Test: Chapman Guitars ML1 Pro Modern Lunar, E-Gitarre

Chapman Guitars ML1 Pro – Sound & Praxis

Chapman Guitars ML1 Pro body

Akustischer Grundsound & Handling

Die Investition mit dem durchgehenden Hals und der String-through-Saitenführung scheint sich auch hier mal wieder gelohnt zu haben, denn bereits unverstärkt angespielt bietet die ML1 Pro einen resonanten, bissigen und zugleich sustainreichen Grundsound. Akkorde stehen wunderbar lange, einzelne Töne und Bendings erhalten jederzeit einen hervorragenden Support, egal, wo auch immer auf dem Griffbrett gespielt. Dazu bekommt man alles ohne Schnarren oder sonstige Nebengeräusche, auch wenn das Werkssetting unseres Testinstruments durchaus noch Luft nach oben bzw. in diesem Fall (bezüglich einer angenehmeren Saitenlage) eher nach unten lässt.

Viel Zeit bedarf es jedoch nicht, um sich mit dem Spielgefühl und dem gebotenen Komfort der Chapman Guitars ML1 Pro anzufreunden, dafür sorgen das schlanke Halsprofil und die satinierte Halsrückseite genau so, wie auch die schmale Sattelbreite und die gute Erreichbarkeit der oberen Lagen dank der großzügig ausgesägten Cutaways. Und nicht zu vergessen sei der extrem ergonomisch designte Hals-Korpus-Übergang, der der Greifhand faktisch keinen Widerstand entgegensetzt.

Elektrischer Sound

Ob man die Duncans vermisst? Überhaupt nicht! Die hauseigenen Sonorous Pickups fangen den bissigen und drahtigen Grundsound der Gitarre bestens ein und bieten einen recht charaktervollen Sound, der stets etwas cremig und dennoch sehr modern klingt. Also warm und mild können die beiden Humbucker in jedem Fall und wenn es mal richtig heftig mit viel Zerrung zur Sache gehen sollte, machen sie auch da ihren Job sehr gut, ohne großartig durch Brummen oder andere Nebengeräusche den Spaß zu verderben. Erstaunlicherweise ist auch in den Zwischenpositionen beim Coil-Splitting kaum ein Rauschen wahrzunehmen, somit kann man die Singlecoil-Sounds auch ruhigen Gewissens mal mit mehr Gain als sonst üblich betreiben. Das verleiht der Chapman Guitars ML1 Pro eine hohe klangliche Flexibilität, die von (man kann es kaum glauben) funky Cleansounds bis zu Deathmetal reicht, wenn es drauf ankommt!

Hören wir rein in die Klangbeispiele der Chapman, für die folgendes Equipment benutzt wurde:

Orange Micro Dark Verstärker, H & K 1×12″ Celestion Vintage-30-Box, AKG C3000 Mikrofon. Aufgenommen wurde in Logic Audio, außer Pegelanpassungen wurde nichts weiter an den Tracks bearbeitet.

Im ersten Beispiel hören wir einen gepickten Cleansound, eingespielt mit der Position 2 des Wahlschalters. Zu hören ist also der Front-Pickup im Coil-Split-Modus.

Klangbeispiel 2 zeigt ebenfalls einen Cleansound, diesmal eingespielt mit der Position 4 des Pickup-Schalters, wir hören also nun den Klang des Steg-Humbuckers im Singlecoil-Modus.

Jetzt zu den verzerrten Sounds. In Klangbeispiel 3 ein Riff, eingespielt mit dem Steg-Humbucker. Der Klang ist messerscharf und mit einem straffen Bassfundament ausgestattet. Zudem ist der Sound weitestgehend differenziert, Voicings sind trotz der hohen Verzerrungen immer noch klar spielbar bzw. wahrnehmbar.

Wie sauber und differenziert die Pickups klingen, kann man im nächsten Beispiel gut hören. Der Humbucker am Hals zeigt den beliebten, fetten Leadsound, bleibt dabei aber trotzdem absolut rein und klar. Die Pickups in vielen Gitarren dieser Preisklasse neigen bei dieser Kür zu einem übermäßig bassbetonten, matschigen und undifferenzierten Klangbild. Nicht aber der Chapman Sonorous Pickup, Kompliment dafür!

Zum Abschluss noch ein Beispiel für einen Leadsound mit dem Steg-Humbucker. Wie bereits erwähnt: Der Ton steht sehr gut im Futter, hier macht sich die Grundkonstruktion der Gitarre ein um das andere Mal bemerkbar.

Fazit

Mit der String-through-Konstruktion und dem durchgehenden Hals setzt Chapman bei der ML1 Pro Modern Lunar alles auf eine Karte in Sachen Verbesserung des Klangs – und gewinnt! Abgesehen von den leichten Mängeln in der Verarbeitung (die aber in der Praxis nicht weiter auffallen) ist die ML1 Pro Modern Lunar eine moderne Rockgitarre, die dank ihrer vielseitigen Sounds nicht nur im Metal-Bereich glänzt und mit einem Preis von rund 1100,- Euro auch keineswegs zu teuer ausgefallen ist. Zumal sich noch ein schicker Koffer im Lieferumfang befindet.

Plus

  • Klang
  • gute Bespielbarkeit
  • vielseitige Sounds (Coil Tap)
  • gute Hardware
  • Koffer im Lieferumfang

Minus

  • leichte Verarbeitungsmängel

Preis

  • Ladenpreis: 1119,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Jut, mehr für Zerrsounds gemacht, das Dingen. Clean haut es mich nicht wirklich von den Socken. Kompromisslösung halt, Humbucker zu splitten. Optisch aber was für den dicken Onkel.
    Habt ihr derzeit ein Chapman Test-Abo?

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      wolftarkin  

      Wie kommt denn dein letzter Satz zustande? Unter dem Artikel siehst du alle Tests von Chapman.
      Der letzte ist zwei Monate her, davor ein Jahr lang nix. Vier Tests in vier Jahren.

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        AMAZONA Archiv

        Ruhig Blut!
        1. hat der letzte Satz ein Fragezeichen
        und 2. sind zwei Monate Abstand nicht Welten voneinander entfernt.
        3. schrieb ich nix von einem DAUERABO, sondern von einem DERZEITIGEN Abo.

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          wolftarkin  

          Kein Grund, den Verteidigungsfall auszurufen. *daswasderindianerraucht*
          Hatte mich nur interessiert, wie dieser Eindruck entstanden ist.
          Da finde ich andere Namen hier präsenter.

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            AMAZONA Archiv

            Richtig! Vermutlich war ich auch etwas übersensibilisiert, weil mir im Netz in der letzten Zeit laufend Chapman über den Weg läuft (YT, Testseiten usw.).

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