Zwei Legenden unter einem Hut
Das Cornerstone Colosseum Dual Overdrive Pedal bietet zwei fantastisch klingende Overdrive-Sounds, die auf Basis des Klon bzw. Blues Breaker entwickelt wurden.
Kurz & knapp
- Klangqualität: Zwei modifizierte Overdrive-Schaltkreise liefern dynamische, musikalische Sounds mit Charakter.
- Flexibilität: Clip-Bender, Clean-Blend und frei wählbare Kanalreihenfolge ermöglichen kreative Klanggestaltung.
- Verarbeitung: hochwertige, handgefertigte Boutique-Qualität aus Italien mit durchdachtem Design.
- Praxisnutzen: rauscharm, zuverlässig und vielseitig einsetzbar – ideal für Bühne, Studio und Pedalboards.
- Fazit: ein modernes, kompaktes Dual-Overdrive-Pedal mit Vintage-Wurzeln und hoher Alltagstauglichkeit
Inhaltsverzeichnis
Cornerstone Colosseum Dual Overdrive
Cornerstone Music Gear ist eine echte Familiengeschichte: Gegründet 2014 von Emilio und Linda Massari in der Lombardei, hat sich die kleine Manufaktur durch ihre handgefertigten Pedale in der Boutique-Szene fest etabliert. Aus der Leidenschaft für Gitarrensound entstanden, verfolgen sie mit jeder Kreation das Ziel, echte Klangideen zu liefern – keine Kopien, sondern Weiterentwicklungen.
Ihr Signature-Pedal Gladio wurde in der Fachwelt bereits vielfach gelobt, doch mit dem Colosseum Dual Overdrive setzen Cornerstone Musical Gear noch einen drauf. Das Pedal vereint zwei ikonische Overdrive-Schaltkreise, die seit Jahrzehnten Musiker weltweit inspirieren – allerdings in überarbeiteter, alltagstauglicher Form. Die linke „K-Seite“ interpretiert den legendären Klon Centaur, der Mitte der 1990er-Jahre in den USA entwickelt wurde und mit seinem transparenten, obertonreichen Zerrverhalten bis heute zu den begehrtesten Boutique-Pedalen zählt. Die rechte „BB-Seite“ basiert auf dem Marshall Bluesbreaker-Pedal der frühen 1990er, das seinerseits die charakteristischen, warm-komprimierten Sounds der Marshall Bluesbreaker-Amps der 1960er nachempfinden sollte – bis heute ein Liebling vieler Blues- und Indie-Gitarristen.
Facts & Features
Beide Schaltkreise wurden im Cornerstone Colosseum nicht nur nachgebaut, sondern gezielt verbessert, etwa durch angepasste EQ-Voicings, höhere Ausgangspegel oder zusätzliche Regelmöglichkeiten. Dunkle Klangbalance, fehlende Headroom-Reserven oder unflexibles Routing wie bei den Originalen sollen so der Vergangenheit angehören. Das Pedal bietet flexible Schaltoptionen, einen Clip-Bender und Clean-Blend sowie eine frei wählbare Kanalreihenfolge – alles verpackt in hochwertige Hardware, sorgfältig gefertigt von Hand in Italien.
Das Cornerstone Colosseum Dual Overdrive kommt in einem kompakten, cremeweiß lackierten Aluminiumgehäuse, das gleichermaßen edel wie funktional wirkt. Mit seinen Maßen von 119 × 94 × 42 mm (B × T × H) und rund 450 g Gewicht passt das Pedal problemlos auf jedes Pedalboard. Die Oberseite ist klar strukturiert: Die zwei Kanal-Sektionen – links „K“, rechts „BB“ – sind grafisch voneinander abgegrenzt, was eine intuitive Bedienung auch bei schummrigen Lichtverhältnissen ermöglicht. Die Potikappen sind griffig gerastert, erlauben präzise Einstellungen und verhindern versehentliche Verstellungen durch Fußkontakt. Beide Kanäle verfügen über separate Volume-, Gain- und Tone-Regler, ergänzt um je einen eigenen Fußschalter mit Status-LEDs in nicht zu grellem Blau.
Die „K“-Seite – inspiriert vom legendären Klon Centaur – bietet einen Clip Bender-Regler, mit dem sich stufenlos zwischen zwei Clipping-Charakteristiken wählen lässt: weich komprimierend oder offen und aggressiv. Auf der „BB“-Seite – basierend auf dem nicht weniger kultigen Marshall Blues Breaker – findet sich hingegen ein Clean-Regler, mit dem sich das Zerrsignal um ein stufenlos einblendbares Clean-Signal ergänzen lässt. Dadurch sollen dynamischere, offenere Sounds mit mehr Transparenz erreicht werden.
Ein zentrales Feature ist der kleine, zwischen den Kanälen platzierte FX-Order-Schalter. Er ermöglicht es, die interne Signalkette umzudrehen, also zu wählen, ob der „K“- oder der „BB“-Kanal zuerst im Signalweg liegt. Das ist besonders interessant für klangliche Kombinationen mit unterschiedlicher Gain-Reihenfolge. Die Ein- und Ausgänge sowie der 9 V DC Anschluss befinden sich platzsparend auf der Stirnseite – praktisch für enge Board-Layouts. Zusätzlich bietet das Colosseum separate Send- und Return-Buchsen für eine serielle Effektweg-Schleife zwischen den beiden Kanälen, mit der sich externe Effekte (z. B. Delay oder Reverb) gezielt zwischen BB- und K-Sektion platzieren lassen. Ein weiteres Beispiel für die durchdachte Signalführung, die das Pedal bietet.
Auch mechanisch lässt das Cornerstone Colosseum Pedal keine Wünsche offen: Die Buchsen sind fest mit dem Gehäuse verschraubt, die Schalter klicken satt und ohne Spiel und die gesamte Verarbeitung wirkt extrem hochwertig. Eigentlich keine Überraschung, denn wie alle Cornerstone-Pedale wird auch das Colosseum vollständig in Handarbeit in Italien gefertigt. Auf der Unterseite gibt es nichts zu entdecken, da das Pedal keinen Batteriebetrieb unterstützt findet man folglich auch kein Fach für einen Saftspender. Ein Netzteil (Hohlsteckerbuchse 5,5 × 2,1 mm, Minuspol innen) ist für den Betrieb also zwingend nötig.
In Summe bietet das Colosseum nicht nur zwei Overdrive-Schaltkreise, sondern auch ein durchdachtes, alltagstaugliches Layout mit Boutique-Charakter – von der Optik über die Bedienung bis zur Verarbeitung. Wie es sich in der Praxis schlägt, werden wir im folgenden Teil erfahren.
Das Colosseum in der Praxis
Zwei Klassiker in einem Pedal – das klingt zunächst nach großer Verantwortung. Da ich selbst weder einen originalen Klon Centaur noch ein altes Marshall Bluesbreaker-Pedal besitze oder je besessen habe, kann und will ich kein Urteil über die Authentizität der Schaltkreise abgeben. Mein Fokus liegt daher auf der klanglichen Qualität und dem praktischen Einsatzwert des Colosseum im Studio- und Live-Alltag. Und hier überzeugt das Pedal auf ganzer Linie!
Schon beim ersten Einschalten fällt positiv auf: kein hörbares Knacken beim Aktivieren der Fußschalter. Beide Kanäle lassen sich sauber, leise und zuverlässig schalten – auch mit moderater Stromversorgung (9 V/100 mA). Das Rauschverhalten ist in beiden Sektionen ausgesprochen niedrig, selbst bei hohen Gain-Werten bleibt der Signalweg angenehm ruhig und aufgeräumt. Gerade bei Overdrive-Pedalen mit hoher Transparenz ist das keine Selbstverständlichkeit.
Soundseitig glänzt die „BB“-Seite mit einem warmen, leicht mittig betonten Grundcharakter, der sich wunderbar für rhythmisches Strumming, bluesige Leads und leicht angecrunchte Sounds eignet. Die Ansprache ist direkt, mit schöner Dynamik. Der Ton folgt dem Anschlag willig und detailreich, ohne dabei steril zu klingen. Dank des Clean-Reglers lässt sich der Anteil des unverzerrten Signals stufenlos beimischen, was besonders im unteren Gain-Bereich für spürbar mehr Definition und Klarheit sorgt.
Auch bei zurückgedrehtem Volume-Poti an der Gitarre bleibt der Ton transparent und lebendig. Ein echter Vorteil für Spieler, die gern mit dem Anschlag und dem Volume-Regler arbeiten. In Kombination mit einem Röhrenamp liefert die BB-Seite einen sahnigen, offenen Zerrsound, der nie zu dick aufträgt, aber stets musikalisch bleibt.
Die „K“-Seite wiederum wirkt im direkten Vergleich offener, brillanter und durchsetzungsstärker. Sie liefert das, was man oft mit dem berühmten Centaur-Ton assoziiert: ein leicht glasiger, präsenter Overdrive, der nie zu dick aufträgt und stets musikalisch bleibt. Der Clip-Bender bietet hier zusätzlichen Spielraum – von sanft komprimiert bis fast schon bissig-rotzig reicht die Palette. Damit lässt sich das Pedal wunderbar auf verschiedene Gitarren und Amps abstimmen.
In der Kombination entfaltet das Cornerstone Colosseum dann sein volles Potenzial: Beide Kanäle lassen sich entweder unabhängig nutzen oder in frei wählbarer Reihenfolge kaskadieren. Je nach Wunsch entweder mit der Bluesbreaker-Sektion als Push vorneweg oder dem Klon-Style als Boost hinter dem ersten Zerrer. Beide Varianten liefern inspirierende Klangfarben, die weit über die Summe ihrer Teile hinausgehen.
Die Regler reagieren musikalisch und feinfühlig, die Verarbeitung wirkt über jeden Zweifel erhaben und der Formfaktor passt problemlos auch auf kleinere Boards. Besonders angenehm: Die vier Buchsen erlauben auch ungewöhnliche Routing-Setups, etwa den separaten Einsatz der beiden Kanäle über einen Looper wie z. B. den Boss ES-5, um je nach Song gezielt zwischen BB- und K-Sektion zu wechseln. Ebenso lässt sich ein Kanal vor den Amp und der andere in den FX-Loop routen – ideal, um z. B. die BB-Seite als klassischen Pre-Gain-Zerrer und die K-Seite als nachgeschalteten Booster einzusetzen. Auch Stereo-Setups mit A/B/Y-Switchern sind damit problemlos realisierbar.
Ob als dynamischer Low-Gain-Zerrer, transparenter Boost oder kreative Gain-Stufe für moderne Sounds: Das Colosseum ist ein vielseitiges, modernes Overdrive-Pedal, das trotz seiner Vintage-Wurzeln im Hier und Jetzt angekommen ist.
Cornerstone Colosseum Dual Overdrive – Klangbeispiele
Für die folgenden Klangbeispiele habe ich das Cornerstone Colosseum Dual Overdrive Pedal vor dem Eingang meines Orange Micro Dark Tops verkabelt. Der Amp war verbunden mit einer Celestion 12″ Vintage 30 Box, vor der ein AKG C3000 Mikrofon in Position gebracht wurde. Effekte wurden wie immer keine benutzt.
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Das kann man alles so unterschreiben, ich hatte bisher noch kein schlechtes Cornerstone Pedal. Mit dem Blend Regler kann man wirklich sehr gut arbeiten.