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Test: Chameleon Labs 7603, Mikrofonvorverstärker und Equalizer

Muss es immer das Original sein?

24. Juni 2024
chameleon labs 7603 test preamp equalizer

Chameleon Labs 7603, Mikrofonvorverstärker und Equalizer

Der Chameleon Labs 7603 ist ein Mono-Vorverstärker für Mikrofon-, Line- und DI-Signale. Chameleon Labs? Die hatten doch einmal einen Neve 1073 Klon im Angebot. Ist denn der hier getestete 7603 wieder „nur“ ein Neve-Nachbau? Mitnichten! Ganz im Gegenteil: Dieser hierzulande relativ unbekannte Hersteller hat mit dem 7603 ein ganz heißes Eisen im Feuer. Warum das so ist, lesen Sie in den folgenden Zeilen!

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Was ist der Chameleon Labs 7603?

Der Hersteller Chameleon Labs wurde Anfang der 2000er gegründet und gehört seit 2022 zu Marek Stycos Firma Audio Alchemist mit Sitz im Bundesstaat New York (USA). Die PR-Firma Audio Alchemist vertritt u. a. auch Marken wie Dangerous Music, Trident Audio Developments und Manley Labs.

chameleon labs 7603

Aber Marketing und ein interessanter Name genügen nicht – man brauchte Alleinstellungsmerkmale – und diese finden sich definitiv im attraktiven Gehäuse des Mono-Preamps. Als Kombination aus einem Vorverstärker und einem 3-Band-Equalizer ergeben sich verschiedenste klangliche Eingriffe, die das Gerät sehr interessant machen – auch und insbesondere im dichten Feld der Mitbewerber der Preisklasse um die 1.500,- Euro.

Im Übrigen gibt es den 7603 noch als „XMOD“ Version: Für einen Aufpreis von 500,- Euro bekommt das Gerät mit hochwertigeren Carnhill Ein- und Ausgangsübertragern. Ich teste hier die „normale“ Version.

Die Ausstattung des Chameleon Labs 7603

chameleon labs 7603 test preamp

Das Rackmount-Gerät mit einer Höheneinheit ist auf der Frontplatte dicht gepackt mit Bedienelementen und schafft es dennoch durch seine Farbgebung einen sehr aufgeräumten Eindruck zu hinterlassen. Die Elemente sind in drei Hauptbereiche eingeteilt:

Links die Eingangssektion mit einer Klinkenbuchse für DI-Signale, einem Auswahlschalter für Line/Mic, die Mikrofonimpedanz und einen Line/DI-Umschalter. Außerdem die Aktivierung des Equalizers, eine Phasenumkehr und die Phantomspeisung (48 V). Mittig in dieser Sektion der blaue Gain-Regler und eine Clipping-LED. Der Gain-Bereich für Mikrofone reicht von +20 dB bis immerhin +70 dB und bei Line-Signalen sind es immerhin -30 dB bis +20 dB.

Die EQ-Sektion wartet mit einem High-Pass-Filter in vier Stufen (Off bis 320 Hz) und einem 3-Band-Equalizer auf – mit der Frequenzwahl in Bronze und der Charakteristik in Silber. Hier kann man in den Höhen und Bässen ein Shelving hinzufügen und in den Mitten Boost/Cut um die Frequenzen 350 Hz bis 7,2 kHz zu betonen oder zurückzunehmen.

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Rechts dann der Bereich für den Output mit blauem Output-Gain, einer Out-LED, ON/OFF-Schalter und einem kleinen VU-Meter, das in seiner Empfindlichkeit umgeschaltet werden kann: Es zeigt wahlweise die Input- oder Output-Signalstärke an und kann bei sehr lauten Quellen um 20 dB gedämpft werden, damit der Zeiger nicht permanent im roten Bereich ansteht.

Chameleon_7603_VU-Detail

Die Rückseite ist sehr übersichtlich: jeweils ein XLR-Anschluss für Mikrofon oder Line und eine XLR-Buchse für den Ausgang. Erfreulicherweise besitzt der Chameleon Labs 7603 ein internes Netzteil und auch über den frontseitigen ON/OFF-Schalter habe ich mich sehr gefreut.

Neben feinen Features, wie der schaltbaren Mikrofonimpedanz (300 Ohm / 1.200 Ohm), der Phasenumkehr und dem schalbaren High-Pass-Filter liegen die eigentlichen Finessen des 7603 aber unter der Haube. So funktioniert der Equalizer nach dem Prinzip der doppelten Induktion – ganz nach dem Vorbild des Neve 1073. Dies bewirkt nicht nur eine Anhebung oder Absenkung der gewählten Frequenz, sondern fügt dem Signal auch eine subtile Sättigung hinzu.

Chameleon_7603_studio

Die Line-, Mic- und Ausgangsübertrager sind nach Vorgaben von Chameleon Labs gewickelt worden und in Mu-Metall-Gehäuse gehüllt. Der 7603 ist komplett in Class-A ausgeführt – es gibt also keine Verzerrungen beim Übergang von positiver und negativer Halbwelle, wie es bei Class-A/B- oder Class-B-Verstärkern vorkommt. Alle Bauteile sind in SMD-Technik verlötet, die Bedienelemente bestehen allesamt aus Metall und mit 5 kg Gewicht macht der 7603 einen sehr hochwertigen Eindruck.

Chameleon_7603_design

Und noch etwas zum Schmunzeln: Auf der Rückseite findet man den sehr liebevollen Passus:

“Designed and Engineered by nice folks in Woodinville, Washington USA”

Ich mag diese netten Details bei einem Studiogerät sehr!

Chameleon_7603_words

Wie klingt der Chameleon Labs 7603?

In meinem Setup habe ich den 7603 an den Line-Eingang des Universal Audio Apollo X6 unter Umgehung der UAD-Preamps angeschlossen. Als Quellen kam eine PRS Zach Myers E-Gitarre, ein Lewitt LCT640TS Kondenser-Mikrofon und das neue Warm Audio WA-44 Bändchenmikrofon zum Einsatz. Das WA-44 reagiert sehr sensibel auf unterschiedliche Eingangsimpedanzen.

Chameleon_7603_speaker

DI Input: E-Gitarre PRS Zach Myers

Die PRS SE Zach Myers hat einen sehr ausgewogenen Klang, wenn an neutralen Amps betrieben. In Kombination mit dem Chameleon 7603 am DI-Input mit leichter Bassanhebung bei 110 Hz, etwas abgesenkten Mitten und Betonung bei 3,4 kHz bringt der amerikanische Amp die PRS zu wunderbaren Harmonien und einem vollen und warmen Klang. Hier merkt man sehr deutlich, dass ursprünglich einmal ein Neve 1073 Pate gestanden hat:

MIC Input: Bändchenmikrofon Warm Audio WA-44

Ich war natürlich neugierig, wie das Test-Chamäleon mit einem Bändchenmikrofon umgeht, denn insbesondere bei diesem Typ wirkt sich die Mikrofonimpedanz des Eingangs sehr deutlich aus – und tatsächlich: Beim Umschalten ist die klangliche Veränderung sehr deutlich: Mit 3 kOhm ist der Chameleon Labs 7603 (natürlich) lauter, aber beim WA-44 auch kraftvoller.

Chameleon_7603_WA44

Der 7603 mit dem gigantischen Warm Audio WA-44

Wie zu erwarten war, ist das Vintage-Bändchen WA-44 von Warm Audio tendenziell dumpf und arm an Dynamik, aber schon hier merkt man die Qualitäten des 7603: Meine Stimme ist sonor und auch mit einer gehörigen Portion an Feindynamik versehen. Bitte nicht vergessen: Bändchen, wie das WA-44, haben eine Acht (8) als Mikrofoncharakteristik – es wird also gleich viel Signal auf der Vorder- und der Rückseite des Mikrofons aufgenommen!

Bei Aktivierung des Equalizers fängt das WA-44 an zu glänzen: Sehr feinfühlig mit sauberen Höhen und Mitten bei einem sehr ausgeglichenen Tieftonbereich zeigen die New Yorker, was sie können.

Zum Thema „feinfühlig“: Wie auch bei den Neve Originalen, lässt sich der Gain des Preamps nur in sehr groben 5 dB Schritten einstellen – viel zu grob für heutige Tontechnikanforderungen. Gut, dass man dies zumindest in Sachen Pegel wieder am Ausgang mit dem stufenlosen Output-Regler kompensieren kann.

Chameleon_7603_Gain

Aber die Sättigung, die der Gain am Input bringt, kann so nur in großen Schritten eingestellt werden und wenn man denkt, ein bisschen geht noch, dann beginnt die Clipping-LED sehr hell an zu leuchten. Aber hier geht es ehrlich gesagt nur um Nuancen.

Dazu kommt, dass das WA-44 sehr unempfindlich ist und ich hier schon an die Grenzen des Chameleon gekommen bin. Erst bei 60 von maximal 70 dB war das Bändchen ausreichend laut und gesättigt.

MIC Input: Kondensatormikrofon Lewitt LCT 640TS

Ein Kondensatormikrofon vom Schlage des Lewitt LCT 640TS ist das krasse Gegenteil des Warm Audio. Mit 48 V Phantomspeisung genügten schon 35 dB für eine gute Aussteuerung. Deutlich ist zu hören, dass das Lewitt mit Nierencharakteristik viel direkter und „studiomäßiger“ klingt.

Chameleon_7603_Lewitt

Der 7603 mit dem Lewitt LCT 640TS

Mit dem parametrischen 3-Band-Equalizer des 7603 kann man hier sehr feinfühlig am Klang basteln. Sehr überzeugend ist, wie der Chameleon Labs die Details des tendenziell hellen Lewitt herausarbeitet, ohne dabei zu grell zu klingen. Auch in Sachen Dynamik macht das amerikanische Chameleon Spaß: Der „Neve-artige“ warme Grundcharakter ist zwar auch bei den Mikrofonen stets präsent, aber nicht auf Kosten der Details oder der Auflösung.

Das hörbare Klicken in der Aufnahme beim Aktivieren des Equalizers oder beim Umschalten der Impedanz ist unkritisch. So etwas würde man normalerweise im Studiobetrieb nie während der Aufnahme machen.

Somit kann ich dem Chameleon Labs 7603 in meinem Tonstudio ein ausgezeichnetes Zeugnis ausstellen!

Die Mitbewerber am Markt

Der stärkste Kontrahent zum 7603 ist zugleich auch das ursprüngliche Klangvorbild der Marke: Der Neve 1073 SPX Mono Preamp & EQ. Etwas spartanischer ausgestattet, aber dafür mit dem legendären Namen versehen, ist der Neve kaum teurer – für nur 90,- Euro mehr kann man sich das Original ins Haus holen (1.789,- Euro).

Neve 1073SPX-D Digital Audio-Interface front

Neve 1073SPX

Ein besonders heißer Tipp von mir ist der Drawmer 1977 Channel Strip für ebenfalls 1.699,- Euro. Sehr umfangreich ausgestattet und toll verarbeitet ist das 2 HE hohe Rack-Gerät eine echte Empfehlung.

Fast schon unverschämt günstig ist der SSL PureDrive Quad mit vier Kanälen, dafür aber ohne Equalizer. Klanglich etwas frischer als die Neve-Charakter Geräte und bei nur 1.149,- Euro ist noch Luft für einen externen Equalizer im Budget.

SSL_PureDriveQ_front

SSL Pure Drive Quad

Somit würde ich den Chameleon Labs 7603 im Vergleich als etwas zu teuer angesetzt sehen, aber es ist festzuhalten, dass er in Sachen Wertigkeit den aufgerufenen Preis sicher wert ist.

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Fazit

Auch wenn Sie von Chameleon Labs noch nie gehört haben: Der 7603 hat definitiv ein genaues Hinhören verdient! Klanglich eher im wärmeren Neve-Lager zu finden, aber trotzdem sehr feindynamisch und detailreich. Dazu mit sehr hochwertiger Verarbeitung und schönen Ausstattungsdetails. Außer dem in 5 dB Schritten recht grob gerasterten Gain-Regler gäbe es nichts auszusetzen, außer der Tatsache, dass man für nur 50,- Euro mehr einen echten Neve 1073SPX erwerben kann. Aber es muss ja nicht immer das Original sein, deswegen von mir ein „sehr gut“!

Plus

  • sehr guter, tendenziell warmer Klang
  • sehr gute Equalizer-Sektion
  • sehr gut verarbeitet
  • gute Ausstattung

Minus

  • Gain-Regler zu grob gerastert
  • im Vergleich zu den Mitbewerbern etwas zu teuer

Preis

  • 1.699,- Euro
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