Test: Centrance Mixerface R4, R4R mobiles Audiointerface

15. März 2019

Für die Hosentasche

centrance mixerface r4

Centrance Mixerface R4, R4R

Das Centrance MixerFace R4 ist keine audiophile Reinkarnation des über 30 Jahre lang gebauten Renault-Klassikers, wir haben es hier mit einem komplett neuen Produkt eines amerikanischen Herstellers zu tun. Das fährt zwar nicht, soll aber auch Geräusche von sich geben, im besten Falle ohrenschmeichelnde.

Bei dem Namen „Centrance“ ist bei mir zuerst der Groschen nicht gefallen, sondern erst mal irgendwo in meinen Hirnwindungen steckengeblieben. Nach Recherche über Professor Google habe ich dann herausgefunden, dass diese Firma schon seit dem Jahre 2000 existiert, aber hauptsächlich Recording- und Schnittstellenlösungen für andere Firmen getätigt hat, hauptsächlich für sehr namhafte. Seit einigen Jahren entwickeln sie hin und wieder auch ein Produkt unter eigenem Namen und siedeln dieses dann nicht im Billigsegment an, sondern in einer deutlich höherpreisigen Region. So auch das MixerFace R4, das knapp 400,- Euro im Handel kostet.

Daneben gibt es noch einen Bruder namens Centrance Mixerface R4R, das auch ohne Rechner als Stand-Alone-Recorder betrieben werden kann und die Daten auf eine Micro-SD-Karte schreibt (max. 512 GB). Zu diesem Zweck besitzt das mit 449,- Euro veranschlagte Gerät eine Reihe von Bedientasten, die zur Steuerung der „Laufwerksfunktionen“ dienen.

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Links MixerFace R4, rechts R4R

Beide Geräte können mit allen gängigen Taktungen bis hinauf zu 192 kHz betrieben werden, ein Treiber wird für den Mac, ein iOS- oder Android-Gerät nicht benötigt, für Windows gibt es passende Treiber. Beiden Geräten beigelegt ist ein Transportbeutelchen.

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Centrance Mixerface R4, R4R – was sind wir?

Das Centrance Mixerface R4 ist ein universelles Audiointerface, das mit allen gängigen Betriebssystemen läuft: Android, iOS, Mac, Windows – mit allen „kann“ das R4. Das besondere Merkmal beim etwas teureren Bruder R4R ist die Stand-Alone-Funktion des Gerätes, die es erlaubt, Aufnahmen auch ohne Computer durchzuführen.

Anschlüsse gibt es für so ein kompaktes Gerät reichlich: 2 XLR-Combobuchsen nehmen entweder XLR- oder Klinkenstecker auf, daneben befinden sich zwei kleine Klinkenbuchsen im 3,5 mm Format für die Ausgänge, die interessanterweise symmetrisch beschaltet sind.

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Symmetrisch-Mini neben den XLR-Combos

Jeder der beiden Kanäle besitzt einen Umschalter auf „Hi-Z“, wodurch auch eine E-Gitarre oder ein E-Bass ohne den Umweg über eine DI-Box direkt angeschlossen werden kann. Daneben gibt es auch ein Highpass-Filter. Über eine zweifarbige LED wird angezeigt, wann das über den betreffenden Gain-Regler eingespeiste Signal zu „heiß“ wird.

Das Besondere bei beiden Geräten ist der eingebaute Akku, der dem Interface eine durchschnittliche Laufzeit von 8 Stunden ermöglicht. So kann man alleine mit einem Smartphone und ohne externen Stromanschluss problemlos mobile Tonaufnahmen in freier Wildbahn bewerkstelligen. Zu bedenken ist allerdings, dass sich diese Betriebszeit mit zwei stromhungrigen Kondensatormikrofonen schon auch nach unten bewegen lässt. Es ist also ratsam, nach Kauf des Gerätes einen Probedurchlauf mit allen angeschlossenen Geräten zu machen, um die genaue Dauer zu ermitteln.

Wer mobil eine sehr lange Laufzeit benötigt, kann natürlich auch eine externe Powerbank oder ein USB-Netzteil an der USB-Ladebuchse anschließen, wenn eine Steckdose in der Nähe ist. Der Ladezustand des Akkus wird mit drei Lämpchen angezeigt.

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„Ich bin voll“, sprach das Trinkerface… ääh… Interface

Centrance Mixerface R4, R4R – In der Praxis

Centrance MixerFace R4 bzw. R4R sind äußerst kompakte Interfaces, bei denen ganz offensichtlich der Schwerpunkt auf größtmögliche Minimierung der Gehäusegröße liegt. Das macht sich natürlich an den verwendeten Schaltern bemerkbar, die nur mit sehr spitzen Fingern bzw. stellenweise auch nur mit einem kleinen Schraubendreher, einer Büroklammer oder ähnlichem umgestellt werden können. Die Drehregler haben trotz ihrer Kleinheit einen angenehmen Widerstand und lassen sich gut bedienen.

Löblicherweise hat das MixerFace ein gewisses Gewicht, so dass es bei zwei eingesteckten Mikrofonkabeln nicht sofort auf dem Tisch umher eiert.

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Bleibt brav liegen und rührt sich nicht

Klanglich ist das Centrance MixerFace R4 bzw. R4R in der gehobenen Klasse anzusiedeln. Die Vorverstärker sind sehr rauscharm, klingen transparent mit einem leichten Hang zum Warmen und Grundtönigen bei einer gleichzeitigen klitzekleinen Betonung von S-Lauten. Bei einer Wandlerqualität, wie es das Centrance bietet, kann man nicht mehr mit Klangargumenten wie „schlecht“ oder „gut“ hantieren, hier geht es nur noch um Nuancen, was das R4/R4R zu einem hochwertigen Interface eines anderes Herstellers dieser Preiskategorie unterscheidet. Wenn es nicht klingt, was man in das Centrance hinein gibt, liegt es garantiert nicht an diesem Gerät.

Der eingebaute Kopfhörerverstärker klingt gut, sehr smooth, nur hat er für ein Abhörwerkzeug etwas zu viel „Schmelz“. Hier vermisse ich eine knackigere Wiedergabe alles Perkussiven sowie von angeschlagenen Saiten. Er bügelte über meinen Beyerdynamic DT880 ein „Pling“ quasi zu einem „Bling“, was manchen Stücken etwas das Temperament aus den Segeln nahm. Man sollte sich dessen bewusst sein, wenn man Klangkorrekturen über den Kopfhörerausgang vornimmt, denn ein darüber eher weich klingender Anschlag hat über nüchterne Monitorboxen ein gutes Pfund mehr „Aggressionspotential“. Man kann sich aber an dieses Wiedergabeverhalten des Kopfhörerverstärkers gewöhnen und kommt dann auch zu guten Ergebnissen.

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Was die Leistung angeht: Für meinen bereits oben genannten Beyerdynamic DT880 (250 Ohm Ausführung) war er zu schwach auf der Brust. Ich würde auch eher zu Typen mit weniger Widerstand raten (32 Ohm etc.), die spielen dann lauter auf.

Getestet habe ich das Centrance MixerFace an meiner neuesten Errungenschaft, einem MacBook Air Retina, auf dem wieder mein Digital Performer 9 (deutsche Version) lief. Nichts zickte oder muckte, das Centrance MixerFace wurde sofort erkannt und lief bestens.

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Bekennender Apfel-Jünger, der Onkel Sigi

Centrance Mixerface R4, R4R – was besonders aufgefallen ist

Durch den eingebauten Akku ist das MixerFace R4/R4R unabhängig vom Strom des USB-Busses und somit in der Lage, zwei phantomgespeiste und auch stromhungrige Kondensatormikrofone zu betreiben. Interfaces, die ausschließlich über den USB-Datenbus den Strom beziehen, können nur ein phantomgespeistes Mikrofon betreiben.

Für wen ist das Mixerface die richtige Wahl?

Aufgrund der hohen Klangqualität ist es uneingeschränkt in jedem professionellen Umfeld von Musik und Film empfehlenswert. Das Gerät ist extrem kompakt, sehr robust und aufgrund des eingebauten Akkus ideal im mobilen Umfeld. Seinen relativ hohen Preis ist es aufgrund der guten Verarbeitung und seiner Vielseitigkeit definitiv wert.

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Fazit

Die beiden Brüder Centrance Mixerface R4 und R4R sind beides Winzlinge, die aber erstaunlich gut klingen und enorm vielseitig sind. Sie fühlen sich an jedem aktuellen Computer, Smartphone und Tablet wohl, das Modell R4R kann auch völlig autark betrieben werden, solange nur der Akku geladen ist. Beide sind nicht gerade billig, aber ihr Geld wert.

Plus

  • guter Klang
  • gute Vorverstärker
  • wertige Verarbeitung
  • vielseitig verwendbar
  • Akkubetrieb ab Werk
  • ohne Computer verwendbar (nur R4R)

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreise:
  • Centrance Mixerface R4: 399,- Euro
  • Centrance Mixerface R4R: 449,- Euro
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