmen nur in monophonen Audioaufnahmen Ton-, Zeit- und Formantkorrekturen gemacht werden. Die neue Generation erweitert nun den direkten Zugriff auf die Ebenen der einzelnen Noten bei polyphon eingespielten Instrumenten- und Gesangsaufnahmen. Daher auch der Name: Direct Note Access. DNA, so das Akronym, ist zur Zeit nur für Melodyne-Editor verfügbar. Für die anderen Versionen steht das Update noch aus. Wie gut DNA hält, was es verspricht, werten wir in diesem Test aus.

Melodyne DNA

Melodyne DNA


DIRECT… to you – am Anfang steht die Installation.

Sowohl bei CD- als auch bei der Download-Version wird Melodyne Editor über ein Challange/Response-Verfahren über das Internet aktiviert, das bis zu zwei Aktivierungen auf zwei Rechnern erlaubt. Die Autorisation kann aus dem Melodyne Editor selbst aufgerufen werden, wenn der Rechner ans Internet angeschlossen ist. Doch auch an eine Offline-Aktivierung per Dateischlüssel wurde gedacht, sowie an eine Übertragung der DNA-Lizenz auf einen iLok. Damit ist zwar nur noch eine Lizenz vorhanden, die ist dafür aber rechnerunabhängig, was bei Festplattenversagen sehr praktisch ist. Der Kunde kann sich also aussuchen, mit welchem Bezelbub er paktiert. Auf jeden Fall wird für Download und CD-Version die Seriennummer benötigt. Damit geht man zur Celemony Website, eröffnet einen Account, falls nicht vorhanden, registriert diesen und lädt die neuste Version der Software herunter bzw. aktiviert die bereits installierte. Ein ausführliches deutsches Installations-PDF hilft durch die einzelnen Schritte. Melodyne kann als Plug-in für VST, AudioUnits, RTAS und als Standalone Programm installiert werden. Bevor wir zu den eigentlichen Fähigkeiten von Melodyne kommen, sollten noch ein paar Eigenheiten von besprochen werden.



Note… the Gap – Unterschiede zwischen Plug-in und Standalone 

Plug-in und Standalone verhalten sich bei der Projektbehandlung nicht völlig identisch. Im Plug-in können mehrere nicht zusammenhängende Song-Abschnitte in dasselbe Projekt eingespielt werden. Damit die Transfers und Bearbeitungen auch immer an der richtigen Stelle hörbar sind, ist das Plug-in daher direkt an das Zeitlineal der DAW gekoppelt, d.h. für das Plug-in sind Tempo-Maps kein Problem, während die Standalone Version nur eine Audiodatei als Quelle haben kann. Das Tempo wird hier aus den Audiodaten ermittelt. Aufgrund dieser Unterschiede ist der direkte Projektaustausch zwischen Standalone und dem Plug-in zur Zeit nicht möglich. Ebenso ist es zur Zeit nicht möglich, Melodyne Plug-in-Projekte zwischen verschiedenen DAWs und Plug-in-Formaten auszutauschen, da beim Plug-in die Projekte mit der DAW-Sitzung gesichert werden. Ebenfalls ist es zur Zeit auch nicht möglich, aus dem Plug-in heraus MIDI oder Projekte zu exportieren, wie es die Standalone-Version kann. Dieser Umstand ist aber nicht unbedingt Celemony anzukreiden, denn in erster Linie setzen die derzeitig definierten Plug-in-Standards die technischen Grenzen für den Plug-in Zugriff auf die Audiodateien einer DAW.
Zum Auszutauschen von Sitzungen mit Melodyne Plug-in-Projekten zwischen zwei Rechnern mit derselben DAW ist es ratsam, einen Projektpfad innerhalb des Session-Pfades zu wählen, dann kann der Ordner einfache kopiert werden. Sehr praktisch ist die Eigenschaft von Plug-ins, dass bei Wahl eines neuen Pfades alle bisherigen Projektdaten automatisch in das neue Verzeichnis kopiert werden. Um Standalone-Projekte zwischen zwei Rechnern auszutauschen, werden lediglich die originale Audiodatei und die korrespondierende MPD-Projektdatei benötigt.
Als Workaround kann das bearbeitete Audiomaterial zwar immer per Audiodatei exportiert werden, doch damit geht die verlustfreie Bearbeitung natürlich verloren. Auch wird es ReWire bzw. Melodyne Bridge nur noch für die große Studioversion geben. Es ist also wichtig, sich vor Beginn einer Session im Klaren darüber zu sein, ob die Melodyne Bearbeitung im DAW-Host oder in der Standalone-Version erfolgen soll. 





ACCESS… the Details – Arbeiten mit DNA



Was die CPU-Belastung angeht ist DNA gewiss nicht zu leistungshungrig. Sicher auf einem Core2Duo mit 1,83GHz ein ganzes drei Minuten Stück zu analysieren, dauert auch ca. drei Minuten oder länger, ist aber noch völlig im Bereich des Vertretbaren, da es nur einmal gemacht werden muss, bevor die Einzeltöne bearbeitet werden können. Die Analysen durch Elastic Audio und X-Form in Pro Tools dauern wesentlich länger. Zum effektiven Arbeiten sollte man auf zwei Dinge achten. Zum ersten bietet es sich an, zuerst die Notenrepräsentationen zu optimieren, bevor es an die Feinheiten geht. Es gilt zu vermeiden, dass die darauf folgenden Bearbeitungsschritte nicht von ungewollten Darstellungsvorgaben den musikalischen Zielsetzungen abträglich sind. Zum anderen ist es wichtig zu wissen, dass beim Wechsel vom Notenzuweisungsmodus (Note Assign Mode) in den Bearbeitungsmodus die Liste der bisherigen Undo-Schritte gelöscht wird, da die Repräsentationsdatender Noten, Blobs genannt, neu berechnet werden. Die eigentlichen Audiotransferdaten bleiben davon unberührt, da Melodyne non-destruktiv arbeitet. Die Blobs können beliebig oft verändert werden, ohne Klangdegenerationen in Kauf nehmen zu müssen, denn die Bearbeitungen werden immer auf Grundlage des Originals non-destructiv berechnet. Größe und Pfad des Audio-Cache sollten deshalb auch an die Anforderungen des Projekts angepasst werden.

Wer Melodyne schon länger kennt, wird beim Öffnen von DNA beglückt sein, denn die offensichtlichen Veränderungen sind doch sehr zurückhaltend. Was auch gut so ist, denn der Arbeitsfluss war in den Vorgängerversionen doch schon sehr ausgereift. Dafür hat sich Celemony auf die Optimierungen der alten und Einbindung und der neuen Funktionen konzentriert. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf die Tests der vorangegangenen Melodyne Produkte bei AMAZONA.de hinweisen und uns hier auf die Neuerungen konzentrieren und den Umgang von DNA mit „Alltagsmaterial“ testen.



Als Basis der Versuchsreihe dient eine Pianophrase aus dem unter Creative Common License (Weitergabe unter gleichen Bedingungen, Nennung des Autors, Derivate) veröffentlichten Album The Slip von Nine Inch Nails. Die Rauheit dieser Aufnahme dient in erster Linie dazu, die Grenzen von DNA aufzuzeigen. Wir machen hier schließlich keine Werksdemos.





Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Tobias Kasper

    Revolution! DNA ermöglicht mir auch die verstaubtesten Samples wieder hervor zu kramen, da nun alles passend gemacht werden kann – ob ein Gittarren Riff, ein Piano Chord / Synthchord, FX, Vocals… die Möglichkeiten scheinen schier unendlich.
    Bei großen Korrekturen kommt das Programm an seine Grenzen, auch klanglich,
    Dies muss je nach Genre aber nicht schlecht sein ;-)

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