Orama Lama Dingdong
„Orama“ kommt aus dem Griechischen und steht für „Vision“. Im Kontext eines Distortion-Pedals kann das nur bedeuten, dass man sich Großes vorgenommen hat. Wer den Sound eines Boutique-Fuzz-Pedals vor einem Orange OR120 mag, sollte jetzt weiterlesen. Aber das Gerät ist mehr als ein One-Trick-Pony!
- Zwei Schaltungen: Fuzz und Amp sind unabhängig nutzbar und per seriellem Effekt-Loop flexibel kombinierbar.
- Hohe Spannung: Interne Spannungsanhebung auf 34 V sorgt für viel Headroom und dynamisches Spielgefühl.
- Klangformung: F.A.T.- und H.F.D.-Regler ermöglichen tiefgreifende Eingriffe in Mittenstruktur und Obertöne.
- Keine Cab-Sim: Für Direct‑Setups ist ein zusätzlicher IR‑Loader erforderlich.
Inhaltsverzeichnis
Crazy Tube Circuits Orama – Facts & Features
Crazy Tube Circuits hat mich zuletzt mit dem Venus Overdrive so richtig vom Hocker gehauen. Die Latte für das brandneue Orama liegt also überaus hoch. Im nicht gerade kleinen, aber noch kompakten Gehäuse (120 × 97 × 49 mm) arbeiten zwei unabhängige Schaltungen. Das Signal durchläuft das Pedal von rechts nach links, wobei es zunächst den imitierten Schaltkreis eines namhaften Boutique-Pedals durchläuft, bevor es ins Inferno eines simulierten Orange OR120 entlassen wird.
Beim eben erwähnten namhaften Fuzz-Pedal handelt es sich um das Frantone Peachfuzz, das für seinen singenden, satten Sound und seine Vielseitigkeit geschätzt wird. Frantone bietet in den USA handgefertigte Pedale an, die natürlich nicht eben günstig zu bekommen sind. Für ein gebrauchtes Peachfuzz muss man schon zwischen 250,- und 650,- Euro hinblättern. Umso erfreulicher ist es, dass der sagenumwobene Klang hier im Doppelpedal enthalten ist.
Das Pedal arbeitet mit einem 9 V Netzteil, allerdings wird die Spannung im Gerät auf 34 V gepusht, damit der JFET-Schaltkreis ausreichend Headroom erhält. Einen Eingang und einen Ausgang brauchen wir noch, die finden wir löblicherweise an der Frontseite, was die platzsparende Verkabelung auf dem Pedalboard ermöglicht. Zwei weitere Klinkenbuchsen bilden einen seriellen Effekt-Loop, in den entweder externe Effekte zwischen Fuzz und Amp-Sektion geschaltet werden oder beide Sektionen mittels eines externen Loopers einzeln nutzbar gemacht werden können. Clever.
Die Regelmöglichkeiten sind umfassend. Während das Fuzz des Orama neben den drei üblichen Reglern Fuzz, Tone und Volume über einen kleinen Schalter verfügt, der zwischen den Modi „Raw“ und „Burn“ unterscheidet, finden wir in der Amp-Sektion die zusätzlichen Regler „F.A.T.“ und „H.F.D.“. Raw und Burn sind schnell erklärt: Raw versetzt den Schaltkreis in ein niedrigeres Gainsetting mit dezenterem Bass und etwas definierteren Höhen, während Burn mehr Sustain, fetteren Bass und höhere Sättigung des Fuzz bietet.
F.A.T. steht für „Fatness Adjustment Tweak“, ein Regler, der die Tiefmitten und die Gain-Struktur beeinflusst. Der Schalter verfügt über sechs Schalterstellungen, die nach und nach immer mehr in den Sound eingreifen.
H.F.D. dagegen steht für „High Frequency Dynamic“ und beeinflusst die oberen Harmonics, die dem Sound mehr Durchsetzungsvermögen bescheren. Ansonsten gibt’s Gain und Master sowie eine 2-Band-Klangregelung, die – ganz in fürchterlicher Orange-Manier – mit Hz und kHz beschriftet wurde. Eine Speaker-Simulation gibt es im Orama nicht, auch wenn man das zunächst vermuten könnte. Hier muss also, will man das Pedal als Pedalboard Amp ohne Box verwenden, noch ein zusätzlicher Cab-Loader, wie zum Beispiel der Mooer Cab X2 oder der tc electronic Impulse IR Loader her.
Das Orama in der Praxis
Die Bedienung ist denkbar einfach: Gitarre rein, glücklich sein. Aber so eine Kleinigkeit hat sich da noch als recht praktisch erwiesen: Beim Einschalten des Orama gehen beide Sektionen per Werkseinstellung in den Standby-Mode. Wer das ändern möchte, drückt einfach den entsprechenden Fußtaster beim Einschalten und schon startet der Effekt zukünftig eingeschaltet. Das ist besonders interessant, wenn komplexere Setups per externem Controller gesteuert bzw. Pedale in separaten Loops verwendet werden. So kann das Pedal auch in einem mehrstöckigen Pedalboard im Inneren versteckt werden.
Um die Sounds des Orama zu demonstrieren, habe ich das Pedal direkt ins Audiointerface gespielt. Da ja, wie oben erwähnt, kein IR-Loader integriert ist, kommt die Cab-Sektion des brandneuen Neural DSP Archetype John Mayer zum Einsatz. Zunächst gibt es die Sounds des Orange Amps auf die Ohren. So richtig crispige Cleansounds mag er nicht liefern, dafür ist er auch gar nicht gedacht.
Gleich das zweite Beispiel zeigt die Funktion des F.A.T.-Reglers, dessen Wirkung mittels des cleanen Sounds am besten demonstriert werden kann. Beim 12-Uhr-Check zeigt sich unser Orama noch recht verhalten und irgendwie flach, dreht man allerdings Gain und Treble (kHz) etwas auf, beginnt das Baby zu leben. In Maximalstellung geht dann richtig böse die Post ab. Das Pedal klingt roh, dabei aber überaus angenehm.
Das Fuzz allein ergibt in dieser Konstellation wenig Sinn; dafür kommen hier ein paar Beispiele mit aktivierter Amp-Sektion, sowohl clean als auch mit verschiedenen Gainsettings.
Den meisten Spaß macht das Orama aber vor einem cleanen oder angezerrten Amp. Hier kommt mir der gerade zum Test gelieferte Peavey Classic 20 112 gerade recht. Dieser wurde mittels eines MXL DX-2 Dual Capsule Mikrofons abgenommen und ohne Umwege direkt in die DAW gespielt. Etwas Reverb kommt vom Amp.
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