A musician by your side
Die Software Celemony Tonalic integriert echte Studioaufnahmen von über 30 Weltklasse-Studiomusikern in eure DAW. Der Clou daran: „No loops. No AI. Just real music that fits.” Wie soll das denn funktionieren? Schauen wir uns die Sache mal näher an.
Was ist es? Celemony Tonalic ist eine Software für macOS und Windows, die echte Studio-Performances von über 30 Weltklasse-Musikern flexibel und songdienlich in die eigene DAW integriert.
- Konzept: Keine Loops, kein MIDI, keine KI, sondern analysierte Studioaufnahmen echter Musiker, die sich intelligent an Tempo, Tonart und Arrangement anpassen.
- Engine: Basierend auf der erweiterten Melodyne-/DNA-Technologie sorgt die Tonalic-Engine für organisches Voice-Leading und natürlichen „Human Touch“.
- Workflow: Als Plug-in oder komfortabel im ARA-Modus nutzbar (aktuell nur in Fender Studio Pro), mit leistungsstarkem Browser und tiefgehenden Edit-Funktionen in der Studio-Version.
- Klang & Praxis: Stilistisch breit aufgestellt von Pop bis Metal, mit authentischem Sound und spürbarer musikalischer Individualität.
- Fazit: Innovatives Abo-Konzept mit hohem Praxiswert, das Loop-Baukästen deutlich übertrifft und echten Session-Charakter ins Studio bringt.
Inhaltsverzeichnis
- Celemony Tonalic
- Was ist Celemony Tonalic?
- Celemony Tonalic: Technische Anforderungen
- Wie funktioniert Celemony Tonalic?
- Versionen und Preise von Celemony Tonalic
- Diese Genres deckt Celemony Tonalic ab
- Die Musiker, ihre Instrumente, ihr Equipment
- Exzellenter Browser und gute Preview-Funktion
- Standalone, Plug-in-Instrument oder ARA?
- Rechtliche Aspekte
- Celemony Tonalic in der Praxis: Der Workflow
- Celemony Tonalic in der Praxis: Soundbeispiele
- Das ist bei Celemony Tonalic geplant
- Update: KI, Online-Pflicht und Datenschutz
Celemony Tonalic
Irgendwie klingt der Song noch unfertig. Die Gitarre zu statisch, die Drums unrund. Was soll ich machen, ich bin halt „nur“ Keyboarder. Da höre ich draußen auf dem Flur durch die angelehnte Studiotür Stimmen. Naht da Hilfe? Ich schaue nach und sehe Justin Derrico (der viele Jahre als Gitarrist mit Pink tourte) und den Drummer Kenny Aronoff, der schon mit den Stones, mit Dylan und Lady Gaga gearbeitet hatte. „Jungs, hättet ihr mal eben ein paar Minuten Zeit, meinen Song auf Vordermann zu bringen?“, frage ich. „Klar Mann, zeig mal, was Du schon hast“, sagt Derrico. „Und ich rufe besser auch mal eben meinen Kumpel Nate Mendel an, seine Foo Fighters starten ihre Tour ja erst im Sommer. Der kann sich mal um deinen lahmen Bass kümmern.“
Ist das alles nur ein Musiker-Traum? Der Verwirklichung könnte man mit Celemony Tonalic einen Schritt näher kommen, denn wie eingangs bereits erwähnt, integriert Tonalic live eingespielte Studioaufnahmen in eure Musik in der DAW. Wie funktioniert und klingt das Ganze?
Was ist Celemony Tonalic?
Tonalic nennt sich selbst „A Musician by your side.” Es bringt die Aufnahmen von echten Gitarristen, Bassisten, Drummern und Perkussionisten in Form sogenannter „Tonalics“ in die eigenen Songs (die ich im Artikel aber „Tonalic-Pattern“ nennen werde, um eine Verwechslung mit der Software selbst zu vermeiden). Das sind musikalisch konzipierte Performance-Bausteine, die aus vollständigen Studio-Sessions stammen.
Dabei passen sich diese Tonalic-Patterns in besonderer Form sehr flexibel dem vorgefundenen Material an, um es zu verbessern oder zu erweitern, man kann aber auch das Fundament für komplett neue Songs damit erstellen. Es ist aber kein Toolkit, um einen Song von Anfang bis Ende anzufertigen, wie es viele Loop-Construction-Kits anbieten. Die Tonalic-Patterns sind auch keine herkömmlichen Loops, keine MIDI-Phrasen (wie etwa bei EZ Drummer), keine WAV- oder MP3-Audios, sondern eher „tonale Spielanweisungen“. Ok, ich weiß, das ist jetzt noch etwas nebulös. Eine ausführliche Erklärung folgt daher im übernächsten Abschnitt.
Celemony Tonalic: Technische Anforderungen
Celemony Tonalic läuft unter macOS ab 12.0 und Windows (10 oder 11, 64 Bit). Als Instrument benötigt es eine 64 Bit DAW, die VST3-, AU- (Generator) oder AAX-Plug-ins unterstützt. Der ARA-Modus von Tonalic kann augenblicklich nur von Studio One Pro 7.2.3 bzw. von Fender Studio Pro 8 genutzt werden. Weitere DAWs haben ihr Interesse bekundet, den Tonalic-ARA-Modus zukünftig ebenfalls zu unterstützen.
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Wie funktioniert Celemony Tonalic?
Kein Audio, kein MIDI, keine Loops, keine KI. Sondern „Real musicians. Real Feel”, sagt Celemony. Aber wie kommen die in meine DAW, wenn nicht als Audioloops? Da ich das auch nach der Sichtung sämtlicher Erklärvideos nicht wirklich beantworten kann, rufe ich Leo Waidosch an, der bei Celemony für Tonalic als „Director Content & Product“ verantwortlich ist und lasse es mir erklären.
Das zu Grunde liegende „Tonmaterial“ hat Celemony von über 30 erstklassigen Studiomusikern aus aller Welt einspielen lassen (auch dazu gleich noch mehr) und (meist) mit Pro Tools als Audio aufgezeichnet. Am Ende waren über 7.000 davon im Kasten. Diese Audios (die Tonalic-Pattern) werden von der Tonalic-Engine, die auf einer stark erweiterten und verbesserten DNA (Direct Note Access)-Engine von Celemony basiert, analysiert. Das musikalische Regelwerk der Engine, das auf die Aufnahme angewendet wird, sorgt nun nicht nur dafür, dass sich die eingespielten Patterns in Tempo, Tonart oder Timing nach meinem Song in der DAW richten. Vielmehr wählt die Engine auch musikalische Voicings und Stimmführungen aus, fügt bei Bedarf Slides hinzu, um zum Beispiel Übergänge zu glätten und reagiert dabei ganz flexibel auf die Gegebenheiten. Und behält dabei trotzdem die individuelle Eigenart und das Spielgefühl, die ihm der einspielende Musiker mit auf den Weg gegeben hat.
Dabei analysiert Celemony Tonalic den kompletten Song bereits vorab, um Stimmführungen über mehrere Parts zu planen und auf natürliche Weise anzupassen. Es befolgt nicht stur Anweisungen, sondern trifft musikalische Entscheidungen, sorgt für eine natürliche Stimmführung und bewahrt die musikalische Intention und den Human Touch der Musiker. „It reacts like a real musician would“, schreibt Celemony.
Die Tonalics-Patterns sind also keine unveränderbaren Audioloops, sondern tonale Muster, eine Art Spielanleitung, gewonnen aus dem Audiomaterial, das von echten Musikern eingespielt wurde.
Versionen und Preise von Celemony Tonalic
Celemony Tonalic gibt es in drei Versionen, von denen allerdings nur zwei von allen genutzt werden können. Die kleinste nämlich, Tonalic Essential, gibt es seit Ende Januar als Bundle für alle Nutzer der DAW Studio One Pro 7 bzw. Fender Studio Pro 8 und für die, die eine reguläre Melodyne-Lizenz erworben haben – zu kaufen gibt es die Essential Version nicht. Diese Version ist dabei beschränkt auf die Einspielungen von nur einem Studiomusiker (des Gitarristen Uwe Bossert). Sie ist zeitlich nicht limitiert, hat auch sonst keine Einschränkung im Vergleich zum Tonalic-Arranger und kann „at any time with attractive offers“ in eine größere Version umgewandelt werden.
Tonalic Arranger ist die kleinere der im Handel erhältlichen Versionen. Enthalten sind hier die Performances von den erwähnten über 30 Musikern mit den Instrumenten Bass, Gitarre, Drums und Percussion, die ein breites Feld von Genres abdecken. Die größte Version, Tonalic Studio, bietet überdies noch zusätzlich die Möglichkeit, den Sound, Timing, Pitch, Dynamics und das Voice-Leading zu bearbeiten und zu verändern (dazu gleich mehr).
Beide Versionen, Arranger und Studio, gibt es ausschließlich im Abonnement. Der Arranger kostet 14,90 Euro (bei monatlicher Zahlung) bzw. 149,- Euro im Jahr, die Studio-Ausgabe 24,90 Euro bzw. 249,- Euro. Zum Kennenlernen gibt es aktuell das Angebot, Tonalic für einen Monat für einen Euro zu testen.
Nun stehen Abo-Modelle erfahrungsgemäß stets in der Kritik – auch, weil es zunehmend mehr werden und man mit der Zeit die Übersicht verliert, was man da alles laufen hat. In diesem Fall hier aber finde ich das gar nicht so verkehrt: auch menschliche Session-Musiker bucht und bezahlt man ja nur, wenn sie gerade gebraucht werden und nicht das ganze Jahr. So kann man auch hier bei Bedarf aktiv werden. Auch finde ich den Abo-Preis bei dem Gebotenen (und dem Aufwand, der für die jahrelange Entwicklung mit all den Musikern betrieben wurde), absolut ok.
Diese Genres deckt Celemony Tonalic ab
Genre-technisch ist Celemony Tonalic recht breit aufgestellt. Den größten Anteil haben aktuell Pop (1.999 Einträge plus Variationen), R&B (1.480), Rock (1.351) und Country (847). Dazu kommen in den Hauptkategorien noch Metal (196), Latin (154), World Music (143), Blues (132), Folk (58) und Jazz (45).
Der besseren Auffindbarkeit wegen sind viele Kategorien wiederum in 32 Sub- oder zusätzliche Genres unterteilt, wie etwa Punk, Chanson, Indie Pop, Singer-Songwriter, Funk oder Disco. Da sollte, bis auf die Freunde des deutschen Schlagers, für jeden etwas dabei sein.
Die Musiker, ihre Instrumente, ihr Equipment
Um das Material für Tonalic einzuspielen, hat Celemony die Musiker in ihren angestammten Studios in den USA und Europa aufgenommen. Die Sessions wurden dabei wie klassische Albumproduktionen angelegt, mit hochwertigem Equipment, erfahrenen Engineers und dem Fokus auf musikalische Ausdruckskraft. Wichtig war Celemony, die künstlerische Identität der Musiker zu respektieren und dafür zu sorgen, dass die auch bei der Anpassung an neue Songs erhalten bleibt. Was sicherlich auch ein Grund dafür ist, dass man derart hochkarätige Künstler für das Projekt gewinnen konnte.
Kleines Name-Dropping gefällig? Mit dabei sind unter anderem (in Klammern die Bands/Künstler, mit denen sie auf Tour oder im Studio waren):
- Martin “Ace” Kent, Gitarrist – Gründer Skunk Anansie (Metallica, Rammstein, Red Hot Chili Peppers, Lenny Kravitz)
- Brent Mason, Gitarrist (Chet Atkins – ausgezeichnet als “Top Ten Session Guitarists of All Time” von der Guitar World und 14x als “Guitarist of the Year” von der Academy of Country Music)
- Paul Turner, Bassist (Jamiroquai, Annie Lennox, Bryan Ferry, Seal)
- Nate Mendel, Bassist der Foo Fighters
- Victor Indrizzo, Drummer (Willie Nelson, Avril Lavigne, Seal, Alanis Morissette)
- Kenny Aronoff, Drummer (Rolling Stones, Bob Dylan, Lady Gaga, Bruce Springsteen)
Um nur mal einige zu nennen. Ähnlich abwechslungs- und umfangreich ist auch das Equipment. Da gibt es die verschiedensten E- und Akustikgitarren inklusive weniger verbreiteter Ausführungen (wie z.B. Electric-7-und 12-String, Baritone Guitars oder Piezo Guitars) plus Mandoline, Banjo, Sitar oder Ukulele, E- und Kontrabässe, die verschiedensten Drum-Sets und massig Percussion-Material. Genau wie die Mikrofone und Amps, die zur Aufnahme verwendet wurden, ist alles detailliert aufgeführt. Was mich zum nächsten Kapitel bringt.
Exzellenter Browser und gute Preview-Funktion
Der Browser von Celemony Tonalic ist mit seinen extrem umfangreichen Such- und Filterfunktionen eine extra Erwähnung wert. Dass ich da nach Instrument, Genre oder Musiker fahnden kann – geschenkt, das ist ja mittlerweile Standard. Hier aber geht es wesentlich tiefer.
Soll die Gitarre Rhythm Part, Riff, Line, Lick oder Pad spielen? Der Drummer mit Sticks, Brushes, Hand, Rods oder Mallets? Welchen Becken-Style soll sein Set haben – Closed, Half-Open, Open, Pedal oder Stack? Ich kann nach Playing Tools für die Gitarre suchen (Plectrum, Thumb, Finger, Fingerpicks, Ebow, Bottleneck, Bow), nach einer speziellen Pickup-Position oder Zahl der Saiten, nach speziellen Recording Studios und Engineers, nach Beat Accents, Drum-Modellen, Mikrofonen, die bei der Aufnahme verwendet wurden und hundert weiteren Sachen. Sogar den Frequency Focus einer Aufnahme, ob sie Minor- oder Major-Seven-Akkorde verwendet oder wo die bevorzugten Beat-Accents liegen sollen, steht mit auf der Fahndungsliste des Browsers. Und das alles enorm übersichtlich und zugänglich inklusive Bookmark-Funktion. Gut, wenn man zu speziell wird (Punk mit Bottleneck auf einer 7-saitigen Gitarre gespielt und in L.A. aufgezeichnet) muss man damit leben, dass das Ergebnisfeld dann leer bleibt, aber – immerhin kann man überhaupt danach suchen.
Übrigens kann ich alle Celemony Tonalic-Patterns im Browser mit der Preview-Funktion vorhören. Entweder für sich allein oder im Zusammenklang mit zwei weiteren dazu passenden Instrumenten/Patterns und vier Beispielakkorden. Ich kann die Phrase im Browser aber auch direkt zusammen mit meinem Song in der DAW starten und so hören, ob diese grundsätzlich passt. Füge ich sie dann ein, wird sie noch weiter angepasst und verfeinert. Das alles ist enorm praktisch und durchdacht.
Standalone, Plug-in-Instrument oder ARA?
Um das gleich zu Beginn zu klären: Ja, es gibt auch eine Art Standalone-Modus von Celemony Tonalic. Dieser wird von Celemony aber gar nicht beworben, weil er eigentlich nur für interne Kontrollaufgaben gedacht ist und zudem so weit limitiert, das lediglich Tonalic-Patterns gesucht und vorgehört werden können. Sachen wie Timeline oder Akkordspur fehlen, so dass dieser Modus kaum einen praktischen Nutzen hat.
Als Plug-in-Instrument finden wir Celemony Tonalic in der DAW unter VST-Instruments. Ein Sonderfall ist Fender Studio Pro (bzw. Studio One Pro 7), wo es im Browser auch einen eigenen Reiter besitzt. Die Arbeit mit dem Plug-in-Instrument (auf die ich gleich noch näher eingehen werde) ist etwas tricky, da das Plug-in-Fenster von Tonalic mit der Set Page eine eigene Akkordspur und ein integriertes Multichannel-System hat, auf dem die Tonalic-Spuren abgelegt und bearbeitet werden. Zwar muss ich auch in der DAW erst einmal eine oder mehrere Tonalic-Spuren anlegen, doch bleiben diese (optisch) leer. So habe ich im Song dann zwei getrennte Track-Systeme: eines im Tonalic-Fenster und eines im Arranger der DAW. Das ist anfangs etwas ungewohnt, aber mit der Zeit geht das schon.
Wesentlich komfortabler ist ohnehin das Arbeiten im ARA-Modus. Damit kann ich ein Tonalic-Patterns einfach auf eine Audiospur im Arranger in der DAW ziehen, es dort mit den DAW-Tools bearbeiten und habe alles direkt im Blick.
Außerdem kann ich hier die Set Page durch einen Doppelklick auf ein Pattern in Fender Studio Pro direkt im Editor-Bereich öffnen. Der ARA-Modus ändert zwar nichts an der grundsätzlichen Arbeitsweise von Celemony Tonalic oder am Klang, verankert Tonalic aber tiefer und besser im Workflow der DAW.
Rechtliche Aspekte
Alle Tonalics können uneingeschränkt royalty-free genutzt, veröffentlicht oder monetarisiert werden. Es gibt auch keine Vorgaben in Bezug auf die Anzahl gleichzeitig verwendeter Tonalics oder sonstige Nutzungslimits. Wird ein Abo beendet, bleiben bereits erstellte und gebouncte Audio-Spuren weiterhin vollständig nutzbar – auch für spätere Veröffentlichungen.
Ohne aktives Abo kann Tonalic selbst dann aber nicht mehr verwendet oder abgespielt werden, da es sich eben nicht um statische Loops, sondern um adaptive Performances handelt, die in Echtzeit durch die Tonalic-Engine erzeugt werden. Wer also ein Projekt später noch einmal bearbeiten will, muss sein Abo für diese Zeit erneuern, wenn er die Tonalic Tracks nicht zuvor gebounct hatte.
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Celemony Tonalic in der Praxis: Der Workflow
Da schauen wir zuerst einmal auf den Instrument-Plug-in-Modus von Celemony Tonalic. Tonalic-Plug-in in die DAW ziehen, Tonalic-Fenster öffnen und los geht’s. Das Fenster kann in der Größe angenehmerweise frei angepasst werden. Das Fenster startet stets mit bunten Bildern von Musikern, Instrumenten und Styles im Explore-Modus. Hier kann man ein wenig herumstöbern, was es alles gibt
Im Search-Modus suche ich mir im Browser mit seinen vielfältigen Filtern das passende Tonalic-Pattern aus und ziehe es per Drag & Drop auf die Timeline im Tonalic-Fenster, die sich in Bezug auf Tempo und Akkorde nach den Angaben im Arranger der DAW richtet, sofern dort schon ein Song in Arbeit ist. Falls nicht, kann ich im Tonalic-Fenster auch einen eigenen Akkordverlauf anlegen. Dabei unterbreitet mir Tonalic Vorschläge, welcher Akkord sich eignet und welcher weniger. Außerdem schlägt mir Celemony Tonalic auf Mausklick die passenden Pattern-Ergänzungen und Alternativen vor.
Auf die Nachteile dieser „Doppelfenster-Technik“ bin ich bereits im letzten Kapitel eingegangen. Abgesehen davon gestaltet sich die Arbeit hier, auch dank der Mouse-Over-Help-Funktion, sehr angenehm. Nach wenigen Minuten findet man sich blind zurecht und erreicht mit wenigen Klicks alles, was man benötigt.
Klicke ich auf ein Pattern, öffnet sich der Set-View. Das ist das Fenster, wo am Song und den Tonalic-Patterns gebastelt wird. Hier werden weitere, alternative Patterns angezeigt, plus Transitions und Endings. Außerdem noch Infos zum Musiker, zum verwendeten Equipment und zum Studio.
Zusätzlich gibt es hier die Drehregler für die Klangbearbeitung, die es allerdings nur in Tonalic Studio gibt. Dazu gehören Drive, Ambience und Effect für reine Effekte. Swing, Timing und Nudge für das „Human Feeling“, außerdem noch „Speed“ (Double Time, Half Time) sind dagegen ebenso in Tonalic Arranger und Essential verfügbar wie die Möglichkeit, einen „Groove Master“ zu definieren, dem alle Tonalics folgen können. Für Drums kann man in Tonalic Studio außerdem das Mix-Verhältnis zwischen Cymbals und Kit anpassen und sogar Cymbals oder Kit an den Min und Max Punkten des Reglers komplett ausschalten. Etwa, um die von Kenny Aronoff eingespielten HiHats mit selbst eingespielten zu kombinieren.
Ebenfalls nur in der Studio-Version von Tonalic gibt es das Refine-Feature. Hier kann ich recht tief in das jeweilige Pattern eingreifen und Voice Leading, Pitch, Amplitude und Micro-Timing verändern und anpassen. Das geschieht in einem eigenen Fenster, das in seiner Piano-Roll-ähnlichen Darstellung sehr an Melodyne erinnert.
Hier mal ein Beispiel für geändertes Voice Leading. Erst das Original – einige Gitarren-Patterns von Bryan Sutton, bestehend aus vier Main-Patterns (mit Variation und Drop), einer Transition und zwei Endings:
Und hier der Track mit geänderter Stimmführung. Bei jedem Akkord bietet mir Tonalic da mehrere Möglichkeiten an. Ich ändere also nicht komplett den ganzen Song, sondern jeden Takt für sich. Zum Beispiel so:
Mit Amplitude kann ich einzelne Töne in der Lautstärke ändern. Was ich hier mal (sehr übertrieben) gemacht habe. Änderungen werden optisch markiert, so dass ich die bei Nichtgefallen einfach wieder per Doppelklick zurücknehmen kann.
Auch die Tonhöhe lässt sich ändern, indem ich entweder die Abbildung der Töne auf der Piano-Roll verschiebe oder einfach ihre Bezeichnung oben im Textfenster ändere. Auch Feintuning von -50 bis +50 ct ist so möglich.
Was mir hier, wie bei allen anderen Refine-Aktionen auch fehlt, ist ein direktes akustisches Feedback schon beim Editieren, wie ich es sonst im Editor in der DAW habe. Was daran liegt, dass ich hier keine Noten/Töne, sondern eben „nur“ deren Abbildungen habe. So muss ich mich mit optischen Angaben begnügen und dann beim Abspielen abhören und kontrollieren. Auch hier mal ein Beispiel mit einigen übertriebenen und willkürlichen Notenänderungen.
Was nicht geht: in Celemony Tonalic lassen sich keine eigenen Noten hinzufügen oder existierende löschen. Und das hat auch einen Grund, den ich anfangs schon angesprochen hatte: Die Musiker wollten nicht „nur“ das Ausgangsmaterial liefern, dass dann – beliebig verändert – zu etwas ganz Neuem (und nicht unbedingt Besseren) werden kann, an dem aber immer noch ihr Etikett hängt. Sie legten Wert darauf, dass ihre Patterns ihre persönliche Note behalten.
Noch ein paar Worte zum Workflow von Celemony Tonalic im ARA-Modus in Studio One Pro 7 / Fender Studio Pro 8, über die Vorzüge hatte ich ja schon im letzten Abschnitt gesprochen. Eine kleine, anfangs etwas verwirrende Besonderheit hier: Die Patterns werden zwar auf eine Audiospur in der DAW gezogen, erscheinen in ihrer optischen Darstellung dort aber nicht als Waveform (weil es eben keine Audios sind), sondern als MIDI-Darstellung. Die bei einem Doppelklick dann entsprechend auch kein normales MIDI-Edit-Fenster öffnen, sondern – an derselben Stelle – das Tonalic-Fenster. Muss man sich erst einmal dran gewöhnen.
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Celemony Tonalic in der Praxis: Soundbeispiele
Zeit für etwas Musik. Ich starte mit ein paar Takten, die ich mit UJAMs Virtual Guitarist Amber schnell „hingeschludert“ habe:
Holen wir Uwe Bossert dazu, der uns auf seiner Yamaha AES 1500 B (mit DeArmond 2000 Pickups) einige Lines darüber spielen soll. Die klingen alleine so…
… und zusammen mit der VG-Spur so:
Reicht natürlich noch nicht. Uwe Bossert spendiert noch eine Gitarrenspur. Beachtet, dass Takt 1 und Takt aus demselben Tonalic-Pattern gemacht sind, aber ganz unterschiedlich klingen, da die jeweiligen Anschlüsse anders sind.
Bauen wir mal die drei bisherigen Spuren zusammen:
Fehlen noch Bass und Drums. Das übernehmen Paul Kleber am Kontrabass und Oli Rubow an den Drums. Erwähnenswert ist, dass die ersten beiden Takte von Paul Kleber beide aus dem Pattern „Main 1“ bestehen, es im zweiten Takt aber trotzdem eine winzige Abweichung gibt, wie ein Blick ins Tonalic-Refine bestätigt. Kaum zu hören, aber das sind eben diese Kleinigkeiten, die eine herkömmliche Loop nicht leisten kann und die für den „Human Touch“ sorgen.
Hier der Bass solo:
Und zum Schluss die volle Kapelle. Wunderbar, wie Bossert seine Yamaha ausklingen lässt und dann noch mal über die Saiten streicht.
Als nächstes ein kleiner Trip durch die musikalischen Genres. Die 4- bis 8-Takter habe ich schnell mit den Tonalic-Patterns gebaut, meist mit Rhythmus- und Leadgitarre, Bass und Drums. Jedes Pattern kommt ja im Paket mit mehreren Mains (plus Variations und Drops), Transition und Ending. Das sind hier also nur Beispiele, zu denen es massig Varianten gibt. Und natürlich kann man die Genres auch wild mixen und sich frei an allen Schubladen bedienen. All diese Beispiele sind nur Basics und könnten/müssten dann noch um weitere Instrumente ergänzt werden.
Wir starten mit Jazz (Brent Mason (gtr), Larry Paxton (bs), Kenny Aronoff (dr), Tim Pierce (solo gtr))
Als nächstes folgen ein paar Takte Metal (Troy McLawhorn (gtr, solo gtr), Kenny Aronoff (dr), Nate Mendel (bs)):
Das ist R&B (Adrian X (gtr), Sean Hurley (bs), Venzella Joy (dr)):
Der Indie Rock hier hat was von Jimi Hendrix (Jared Scharff (gtr), Sean Hurley (bs), Alex Reeves (dr):
Celemony Tonalic kann auch Blues (Binky Griptite (gtr), Nick Movshon (bs), Kenny Aronoff (dr)):
Mal etwas Ruhigeres: Singer-Songwriter (Uwe Bossert (gtr), Sean Hurley (bs), Victor Indrizzo (dr)):
Eher selten zu hören in Libraries: Folk / Gipsy (Brian Sutton (gtrs), Paul Kleber (bs), Victor Indrizzo (dr):
Yiihaaa! Traditional Country (Brian Sutton (gtr), Brent Mason (solo gtr), Larry Paxton (bs). Kenny Aronoff (dr)):
Move it up: Funk (Adrian X, Justin Derrico (gtrs) ), Sean Hurley (b), Victor Indrizzo (dr):
Das hier hat Tonalic unter Dance einsortiert. Wohl eher Slow Dance. (Uwe Bossert (gtrs), Raoul Walton (bs), Victor Indrizzo (dr):
Punk is not dead. Auch so kann Celemony Tonalic klingen. Am Bass Foo Fighter Nate Mendel. (Martin Ace Kent, Troy McLawhorn (gtr), Nate Mendel (bs), Kenny Aronoff (dr)):
Progressive, oder kurz “ProgRock” (Jared Scharff, Troy McLawhorn (gtr), Nate Mendel (bs), Alex Reeves (dr)):
Indie Pop zeichnet sich durch melancholische, aber fröhliche Klänge aus. Die Synthesizer und elektronischen Klänge müsste man dann ergänzen (Uwe Bossert (gtrs), Raoul Walton (bs), Victor Indrizzo (dr))
Abschließend noch eine Auswahl an verschiedenen Instrumenten, die bei Celemony Tonalic zum Einsatz kommen. Auch hier habe ich wieder einige – stilistisch ganz unterschiedliche -Tonalic-Patterns aus dem jeweiligen Angebot an Mains, Variations, Transitions und Endings zu vier Takten zusammengesetzt. In Klammern jeweils der Musiker und sein Instrument.
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Das ist bei Celemony Tonalic geplant
Für die nähere Zukunft plant Celemony, den Fundus an Tonalic-Patterns auszubauen und weitere DAWs mit dem ARA-Feature zu versorgen. Bei letzterem ist man aber auch auf die Zusammenarbeit mit den DAW-Entwicklern angewiesen, daher wollte man da noch keine konkreten Termine nennen. Eine Erweiterung des Instrumenten-Spektrums (etwa um Tasteninstrumente) steht derzeit nicht zur Debatte.
Update: KI, Online-Pflicht und Datenschutz
Nach der Veröffentlichung von Tonalic gab es zu obigen Themen einige Mutmaßungen, Annahmen und Befürchtungen. Wir haben daher bei Celemony nachgefragt.
Auch wenn man es vielleicht vermuten könnte: Tonalic kommt tatsächlich ganz ohne die Hilfe von künstlicher Intelligenz aus, auch findet kein Training mit Nutzerdaten statt. Die Tonalic-Engine arbeitet ausschließlich mit vorab produzierten, vollständig aufgenommenen Studio-Performances, die von Tonalic dann on-demand ausgeliefert werden. Das Regelsystem, mit dem diese Performances eingesetzt werden, ist fest implementiert und wird nicht von einer KI gesteuert.
Tonalic ist als Content-basierte Plattform mit einer kontinuierlich wachsenden Library konzipiert, ist also ein organisches, sich fortwährend veränderndes System. Das heißt: Tonalics werden ständig ergänzt, bestehende Inhalte bei Bedarf immer wieder musikalisch und technisch optimiert und dann eingebaut. Wenn ich auf einen Inhalt zugreife, wird der lokal auf meinem Rechner gespeichert und kann anschließend auch offline abgespielt werden. Offline-Arbeit mit Tonalic ist also möglich, aber eben nur mit bereits geladenem Content. Um in der kompletten Library-Datenbank suchen und weitere Inhalte herunterladen zu können und damit auch Zugriff auf die Ergänzungen und Verbesserungen zu haben, muss mein Rechner dagegen mit dem Internet verbunden sein.
Der Online-Zugriff wird zudem für das Login und für die Überprüfung des Lizenzstatus genutzt. Es werden dabei jedoch keine musikalischen Inhalte der Nutzer wie Audio-, MIDI- oder Songdaten gesammelt oder in die Cloud hochgeladen. Man muss also keine Sorge haben, dass der eigene geplante Hit demnächst als Tonalic-Performance auftaucht. Ermittelt und übertragen wird lediglich, welche Tonalics geladen wurden. Diese technischen Log-Daten werden zur Abrechnung mit den Tonalic-Musikern benötigt, die nämlich am Erfolg von Tonalic beteiligt sind.
Für Irritationen sorgte auch ein Satz aus der Privacy Policy. Da heißt es: „We only transmit your data to third parties when this is legally permissible, you have consented to it or its transmission is required to fulfill our commercial objectives”. Der Satz stammt aus der Tonalic-Website und bezieht sich ausdrücklich auch nur auf die Nutzung der Website, nicht auf die Nutzung der Tonalic App. Das übliche Website-Tracking (Cookies & Co) ist also von der Nutzung der Software strikt getrennt.



















Vor ein paar Wochen hat celemony mir als Melodyne-user das gute Stück (mit eingeschränkter Funktionfülle) für lau angepriesen. Danke! Die Idee dahinter finde ich stark.
Nach einigen Nächten mit Uwe Bossert ist mir bewusst, dass mir besonders die einfache Bedienung und die abwechslungsreiche Breite der Einspielungen gefällt.👍
Den benannten Minuspunkten wird bei Updates bestimmt Abhilfe beigebracht… 🫠
Ob sich diese App durchsetzt? Ich wünsche es den Köpfen von Celemony! Denn hier steck Liebe zum Detail drin.😀
Wundert mich daß dieses böse K-Wort nicht zum Einsatz kommt, nennen es „adaptive musical intelligence“.
Wenn das Ding lokal abläuft und nur die Celemony-Engine mit Analysen von Tonfolgen und Spielweisen verschiedener Studiomusiker paart, ok, aber Ist das wirklich so?
Sobald da online was abläuft würden meine Zweifel anfangen.
Die Homepage ist komplett von Celemony getrennt. Offenbar sollen sich beide Produkte abgrenzen.
Warum?
Dann ist es ein Abo-Modell, es gibt zwar angeblich keinen Online Zwang aber es wird verschwurbelt darauf hingewiesen, daß die Funktionalität dann lediglich auf bereits erstellte „Tonalics“ beschränkt ist.
Hier ein lustiger OG Text zur Online-Nutzung:
„Then why not download the whole library? For one thing, because it’s far too big (you couldn’t download all Netflix or Spotify either, for that matter), but also because we are constantly improving and expanding the content. Online access ensures that users have access at all times to the latest and best versions of everything currently available.“
Ok, 30 Musiker machen mit 7000 Aufnahmen Streaming-Anbietern mit Petabyte-Servern Konkurrenz.
Ich behaupte mal, daß jeder der eine umfangreichere NI Kontakt-Library hat, diesen Umfang bei weitem sprengt.
Wer sich das Abo „gönnen“ will vielleicht mal hinterfragen, was hinter dem „constantly improving“ so alles steckt.
„We only transmit your data to third parties when this is legally permissible, you have consented to it or its transmission is required to fulfill our commercial objectives.“
Ok, was ist denn rechtlich alles so erlaubt und was sind die kommerziellen Ziele?
Eh, wenn ich da jetzt via Tonalics die viel gerühmten Profimusiker in meine Projekte integriere, fällt doch nur noch mehr auf, wie medioker meine Aufnahmen dagegen sind 😂
Wie oft haben Viele von uns bei einer Produktion wohl gedacht, dass es eine schön gespielte Gitarre das Ganze noch etwas aufbessern könnte. Viele virtuelle Instrumente klingen in der Werbung sehr gut, doch in der Praxis ist es oft etwas mühselig, auf die beworbenen Ergebnisse zu kommen.
So gesehen bietet Celemony Tonalic interessante und wohl praxistaugliche Gestaltungsmöglichkeiten. Ein Abo wäre vielleicht auch noch in Ordnung, es verhält sich etwas angeleht an die Session mit einem Studiomusiker. Ist das final Take aufgenommen, habe ich die Audiospur, wie bei einer realen Session auch. Danach könnte ich das Abo auch wieder beenden.
Der Hinweis von Kazimoto AHU bewegt mich zum Nachdenken, weshalb soll die Library auf dem CloudServer liegen? Und weshalb muss ich online sein?
Wer will schon die gesamte Biblothek downloaden? Für eine praktikable Nutzung braucht es jedoch keine Cloud. Apple beweist das in Logic seit Jahren mit der Bibliothek, die man diese ganz individuell nach belieben downloaden kann.
Der erste Einwand von Celemony zur Erforderlichkeit Online sein zu müssen ist somit schnell widerlegt. Das zweite Zitat bringt es dann schon eher auf den Punkt, weshalb das Online erfolgen soll:
„We only transmit your data to third parties when this is legally permissible, you have consented to it or its transmission is required to fulfill our commercial objectives.“ ………
@Mixit Zu all dem haben wir ein Update am Ende des Artikels eingefügt.
Der Satz „We only transmit your data to third parties when this is legally permissible, you have consented to it or its transmission is required to fulfill our commercial objectives.“ stammt aus der Privacy Policy zur Website und hat nichts mit der Tonalics-App zu tun. Da geht es um das übliche Website-Tracking mit Cookies.
……….Welche Daten werden hier (regelmäßig) übertragen? Genre? Umfang der ausgesuchten Spielweisen? Sound? Arrangement? Was sonst noch? Läuft doch ein bisschen KI im Hintergrund mit? Ist der Onlinezugang deshalb erforderlich, um durch die Nutzer Celemony Tonalic zu verbessern? D.H. Wir füttern das Tool mit Daten?
Die Idee zum Tool ist super und würde viel Freue machen. Die Konditionen jedoch, denen ich zustimmen müsste, um es zu nutzen zu können gehen für mich persönlich zu weit. Schade.
Hm. Werden die Musiker (hier braucht man wohl nicht zu gendern 🤐) denn auch an den fortlaufenden Abo-Einnahmen angemessen beteiligt? Wäre ja mal ein interessantes Modell für alle Beteiligten, wenn schon die anderen Einkommensquellen gerade so massiv wegbröckeln. Und für ein paar Euro im Monat immer so nen hundertstel Sean Hurley abrufbereit in der Ecke sitzen zu haben, ist doch wirklich eine feine Vorstellung.
@MatthiasH Ja, die werden beteiligt. Wir haben das mit in unseren Update-Absatz „Update: KI, Online-Pflicht und Datenschutz“ (ganz am Ende des Artikels), den wir gerade noch hinzugefügt haben, mit aufgenommen.
Der Abo-Zwang ist für mich genau wie die Userdaten-Übertragung an Dritte ein komplettes k.o. Kriterium: also kein Interesse, ganz egal wie brauchbar der Inhalt alles in allem auch immer wäre.
Wenn überhaupt, wäre ich nur an gezielt ausgesuchtem Content gegen fairen Einmalpreis interessiert. Und das liefern sie nicht.
Also vergesse ich das ganze genauso schnell wieder wie ich darauf aufmerksam geworden bin. So einfach ist das.
Das ist ja alles ganz nett, aber wie auch bei diesen ganzen „Loop-Construction-Kits“ stellt sich mir die Frage: will ich selber Musik machen oder will ich Musik-Schnipsel, die andere gemacht haben, zusammenbasteln? Letzteres hat soviel mit Kunst zu tun wie „Malen nach Zahlen“…..
Als Melodyne-Nutzer hatte ich auch so ein Tonalic-Test-Abo-Angebot. Ich habe es gar nicht erst probiert.
Noch in den 90ern wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Microsoft permanenten Zugang zu meinen Rechnern zu gewähren.
Jetzt versuchen einige Plugin-Entwickler das auch und geben noch nicht einmal in den FAQ an, wann und unter welchen Bedingungen nach Hause telefoniert wird.
Damit sind diese Plugins zumindest für Live-Rechner unbrauchbar, und ich nutze sie auch auf meinem Studiorechner nur noch widerwillig.
Microsoft ist (wahrscheinlich nicht nur bei mir) in Ungnade gefallen. Für alles, was mit dem Internet zu tun hat, nutze ich inzwischen meist Linux.
Es ist durchaus möglich, dass es einigen dieser Entwickler früher oder später genauso ergeht, wie es jetzt mit NI angefangen hat.
@ukm Ich gebe zu meiner Schande zu auch noch eine Microsoft-Partition zu haben, um gelegentlich mein Arturia Interface zu konfigurieren oder Plugins zu installieren, die unter Linux Probleme machen. Manchmal kann man dann einfach die Daten auf den Linux-Wineprefix kopieren und plötzlich läuft es, weil bei der Install unter Linux/Wine direkt, manchmal nicht alle Verzeichnisse und/oder Dateien erzeugt werden. Derweil säubere ich gerade meinen Plugin-Ordner von zweifelhaften Plugins, die entweder keinen Mehrwert haben, Updates die Kompatibilität versaut haben, oder die Aktivierung eher zweifelhaft ist. iLok geht mir z.B. zunehmend auf den Sack, weil ich immer wieder in Lizenz-Stau gerate, weil ich vergessen habe, an dem einem Rechner die Lizenz zu deaktivieren um woanders was machen zu können. Ich habe jetzt ein Projekt offen, bei dem ich sukzessive versuche, genau diese Plugins durch andere oder gar Bitwig Stock-Plugins zu ersetzen, was ganz gut geht und man lernt dabei noch was, vor allem die Ohren.
@Kazimoto Treffen der anonymen Windows-Nutzer:
„Hallo, ich bin Bluebell, und ich nutze gelegentlich eine Windows-VM“ – „Hallo Bluebell“ (verständnisvolle Gesichter)
@bluebell Neulich in der IT-Selbsthilfegruppe…… 😄
Man kann das Tool sicher sehr gut bei gitarrenorientierter Musik nutzen, was nicht meine Welt ist … vielleicht kommt da irgendwann eine Erweiterung?
Wir haben den Artikel um den Abschnitt „Update: KI, Online-Pflicht und Datenschutz“ ergänzt, da es hier wohl einige offene Fragen, Befürchtungen und Missverständnisse gibt.
@m.steinwachs Danke für die Ergänzungen. 👍