Frischer Wavetable-Synth für iPad und Mac
Cem Olcay Nikaya ist ein achtfach polyphoner, expressiver Dual-Wavetable-Synthesizer für iPhone, iPad und M-Serie-Mac (Universalkauf) – als Standalone- sowie AUv3-Plugin. Trotz der einfachen Bedienung ermöglicht Nikaya vielfältige und komplexe Sounds.
- Vielseitiger Klang: Zwei FM- und zwei Wavetable-Oszillatoren ermöglichen komplexe Sounds.
- Einfach bedienbar: Klare Struktur, Touch-optimiert, Preset-Synchronisation via iCloud.
- Bildimport & Community: Eigene Wavetables per Bilddatei generieren und Presets teilen.
- Günstiger Preis: Trotz kleiner Schwächen ein beeindruckendes Gesamtpaket für wenig Geld.
Inhaltsverzeichnis
Cem Olcay Nikaya Wavetable and FM-Synth
Cem Olcay und die Buddys
Cem ist ein Entwickler aus der Türkei und Autor von über 30 Audio- und vor allem MIDI-Effekten, die es im App Store für durchschnittlich 7,- Euro zu erwerben gibt. Dabei schafft er das Kunststück, dass kaum eine seiner „Buddy“-Apps redundant ist. Zwischen verschiedenen MIDI-Sequencern und Werkzeugen wie dem generativen SnakeBud, dem Harmonicc Chord Sequencer für Akkordprogressionen ohne musikalische Vorkenntnisse und dem Bass-Synth- und Sequencer „Euclid Goes to Party“ finden sich Apps, von denen man nicht wusste, dass man sie braucht – bis man einen Blick darauf geworfen hat.
Cem Olcay hat hier aber nicht nur eine Ansammlung von Apps geschaffen. Mit der BrainBud-App können in bisher 14 MIDI-Apps die Einstellungen für Noten und Tonarten kontrolliert und abgeglichen werden. Die Einstellungen lassen sich über den Budcast-Button einfach an diese MIDI-Apps senden. Als AUv3-Plug-ins in Hosts und DAWs können die MIDI-Apps sogar von BrainBud aus automatisiert werden. So wird aus einzelnen Apps ein Universum – sehr schön!
Nikaya
Cem Olcay Nikaya kann als Standalone- sowie AUv3-Plugin auf iPhone, iPad und Mac betrieben werden und ist einer der Synths, bei denen es deutlich schneller geht, den Sound manuell einzustellen, als sich durch die Presets zu wühlen. Allerdings verhält sich Cem Olcay Nikaya in manchen Details anders, als man es von einem üblichen subtraktiven Synthie erwartet – und man muss sich zweimal überlegen, was das jetzt soll, zumal es auch kein richtiges Handbuch gibt.
Wavetables
Zur Frage, was Wavetable-Synthese ist, bietet Amazona.de einen umfassenden Artikel zum Thema von Thilo Goldschmitz: Workshop: Wie funktioniert Wavetable-Synthese?
Cem Olcay Nikaya nutzt zwei FM- und zwei Dual-Wavetable-Oszillatoren zur Klangerzeugung, wobei sich die letzteren ein Wavetable teilen. Wenn jeder Oszillator sein eigenes Wavetable hätte, wäre es zwar noch schöner gewesen – aber was soll’s. Die App liefert bereits eine Auswahl an Wavetables und Presets mit. Natürlich lassen sich auch eigene Wavetables importieren. Diese müssen als WAV-Dateien vorliegen, daraus können bis zu 128 Schwingungseinträge generiert werden.
Für spannende Experimente können auch Bilder als Wavetables importiert werden. Da finden die ganzen brachliegenden Urlaubsfotos doch endlich mal eine sinnvolle Verwendung.
Etwas eigenwillig ist, dass der WAVE-Parameter zur Auswahl des Wavetable-Eintrags mit Prozent arbeitet – was ich etwas suboptimal finde. Zumindest sollte die Rasterung des Parameters in Promille erfolgen, da 100 %/128 Tables eben 0,78 % pro Schritt ergibt und nicht 1 %. Das Problem ist aber zumindest auf dem Touchscreen umgehbar, da sich die Parameter über vertikale und horizontale Streichgesten grob und fein einstellen lassen.
Browser
Die selbst erstellten Presets werden automatisch über iCloud mit anderen Macs oder iPads, die man besitzt, synchronisiert – was sehr praktisch ist. Neben Werks- und User-Presets gibt es auch noch die Community-Presets. Hier lassen sich die eigenen Presets auf Wunsch mit der Community teilen oder Presets daraus herunterladen. Sehr schön!
Der Browser selbst ist allerdings sehr minimalistisch und bietet weder Ordner-, Kategorien-, Such- noch Tag-Funktionen. Nur die Liste der Einträge wird angezeigt – da wäre sicher noch Platz für mehr Komfort.
LFO-Modulation des Wavetables
Das Wavetable wird nach der Auswahl anschaulich auf der rechten Seite der Oberfläche dargestellt, inklusive Anzeige, welchen Eintrag in der Tabelle die Oszillatoren gerade scannen.
Über den WAVE-Parameter der Oszillator-Sektion wird die Startposition des Oszillators festgelegt, ab der dann mit dem LFO moduliert wird. Der LFO bietet die zwei Modi „bipolar“ und „unipolar“.
Im bipolaren Modus markiert der WAVE-Parameter die Mittelposition der Auslenkung, von der aus der LFO nach beiden Seiten schwingt. Mit dem AMOUNT-Parameter des LFOs wird dann die Modulationstiefe festgelegt. Kennt man – nichts Neues.
Im unipolaren Modus dagegen stellt der WAVE-Wert die unterste Startposition dar. Der AMOUNT-Wert agiert dabei – durch die fehlende negative Periode – effektiv als Offset für die Startposition der Modulation. Beispielsweise: Wenn der WAVE-Wert null ist und AMOUNT 100, dann durchfährt der Oszillator die Wavetable-Einträge zwischen ca. 50 % und 100 %. Deswegen springt der Oszillator beim Umschalten zwischen unipolarer und bipolarer Modulation auch zu einem anderen Wavetable-Eintrag und ändert damit den Sound.
Das Spiel zwischen den Werten der Parameter WAVE und LFO-AMOUNT ist dabei essenziell, denn ab einem bestimmten Wavetable-Wert erreicht die Auslenkung das Ende des Wavetables bzw. würde darüber hinausgehen. In diesem Fall verharrt der Oszillator beim letzten Wavetable-Eintrag, bis die Auslenkung wieder kleiner wird.
In den Voreinstellungen gibt es auch noch eine nette Option für jeden LFO: ob sie in der Phase zurückgesetzt werden sollen, wenn ein Trigger eingeht. Das gilt auch für die Filterhüllkurve.
Die LFOs können frei zwischen 0,01 und 20 Hz laufen. Bei Synchronisation wird die Geschwindigkeit per Teilungsverhältnis festgelegt. Der Bereich reicht von punktierter 1/16tel (am langsamsten) bis x16-Triolen (am schnellsten) – was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Das Verhältnis der beiden FM-Oszillatoren arbeitet im Übrigen auch mit diesen Modulationsgeschwindigkeiten.
An LFO-Schwingungsformen gibt es Sinus, Dreieck, Sägezahn plus Invertierung sowie Konstante/Rechteck.
Filter und Hüllkurven
Das Filter in Cem Olcays Nikaya ist einem analogen 24-dB/Oktave-Ladder-Filter nachmodelliert. Allerdings habe ich seit dem Waldorf Pulse 2 kaum mehr bei einem Ladder-Filter ab 50 % Resonanz ein derart ultrabrutales Resonanzpfeifen um die Ohren gehauen bekommen. Das Pfeifen hört sich dann auch nicht mehr organisch an, sondern vom Klang separiert. Bis zum halben Resonanzweg klingt das Filter jedoch durchweg gut – danach: Vorsicht!
Das Filter bietet eine eigene Modulationshüllkurve, die über die Taster „EG-Cycle“ aktiviert und über „EG-Sync“ synchronisiert werden kann.
Die Modulationstiefe wird über einen AMOUNT-Regler im Bereich von ±100 % eingestellt. Der Regler bestimmt, ob die Modulation unipolar ab der Cutoff-Frequenz auslenkt – das heißt: entweder nur nach oben oder nur nach unten. Eine Modulation über den Nullpunkt hinweg gibt es nicht. Es ist etwas schade, dass hier keine Option für bipolare Modulation integriert wurde, denn gerade bei diesem Synth macht die Modulation das Filter erst richtig interessant.
Die Hüllkurvenform der Cutoff-Modulation wird über die Parameter RISE und FALL bestimmt, die dem üblichen Attack und Release entsprechen. Die Zeiten reichen jeweils von 1 Millisekunde bis 5 Sekunden oder punktierter 1/16tel bis x16 Triolen. Der gleiche Wertebereich gilt auch für die ADSR-Hüllkurve.



































Wenn jemand Universal App zu diesem Preis anbietet (kann ich auf Mac UND iPad einsetzen), dann kaufe ich zuerst. Danach höre ich es mir an. Das muss unterstützt werden. Gesagt, getan.