Test: Cort Gold Mini, Westerngitarre

7. Juli 2019

Cort Gold Mini - die Akustikgitarre für unterwegs

Cort Gold Mini Westerngitarre

Cort Gold Mini Westerngitarre

Neu im Programm des südkoreanischen Herstellers Cort befindet sich die Cort Gold Mini Westerngitarre, die mit ihrer verkürzten Mensur von 579 mm als „Reisegitarre“ angeboten wird. Klar, für unterwegs verzichten wir doch immer gerne auf unnötigen Ballast, aber kann dieses kleine 3/4 Instrument wirklich eine Alternative zu einer ausgewachsenen Akustik sein? Die Fakten lesen sich in jedem Falle schon mal gut: massive Decke aus Adirondack Fichte, Zargen und Boden aus massivem Mahagoni und dazu Griffbrett und Steg aus Macassar-Ebenholz. Also alles Zutaten, die an sich einen guten Klang versprechen, zumindest bei ausgewachsenen Modellen. Dann mal ran an die Kleine!

Cort Gold Mini Westerngitarre

Cort Gold Mini Westerngitarre – Facts & Features

Tatsächlich wirkt die Cort Gold Mini Westerngitarre auf den ersten Blick so, als habe man bei einer vollwertigen Dreadnought Akusitkgitarre etwas Luft abgelassen. Dieses Einschrumpfen wirkt sich aber nur auf die Optik aus, hinsichtlich der verwendeten Zutaten braucht sich die kleine hinter ihren ausgewachsenen Brüdern und Schwestern absolut nicht zu verstecken. Ihre Decke besteht aus massiver Andirondack Fichte, die in einem Wärmeverfahren eine dunkle Färbung abbekommen hat – wir kennen diese Prozedur seit einiger Zeit ja schon aus dem Bereich der E-Gitarren, in dem die Bewerber mit den „gerösteten“ Hälsen ihrer Instrumente um die Kundschaft buhlen. Neben der Optik soll sich dieses Verfahren auch auf die Stabilität des Holzes und vor allem auf dessen Klangverhalten positiv auswirken. Um das wirklich neutral überprüfen zu können, müsste man die Cort Gold Mini logischerweise mit thermisch unbehandelten Hölzern zum Vergleich heranziehen. Geht aber nicht, weil es sie nur in dieser Ausführung gibt.

So ganz golden, wie uns die Produktbezeichnung der Gitarre suggerieren soll, wirkt die Decke zwar nicht, der dunklere Ton gegenüber einer gewöhnlichen Fichtendecke ist aber doch deutlich zu sehen. Vielleicht mag das auch mit der Lackschicht zusammenhängen, die Cort der Gold Mini Westerngitarre verliehen hat: Die „schwingungsoptimierte UV-Lackierung“ bietet einen guten Schutz für das Holz, lässt aber dennoch genug Luft für ein freies Schwingen der Hölzer übrig. So und nicht anders lautet die Ansage des Herstellers!

Cort Gold Mini Decke

Der Boden und die beiden Zargen bestehen aus massivem Mahagoni und dazu auch noch aus einem ganz hübschen Exemplar Tonholz. Den Kontakt zur Decke vermittelt ein schwarzes Binding, das sich an der Rückseite fortsetzt und zudem die beiden Hälften des Bodens miteinander verbindet. Der obligatorische Blick durch das Schallloch zeigt eine einwandfreie Verarbeitung im Innern des Korpus. Die Verstrebungen sind, so weit es die Augen erfassen und die Finger es fühlen können, frei von Rissen oder anderen Unsauberkeiten und selbstverständlich darf um die Rosette herum auch hier ein Perlmutt-Binding nicht fehlen. Ebenfalls aus Macassar-Ebenholz besteht der Steg, dazu kommen noch die sechs Pins zur Aufnahme der Saiten, die ebenfalls aus Ebenholz gefertigt wurden und oben drauf einen kleinen Punkt aus Perlmutt tragen.

Dem Schrumpfungsprozess zum Opfer gefallen ist auch der Halsfuß, aber da freuen wir uns ja eher drüber! Denn so kann man die Cort Mini Gold mit etwas Übung und Geschick problemlos bis zum letzten Bund bespielen, auch wenn sie gar kein Cutaway besitzt. Na ja, zumindest theoretisch, denn in der Praxis dürfte dies bei der Saitenlage unseres Testmodells ein Kraftakt werden: Rund 4 mm Saitenhöhe in der Oktavlage sind überhaupt nicht „mini“, sondern eher ein Fall für den Fachmann. Dennoch ist ein Übergreifen der Greifhand bis zu Bund Nummer 19 kein großes Thema, falls das Solo doch mal ein paar Töne höher ausfallen sollte.

Cort Gold Mini – Hals mit zusätzlicher Verschraubung

Cort Gold Mini Halsverschraubung

Wie viele Hersteller von Akustikgitarren verwendet auch Cort bei der Cort Gold Mini Westerngitarre eine klassische Schwalbenschwanzverleimung zwischen Korpus und Hals. Doch das ist noch nicht alles, zusätzlich wurde der Hals zentral in Höhe des Halsfußes mit dem Korpus verschraubt, um an dieser wichtigen Verbindung die Schwingungsübertragung noch einmal zu verbessern. Nun ja, zumindest kann man sich sicher sein, dass an dieser Stelle so schnell nichts abbrechen und/oder reißen wird! Über das verwendete Holz des Griffbretts sprachen wir eingangs bereits, neben dem Ebenholzsteg wurde auch hier ein Stück Macassar Ebenholz verwendet, das mit 19 Bundstäbchen bestückt wurde und kleine Perlmutt-Inlays zur Orientierung trägt. An der Bundierung gibt es nichts zu makeln, ebenso wenig am sauber eingesetzten Sattel, der mit seiner Breite von 43 mm dem Standard einer „ausgewachsenen“ Akustikgitarre entspricht. Wir nähern uns der Kopfplatte und damit zu den wenigen Teilen Hardware, die an der Cort Gold Mini zu finden sind.

Cort Gold Mini – die Hardware

Dazu zählen natürlich bzw. in diesem Fall ausschließlich die No-name-Mechaniken, die wir in vollgekapselter Form an der Kopfplatte vorfinden. Die Tuner sind immer auch ein kritischer Teil bei Instrumenten in dieser Preisklasse, seien es nun akustische oder aber elektrische Gitarren. Die hier verbauten Mechaniken kann man als in Ordnung bezeichnen, ein Spiel auf ihren Achsen besitzen sie schon, da hat man ehrlich gesagt aber auch schon Schlimmeres erlebt. Waren die sechs Drähte dann erst einmal in Form gebracht, dann hielten sie die Stimmung der Gitarre während der Testphase jedenfalls ohne nennenswerte Probleme. Und ihre Farbe ist, na klar: Gold! Genau so, wie auch die Gurtpins in Goldchrom strahlen – die hätte ich ja fast vergessen. Schön, dass hier auch am Halsfuß schon an ein Exemplar gedacht wurde!

Cort Gold Mini Gurtpin

Cort Gold Mini-Gurtpin am Halsfuß

Cort Gold Mini Westerngitarre – in der Praxis

Zunächst einmal muss man sich darüber im Klaren sein, dass sich auch im Instrumentenbau die Grenzen der Physik nicht überlisten lassen. Im Fall der Cort Gold Mini bedeutet dies, dass man keinen voluminösen und mit fetten Bässen angereicherten Klang erwarten kann und sollte. Der 3/4 Korpus gibt jedoch sein Bestes – und das sind durchdringende Tiefmitten, die sich garantiert in jedem Gefüge durchsetzen werden und manchmal schon zu überbetont aus dem Schallloch drücken. Hinzu kommt ein ausgewogenes Obertonspektrum, das selbst nur ganz leicht angepickten Noten stets Präsenz verschafft und bei Akkorden für die nötige Brillanz bzw. Klarheit sorgt. Ebenso kann das knackige Attack überzeugen, ob es nun an der wärmebehandelten Fichtendecke liegt oder nicht.

Cort Gold Mini Westerngitarre

Das für eine Westerngitarre relativ schlanke Halsprofil mit seiner nahezu „klebefreien“ Lackierung bietet eigentlich beste Voraussetzungen für eine bequeme Bespielbarkeit, wenn nur diese extrem hohe Saitenlage nicht wäre. Das mag vielleicht auch nur unser Testinstrument betreffen, bei dem ein Bespielen jenseits des fünften Bundes so kaum noch Spaß bereitet. Die Cort Gold Mini empfiehlt sich laut Hersteller ja auch für Kinder und Jugendliche, mit solch einem Setting schreckt man meiner Meinung nach die Klientel jedoch eher ab, als sie für ein neues Instrument bzw. das „Abenteuer Gitarre“ zu gewinnen.

Ich habe es daher bei den nun folgenden Klangbeispielen auch beim Bespielen der unteren Lagen belassen. Zum Einsatz für die Aufnahmen kam ein AKG C3000 Mikrofon, das ich auf einem Stativ zwischen Schallloch und Steg auf den Korpus ausgerichtet habe. Wir hören zunächst ein gepicktes Thema, danach eines mit einem Schlagmuster und schließlich ein drittes, in dem ich beide Techniken kombiniere.

Fazit

Wer bereit ist, Kompromisse in Sachen Klangfülle einzugehen, der könnte mit der Cort Gold Mini einen idealen Reisepartner gefunden haben! Das Instrument ist Cort-typisch sehr gut verarbeitet und bietet, abgesehen von der misslungenen Werkseinstellung unseres Testinstruments, keine weiteren Kritikpunkte. Zu erwähnen sei zum Schluss noch, dass die Cort Gold Mini in einem hochwertigen Softcase ausgeliefert wird.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • sehr laut und durchsetzungskräftig
  • gutes Höhen-/Obertonspektrum
  • Softcase mit im Lieferumfang

Minus

  • bauartbedingt sehr mittiger Sound
  • Werkseinstellung

Preis

  • Ladenpreis: 569,- Euro
Klangbeispiele
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.