Test: Cort KX 500 Etched Black, E-Gitarre

6. Oktober 2020

Die beste KX aus dem Hause Cort

Als in der diesjährigen NAMM Cort ihre neuen Etched-Models vorstellten, wurden viele hellhörig. Was da vorgestellt wurde, sah einfach fantastisch aus. Und Cort verstehen sich darauf, unkomplizierte und zugleich hochwertige Gitarren im preislichen Midrange zu produzieren. Aus der Etched-Reihe hatten wir uns bereits die Cort KX 300 angesehen – verlässlich, klanglich stark, optisch großartig. Die Cort KX 500 ist das Schwestermodell und in der Reihe das härtere Brett.

Test: Cort KX 500 Etched Black, E-Gitarre

Die Cort KX500 mit sandgestrahlter Esche-Decke

Der koreanische Hersteller hat in der Gitarrenwelt seine Finger in vielen Namen, arbeitet als Produktionsmaschine und Zulieferer eher hinter den Kulissen. Ein Dauerlaufband an Neuerscheinungen, wie Fender oder Schecter es machen, leisten Cort nicht. Und das ist nicht schlecht – so weiß man, dass wenn da was kommt, es seine Daseinsberechtigung hat. Wir mochten die Cort G290 und die Cort MBM-1 und ich für meinen Teil kann nur sagen, dass die Vorfreude KX 500 groß war. Insofern, ohne weitere Umschweife:

Cort KX 500 Etched Black – Djent, Metal, Rock-Gitarre

Optik ist Geschmacksfrage – insofern ist es immer mit Vorsicht zu genießen, wenn jemand von extravagantem Design schwärmt. In diesem Falle – schuldig im Sinne der Anklage, die Cort KX 500 sieht einfach fantastisch aus. Die mit Sandstrahl bearbeitete Decke aus Esche-Wurzelholz sieht markant und hochwertig aus – kein Metalaxt-Klischee, obwohl die KX 500 im Prinzip die entschärfte Sechssaiter-Version der brutalen Cort KX508 MS darstellt. Die Hochdruck-Bearbeitung setzt sich auf der weinroten Rückseite fort,  ansonsten: kein Binding, keine Sperenzchen. Die Cort KX500 ist schlicht, die Sandstrahl-Bearbeitung arbeitet diesem puristischen Design gut zu. Trotz Mahagoni-Korpus ist die KX500 zudem leicht.

Test: Cort KX 500 Etched Black, E-Gitarre

Kommen wir zum Hals: dreiteilig, geschraubt, nicht geleimt. Der Trussrod kann oberhalb des 24. Bundes über die zentrale Öffnung justiert werden und ist gut sichtbar. Die äußeren Flanken des Halses bestehen jeweils aus Ahorn, dahinter befinden sich zwei dünnere Teile aus dunkelrotem Amaranth und ein zentrales Stück aus Ahorn in der Mitte. Die Halsform selbst ist ein leichtes abgeflachtes C-Shape, nicht ganz so dünn wie ein typischer SG-Hals, aber eben auch kein klotziger D-Shape. Der Cutoff ist schön tief, das Erreichen der höheren Lagen somit problemlos. Ich persönlich kann auf Anhieb keinen Unterschied zwischen Griffbrett-typischem Palisander und dem hier verwendeten Macassar erkennen. Macassar ist vielleicht ein wenig matter, näher der Ahorn-Oberfläche. So oder so – geschmeidig genug allemale. Ergonomie ist auch kein Thema – die Cort KX500 ist nicht kopflastig, die Verflachung hinten rum ideal.

Cort KX500 – aktive Fisherman Fluence Modern Humbucker

Die Elektronik der Cort KX 500 zeichnet sie durch die zurzeit vielleicht am stärksten gehypten Pickups aus: Die aktiven Fisherman Fluence Pickups gelten als die ultimative EMG-Alternative. Beim Spielen einer Schecter SLS machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit den Pickups. Trotz aktivem, bissigem EMG-Charakter ist der Unterschied deutlich: Die Fisher Fluence Modern Pickups haben a) ein höheren Output, b) arbeiten jeweils als Multi-Voice-Humbucker komplementär zusammen. Am Steg arbeitet man mit Keramik-Magneten (Peak-Frequenzen: Voice 1: 720 Hz, Voice 2: 1,8 kHz), der Neck-Humbucker arbeitet mit Alnico-Magneten (Peak-Frequenzen: Voice 1: 630 Hz / Voice 2: 550 Hz, 8 kHz). Der Sound der Fluence-Humbucker ist crisp ohne Ende und vor allem in der Neck-Position clean den EMG 81 Sets beispielsweise um einiges überlegen. Doch dazu kommen wir noch im Praxisteil ausführlich zu sprechen.

Die schöne Cort-Puristik greift auch hier. Es gibt ein paar Features zu berichten, aber eben genau genug und nicht zu viel. Schön: Coil-Splitting ist mithilfe des Volume- und Tone-Reglers für beide Humbucker möglich. Das macht neugierig – kann der Fluence Humbucker auch den Twang-Attack? Werden wir sehen. Der Dreiweg-Schalter sitzt an der gewöhnlichen Position nahe Steg. Dazu: Hardtail-Steg, mit einem Reiter pro Saite, die durch den Korpus durchführen. Grundlegend soll das ja dem Schwingungsverhalten der Saiten erlauben, sich auf den Korpus zu übertragen und somit das Sustain zu verbessern – auf dem Papier zumindest. Ist angesichts der Fluence Humbucker eh nicht nennenswert – das Sustain wird mit dem aktiven Humbucker sowieso aufs Äußerste ausgemerzt. Die Cort-Klemmmechaniken erlauben es, die Saite in die Räderschraube zu klemmen. Sprich: Achsenwicklung und die damit verbundene Schwächung der Stimmstabilität greifen hier nicht. Und tatsächlich – der saubere, unplugged Klang erzeugt keine Nebengeräusche, scharrt nicht, verzieht nicht – insgesamt also ein grundsolides Konzept, das Cort hier präsentiert – mal wieder.

Preisliche Mittelklasse-Gitarre für Prog & Metal – die Cort KX 500

Die KX-Serie weiß, was sie darstellen will: verlässliche Gitarren für einen vertretbaren Preis, ohne Schnickschnack, ohne ein übertriebenes Maß an Features. Man hat selbstredend nicht das Gefühl, ein Stück Geschichte in die Hand zu nehmen, wenn man die Cort KX 500 spielt. Trotzdem stellt sich der Effekt ein, auf den die meisten Gitarrenbauer hinarbeiten. Man ertappt sich dabei, die KX 500 ständig in die Hand zu nehmen. Ob es am geschmeidigen Hals liegt, an der Leichtigkeit und der Ergonomie – die KX 500 ist sehr gut bespielbar, das Frequenzbild ausgeglichen, der Attack bissig ohne Ende. Um herauszufinden, wie viel Flexibilität in der Cort KX500 wirklich steckt, ziehen wir das Kemper Rack zurate und suchen uns ein Rivera-Profil heraus, das wir über das Audient Sono in die DAW speisen.

Test: Cort KX 500 Etched Black, E-Gitarre

Beginnen wir damit, das Sustain der Cort KX 500 zu testen. Da trifft der Stringthrough-Body auf die aktiven Fishman Fluence Humbucker und zeichnet einen gleichmäßigen Abklang. Vor allem in den ersten Sekunden hält sich der Fishman sehr ausdrucksstark und deutlich an das, was man von guten aktiven Humbuckern erwarten darf – transparentes, anhaltendes Sustain.

Die Königsdisziplin solcher aktiver Tonabnehmer – abgedämpftes Downstroke-Riffing – ist genau das, wofür die KX500 gemacht ist. Entsprechend enttäuscht die Gitarre da in keinster Weise, im Gegenteil: bedeutend wärmer als viele EMGs, transparent, mit ordentlichem Attack und einem deutlichen Frequenz-Peak in den Mitten. Auf der Neck-Position zeigt sich, dass sich erwartungsgemäß der Frequenzschwerpunkt in die Tiefen verlagert, ohne die Frequenz jedoch zu sehr zu verwaschen.

Das gilt auch, wenn man mit offenen Anschlägen die höhere Frequenzen miteinbezieht – die Cort KX500 bleibt differenziert im Klangbild – bei viel Gain. So muss das bei aktiven Humbuckern!

Jetzt geht es darum, die beiden Voices ausführlich miteinander zu vergleichen. Für den Bridge-Humbucker bedeutet das: gleiches Riff, das bei der ersten Voice deutlich saturierter und dynamischer ist, in der zweiten diesen plucky Mitten-V-Sound hat. Dürfte vor allem in der entsprechenden EQ-Einstellung am Amp für einen ordentlichen Rumms sorgen.

Mit dem Tone-Poti aktivieren wir das Coil-Splitting der Humbucker und testen die Dynamik-Range der Gitarre mit beiden Voices. Ganz so dynamisch wie bei einem guten Singlecoil geht es sicherlich nicht zu und im unmittelbaren Vergleich gefällt die Voice durchaus besser mit dem Coil-Splitting. Glaubwürdiger als ich es gedacht hätte – für einen hochaktiven, weniger dynamischen Aktiv-Humbucker bemerkenswert.

Testen wir die beiden Voices nun auch am Neck für Clean-Tones: Auch hier – um Längen besser als die EMG Konkurrenz meines Erachtens. Ein Touch PAF ist spürbar, wie ich finde vor allem in der etwas saturierteren, dynamischen ersten Voice. Hat einen etwas dreckigen, aber glaubwürdigen Paula-Touch – bemerkenswert, dass die Fisherman Fluence dieses Spektrum abdecken.

Zurück in der Voice 1 versuchen wir im High-Gain das dynamische Vermögen der Cort KX500 ein bisschen auszumerzen – klar ist: An die Dynamik passiver Seymour Duncans reicht das hier nicht heran – die Fishman Fluence Pickups kommen in anderen, härteren Gefilden eben besser zur Geltung.

Auch für beide Tonabnehmer gleichzeitig gilt: Erste Voice hat ein insgesamt gleichmäßiges Frequenzbild, die zweite Voice verschafft den Tiefen mehr Präsenz.

Wichtig ist es auch noch mal, den unterschiedlichen Charakter der ersten und zweiten Voice zu unterstreichen. Das funktioniert bisweilen gut, wenn man das Volume mit dem Regler an der Gitarre kommen und das Sustain stehen lässt. Wir beginnen mit Voice 1 und wechseln das dann ab. Klar wird: Voice 1 steht für größeren, dynamischeren Range, Voice 2 verschafft einen massiven Boost im Low-End in eurem Sound.

Fazit

Die Cort KX500 besticht vor allem durch eins: ein puristisches, aber geschmackvolles Konzept. Und ach ja – die Fishman Fluence Modern Humbucker, die durch die zwei Voicings mehr Charaktervielfalt bietet als jede EMG-Kombination. Ein bisschen hat Cort bei den KX-Modellen das Pferd von hinten gesäumt: Nach den achtsaitigen Mammut-Klampfen kommt nun endlich das sechssaitige Multitalent. Für den Preis unter 800,- Euro eine der stärksten Gitarre 2020 aus diesem Bereich – ein schnörkelloser, ergonomischer Hingucker mit großartigen Humbuckern.

Plus

  • Klangvielfalt durch zwei Voicings
  • sandgestrahlte Optik
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 779,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd  AHU

    Leider empfinde ich die Klangbeispiele nicht besonders aussagekräftig und teils anstrengend.
    Versuche doch in Zukunft einfache Riffs und Chords in kurzen Beispielen zu spielen, anstatt dich in selenlosem Gegniedel zu verlieren, wo der geneigte Leser wahrscheinlich schon längst weghört.
    Schade.

  2. Profilbild
    Eibensang  

    Sehr interessentar und differenzierter Test! Aber kann es sein, dass zweimal der Begriff „ausmerzen“ verwendet wurde im Sinne von (wie der Textzusammenhang vermuten lässt) ausreizen, voll ausspielen oder auskosten/ausloten? Wortwörtlich bedeutet „ausmerzen“ das genaue Gegenteil: vernichten, verschwinden lassen, restlos wegmachen (gewöhnlich im Sinne von „ausrotten“ verwendet: gegen Ungeziefer oder ganz unliebsame Gewohnheiten). ;-) Kniefieselnde Grüße und nüscht für ungut!

  3. Profilbild
    Hein Bloed  

    Ähh, das ist also der viel gelobte Kemper Sound? Klingt, als hätte man einen Plastik-Eimer über das Mikro gehangen.
    Von der Charakteristik der Cort ist jedenfalls nix mehr zu hören.

  4. Profilbild
    GuitarHearts  

    „Ein bisschen hat Cort bei den KX-Modellen das Pferd von hinten gesäumt: “

    Das ist echt mal ein Lacher, vor allem in der Schneidergilde 😂😂😂

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