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Test: Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm, Bariton E-Gitarre

28. Juni 2022

Mit langem Hals auf Tieftonjagd!

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Es ist schon eine interessante, wenngleich auch diametral verlaufende Entwicklung in den letzten Jahren im Gitarrensektor. Auf der einen Seite findet man gerade bei moderneren Stilrichtungen kaum mehr eine Gitarre, welche noch im Standard Modus gestimmt ist, auf der anderen Seite werden die sehr beliebten Downtunings nur sehr selten von Bariton Gitarren bedient, welche von ihrer natürlichen Auslegung her geradezu für diesen Bereich hin konzipiert wurden. Warum ist das so? Liegt es wirklich nur an den größeren Abmessungen und den damit verbundenen körperlichen Herausforderungen oder gibt es noch weitere Gründe, warum viele Gitarristen selbst im Drop A Bereich lieber noch auf die vergleichsweise kurze Standard Mensur zurück greifen, als auf die ambitionierte Bariton Mensur. Um unter anderem auch diese Frage zu klären, haben wir heute die Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm im Test, welche uns eventuell die eine oder andere Antwort darauf geben könnte.

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Test

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Korpus

Der Aufbau der Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm

Vielleicht noch einmal kurz vorne weg, warum überhaupt Bariton Gitarre? Am leichtesten lässt sich der Ansatz mit dem Aufbau der Streichinstrumente innerhalb eines klassischen Orchesters erklären. Stellt euch vor, eure Standard E-Gitarre ist die Geige. Der Ansatz ist es nun, die mehr oder minder gleiche Saitenspannung in tiefere Lagen zu transportieren. Um dies zu gewährleisten, erhöht man den Durchmesser und die Länge der Saiten, leicht zu erkennen bei den Bratschen und den Celli. Genau dieses Prinzip findet auch bei einer Bariton Gitarre statt, welches sich bei der Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm in einer Mensur von 711 mm nieder schlägt, also ca. 63 mm länger als bei einer langen Mensur einer Standard E-Gitarre. Selbige sorgt dafür, dass auch bei der Standard Bariton Stimmung B-E-A-D-F#-B die Saiten nicht schlaff und labberig daher kommen.

Chapman Guitars lässt seine Instrumente überwiegend in Indonesien bauen, deren Fabriken in den letzten Jahren sich faktisch zum Standard für preiswerte, aber dennoch wertige Instrumente gemausert haben. Mit einem Ladenpreis von 889,- Euro befindet sich die Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm im mittleren Preissegment und muss sich dort gegen gleich mehrere Konkurrenten behaupten. Von der Holzauswahl her setzt Chapman Guitars auf eine erprobte Mischung, bestehend aus Mahagoni Korpus (die Anzahl der Teile lies sich aufgrund der deckenden Lackierungen nicht ermitteln), einem vierfach verschraubten, matt lackierten Hals aus Ahorn und einem recht hellen Griffbrett aus Macassar Ebenholz. Eine Ausnahme bildet die Decke aus dem vergleichsweise weichen Pappel Holz, welche gespiegelt sehr aufwändig in Sachen Lackierung und Beizung verschiedener Astlöcher aufbereitet wurde.

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Test

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Profil

Die Decke ist sehr dünn und dient nur optischen Gründen, für eine Auswirkung auf das Schwingungsverhalten ist der Durchmesser zu gering. Um dem Korpus optisch etwas mehr Struktur zu verpassen, wurde ein seitliches Binding angebracht, welches sehr schön dem jeweiligen Shaping der Armauflage folgt. In sachen Korpusform wurde einmal mehr die Stratform bemüht, wenngleich die Rippenfräsung recht nah am Original liegt, bei der Armauflage etwas dezenter zu Werke gegangen wurde. Dazu kommen noch 2 intensive Ausfräsungen am unteren Cutaway zwecks besserer Bespielbarkeit des Instruments in hohen Lagen.

Aufgrund der Bariton Konstruktion merkt man in erster Linie an den Halsabmessungen, dass es sich um ein anderes Instrument, als eine reguläre E-Gitarre handelt. Der in Satin Finish gehaltene Hals ist in einem dezenten C-Shaping gehalten, welches gut in der Hand liegt. Auch der Griffbrett Radius von 350 mm sollte den meisten Usern entgegen kommen, da er einen guten Mittelweg zwischen niedriger Saitenlage (großer Radius) und ergonomischer Griffigkeit (kleiner Radius) aufweist.

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Test

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Seitenansicht

Elektrik und Hardware

In einigen meiner früheren Tests von Chapman Guitars kamen des Öfteren die hauseigenen Tonabnehmer nicht besonders gut weg. Ich weiß nicht, inwieweit auch andere Customer dies als Kritikpunkt vermerkt haben und dies evtl. zu einer Abkehr geführt hat, Fakt ist jedoch, dass die Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm nunmehr mit Seymour Duncan Pickups bestückt ist. Dabei handelt es sich um jeweils einen Seymour Duncan Sentient in der Hals- und einen Seymour Duncan Pegasus in der Stegposition, beides Pickups mit Alnico Magneten. Beide Tonabnehmer sind über die Push / Pull Funktion des Höhenreglers splitbar, als zweiten Regler verfügt das Instrument noch über einen Mastervolume Regler. Um die Tonabnehmer schalten zu können, verfügt die Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm über einen recht schwer gängigen 3 Wege Blade Switch, welcher die Standards Neck, Neck-Bridge und Bridge ermöglicht. In Kombination mit der Push – Pull Funktion des Höhenreglers ergeben sich demnach 6 verschiedene Soundkombinationen.

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Die Hardware der Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm ist komplett in schwarz gehalten. Einmal mehr wird das Chapman String-Through Hardtail verwendet, bei dem die Saiten durch den Korpus geführt und auf der Rückseite am Korpus gekontert werden. Vorteil diese Konstruktion: der Saitenzug wird besser in den Korpus abgeführt, was überwiegend zu einem besseren Sustainverhalten führt. Nachteil dieser Konstruktion: die Saiten werden zweimal um 45 Grade abgeknickt, was die Gefahr eines Saitenbruchs und den damit verbundenen Saitenriss erhöht. Für eine optimale Stimmstabilität hat der Hersteller dem Instrument Locking Mechaniken spendiert, was sich unter anderem auch in einem schnellerem Saitenwechsel nieder schlägt.

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Test

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Rueckseite

Die Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm in der Praxis

Schon bei den ersten Griffen merkt man, dass trotz der längeren Mensur, das Instrument sehr gut in der Hand liegt. Die Kombination von Hals und Korpus harmoniert schwingungstechnisch sehr gut, ich konnte keine Deadnote oder sonstige Schwingungswiederstände finden. Das Einschwingverhalten ist aufgrund der längeren Saiten zwangsweise etwas langsamer, was die Physik aber nun einmal vorgibt. Man kann dem Ganzen jedoch entgegen wirken, indem man zusätzlich dickere Saiten aufzieht um mit der höheren Saitenspannung einen entsprechenden Attack zu erzielen. Die ganz Mutigen können sich auch gerne an meinem Bariton Signature Satz https://www.thomann.de/de/pyramid_axel_ritt_signature_baritone.htm versuchen, allerdings wurde die Spannung für eine 760 mm Mensur berechnet, so dass die Saitenspannung bei der Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm etwas geringer ausfallen wird.

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Test

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Headstock

Allerdings gab es bei den wirklich guten Schwingungsdaten und der sehr guten Verarbeitung auch zwei Punkte, welche mich nicht überzeugen konnten, wobei man der Fairness halber sagen muss, dass ein Punkt wohl meinem persönlichen Spielstil geschuldet ist. Die Rede ist von der Tatsache, dass sich bei etwas härterem Anschlag die hohe B Saite aufgrund der größeren Auslenkung gerne einmal unter dem Spulenkörper des Halstonabnehmers verhakt und nicht wieder auf das Griffbrett zurück findet, bis man die Saite per Finger aus dem Spulenkörper heraus hebelt. Mir ist bewusst, dass aufgrund meines sehr harten Anschlags dieses Problem wahrscheinlich nur bei wenigen anderen Gitarristen vorkommen wird, dennoch empfehle ich ggf. das Instrument auf die persönliche Spielweise hin zu überprüfen.

Kommen wir zu meinem subjektiv betrachteten Schwachpunkt der Gitarre und dieser ist (erneut) bei den Tonabnehmern zu suchen. Klangen die ursprünglichen Tonabnehmer aus hauseigener Chapman Produktion früher gerne etwas höhenlastig uns spitz, sind die verbauten Seymour Duncan Pickups leider in der anderen Richtung unterwegs, sprich sie haben einen recht dumpfen Grundklang, insbesondere in der Humbucker Einstellung. Dieses Problem lässt sich leider auch nicht mit einem Anheben der Höhen / Präsenzen ernsthaft beheben, da auf diese Weise lediglich der „Kratzanteil“ am Sound zunimmt, jedoch nicht der Mittenanteil, welcher hier etwas unterbelichtet ist.

Was Chapman Guitars zu Wahl dieser Tonabnehmer bewegt hat, lässt sich natürlich nicht sagen, aber ich bin mir recht sicher, dass das Instrument mit den Seymour Duncan Standards wie zum Beispiel dem Jeff Beck Modell deutlich besser gefahren wäre. Wie dem auch sei, es wird einen Grund gegeben haben und ich möchte mich wirklich nicht in die Firmenpolitik einmischen. Da das Instrument aber ansonsten auf der ganzen Linie überzeugt, würde ich persönlich der Einfachheit halber in mein Budget ggf. zwei zusätzliche Tonabnehmer einplanen und alles sollte in bester Ordnung sein.

Die Soundfiles wurden mit einem Hughes&Kettner Triamp MKIII, einem Marshall 412 Cabinet mit Celestion G12 75T und 2 Stck. Shure SM57 gemacht. Im Clean und Crunch Bereich jeweils erst im gesplitetem Modus, dann in serieller Humbucker Schaltung.

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm Test

Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm im Studio

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Fazit

Mit der Chapman Guitars ML1 Modern Baritone Rainstorm hat der britische Hersteller mit indonesischer Fertigung ein sehr gut verarbeitetes und schwingungsfreudiges Instrument in seinem Portfolio, welches in nahezu allen Punkten überzeugt. Die Besonderheiten des Bariton Konzeptes wurden gut eingefangen und sehr gut umgesetzt.

Lediglich der höhenarme und wenig inspirierende Klang der beiden Seymour Duncan Pickups schmälert den Gesamteindruck ein wenig, was aber nichts an dem durchweg sehr guten Eindruck des Instruments ändert.

Plus

  • Verarbeitung
  • Schwingungsverhalten

Minus

  • höhenarme Tonabnehmer

Preis

  • 889,- €
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    OscSync

    Das hat jetzt nichts mit dem Inhalt zu tun, aber in diesem Text fällt mir wieder stark auf, wie gerne heutzutage die Regeln für zusammengesetzte Wörter vernachlässigt werden. Was zusammengehört, wird zusammengeschrieben oder bei längeren zusammengesetzten Substantiven auch mal durch einen Bindestrich verbunden. Das gilt für „Pappel Holz“, „Bariton Gitarre“ und „Mahagoni Korpus“ genauso wie für die Astlöcher und Tonabnehmer, welche Du ja richtigerweise zusammenschreibst. Im Text gibt es noch eine Reihe weiterer Fälle….

  2. Profilbild
    Kudaketa

    Eigentlich schade, dass so eine tolle Axt mit so „schwachen“ Pickups daher kommt. Da wäre für meinen Geschmack auf jeden Fall ein Umbau nötig.

    Mal sehen, ob Chapman sich dahingehend in Zukunft noch etwas verbessern…

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