SH-Sound mit neuen Ideen
Cherry Audio nimmt sich mit dem SH-MAX einen Synthesizer vor, der schon in vielen Varianten neu aufgelegt wurde, was das Plug-in von Anfang an sehr interessant macht. Als Ausgangspunkt dient der Roland SH-5, ergänzt um Ideen aus dem Roland SH-7 und dem Roland SH-3A. Genau darin liegt der Reiz: Der Cherry Audio SH-MAX liefert nicht nur eine Vintage-Optik, sondern will auch den Charakter dieser Synthesizer in eine zeitgemäße Software-Version übertragen. Ob das Plug-in nur auf dem Papier gut aussieht oder auch klanglich überzeugen kann, zeigt der folgende Testbericht.
Was ist es? Der Cherry Audio SH-MAX ist ein Software-Synthesizer, der auf historischen Roland-Modellen basiert, insbesondere dem SH-5, und eine moderne Auslegung dieser Klangwelten bietet.
- Design: Das Plug-in kombiniert Vintage-Optik mit zeitgemäßen Features, um klanglich zu überzeugen.
- Signalwege: Es bietet drei getrennte Signalwege für kreative Klanggestaltung mit individuellen Filtern und Modulationen.
- Oszillatoren: Der SH-MAX verfügt über drei Oszillatoren, die flexible Klangmodulationen und einen reichhaltigen Klang ermöglichen.
- Effekte: Integrierte Effektsektion für vielseitige Klangbearbeitungen, die über klassische Synthesizer-Sounds hinausgehen.
- Fazit: Der Cherry Audio SH-MAX ist eine überzeugende Synthesizer-Lösung zum sehr günstigen Preis. Ideal für kreative Musikproduzenten, die Retro-Elemente modern interpretieren möchten.
Inhaltsverzeichnis
Hardware-Vorbilder: Roland SH-5, SH-7 und SH-3A
Der Cherry Audio SH-MAX bezieht sich nicht auf nur ein einzelnes Roland-Modell, sondern verbindet Eigenschaften vom Roland SH-5, SH-7 und SH-3A. Am stärksten spürt man jedoch den Einfluss des Roland SH-5. Dieser Monosynthesizer aus den 197er-Jahren wird bis heute wegen seines recht druckvollen Grundsounds und seiner markanten Filtersektion geschätzt.
Auch Ringmodulation und das separate Bandpassfilter gehören zu den Merkmalen, die ihn von vielen anderen Synthesizern seiner Zeit abgrenzen. Dass Geräte aus Rolands SH-Familie auch in der Popgeschichte ihre Spuren hinterlassen haben, zeigt beispielsweise Blondies „Heart of Glass“, bei dem ein Roland SH-5 beteiligt war.
Hier geht es zum AMAZONA-Testbericht des Roland SH-5.
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Der Roland SH-7 steht innerhalb der Reihe für die größere und technisch weiter ausgebaute Version. Er bot nämlich mehr Modulationsmöglichkeiten und zusätzliche Spielhilfen.
Hier geht es zum AMAZONA-Testbericht des Roland SH-7.
Der Roland SH-3A bringt noch mehr Abwechslung ins Spiel, denn klanglich bewegt er sich zwischen klassischem Synthesizer und Orgel. Diese Mischung greift Cherry Audio im SH-MAX auf. Auch The Human League nutzten den Roland SH-3A nachweislich auf ihrem Album „Travelogue“, was gut zeigt, wie präsent diese Instrumente in der frühen elektronischen Popmusik waren.
Hier geht es zum AMAZONA-Test des Roland SH-3A.
Cherry Audio SH-MAX im Detail
Der Cherry Audio SH-MAX versteht sich nicht als Kopie des SH-5, sondern eher als eine erweiterte Interpretation von Rolands Idee. Dazu gehören zusätzliche Oszillatorfunktionen, Autobend, Touch-Effekt-Steuerung und ein integrierter Sequencer, der die Motion-Ansicht darstellt. Das Ergebnis ist also kein reines Retro-Plug-in, sondern ein Synthesizer, der historische Vorbilder als Ausgangspunkt nimmt und in mehrere Richtungen weiterdenkt.
Drei Signalwege
Eine der wichtigsten Besonderheiten des Cherry Audio SH-MAX ist seine interne Struktur. Die Klangquellen lassen sich nicht nur gemeinsam durch ein Filter schicken, sondern auch einzeln auf verschiedene Wege verteilen. Optisch ist das sehr gut anhand von Signalfluss-Linien dargestellt. Zur Verfügung stehen hier VCF (Voltage Controlled Filter), BPF (Bandpass Filter), VCF BPF (Kombination aus Voltage Controlled Filter und Bandpass Filter) und VCA (Voltage Controlled Amplifier).
Drei Oszillatoren mit unterschiedlichen Aufgaben
Der VCO-1 ist der Hauptoszillator und liefert die Schwingungsformen Dreieck, Sägezahn, Rechteck oder Puls. Der VCO-2A ist für Verstimmungen, Intervalle, Sync-Sounds und Pitch-Bewegungen zuständig. Hinzu kommt der VCO-2B, der sich am Roland SH-3 orientiert und wie ein kleiner Zusatzoszillator arbeitet. Über die Drawbars für 32′, 16′, 8′, 4′ und 2′ lässt sich in diesem Bereich des Cherry Audio SH-MAX ein recht obertonreicher, orgelähnlicher Klang bilden.
Filter, Ringmodulation und Modulationen
Das Hauptfilter arbeitet als Highcut, Bandpass oder Lowcut. Hinzu kommt ein eigener Bandpassweg, der parallel genutzt werden kann. Zusammen mit Ringmodulation, Sync zwischen VCO-1 und VCO-2A sowie den Modulationsquellen LFO-1, LFO-2 und Sample/Hold lassen sich mit dem Plug-in nicht nur klassische Bässe und Leads erstellen, sondern auch deutlich experimentellere Klänge.

Links im Cherry Audio SH-MAX finden wir die globalen Einstellungen, die LFOs und den Sample/Hold-Bereich
Moderne Erweiterungen
Neben den Grundfunktionen von Rolands SH-Welt geht der Cherry Audio SH-MAX in einigen Punkten deutlich weiter. Neben den Mono- und Unisono-Modi bietet das Plug-in auch polyphone Spielweisen, eine Motion-Ansicht mit einem Sequencer und eine Effektsektion mit 20 frei platzierbaren Effekten.
Besonders ist hierbei, dass die Effekte nicht nur global arbeiten, sondern auch den einzelnen Signalwegen zugeordnet werden können. Dadurch können mit dem Cherry Audio SH-MAX Sounds entstehen, die mit dem klassischen Roland SH-5 gar nicht möglich wären.
Direktvergleich: Roland SH-5 und Cherry Audio SH-MAX
Dass der Cherry Audio SH-MAX eine Art Erweiterung des Roland SH-5 ist, merkt man vor allem an den zusätzlichen Signalwegen, den erweiterten Oszillatorfunktionen und den weiteren genannten Zusatzfunktionen. Während der originale Roland SH-5 ein monophoner Analogsynth ist, öffnet Cherry Audio das Konzept deutlich weiter und ergänzt es um Ideen, die aus dem Roland SH-7 und dem Roland SH-3A stammen. Trotzdem bleibt der Bezug zum Roland SH-5 deutlich hörbar. Genau deshalb ist der Cherry Audio SH-MAX weniger ein Klon, sondern eher eine moderne Auslegung eines Roland-Klassikers.
Cherry Audio SH-MAX in der Praxis
Für den Praxisteil starten wir beim Init-Preset des Plug-ins, in dem die Regler überwiegend neutral stehen. Modulationen sind kaum aktiv und die Effekt-Slots sind leer. Ziel dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung ist ein breiter und warmer Bass mit einem druckvollen und rauen Sound.
Basis mit VCO-1
Den Grundton übernimmt der VCO-1 mit einer Sägezahnschwingung, die Range bleibt mit 32’ im Bassbereich. Um dem Klang direkt etwas mehr Fülle zu geben, wird der Drift-Regler minimal aufgedreht.
Breite über VCO-2A
Als Nächstes kommt der VCO-2A hinzu. Damit der Klang noch etwas dominanter wird, wähle ich hier die Pulsschwingung. Entscheidend ist dann die leichte Verstimmung zum Hauptoszillator, die ich auf ’15 Halbtöne einstelle.
Aktuell klingen VCO-1 und VCO-2A gemeinsam so:
VCO-2B
Die eigentliche Besonderheit kommt nun mit dem VCO-2B ins Spiel: 32’ wird nicht genutzt, 16’ und 8’ werden auf 100 % gestellt, 4’ auf 50 Prozent und 2’ auf 25 Prozent. So ist der Klang zwar kräftig, aber nicht zu dominant im Zusammenspiel mit VCO-1 und VCO-2A. So klingt der VCO-2B alleine:
Und so klingen alle drei gemeinsam, wenn VCO-1 im Mixer auf 100 Prozent und VCO-2A sowie VCO-2B jeweils auf 75 % stehen:
Filter und Hüllkurve
Anschließend wird der bisher erstellte Sound über das VCF geformt: Der Cutoff wird auf etwa 1.500 Hz eingestellt und die Resonanz leicht angehoben. Für einen harten Anschlag sorgt ADSR-1 mit einem schnellen Attack, einem kurzen Decay und einem mittleren Sustain bei etwa 28 %. Damit das Gespielte direkt sauberer klingt, wähle ich ganz links im Plug-in statt „Poly“ die Funktion „One Note“.
Bewegung des Tons
Für etwas mehr Charakter eignet sich beim Cherry Audio SH-MAX vor allem die Autobend-Funktion mit kurzen abwärts gerichteten Pitch-Bewegungen. Ich nutze sie für den VCO-2B. Wichtig ist hierbei, dass der Effekt nur sehr sparsam genutzt wird.
Effekte
Zum Schluss kommt die Effektsektion mit einer recht starken Kompression und einem Chorus zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein breiter und druckvoller Bass.
Hier der Sound mit der Kompression:
Und hier der finale Sound mit der Kompression und dem anschließenden Chorus:
Das Ergebnis
Im Kontext mit anderen Sounds des Cherry Audio SH-MAX klingt unser erstellter Bass wie folgt:
Cherry Audio SH-MAX: Presets
Das Plug-in ist mit einer Vielzahl an Presets ausgestattet. Hier eine kleine Auswahl:
Alternativen zum Cherry Audio SH-MAX
Eine der direktesten Hardware-Alternativen ist der Behringer MS-5. Er orientiert sich eng am Roland SH-5 und übernimmt zentrale Merkmale wie zwei Oszillatoren, Ringmodulation, Multimode-Filter und separates Bandpassfilter. Damit spricht er vor allem Nutzer an, die den Grundgedanken des Originals als Hardware haben möchten.
Eine andere Richtung schlagen auf Samples basierte Lösungen ein: IK Multimedia hat in Syntronik 2 ebenfalls Vintage-Synthesizer eingebaut, darunter auch Instrumente mit einem Bezug zum Roland SH-5. Ähnliches gilt für das Plug-in SH-5 From Mars, das den Sound des Originals in gesampelter Form zugänglich macht. Für Produktionen, in denen es schnell gehen soll, kann das ausreichen.
Interessant ist übrigens, dass Roland den SH-5 bis heute nicht als Software-Version in der eigenen Roland Cloud anbietet.




































Ich habe den Behringer MS-5 hier stehen und den Cherry SH-Max habe ich mal getestet. Es ist wie inzwischen, wie bei den meisten Emulationen heute. Bist Du Produzent, musst Du Termine einhalten, keine Kohle, oder hast einfach nur wenig Geduld, dann ist VST eine gute Wahl. Aber der MS-5 und auch andere Hardware, machen einfach Spaß und den hatte ich nie mit VSTi (VSTfx sind einfach viel zu bequem 😁)! Und da ich keiner von den oben Genannten bin, lieber so einen soliden Panzer, wie dem MS-5 unter den Fingern 👍🏻
@Mick auch ein Argument 👍🏻
@Mick Was könnte man mit einem MS 5 alles anstellen wenn man den Bandpassfilter modulieren könnte … 😉
leider geht da gar nix, was sehr dümmlich ist,
hätte ich sonst sofort gekauft.
@plumperquatsch das ist nur ein cv Eingang für den bandpassfilter, (hab grad geguckt)
das hilft zwar schon ein bissl weiter
aber benutz die internen lfos und gib mir den umgedrehten envelope amount …
Fehlanzeige 😬
Wenn man wollte würde da viel mehr gehen …
Wie wärs mit ner MK2 version?
da wär ich sofort dabei.
@plumperquatsch „key follow“ wäre auch sehr geil … :)
@plumperquatsch https://maffez.com/?page_id=4887
Da geht einiges.
@MPC-User die mods sind jetzt nicht so wirklich sexy gemacht … 🤷🏻♂️
cv Steuerung für cut off vom bandpassfilter ist wohl die offensichtliche Modifikation,
die lässt sich dann aber nur von aussen bespielen …
das geht bestimmt auch cleverer.
für key follow oder Modulation amount wäre z.b. noch locker platz auf dem Panel …
einen internen lfo dahin umleiten kann jetzt auch nicht die große Zauberei sein?
ich hätte ja gerne etwas was insgesamt mehr sinn macht und nicht nur irgendwie halbwegs cool verbastelt ist ;)
heavy modulierte klänge waren zu der zeit noch nicht hip …
@MPC-User model d ist in der Behringer version richtig cool,
beim ms 5 fehlte irgendwie die richtige Inspiration. schade. 🤷🏻♂️
model d kann jetzt AM und hat nen highpassfilter out of the box,
was kann der ms 5 mehr? nix. 🤔🤨
@plumperquatsch …
@plumperquatsch Evtl liest ja Maffez das hier mit.
Oder Du sprichst ihn mal dazu an😊
@MPC-User 👍
Danke für den Test.
Ich frage mich immer wieder wie Cherry Audio das mit so einen günstigen Preis hinbekommt.!?
Dachte anfangs, die Instrumente basieren auf Samples.
Einfach unschlagbar.
@MPC-User Wenn die in so kurzem Takt Vintage-Emulationen heraushauen, werden wahrscheinlich immer die gleichen Software-Bausteine benutzt – was dazu passt, dass viele sagen „die hören sich alle gleich an“. Da ist eben keine Zeit, ein Filter genau nach dem Original zu modellieren oder die Oberwellen eines crossmodulierten VCOs. Ganz zu schweigen davon, dass die kaum alle Originale ihrer vielen Emulationen in die Hände bekommen können.
@WOK die Geschwindigkeit in der das zeug rausgehauen wird legt die Vermutung nahe das da ein interner softwarebaukasten abgewandelt & recycelt wird 🤷🏻♂️
den filtern oder anderen prägnanten dingen wird man wohl aber schon mehr Aufmerksamkeit widmen müssen …
aber auch onkel bob & onkel kakehashi kochten nur mit Wasser …
@WOK Das stimmt nicht so ganz. Die geben sich schon wahnsinnig viel Mühe damit, die alten Kisten aufzutreiben, zu messen, Sounds zu produzieren, um später Vergleichsmöglichkeiten zu haben und vieles mehr. Einige Mitarbeiter besitzen selbst die Originale und anschließend werden auf deren Basis die Plug-ins programmiert und abgestimmt.
Manche Infos findest du auf deren Website, andere zum Beispiel bei unseren Kollegen von Gearnews.com: https://www.gearnews.com/modeling-synths-with-cherry-audio-synth/
Das setzt man auch mal Himmel und Hölle in Bewegung, um an einen Korg PS-3300 zu kommen.
Natürlich muss man nicht jeden Baustein von Grund auf neu entwickeln, das ist ja auch bei der Hardware nicht so. Und dass die Cherry Audio Plug-ins alle identisch klingen oder ähnlich, kann ich nicht bestätigen. Ich habe sehr viele davon getestet und auf meinem Rechner.
Was die Preise betrifft macht Cherry Audio niemanden was vor. Ich habe auch nichts von denen, denn man kann schließlich nicht alles besitzen, geschweige brauchen. Es ist mir ebenfalls unerklärlich wie Cherry Audio das hinbekommt. Man denke zum Vergleich nur an Native Instruments: Vor ein paar Jahren noch eine staatliche Unterstützung bekommen von ca. 1 Mio. Euro. Jetzt Insolvent und die letzten Softwareprodukte waren auch eher Murks. Komisch oder! Erst der Absynth 6 brachte wieder Licht in’s dunkle. Aber auch der Absynth 6 ist ja kein grundlegend neuer Softwaresynthesizer. Architektur und Klang gab es schon. Viele bemängeln etwas den Klang von Cherry Audio, im Vergleich zum Beispiel den GForce Softwareemulationen. Angeblich die besten Simulationen. Aber unter uns: Im Mix bissel Effekte drauf und fertig ist der Sound! Interessiert eh keinen der Hörerschaft. Apropos ist mit dem Behringer MS-5 ein großer wurf gelungen. Ich hörte bislang nichts schlechtes über das Gerät hinsichtlich Klang und Verarbeitung. Ein solides Teil aus Metall, unter 400€. Na wenn das kein Glück für uns Gleichgesynthe ist! Für Anfänger und langjährige Hobbyenthusiasten, die locker Profis sein könnten bzw. müssten (ich eben :p) gleichermaßen ein tolles Teil!
@Filterpad ja ms 5 sieht auch optic gut aus.
preis jetzt so man zuschlagen muß – also nicht instrument🙂
mit welchen preis ist der ms 5 gestartet?
@Viertelnote Einstiegspreis: 599€
Heute 370€ beim T.
Eigentlich müsste man ohne überlegen kaufen.