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Test: Cranborne Audio Camden EC1, Mikrofonvorverstärker

23. Juli 2021

Warmer Sound und heiße Ohren

cranborne audio camden ec-1 test

Cranborne Audio Camden EC1, Mikrofonvorverstärker

Der mir zum heutigen Test anvertraute Mikrofonvorverstärker Cranborne Audio Camden EC-1 kommt in einer Größe daher, die offensichtlich auch für „Bedroom Studios“ und kleinere, zum Studiotisch umfunktionierten Schreibtische, tauglich scheint. Quadratisch – praktisch – gut, also? Schauen wir mal.

Überblick zum Cranborne Audio Camden EC1

Augenscheinlich ist auf dem kompakten Preamp einiges los, denn auf der Frontseite tummeln sich doch so einige Schalter und Regler. Als Input-Auswahl gibt es Mikrofon- und Line-Eingang, der über einen Kippschalter auch zum Hi-Z-Eingang für E-Gitarre und E-Bass umfunktioniert werden kann. Es existiert ein Phasendreher, ein High Pass-Filter, das bei 80 Hz greift, sowie ein gerastertes Poti für die Vorverstärkung.

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cranborne audio camden ec-1 test

Eine mit „Mojo“ bezeichnete Sektion ist nun wirklich nicht alltäglich und üblich. „Mojo“ bedeutet wörtlich übersetzt Glücksbringer oder Talisman; technisch gesehen handelt es sich um einen regelbaren Sättigungseffekt, der sich an alten Röhrenvorverstärkern orientiert. Eine Simulation, die ich in den weiter unten aufgeführten Klangbeispielen aufgezeichnet habe.

Auf der rechten Seite der Frontplatte gibt es tatsächlich auch eine kleine Mixersektion, mit der das eigentliche Mikrofon- bzw. Line-Signal mit zwei weiteren Signalquellen auf den Kopfhörerverstärker gemischt werden kann. Eine feine Sache, gerade wenn sehr wenig Platz zur Verfügung steht. Aber auch, wenn man z. B. das Mikrofon bei laufendem Playback positionieren möchte: Langes Kopfhörerkabel anschließen, das Playback über den Aux In des EC-1 einspeisen, das passende Lautstärkeverhältnis in der Monitor-Sektion einstellen und dann wird an der Snare so lange herumgekrabbelt, bis die beste Position für das Mikrofon gefunden ist, super.

Die Regler sowie alle Klinkenbuchsen sind mit einer Mutter gekontert, das gefällt dem supersoliden Onkel Sigi natürlich bestens. Das leidige externe Netzteil lässt sich bei so kompakten Geräten leider kaum umgehen. Zumindest ist der Anschlussstecker hier kein windig-wackeliges Stiftchen, sondern ein ziemlich robuster 4-Pol-Stecker.

Auf der Rückseite findet sich neben dem erwähnten Stromanschluss eine XLR-Ausgangsbuchse (die auch auf – 10 dB umgeschaltet werden kann), der XLR-Mikrofoneingang, der in Stereo ausgelegte Aux In (für z. B. das Playback), eine Link-Buchse zum Anschluss an einen Gitarrenverstärker oder eine Aktivbox, sowie eine mit C.A.S.T bezeichnete Netzwerkbuchse für das hauseigene System von Cranborne Audio. Damit können über ein übliches Netzwerkkabel die Geräte des Herstellers miteinander gekoppelt werden.

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Die mitgelieferte Kurzanleitung in gedruckter Form ist gut geschrieben und bebildert, allerdings nur auf Englisch erhältlich.

Wie klingt der Cranborne Camden EC-1?

In meinen Ohren ausgesprochen gut, mit einer merklichen Grundwärme, wodurch aber die Transparenz etwas in den Hintergrund tritt. Auch mit dem Low Cut-Schalter bleibt diese Grundtendenz erhalten. Grundsätzlich gibt es Mikrofonvorverstärker, die besser durchzeichnen, allerdings ist der Klang des EC-1 in sich stimmig und erinnert mich irgendwie an die „gute, alte Zeit“. Für höhenverliebte Detail-Fanatiker ist er aber etwas zu zurückhaltend.

Audiobeispiele zum Camden EC-1

Ein Hinweis vorab: Ich hatte zum Test des Gerätes diesmal leider keine Möglichkeit, Musiker zu engagieren und habe für die Klangbeispiele Audiofiles verwendet, die ich mit meinem eigenen Equipment aufgenommen habe. Mir ging es auch hauptsächlich darum, die „Mojo“-Funktion zu demonstrieren. Dazu habe ich die Audiofiles über den Line-Eingang des Cranborne Camden EC-1 geschickt.

cranborne audio camden ec-1 test

Den Vorverstärker habe ich mit einem mir bestens bekannten Mikrofon per eigenem Gesang ausprobiert. Da ich mir über meine Sangeskünste durchaus ein realistisches Bild mache, erspare ich euch aber diesbezügliche Darbietungen.

Zusätzlich habe ich rohe Audiofiles meiner Studio-Aufnahmen über meine Genelec Monitore mit einem AKG C-414 am Mikrofoneingang des EC-1 abgehört. Nicht die eleganteste Lösung, aber wenn man sein Equipment und seine Aufnahmen gut kennt, ein durchaus gangbarer Weg.

Gitarre-, Bass- und ein Schlagzeug-Beispiel habe ich jeweils im Original, mit der Einstellung „Cream“ sowie mit „Thump“ durch den Cranborne Camden EC-1 gelassen, jeweils in der maximalen Reglerposition.

Die Klangunterschiede sind schon merklich, besonders beim Bass. Mir hat das gefallen, es gibt einem bereits bei der Aufnahme ein gewisses Potential an Klangformung bzw. Färbung mit. Es muss ja auch nicht gleich die Extremeinstellung sein wie hier, aber für eine Demonstration des Möglichen taugt das am besten.

Was ist beim Cranborne EC-1 besonders erwähnenswert?

Auf jeden Fall die kleine, praktische Monitorsektion und dort ganz besonders der Kopfhörerverstärker. Das ist doch mal wirklich ein Verstärker und nicht bloß ein heisses Lüftchen. Klingt richtig gut und grillt die Öhrchen schön knusprig, wenn es einem mal danach ist.

Und die Verriegelung des 4-poligen Steckers vom externen Netzteil finde ich auch eine sehr solide Sache.

cranborne audio camden ec-1 2

Was gibt es zu meckern?

In Anbetracht des moderaten Preises, der Vielseitigkeit und der insgesamt guten Verarbeitung haben mich eigentlich nur die etwas zu hellen Status-LEDs gestört, was aber Geschmacksache ist.

Für wen ist der Cranborne Audio Camden EC-1 geeignet?

Grundsätzlich für alle Musiker, die nur sehr wenig Platz auf und neben dem Tisch haben und möglichst viel Möglichkeiten auf kleinstem Raum wollen. Studiobesitzern würde ich eher zum 2-kanaligen EC-2 raten, der von Haus aus schon ein 19 Zoll-Gerät ist. Oder zum Camden 500, der die identische Elektronik für das 500er System bietet, allerdings keine Monitor-Sektion verbaut hat.

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Fazit

Für einen relativ moderaten Preis erhält man mit dem Cranborne Camden EC-1 ein vielseitiges Audio-Tool mit einem merklich warmen Grundklang, welchen man aber mögen muss. Die eingebaute Monitorsektion in Verbindung mit dem leistungsstarken Kopfhörerverstärker ist ein Glanzlicht des Gerätes.

Plus

  • Vielseitiges Kompaktgerät
  • Leistungsstarker Kopfhörer-Verstärker
  • Verriegelbarer Netzanschluss
  • Guter Klang, allerdings etwas schwächelnde Durchzeichnung
  • Klangformung über "Mojo"-Funktion

Minus

  • Status-LEDs etwas zu hell

Preis

  • 695,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      Armin Bauer RED

      Ich hatte ja das 500R8, Audio-Interface und API 500 Rack in einem, zusammen mit der N22 Breakout Box im Test.
      Soweit ich mich erinnere werden hier einfach analoge Daten über das CAT Kabel geschickt, also nichts mit proprietärem Protokoll.
      Hatte aber keine ander Box da, um das zu testen.

      • Profilbild
        Onkel Sigi RED

        Das stimmt, Achim. Es werden damit die analogen Signale abgegriffen, hätte ich wohl noch erwähnen sollen.

        Musikalische Grüße

  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Am 16. Oktober 2020 besprach ein anderer Mitarbeiter dieses Online-Magazins die Zweikanal-Version des Camden Premps und beschrieb den Klang des betreffenden Gerätes wie folgt:

    „Die Camden Preamps klingen zunächst sehr clean – was ich wirklich sehr positiv meine. Tendenziell hell, detailreich und sehr stark in der Beurteilung der Transienten. Der Detailreichtum ist wirklich beeindruckend und auch die Schnelligkeit und Impulstreue können überzeugen. Schon so ist der Cranborne Audio Camden EC2 ein sehr überzeugender Preamp mit sehr guten klanglichen Eigenschaften.“

    In der Besprechung aus diesem Jahr heißt es dagegen:

    „In meinen Ohren ausgesprochen gut, mit einer merklichen Grundwärme, wodurch aber die Transparenz etwas in den Hintergrund tritt. Auch mit dem Low Cut-Schalter bleibt diese Grundtendenz erhalten. Grundsätzlich gibt es Mikrofonvorverstärker, die besser durchzeichnen, allerdings ist der Klang des EC-1 in sich stimmig und erinnert mich irgendwie an die „gute, alte Zeit“. Für höhenverliebte Detail-Fanatiker ist er aber etwas zu zurückhaltend.„

    Das sind schon recht unterschiedliche Wahrnehmungen und Beschreibungen, gerade im Bezug auf Transparenz, Neutralität, Details.

    Bemerkenswert.

    Auch etliche andere Rezensionen dieses Gerätes erwähnen übrigens lobend die besondere Transparenz, Neutralität (ohne Mojo-Funktion), Detailtreue.

    • Profilbild
      Tyrell RED 1

      Tatsächlich sind die Tests unserer Autoren subjektiv. Gerade was Höreindrücke angeht kann es auch keine Objektivität geben.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Das ist klar! Es soll die Arbeit der Autoren auch nicht angegriffen werden! Aber für weniger erfahrene Leser ist es ggf. verwirrend. Man könnte vielleicht in der redaktionellen Arbeit diesbezüglich etwas tun: z.B. widersprüchliche Aussagen zum gleichen Gerät (die beiden Camden unterscheiden sich invers Preamps nicht) dokumentieren, auf diese verweisen.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        … gewiss sind Höreindrücke nur eingeschränkt objektivierbar: die Wahrnehmung hängt vom individuellen Hörvermögen ab und den Umständen unter welchen man abhört (Raum, Ausrüstung usw.) Und unterschiedliche Eindrücke oder Meinungen sind erfreulich und beleben die Diskussion, sofern die Ansichten begründet und nachvollziehbar sind. Andererseits, um gerade für unerfahrenere Leser alles überschaubarer zu gestalten, könnte ggf. die Redaktion in Absprache mit den Autoren Kriterien erarbeiten, die den Rezensionen zugrunde liegen. Nicht alles ist subjektiv, mancher Höreindruck lässt sich anhand von Messwerten oder auch vergleichbarer Testdurchläufe ein Stück weit objektivieren.
        Betr. des hier besprochenen Gerätes: die Rezension aus dem Jahr 2020 liegt nach meiner Erfahrung näher an dem, was das Gerät, wohlgemerkt ohne Aktivierung der Mojo-Schaltung, liefert: eine sehr neutrale, detaillierte und cleane Klangsignature.

  2. Profilbild
    Onkel Sigi RED

    Griass Di GSSax,

    jetzt mische ich mich auch mal hier ein, da ich so langsam den Eindruck gewinne, dass es Dir partout nicht passt, wenn ein Gerät nicht nach Deinen Vorstellungen beurteilt wird.

    So wie es im Test steht, habe ich es empfunden und ein Ohr ist nun mal etwas persönliches und kein Meßgerät von Rohde und Schwarz.

    Und es macht gar nichts, wenn ein Anfänger etwas verwirrt wird, denn so kapiert er umgehend, dass diese tontechnischen Jobs etwas sehr spezielles sind, da es eben genau DEN Klang nicht gibt. Deshalb haben wir ja das Angebot an tausenden von Geräten und jeder schwört auf etwas anderes.

    Die Leute mit dem ganz dicken Geldbeutel nehmen sogar nur bestimmte Kombinationen von Mikrofonen und Vorverstärkern, welche (angeblich) besonders gut zusammenpassen. Und selbst da gibt es regelmäßige Diskussionen, weil das manche als schlechten Sound empfinden. Ich empfehle Dir mal die englischsprachige Seite „Gearslutz“, da fällt man stellenweise vom Glauben ab, um welche Details da haarspalterisch herumgenörgelt wird.

    Da braucht unsere Redaktion gar nichts irgendwie angleichen oder sonstwie egalisieren, denn wenn es um Klang geht, verhält es sich mit der Objektivität wie mit der Beurteilung, welche Frau nun eigentlich schön und sexy ist: Ziemlich individuell!

    Musikalische Grüße

    Onkel Sigi

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Sigi: nein, der Eindruck täuscht, darum geht es überhaupt nicht, dass dieses oder irgend ein anderes Gerät nach meinen Vorstellungen beurteilt wird! Ich schrieb, dass ich die Arbeit der Autoren nicht angreife. Ich wies lediglich darauf hin, dass zwei Rezensionen zu auffällig unterschiedlichen Ergebnissen gelangten und stellte die Frage, ob man nicht versuchen könne, durch zu diskutierende Kriterien und Methoden Rezensionen künftig ein Stück weit zu objektivieren, also so weit als möglich… ich schrieb auch, dass unterschiedliche Eindrücke und Meinungen erfreulich sind und die Diskussion anregen. Es geht also nicht darum, wie Du vermutest, dass ich ein bestimmtes Ergebnis erwarte! Aber darüber nachzudenken, ob Rezensionen dieser Art ggf. objektivierbarer wären, ist weder verwerflich noch falsch. Ich regte dies an im Hinblick auf unerfahrenere Leser für klarere Ergebnisse oft hilfreicher sind als sich widersprechende. Die Qualität Deiner Arbeit stelle ich nicht in Frage.

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