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Test: Clavia Nord Electro 3


Nord Electro 3

In den letzten Jahren sieht man immer mehr rote Keyboards auf den Bühnen dieser Welt. Entdecken etwa immer mehr Hersteller diese Farbe für sich? Wohl kaum. Aber immer mehr Keyboarder entdecken die Marke Clavia für sich – und die hat nun einmal ein Faible für diese Farbe.
Darüber hinaus haben die Geräte des kleinen schwedischen Herstellers noch mehr gemein: sie hören auf den Vornamen „Nord“ (nach Gründer Hans Nordelius), sind gut verarbeitet, haben eine  übersichtliche, relativ simple Bedienoberfläche und klingen meist sehr gut.
All diese Zutaten bringt natürlich auch der jüngste Familienspross, der Electro, in seiner nunmehr  dritten  Auflage mit. Da die beiden Vorgänger-Versionen nicht von Amazona getestet wurden, werde ich in diesem Test nicht nur auf die neuen Features eingehen, sondern zuerst erklären, was den Electro eigentlich ausmacht bzw. ihn von anderen Keyboards unterscheidet.

Konzept

Es gibt den Electro 3 in zwei Varianten: mit 61 oder 73 Tasten.

-- Nord Electro 3 SixtyOne und SeventyThree --

— Nord Electro 3 SixtyOne und SeventyThree —

Auf eine Rack-Variante hat man diesmal – anders als beim Vorgänger – verzichtet. Im Gegensatz zu anderen Herstellern bedeutet ein anderer Tastatur-Umfang bei Clavia nicht gleichzeitig eine andere Gewichtung – beide Electros besitzen die gleiche „Waterfall“-Tastatur, die vom Spielgefühl weder einer normalen Synthesizer-Tastatur noch einer gewichteten Hammermechanik-Tastatur ähnelt. Auch ansonsten gibt es keine Ausstattung-Unterschiede zwischen „klein“ und „groß“, daher ist auch der Preisunterschied vergleichsweise gering. Für den Test stand mir die kleinere Variante zur Verfügung.
Der Nord Electro ist ganz auf die Emulation von Orgeln, E-Pianos und akustischen Pianos spezialisiert, auch wenn es – wie wir später noch genauer sehen werden – grundsätzlich möglich ist, durch Sample-Import beliebige andere Sounds in den Electro zu bekommen. Dieses Keyboard beschränkt sich also auf die wichtigsten klassischen Standard-Sounds eines Live-Keyboarders, liefert diese aber – soviel vorweg – in hervorragender Qualität. Hier gilt: Klasse statt Masse. Möchte man den Electro also in eine der üblichen Kategorien einreihen, so käme am ehesten „Stage Piano“ in Frage.

Äußerlichkeiten

Dass sich der Electro an Live-Keyboarder richtet, merkt man auch am äußerst geringen Gewicht des Instruments – gerade einmal 7,8 kg muss der Keyboarder bei der 61-Tasten-Variante noch tragen, 8,5 kg werden bei der 73-Tasten-Version aufgerufen – und somit fast 1 kg weniger als beim ebenfalls sehr transportablen Electro 2. Auch die Ausmaße befinden sich am unteren Ende dessen, was für ein 5 bzw. 6 Oktaven-Keyboard möglich ist. Das liegt natürlich auch daran, dass beim Electro wegen seines Konzepts auf Spielhilfen wie Modulation-Wheel oder den Nord-typischen Pitch-Stick verzichtet werden kann, so dass sich links und rechts der Tastatur nur noch die schönen, rot lackierten Holz-Seitenteile befinden.
Trotz des geringen Gewichts macht der Electro 3 insgesamt einen sehr hochwertigen, stabilen Eindruck. Das Gehäuse ist aus Metall, alles scheint sehr gut verarbeitet zu sein, auch die Potis bieten einen sehr schönen, sogar fast schon zu starken Widerstand. Einzig die Nord-typischen grauen und schwarzen Taster gefallen mir persönlich nicht besonders – im Vergleich zum Rest wirken sie auf mich etwas „billig“.
An der Rückseite finden wir neben dem Power-Schalter die üblichen Anschlüsse:

-- die Rückseite bietet gleich 3 Pedal-Anschlüsse --

— die Rückseite bietet gleich 3 Pedal-Anschlüsse —



– LEFT/RIGHT OUTS: leider nur unsymmetrische Ausgänge. Das ist zwar nach wie vor die Regel, aber bei Stage-Pianos der Konkurrenz findet man in letzter Zeit vermehrt auch symmetrische Ausgänge.
– HEADPHONES
– MONITOR IN: gab es beim Vorgänger noch nicht – ein Audio-Eingang. Leider als wenig stabile Stereo-Mini-Klinke ausgeführt. Das anliegende Signal kann nur über den Kopfhörer-Ausgang wiedergegeben werden und auch nicht mit Effekten o. ä. bearbeitet werden. Kann für ein Zuspiel-Signal, das der Keyboarder über Kopfhörer hört, eventuell praktisch sein.
– MIDI IN/OUT: auf eine THRU-Buchse wurde hier verzichtet – sicherlich für viele zu verschmerzen, für einige aber auch ärgerlich. Zumindest eine Umschaltmöglichkeit OUT/THRU wäre schön gewesen.
– SUSTAIN PEDAL, ROTOR PEDAL, CONTROL PEDAL: gleich 3 Pedal-Anschlüsse findet man, hier wurde also nicht gespart. Mit dem Sustain-Pedal hält man bekanntlich gespielte Noten, mit dem Rotor Pedal kann man die Geschwindigkeit des (Leslie-)Rotors ändern. Am dritten Anschluss kann ein Expression Pedal angeschlossen werden, dem diverse Parameter zugeordnet werden können – viel zu tun also für Fußarbeiter. Wünschenswert für Orgel-Enthusiasten wäre aber noch ein MIDI-Basspedal-Anschluss, wie ihn die Orgel-Schwester Nord C1 bietet.
– USB: Der USB-Anschluss dient hier vor allem dazu, das Betriebssystem des Electro über einen Computer updaten zu können sowie ihn mit neuen Sounds und Samples zu versorgen (mehr dazu unten). Eine MIDI-Verbindung über USB, wie sie andere Keyboards bieten, gibt es hier nicht.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    unifaun

    Ich wollte mir eigentlich einen Hammond-Clone wie Roland VK-7/8, Korg CX-3, oder Hammond XK-1 als Ergänzung zu meinem Roland FAntom X-6 zulegen. Denn Workstations – egal von welchem Hersteller – können einfach nicht vernünftig orgeln.

    Aber dann bin zufällig auf einen gebrauchten Nord Electro gestoßen, der ursprünglich ein 1er war, aber durch Software-Update komplett zum 2er wurde. Wo gibt’s das denn sonst noch?

    Orgel: genial
    E-Pianos: sehr schön, die besten, die ich habe
    CP-80/Clavinet: auch sehr gut
    AkustikPianos: nette Beigabe, aber da bleibe ich bei meinem Fantom.

    Wenn ich irgendwann nochmal Geld übrig haben sollte, dann ist auch für mich der 3er fällig! Aber mit dem 2er kann ich sehr gut leben.

  2. Profilbild
    XCenter

    Leider wird mit keinem Wort auf das Handling der Samples im Electro eingegangen. „Samp Env“ auf dem Panel deutet ja an, dass es zumindest etwas weiter geht als nur aufbereitete Wavesets über die Klaviatur abzufeuern.

    • Profilbild
      j.stoffers •••

      Hallo XCenter! Da erlaube ich mir mal, dir freundlich zu widersprechen, denn im Test steht: „Hat man sich für SAMPLE LIBRARY als Kategorie entschieden, kann man unter SAMP ENV noch zwischen verschiedenen Hüllkurvenverläufen für das Abspielen der Samples wählen.“ Und mehr ist es wirklich nicht, was man dort einstellen kann. Es gibt 4 feste Settings für Attack und Velocity und 4 weitere Presets für die Releases der Samples. Noch einmal: der Electro ist weder Sampler noch Synthesizer oder Workstation und will es auch nicht sein.
      Viele Grüße,
      Jens

  3. Profilbild
    C-j

    Danke für den sehr ausführlichen Test.
    Ich werde morgen sofort zum Händler gehen und das Gerät ein wenig bespielen. Wenn mir dann die Tastatur keine Úngewohnheiten übermittelt hole ich es direkt mit.

    Danke.

    Gruß, C-j.

  4. Profilbild
    bayer05

    Danke für den sehr umfangreichen und fundierten Test. Jedoch habe ich mich als Band-Tastenmann für den Nord Stage compact entschieden. Der hat alle Vorteile des Electro -leicht, sehr gute Waterfalltastatur – UND eine prima Synthabteilung der Fraktion „Wer mit einem beliebigen Synthie umgehen kann, ist hier richtig!“. Verschiedene Live-Settings und Schnellspeicherung sowie Masterkeyboardfunktionen ersetzen für mich meine seit über 20 Jahren genutzen Workstations. Die Möglichkeit, Samples zu laden, editieren , speichern, abzufeuern, gibt es aber dafür nicht. Die gesamte kostenlose Piano-Library steht natürlich zur Verfügung. Ich bewundere den kostenlosen Support von Clavia, der hier für mein Auslaufmodell noch Updates mit NEUEN sinnvollen Funktionen herausbringt. Bisher keine Abstürze, Bugs, Hardwaredefekte… so soll es sein. – Einziger Negativpunkt in der Praxis: die roten Status-LEDs kann ich bei hellem Licht – LIVE beim Straßenfest – absolut nicht erkennen. Auf der Wunschliste: Audioausgänge in XLR-symmetrisch sowie alternativ in einem gängigen Digtalprotokoll z.B. S/PDIF

  5. Profilbild
    C-j

    Hallo, also der Electro3 ist sptze das Vorweg.
    Ich weiß wirlklich nicht wo ich das sonst hier reinschreiben könnte … aber ich würde mich so über einen Test des neuen Korg SV-1 freuen.

    Bitte um Antwort.

    Gruß, C-j.

  6. Profilbild
    moogist

    Das NE3 ist tatsächlich das Instrument, das mit Dir durch dick und dünn geht :-) Die Soundengine ist einfach Spitze und lässt für den Live-Keyboarder keine Wünsche offen. Kritik ergibt sich für mich am Interface zwischen Spieler und Instrument: Die Tastatur. Es handelt sich um eine (imho) schwergängige Plastiktastatur. Es gibt keinerlei Anpassungsmöglichkeiten wie z.B. wählbare Velocity-Curves o.ä. Man braucht recht viel Kraft, um sehr schnelle Läufe „hörbar“ zu spielen. Immerhin gibt es einen Kompressor, mit dem dies ganz gut kompensieren kann.

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