Software-Synthesizer mit Vintage-Flair
Cherry Audio bringt mit dem ODC 2800 eine Software-Version des ARP Odyssey auf den Markt, die mehr als nur eine reine Nachbildung ist. Der Synthesizer verbindet klassische Analogeigenschaften mit modernen Funktionen. Die Benutzeroberfläche bleibt dem Vorbild treu, lässt sich jedoch deutlich flexibler bedienen. Der Cherry Audio ODC 2800 richtet sich an alle, die Vintage-Klang mögen, dabei aber keinesfalls auf moderne Möglichkeiten verzichten wollen. Im Testbericht zeige ich, wie das Plug-in aufgebaut ist und wie es sich im praktischen Einsatz verhält.
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- Was ist es? Cherry Audio ODC 2800, Software-Synthesizer, Emulation und Weiterentwicklung des ARP Odyssey mit moderner Ausstattung.
- Authentischer Klang: Klassischer Odyssey-Sound mit zusätzlichen Funktionen wie FM, drittem Oszillator und Effekten.
- Benutzerfreundlich: Übersichtlich strukturierte Oberfläche ohne verschachtelte Menüs, ideal für Einsteiger und Profis.
- Modulation & Effekte: Umfangreiche Modulationsmöglichkeiten plus integrierte Effekte mit schlanker Bedienung.
- Starkes Preis-Leistungs-Verhältnis: Für 59,- Euro bietet das Plug-in eine überzeugende Kombination aus Klangqualität und Flexibilität.
Inhaltsverzeichnis
Cherry Audio ODC 2800 Plug-in
Hersteller
Cherry Audio ist ein Software-Entwickler aus den USA, der sich auf virtuelle Synthesizer spezialisiert hat. Das Unternehmen hat sich in kurzer Zeit mit durchdachten Emulationen klassischer Instrumente einen festen Platz in der Welt der Plug-ins erarbeitet. Cherry Audio setzt dabei auf einen gelungenen Mix aus authentischem Klang, einfacher Bedienung und fairen Preisen. Das Sortiment wächst stetig – besonders beliebt sind die Vintage-Emulationen, die klanglich überzeugen und auch optisch den Charme der jeweiligen Originale transportieren. Auch der Cherry Audio ODC 2800 folgt diesem Prinzip und möchte den ARP Odyssey in moderner Form zurückbringen.
Das Vorbild: ARP Odyssey
Der ARP Odyssey erschien erstmals 1972 und gehört bis heute zu den prägendsten analogen Synthesizern. Entwickelt wurde er von ARP Instruments als kompakter, vielseitiger Gegenentwurf zum bekannten Minimoog. Charakteristisch für den Odyssey ist sein durchsetzungsstarker, leicht aggressiver Klang, der durch zwei spannungsgesteuerte Oszillatoren, verschiedene Filtertypen und diverse Möglichkeiten zur Modulation erzeugt wird.
Eine Besonderheit des Originals war die Möglichkeit, ihn duophon – also unabhängig voneinander zweistimmig – zu spielen, was für damalige Verhältnisse recht außergewöhnlich war. Um das Instrument kontinuierlich zu verbessern und anzupassen, erschienen nach und nach die offiziellen Versionen ARP Odyssey I, II und III. Viele Produzenten nutzen diesen legendären Synthesizer noch immer als Inspirationsquelle, weshalb er bis heute regelmäßig in Neuauflagen erscheint – sei es als Hardware oder als Software. Ein ausführlicher AMAZONA-Artikel zum Original ist HIER zu finden.
Das Cherry Audio ODC 2800 Plug-in im Detail
Der Cherry Audio ODC 2800 ist in vielen Punkten keine reine Plug-in-Neuauflage, sondern vielmehr eine Weiterentwicklung des klassischen ARP Odyssey. Schon auf den ersten Blick fällt die sehr strukturierte Oberfläche auf, die in einzelne Klangsektionen unterteilt ist. Hier finden sich nicht nur Profis zurecht – auch Einsteiger profitieren von der übersichtlichen Bedienung. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Bausteine des Instruments.
Aufbau und Oberfläche
Die grafische Oberfläche des Cherry Audio ODC 2800 folgt, wie erwähnt, dem klassischen Aufbau des ARP Odyssey, wurde jedoch um einige moderne Bedienelemente ergänzt. Sie ist vollständig skalierbar und bietet zudem einen „Focus“-Modus. Damit lassen sich einzelne Abschnitte vergrößern, was vor allem auf kleineren Bildschirmen hilfreich sein kann. Alle Hauptbereiche wie Oszillatoren, Filter, Mixer, Hüllkurven und Effekte sind farblich und optisch klar voneinander getrennt. Obwohl viele Funktionen enthalten sind, ist die Oberfläche aufgeräumt und kommt ohne verschachtelte Menüs aus. Nur für die detaillierte Einstellung der Effekte muss die Ansicht gewechselt werden – der Rest kann im Hauptfenster angepasst werden.
Oszillatoren und Klangquellen
Das Plug-in ist mit drei Oszillatoren ausgestattet, während das Original nur zwei besaß. Hier lassen sich Schwingungsformen wie Sägezahn oder Rechteck erzeugen, die später gefiltert und moduliert werden. Oszillator 1 und 2 lassen sich duophon spielen, was bedeutet, dass zwei Töne gleichzeitig erklingen können. Oszillator 3 ist ausschließlich für Modulationen vorgesehen. Neu ist auch die Möglichkeit, Frequenzmodulation (FM) zu nutzen oder die Oszillatoren synchron laufen zu lassen. Zusätzlich gibt es einen Rauschgenerator mit vier wählbaren Rauschtypen: violett, weiß, rosa und braun.
Filtersektion
Im Cherry Audio ODC 2800 stehen drei Filtermodelle zur Auswahl, die die drei historischen Versionen des Odyssey emulieren: das Modell I mit 12 dB Flankensteilheit, das kräftiger klingende Modell II mit 24 dB Flankensteilheit und Modell III mit erweitertem Regelbereich. Die Filter lassen sich im Lowcut-, Highcut- oder Bandpass-Modus betreiben. Cutoff und Resonance sind per Hüllkurve und LFO steuerbar. Auch die Funktion „Keytracking“ ist möglich, wodurch sich die Filterfrequenz abhängig von der gespielten Tonhöhe verändert.
Modulation
Es lassen sich nahezu alle Klangparameter modulieren. Dafür stehen zwei LFOs zur Verfügung, die beispielsweise für rhythmische Bewegungen oder langsame Klangverläufe genutzt werden können. Außerdem gibt es zwei ADSR-Hüllkurven. Besonders vielseitig ist der sogenannte S&H-Mod-Mixer. Er erlaubt das Kombinieren von bis zu 35 Modulationsquellen und ist damit deutlich flexibler als das Original.
Steuerung und Spielhilfen
Der Cherry Audio ODC 2800 lässt sich monophon, duophon oder polyphon spielen – dabei sind bis zu 16 Stimmen möglich. Neben klassischer Tastatursteuerung werden auch MIDI-Velocity und polyphoner Aftertouch unterstützt. Das Portamento, also das gleitende Überblenden von Tonhöhen, lässt sich mit drei Reglern sehr präzise anpassen. Zudem können alle Parameter über einen MIDI-Controller angesteuert werden.
Effekte
Der Cherry Audio ODC 2800 verfügt über eine integrierte Stereo-Effektsektion mit sechs Modulen: Distortion, Phaser, Flanger/Chorus, Echo und Reverb. Alle Effekte werden mit grundlegenden Einstellungen unterhalb der Tastatur angezeigt, können jedoch über den Reiter „Effects“ auch detailliert bearbeitet werden.
Presets
Zum Lieferumfang des Plug-ins gehören über 330 Presets, die in 13 Kategorien unterteilt sind. Die Presets lassen sich direkt über ein schlichtes Dropdown-Menü aufrufen und anhand von Schlagwörtern durchsuchen. Außerdem können alle Presets angepasst, favorisiert und unter neuem Namen gespeichert werden.
Praxis
Im Folgenden geht es um die Praxistauglichkeit des Plug-ins: Wie wird es installiert, wie klingen die Presets und wie gut lässt sich ein eigener Sound erstellen?
Installation und Einrichtung
Nach dem Herunterladen wird ein Installer gestartet, der die passenden Plug-in-Formate (VST, VST3, AU und AAX) sowie die Standalone-Version installiert. Beim ersten Start wird das Plug-in über den Cherry-Audio-Account aktiviert. Die Aktivierung erfolgt einmalig online – anschließend kann das Plug-in auch offline genutzt werden.
Schritt für Schritt zum eigenen Sound
Ich möchte nun einen atmosphärischen Pad-Sound erstellen, der sich für breite Klangteppiche oder ruhige Hintergrundsounds eignet.
Leeres Preset laden
Als Erstes wird ein leeres Preset geladen. Dazu wählt man oben rechts „New“ aus – und schon sind alle Klangparameter in einem neutralen Zustand.
Oszillatoren konfigurieren
Oszillator 1 und 2 werden auf Sägezahn gestellt. Damit sind automatisch mehr Obertöne vorhanden, die sich gut für Pads eignen. Anschließend wird Oszillator 2 leicht verstimmt. Danach werden die Lautstärken der beiden Oszillatoren aufeinander abgestimmt.
Filter einstellen
In der Filtersektion bleibe ich beim Modell I. Die Cutoff-Frequenz wird abgesenkt, um den Klang etwas weicher zu machen. Für die Filtermodulation wird die Hüllkurve EG2 verwendet. Die Attack-Zeit wird auf etwa 660 ms gestellt, der Sustain-Regler fast ganz nach oben auf 85 %, und die Release setze ich auf 760 ms.
Polyphonie und Spielverhalten
Die Polyphonie wird oben rechts auf 16 Stimmen eingestellt. Zusätzlich wird das Portamento auf etwa 100 ms gesetzt und das Delay des zweiten Oszillators auf 27 %.
Effekte hinzufügen
Zum Schluss werden bei den internen Effekten etwas Sättigung, ein kurzes Ping-Pong-Delay und ein langer Hall mit angepasstem internem Equalizer hinzugefügt.
Sound speichern
Der fertige Sound wird zum Schluss über „Save“ als „AMAZONA-Pad“ gespeichert. Zusätzlich können hier Schlagwörter hinzugefügt und das Pad einer Kategorie zugeordnet werden.
Klangbeispiele vom Cherry Audio ODC 2800
Alternative ARP-Odyssey-Emulationen
Neben dem Cherry Audio ODC 2800 gibt es verschiedene Software-Synthesizer, die den legendären ARP Odyssey emulieren oder ihm sehr nahe kommen. Hier sind drei Alternativen zur Version von Cherry Audio:
GForce Oddity 3
Oddity 3 von GForce Software ist eine etablierte ARP-Odyssey-Emulation in ihrer dritten Generation. Das Plug-in bildet alle drei Originalreihen nach – ebenfalls ergänzt um einen dritten Oszillator, flexible Modulationsoptionen und integrierte Effekte. Die Oberfläche ist sehr kompakt, aber übersichtlich und bietet schnellen Zugriff auf die Klangparameter.
Korg Odyssey (Plug-in Version)
Die Korg Collection enthält eine offiziell lizenzierte digitale Version des ARP Odyssey, basierend auf Korgs eigener Hardware-Neuauflage. Das Interface des Plug-ins orientiert sich eng am Original und enthält keine modernen Zusatzelemente. Dadurch richtet sich das Plug-in eher an Puristen, die einen möglichst originalgetreuen Klang und eine authentische Bedienung wünschen. Im Vergleich zum Cherry Audio ODC 2800 fällt der Funktionsumfang dementsprechend etwas schlanker aus – der Schwerpunkt liegt hier klar auf Authentizität.
AIR Music Tech Odyssey
Der Odyssey von AIR Music Tech wurde in Zusammenarbeit mit WayOutWare entwickelt und orientiert sich eng am klassischen ARP-Design. Die Polyphonie des Plug-ins ist auf vier Stimmen begrenzt, was klanglich ebenfalls nah am Original bleibt. Es sind über 150 Presets enthalten und das Interface ist sehr übersichtlich und einfach zu bedienen. Im Vergleich zum Cherry Audio ODC 2800 wirkt das Plug-in noch schlanker und direkter – und richtet sich damit vor allem an Einsteiger oder Nutzer, die einen unkomplizierten Zugang zum legendären ARP-Sound suchen.
Hardware
Behringer Odyssey
Einen Hardware Odyssey zum Taschengeldpreis? Ja, den gibt es. Wo? Natürlich bei Behringer. Wie immer laut Hersteller sehr nah am Original und mit diversen Verbesserungen für den modernen Produktionsalltag. Einen Testbericht des Behringer Odyssey findest du hier. Der Hardware-Klon eignet sich vor allem für Liebhaber analoger Synthesizer, die viel Wert auf die Haptik des Instruments legen und auf moderne Features wie Polyphonie und Effekte, die das Plug-in von Cherry Audio bietet, verzichten können (und wollen).






































Für Musiker die den Odyssey-Sound im Rechner haben wollen, sicher interessant. Vor allem vom Preis her. Ich bin allerdings mit Oddity3 und ODYSSEi schon bestens versorgt …
Ich habe auch die Korg Hardware und Software, trotzdem überlege ich mir mal wieder einen Cherry Audio Kauf. Er ist sinnvoll erweitert. Und ich dachte schon, bei denen wäre der Hardware-Copy-Fundus bereits ausgeschöpft.
Ich weiss, dass die Preisgestaltung Hardware/Software zwischen Desktop und iOS/Android problematisch ist. Ich an CA‘s Stelle würde die iOS Version kostenlos für Besitzer des Desktop PlugIns anbieten. Das wäre ein klarer Mehrwert mit kaum zusätzlich nötigem Programmieraufwand. Und die (unnötige) Preisschere bliebe erhalten.
Die Cherry Audio VAs bieten alle viel Software-Synth zum kleinen Preis: das ist ihr Vorteil. Leider bilden die meisten von ihnen aber den Klang der emulierten Originale bei weitem nicht so gut ab wie Konkurrenzprodukte das tun.
Das gilt leider auch für ihre Arp Modelle, hier für den Odyssey. Er hört sich an wie ein Allerwelts-VA mit minimalem Arp-Charakter. Sowohl die Korg-Version als auch die GForce-Version haben m.E. VIEL mehr mit dem Klangcharakter des Originals zu tun. Und da dieser Klangcharakter für mich der mit Abstand wichtigste Punkt beim Kauf eines VAs ist, ist die zusätztliche Funktionalität für mich von wenig bis keinem Nutzen – das wäre sie nur, wenn ich sie on top zu einem überzeugenden Grundklang bekäme.
„Vintage Flair“ ohne halbwegs überzeugenden Vintage-Klang ist nicht mein Ding.
Mit der Passage das KORG Oddysey „enthält keine modernen Zusatzelemente“ hab ich massive Bauchschmerzen. Ersten ich habs sowohl unter Mac als auch iOS alle drei Revisionen des Oddys. Zweitens der interne Sequenzer automatisiert so ziemliche alle Parameter des virtuellen Oddy, inklusive der internen FX(DIST,Phaser,Flanger,Chorus,Ensemble,Delay,Reverb) und EQ. Ebenso kann zwischen CHORD und Arp unterschieden werden. So erstellte Sequenzen kann ich via MIDI transponieren. Wenn nötig kann ich die Sequenz mit Chaos Pads mangeln. Das ist vom Funktionsumfang fast schon mehr als der 1601 Sequenzer konnte. Den Rest kann man dann mit MIDI erschlagen. Das sind alles Funktionen die ich beim Cherry Audio vermisse.
Ja, das sehe ich genau so, Toby. Ich habe ja mal https://www.amazona.de/vergleichstest-korg-arp-odyssey-vs-korg-odyssei/ den weichen gegen den harten Odyssey verglichen. Da stach diese Möglichkeit, den Sequenzer als Modulationsquelle einzusetzen geradezu heraus. Das kompensiert den halben 2. EG mit links. Nach wie vor ein vorbildliches PlugIn. Dagegen kommt die Hardware mit einem extremen Manko auf der MIDI Seite, wo nichts!! ausser NoteOn und da nur die Tonhöhe übertragen wird.
@Tai , danke. Ich hatte gestern bevor ich den Kommentar schrieb, grade den iOddy offen und einen Patch auf den BARP2600 und den Antonus Step Brother übertragen. Und anschliessend viel mir die Passage im Test auf. Was die Automatisierung und Steuerung von Sequenzen angeht, sehe ich nur 2 Plugins die hier mit den Originalen mitkommen, Korg und Arturias 2600 Klon, beide mit Sequenzer und Logik Funktionen. Mit beiden sind so Sounds möglich, die andere Plugins ohne dedizierten Sequenzer eben nicht können und genau das macht den Reiz dieser Kombi aus. Sowohl in Hard als auch Software. Und der Sequenzer gehört einfach zum Oddy und 2600 dazu🤟
@TobyB richtig, nur Behringer ignoriert das scheinbar! 👎
@Mick , andere auch ;-) Ob man nun dem BARP 2600 mit einem Antonus Step Brother auf die Pelle Rücken muss, im Zweifel war Costello schuld.
@TobyB Ich bin ja Fan von so wenig wie möglich DAW-eigene Funktionen in ein PlugIn. Hier sehe ich genau die Ausnahme, denn wenn ich den Sequenzer nicht als Quelle für Melodien sehe, das kann die DAW besser, sondern als zusätzliche Modulationsquelle, dann stimmt das und ergänzt optimal. Ich weiss, diese Modulation könnte auch von der DAW kommen, aber hier gehört sie als Parametersatz zum Einzelsound, das ist ein Unterschied
@Tai , ich hab ja nun sowohl als auch hier, Oddy als Korg Nachbau und BARP2600 als Weihnachtsbaum und Blauer Marvin. Für mich bildete und bildet das immer eine Einheit mit dem 1601 Sequenzer und oder Antonus Stepbrother. Oder den Software Brüdern. Klar kann ich alles in der DAW automatisieren und modulieren. Nur für mich geht das schneller am Gerät. Und sei es nun das ich die ganze Sequenz via CV und entsprechendem Controller, zB Erae Embodme II / AS Oberkorn ratzfatz manipulieren kann.