Test: Cooper FX Arcades, Effektgerät

22. Dezember 2020

Vintage-Konsole trifft auf Lo-Fi-Sounds

Unsere Redaktion hat die Berührungsängste mit extravaganten Pedalen endgültig abgelegt. Abseits der großen Namen wie Boss, Line6, Strymon und anderen passiert nämlich so viel Spannendes, dass wir gar nicht anders können als hinzugucken. Das betrifft Multieffekte wie den Hologram Electronics Microcosm oder eben das Cooper FX Outward V2.

Cooper FX – das ist im Grunde die Ein-Mann-Armee Tom Majeski sowie sein Doggo-Buddy Cooper, der zugleich Namensgeber der Firma ist. Tom ist – da ist sich die Pedalwelt einig – ein Genie, dessen Ideen und Wissen die Konkurrenz oft alt aussehen lassen. Seine Kooperation mit Chase Bliss Audio beispielsweise spricht für sich. Ein Kritikpunkt, den sich Tom öfters gefallen lassen muss, lautet, dass seine Konzepte sperrig sind. Doch wie mit allen guten „Units“, die Auseinandersetzung belohnen, verstecken sich in den Cooper FX Pedalen ganze Welten, die entdeckt werden wollen.

Nun also das Cooper FX Arcades – das, möchte man meinen, ambitionierteste Unterfangen aus dem Hause Cooper FX. Seine Geschichte und die Odyssee, die mit der Entstehung dieses Pedals einherging, könnt Ihr auf Toms Blog hier nachlesen. Ehrlich gesagt hab ich durchaus geschluckt, als ich das Ding aus dem Karton nahm – Arcade Karten?? Oh, Tom. Ein paar Tage und mehrere Spielstunden später lässt es sich nicht anders sagen: Das Arcades ist meine persönliche Überraschung des Jahres. Seltsam, originell und absolut einzigartig. Doch der Reihe nach – womit haben wir es hier eigentlich zu tun?

Cooper FX Arcade – Arcade-Karten, Sounds, Multieffekte

Das Konzept könnte nicht typischer für Cooper FX sein. Wer sitzt an seinem alten Super Nintendo und denkt sich: Wie interessant wäre es eigentlich, das Konsolen-Konzept auf die Pedal-Welt zu übertragen. Nun, Tom, lautet die Antwort. Tom dachte das. Wo es andere bei einem „stoned thought“ belassen, krempelt der Herr stattdessen die Ärmel hoch und sagt sich: Let’s get to work. Doch lassen wir die Kirche mal im Dorf – Line6 wagten schon mal was Ähnliches mit dem ToneCore und hatten eine ähnliche Idee, die jedoch an der Umsetzung letzten Endes scheiterten.

Also – das Cooper FX ist ein Multieffektgerät. Statt mit klassischen Engines jedoch arbeitet das Arcade mit sogenannten Swap Cards. Was es darauf gibt? Eine Bank mit jeweils acht Effekten.

Jetzt kommt sicher der nicht ganz unberechtigte Vorwurf, dass es sich hier um Grunde nur um ein Gimmick handelt, welches ein völlig bewährtes Konzept unnötig aus den Angeln hebt. Nun. Nicht ganz falsch. Aber es hat auch einen ungemeinen Charme, mit diesen Cartridges zu arbeiten und macht das Pedal im Prinzip grenzenlos einsatzbar. Und das dämmert einem nach einer Weile – hier ist sprichwörtlich unendlich viel drinnen: Die Menge und die Kapazität ist nicht von der Pedal-Hardware alleinig abhängig, sondern von den Swap Cards, die prinzipiell endlos hergestellt und an den Mann gebracht werden können. Tatsache ist: Eine Online-Bibliothek und ein Editor leisten das auch und zwar zumeist fairer, da kostenlos. Doch nicht immer ist das sinnig. Denn irgendwie muss man sich organisieren und wie auch ich dürften es inzwischen viele Spieler leid sein, sich endlos durch digitale Menüs per Knopf zu drehen, zu drücken, zu drehen, zu drücken, zu drehen oder gar einen Laptop mit auf der Bühne zu haben. Das System mit den Cards macht es da vielleicht leichter, sich zu organisieren. Das würde eine länger anhaltende Praxis jedoch erfordern. Und genaugenommen: 6-8 neue Effekt für 30,- Euro ca. sind vertretbar.

Also – pro Swap Card organisiert man eine Effektrubrik: Delay, Pitch, Lofi, Reverb sind ein paar der aktuellen „Engines“, die für den Arcades erhältlich sind. Da Tom die Produktion für die Swap Cards von allen Orten auf der Welt ausgerechnet nach Wuhan, China verlagerte, dürfte sich die Produktion weiter verzögern, aber insgesamt soll vor nichts Halt gemacht werden: Synthie-Cards, Granular-Cards, Bitcrusher-Cards – alles drinnen, alles möglich. Die bisher erhältlichen Cartridges lauten:

  • Generation Loss
  • Delay
  • Lo Fi
  • Reverb
  • Pitch
  • Synth
  • Grain
  • Reverse
  • Pastiche

Lo-Fi Sounds und Vintage Ambient für Gitarre – das Arcades

Das Panel ist für das Konzept erstaunlich übersichtlich – dafür dass es mit einem Expression-Anschluss und MIDI sowie einem Cartridge-System auskommt, ist fast rebellisch minimalistisch. Dem System entsprechend ist es zum Teil von der gerade sitzenden System-Card abhängig, welche Parameter die Regler – schlichtweg A, B, C, D genannt – bedienen. Alles kann darunter fallen – die Delay-Zeit, das Reverb-Decay, die Intensität des Synthie-Sounds. Abgerundet wird die einfache Navigation durch die zwei Buttons – links, mit PRGM, schaltet ihr euch durch die einzelnen Effekte pro Card oder bekommt Zugriff auf das MIDI- und Preset-Menü. Rechts, mit PAGE, könnt ihr zwischen Global Controls – Mix, Tone, Clock und Speed – sowie den effektspezifischen Parametern schalten. Haltet ihr den PAGE-Button gedrückt, aktiviert ihr das sogenannte Assignment – damit könnt ihr die jeweiligen Parameter dem linken Fußschalter sowie dem Expression-Pedal zuweisen. So kann der linke Fußschalter beispielsweise als Tap-Schalter oder Swell-Button fungieren – je nachdem, was ihr wollt.

Ein einfaches Konzept, das tatsächlich, je mehr man darüber nachgedacht, ein Stück weit genial ist: Card reinstecken, Parameter auf EXP-Anschluss und Aux-Button zuweisen. Nichts, was strenggenommen nicht über MIDI auch möglich ist, aber der Arcades macht es einem schon verdammt leicht, sein Potential auszuschöpfen.

Ein paar Worte noch zu dem Cartridge-System als solches: Dieses basiert auf dem Open Source-Cartridge System von Tiptop Audio, Z-DSP, das eigentlich in der Modular-Welt beheimatet ist. Grundlegend arbeitet das Z-DSP System mit 24-Bit Sampling und einer Bandbreite von 15 kHz. Es handelt sich darüber hinaus bei den Cartridges um EEPROM-Cards, das seine Informationen an das DSP Submodul FV-1 von Electrosmith weiterleitet und so auch die Informationen für das Display generiert. Ein bisschen mehr also als eine reguläre CF-Karte. Die Sounds, die ihnen innewohnen, variieren zum Teil natürlich stark, aber wenn man sich mal ein wenig durch die Klngbeispiele im Netz klickt, bekommt man schon den Eindruck einer leichten Redundanz. Nichtsdestotrotz ist der Eindruck, die Sounds spannend – taugt’s in der Praxis? Finden wir es raus.

So klingt das Cooper FX Arcades Gitarrenpedal

Also – was gibt das her? Wer Cooper FX kennt, weiß: Die Firma glänzt in erster Linie im Lo-Fi Bereich. Tatsächlich hat sich im Laufe der letzten Jahre das Generation Loss zum einen der absoluten Kultklassiker unter den Boutique-Pedalen entwickelt – so sehr, dass es in einer CBA-Kooperation eine (inzwischen hoffnungslos vergriffene) Neuauflage bekam. Dass es eine eigene Generation Loss-Cartridge gibt, ist also höchst erfreulich. Es gibt auch glasklare, digitale Delays, doch Toms Spezialgebiet ist und bleibt nun mal die Lo-Fi-Riege der Effektwelt.

In diesem Zusammenhang liegt uns nun das Pastiche vor – acht Sounds befinden sich auf der Karte, die wir alle ein bisschen ausloten möchten. Dafür speisen wir den Cooper FX Arcades in den Clean Channel des Revv G20, von da aus ins Interface und in die DAW.

Es ist nicht zu unterschätzen, wie gut die Effekte aus den Cartridges klingen. Ja, die Sounds sind zum Teil eigenwillig, exzentrisch und nicht für jedermann einsetzbar. Aber nach einer gewissen Zeit des Rumprobierens bin ich, und das gebe ich offen zu, ein bisschen baff. Nicht wenige dieser Engines sind Kniffe, die Tom schon eine ganze Weile am Start hat – im Grunde bietet er auf der Pastiche ein kleines Best-of seiner inspirierten Einfälle.

Das VHS Delay ist der mit Abstand coolste „Sound-Degrading“-Delay, das ich seit Langem gehört habe. Seine Freeze-Funktion und eigenwillige Modulation sind total unverwechselbar und per Expression-Pedal frei nach Momentum einstellbar – großes Kino. Diese Lo-Fi-Sounds triefen nur vor Nostalgie und Schallplatten-Romantik.

Die Time-Stretch Engine greift im Grunde Funktionen des Microcosm von Hologram Electronics ab und klingt dabei so inspirierend, dass ich mich davon eine ganze Weile nicht losreißen kann. Der Effekt ist dem Mode 2 des Count to 5 nicht unähnlich – man kann die Länge der abgegriffenen Granulare verkürzen, ihre Anordnung randomisieren und somit eine eigenartige Soundwolke erschaffen, die sich straffen, dehnen und auf die Spitze treiben lässt. Immer wieder fahre ich die Freeze-Funktion zurück und integriere ein paar neue Soundschnipsel, die sich dann in tanzende Grains verwandeln.

Der Reverse Granular ist ein durch Grains zusammengesetzter Hall, dessen „Drops“ ich mit dem Expression-Pedal immer wieder durchbreche. Auch hier gilt: Lo-Fi und Vintage, verlorene Klänge und dichte Atmosphäre.

Dass Cooper FX mehr als nur Lo-Fi beherrschen, zeigt das Pitch-Delay. In seinem Grundcharakter hat es durchaus den kühlen Touch eines digitalen Delays. Wir steuern einmal die Modulation und einmal die Tonhöhe per Expression an und erzeugen so alptraumhafte Detune-Sounds.

Auch die Monosynth-Engine ist nicht von schlechten Eltern – das Tracking ist durchaus gut, der Charakter hat was von Sägezahn und kann im Klangbild durchaus mit dem Enzo mithalten. Hier fahre ich die Sensitivität und Resonanz mit dem Expression-Pedal an und teste das Tracking mit Bendings.

Gleiches gilt für die Vinyl-Engine, deren Lo-Fi-Vibration atmosphärisch wabert, knistert und pulsiert und deren Noise- und Modulations-Parameter ich per Expression-Pedal immer wieder anpeitsche. Wer seinen Kurzfilm über die 20er-Jahre drehen möchte, hat hier sicherlich sein perfektes Sound-Tool gefunden.

Auffällig ist, dass die Zuweisung der Parameter für das Expression-Pedal nicht immer reibungslos verläuft – der Regelweg verkürzt sich manchmal ohne Vorankündigung und springt wieder zurück. Auch macht der Page-Knopf manchmal Probleme und lässt einen nicht in das Footswitch- oder Expression-Menü – verzeihliche Glitches. Die Integration des Cartridge hat mir überigend am meisten Sorgen gemacht – wer im Proberaum oder Live mal schnell mit dem Fuß die erste Reihe überspringt, könnte das gute Stück erwischen und beschädigen. Tatsächlich sitzen die Dinger sehr stabil im Gehäuse. Einen richtig harten Stoß würden sie selbstredend aber nicht überstehen.

Fazit

Das Beste zum Schluss? Sieht stark danach aus. Da unsere Redaktion die Listen für dieses Jahr schon fertiggestellt hat, muss der Arcades für das Best-of des nächsten Jahres herhalten – zweifelsohne wird es sich dort in der oberen Hälfte ansiedeln.

Das Swap Cards-Konzept ist für sich genommen charmant, cool und wirklich attraktiv, aber das ist nicht der springende Punkt. Das Arcades ist ein Sammelsurium für Toms Kreativität und somit quasi endlos. Kein Pedalbauer beherrscht Lo-Fi besser. Vier Parameter reichen, um den Kern der jeweiligen Engines perfekt wiederzugeben und die Cartridges erzeugen meines Erachtens eine bessere und lebendigere Klangtiefe als die typischen 08/15 Subsektionen eurer Digital-Delays oder Workstation. Es ist sehr einfach handzuhaben, mit einem Expression-Pedal noch mal um ein Vielfaches flexibler. Endlos erweiterbar, inspirierend und in Sachen Lo-Fi- und Vintage-Effekte für Gitarre unerreicht – Daumen hoch!

Plus

  • einzigartiges Konzept
  • tolle Klangtiefe
  • endlos erweiterbar
  • Lo-Fi-Sounds sehr stark
  • Expression-Kapazitäten

Minus

  • Parameter-Zuweisung des EXP störrisch

Preis

  • Mit LoFi- und Pitch-Card: 385,- Euro
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