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Test: Chapman ML3 Modern Incarnadine, E-Gitarre

16. Juni 2019

Heavy-Tele von Rob Chapman!

Chapman ML3 Modern Incarnadine

Chapman ML3 Modern Incarnadine

Zugegeben: Mit Hardrock und Metal hat die klassische Telecaster schon traditionell nur sehr wenig zu tun, es sei denn, sie gerät in die „falschen Hände“. So wie im Falle der uns zum Test vorliegenden Tele-Kopie, die aus der Hand von Rob Chapman und seinem Team von Chapman Guitars stammt. Bei der Chapman ML3 Modern Incarnadine E-Gitarre erinnert wirklich nur noch die Form des Korpus an den Evergreen aus dem Hause Fender, der Rest scheint wie gemacht für alles, was laut und krachend sein muss. Scheint es nur so oder kann diese blutroten Tele wirklich richtig abgehen? Gehen wir der Sache nach!

Chapman ML3 Modern Incarnadine – Facts & Features

Das blutrote Finish sieht nicht nur auf den Produktfotos gut aus, auch in natura hinterlässt das Ahornfurnier auf dem Mahagonikorpus einen blendenden Eindruck im Auge des Betrachters. Die Illusion einer massiven Decke ist gut gelungen, dafür sorgt ein naturbelassenes Binding an den Rändern des Korpus. Aber sind wir mal ehrlich: Niemand würde bei einer E-Gitarre mit diesem günstigen Preis ernsthaft eine massive Ahorndecke in solch einer Qualität erwarten. Auffällig ist die tiefe Fräsung im Cutaway, die der Greifhand beim Bespielen der oberen Lagen noch ein Stückchen mehr Komfort entgegenbringt.

Spätestens der Blick auf die Rückseite bringt die Erkenntnis, dass wir es bei der Chapman ML3 Modern Incarnadine E-Gitarre mit einer String-through-Body-Konstruktion zu tun haben. Dort sind die sechs Hülsen zu sehen, in die die Saiten eingefädelt werden, bevor sie den Weg zur Kopfplatte antreten. Über die Vorteile einer solchen Bauart bei einer E-Gitarre habe ich schon des Öfteren in meinen Artikeln philosophiert und auch im  Fall der ML3 Modern Incarnadine wirkt sich diese Art der Saitenarretierung äußerst positiv auf das Schwingungsverhalten des gesamten Instruments aus. Das möchte ich an dieser Stelle schon mal verraten!

Übrig bleibt auf der Rückseite die beliebte „Bierbauchfräsung“ zu erwähnen, aber die gehört ja mittlerweile fast schon zum Standard an modernen E-Gitarren. Nicht unbedingt aber, dass die Abdeckung der Elektronik im Korpus versenkt eingesetzt wurde – hier ist sie es, was für einen im wahrsten Sinne „reibungslosen Kontakt“ mit dem Körper des Benutzers bzw. Spielers sorgt. Ach ja, und nicht zu vergessen sei der extrem schmale und homogene Hals-Korpus-Übergang, den hätte man bei den progressiv designten E-Gitarren von Chapman ja fast schon erwartet.

Chapman ML3 Modern Incarnadine Back

Chapman ML3 Modern Incarnadine – der Hals

Der Hals besteht aus einem Stück Ahorn und wurde sauber in seine Tasche im Korpus eingesetzt und bombenfest verschraubt – da passt keine Briefmarke zwischen. Das C-Shaping der Halsrückseite ist sehr modern gehalten, was zusammen mit der Satinoberfläche zu einer angenehmen Bespielbarkeit führt. Nun ja, fast aber auch nur, denn die Werkseinstellung unseres Testinstruments war nicht gerade das Gelbe vom Ei, die Chapman ML3 Modern Incarnadine könnte ganz sicher auch ein flacheres Setting vertragen – rund 3,5 mm (!) in der Oktavlage sind definitiv zu viel. Die Voraussetzungen dafür sind in jedem Fall gegeben, denn der Hals ist kerzengerade und auch die Bünde wurden ordentlich abgerichtet. Zumindest in ihrer Höhe, an den Kanten kratzt es hier und da jedoch etwas. Das geht aber bei diesem Preis in Ordnung, jeder gute Gitarrenbauer löst dieses Problem mit einer Bundfeile innerhalb von 5 Minuten für kleines Geld, wenn es zu sehr stören sollte. In der Praxis stört es in jedem Fall nicht weiter, sollte aber in einem Testartikel nicht unerwähnt bleiben.

Chapman ML3 Modern Incarnadine Neck

Einteiliger Ahornhals mit Ebenholzgriffbrett und Chapman-typischem Infinity-Loop Inlay in der Oktavlage

Chapman ML3 Modern Incarnadine – Die Hardware

Schlichter geht es wohl kaum mit der Brückenkonstruktion. Eine einfache, schwarz lackierte Hardtail-Bridge führt die Saiten, wie bereits erwähnt, durch den Korpus hindurch und dann hinauf zu den sechs Mechaniken, die ebenfalls schwarz sind und für ein Instrument dieser Preisklasse einen durchaus passablen Eindruck hinterlassen. Hier und da hakt es beim Stimmen zwar ein wenig, das mag aber auch zum Teil an den zwei verbauten „String Trees“ liegen, unter denen vier der sechs Drähte nun mal durch müssen. Ist die Gitarre aber erst einmal in Stimmung gebracht, gab es diesbezüglich überhaupt keine weiteren Probleme während der Testdauer, die immerhin rund zwei Wochen betrug. Prima, kann man da nur sagen – mal nicht am falschen Ende gespart!

Beim Design der Kopfplatte dieser E-Gitarre dürften sich die Geschmäcker vermutlich teilen, mir persönlich gefällt dieser Reversed-Style sehr gut.

Chapman ML3 Modern Incarnadine Kopfplatte

Chapman ML3 Modern Incarnadine – die Kopfplatte (Reversed Headstock) von beiden Seiten

Chapman ML3 Modern Incarnadine – Die Elektronik

Zur elektrischen Abnahme der ML3 Modern Incarnadine setzt Chapman eine Eigenentwicklung ein. Die beiden Sonorous Humbucker in Hals- und Stegposition werden über deinen Dreiwegeschalter angesteuert und besitzen eine eine Coil-Split-Funktion, die mit dem Push-Pull-Tonepoti aktiviert werden kann. Obligatorisch befindet sich natürlich noch ein Volume-Poti auf der Decke, das sich, wie auch das Tone-Poti, über einen Metallknopf zuverlässig greifen lässt. Sorgen würde mir der Schalter bereiten, der bereits im Neuzustand ganz ordentlich in seinem Sitz wackelt. Die beiden Regler hingegen zeigen keine Auffälligkeiten, obwohl man sich beim Volume-Regler eine ähnliche Leichtgängigkeit wünschen würde, wie es beim Regler für Tone der Fall ist.

Chapman ML3 Modern Incarnadine Pickups

Chapman ML3 Modern Incarnadine Pickups

Chapman ML3 Modern Incarnadine – in der Praxis!

Mit viel Wumms geht es schon mal unverstärkt zur Sache, auch bei unserer Chapman ML3 Modern Incarnadine E-Gitarre macht sich die String-through-Saitenführung auf Anhieb durch einen kräftigen und überaus sustainreichen Grundsound mit ordentlich Attack dazu bemerkbar. Akkorde stehen lang und ausgiebig im Futter, ebenso profitieren einzeln angepickte Töne von diesem schon sehr wuchtigen Grundsound. Die Bespielbarkeit des Halses ist dank seines schlanken Profils und der nur satinierten Rückseite prinzipiell gut – wenn halt eben nur nicht diese enorm hohe Saitenlage des Testinstruments abschrecken würde, bei der man bereits ab der fünften Lage um jeden Ton kämpfen muss. Dennoch intoniert die Gitarre an jeder Stelle auf dem Hals einwandfrei und auch um die Oktavreinheit unseres Testinstruments war es bestens bestellt.

So kraftvoll der Grundsound, so kraftvoll auch der elektrische Klang dieser E-Gitarre. Die beiden Sonorous-Humbucker portieren den Grundsound nahezu perfekt an den angeschlossenen Amp und selbst wenn es mit der Verzerrung mal in die Höhe geht, behalten sie trotz ihrer hohen Ausgangsleistung weitestgehend einen kühlen Kopf. Sie nerven weder durch Nebengeräusche, noch durch allzu heftiges Matschen und zeigen sich auch bei den Singlecoil-Sounds von ihrer besten Seite. Ganz ehrlich? Solch gute Tonabnehmer hätte ich bei einer Gitarre dieser Preisklasse nicht erwartet, allenfalls der Höhenbereich ist vielleicht etwas unterrepräsentiert, ansonsten aber Daumen nach oben!

Dann hören wir uns die Gute mal an! Bei den nun folgenden Audiobeispielen habe ich wie immer den kleinen Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion V30-Box herangezogen. Vor der Box war ein AKG C3000 Mikro positioniert, ehe das Signal in Logic aufgezeichnet wurde.

Im ersten Klangbeispiel hören wir die komplette Palette an Cleansounds bei aktiviertem Coil-Splitting, das Tone-Poti befindet sich also in herausgezogenem Zustand. Echt nicht schlecht für einen von Natur aus mit zwei Spulen bestückten Tonabnehmer!

Doch auch mit eingedrücktem Tone-Poti, also im Humbucker-Modus, kann der Sound gefallen. Hier spielt der druckvolle Grundsound eine mitentscheidende Rolle. Wir hören in Beispiel 2 den Cleansound des Sonorous Humbuckers in der Halsposition. Einfach war es nicht – mit dieser Saitenlage …

Rüber zu den Overdrive-Sounds! In Beispiel 3 habe ich bewusst den letzten Riff mal ausklingen lassen, um zu demonstrieren, über welch beachtliche Sustain-Reserven die Chapman ML3 Modern Incarnadine E-Gitarre doch verfügt! Gewählt wurde hier der Sonorous am Steg.

Und noch einmal der Steg-Humbucker, jetzt jedoch mit einer Leadline, die ich ebenso habe ausklingen lassen: Der Ton steht wie eine eins!

Chapman ML3 Modern Incarnadine Korpus

Fazit

Es ist ja nun nicht die erste Telecaster Style  E-Gitarre, die für ein Review durch meine Hände geht – aber es ist eindeutig eine der bislang besten! Bis auf den etwas fragilen Dreiwegeschalter und die mehr als dürftige Werkseinstellung bietet die Chapman ML3 Modern Incarnadine eine Menge E-Gitarre für das hart Ersparte. Die Verarbeitung ist sehr gut gelungen, die Kleine sieht in ihrem blutroten Kleid schon verdammt sexy aus und die beiden Somorous Humbucker mit ihrer Coil-Split-Funktion bieten eine erstaunliche Bandbreite an Sounds, die locker von Blues und Jazz bis zum übelsten „Schranzmetal“ reichen. Eine feine Tele in auffälliger Optik – und in jedem Fall ein Antesten wert!

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • solide Hardware
  • Pickups
  • Optik
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • fragiler Dreiwegeschalter
  • Werkseinstellung

Preis

  • Ladenpreis: 499,- Euro
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