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Test: Crazy Tube Circuits Space Charged V2, Verzerrerpedal

15. Juni 2021

Charge ahead, Space Cadet!

Test: Crazy Tube Circuits Space Charged V2, Verzerrerpedal

Es ist schwierig, in Sachen Overdrive-Pedale echte neue Akzente zu setzen. Ich ziehe meinen Hut vor allen, die es versuchen – zuletzt konnte hierzulande beispielsweise das Vahlbruch Kaluna uns als Konzept und Package überzeugen. Es gibt viele unterschiedliche Rubriken: Plexi-Overdrives, Transparent-Overdrives, Bluesbreaker-Verzerrer, JCM-ähnliche Overdrives, Dumble-Pedale, Distortion und Fuzz-Zerren – die Liste ist quasi endlos.

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Crazy Tube Circuits aus Griechenland hat eine ordentliche Bank an Pedalen produziert, von denen die meisten das Sidekick kennen dürfen: Retrodesign, schniekes Vintage-Delay und Reverb. Das Stoned Hz konnte bei uns punkten vor drei Jahren. Wenn eine Firma lange genug dabei ist, um eine breite Palette an Pedalen zu produzieren, ziehe ich persönlich schon mal meinen Hut. Ich hatte das Vergnügen, die Köpfe von Crazy Tube Circuits auf der letzten Guitar Summit kennengelernt zu haben – freundliche Jungs aus Athen, die ganz klar für das brennen, was sie tun. Das Space Charged V2 ist die Fortführung des warmen 12AY7-Röhrensounds, den die erste Version bereits mit sich brachte – mit ein paar neuen Kniffen.

Crazy Tube Circuits Space Charged V2 Overdrive-Pedal

Wer sein Gedächtnis auffrischen möchte, wo eigentlich der Unterschied zwischen Fuzz, Distortion und Overdrive liegt – hier der Verweis auf einen praktischen Workshop, der genau das erläutert:

Das Crazy Tube Circuits ist ein Overdrive-Pedal mit Leib und Seele – es färbt den Klang eures Amps ein und kitzelt das Letzte aus dem Amp raus. Wer eine komplette Neuheit erwartet, dürfte enttäuscht sein: Über weite Teile hält sich die V2 an dem Schaltkreis des Vorgängers, besitzt aber mit Boost-Funktion und besserem Tone-Regler wünschenswerten Ergänzungen.

Test: Crazy Tube Circuits Space Charged V2, Verzerrerpedal

Das Pedal besitzt ein Gussgehäuse in grauer Optik – ein bisschen retro, nicht zu sehr. Mit fast 400 g ist das Pedal dank der verbauten Röhrentechnik ein bisschen schwerer als andere Pedale in dem Format. Und wie die meisten Overdrive- und Verzerrerpedale ist das Panel denkbar simpel aufbaut. Will heißen – fünf Regler, ein Button, zwei Fußschalter. Der rechte Fußschalter aktiviert den Boost, dessen Gain und dessen Lautstärke ihr mit den schwarzen Reglern einstellen könnt. Links lässt sich das Pedal in den Bypass-Modus versetzen und die oberen drei Regler sind nicht ein EQ – sondern betreffen die Parameter Volume, Tone und Gain. Das auffällige und die eigentliche Krux des Crazy Tube Circuits V2 ist die puristische Handhabe. Kein integrierter Equalizer, sondern Gain, Tone und Boost – so gehört sich das. Und der Space Charged V2 ist hungrig – über 400 mA braucht das Röhrenpedal. Die Relaisschaltung passt auch und insgesamt lässt sich nur sagen, dass die Crazy Tube Circuits Jungs in Sachen Verarbeitung solide Arbeit geleistet haben.

Crazy Tube Circuits Space Charged V2

 

Der weiße Button verstärkt euer Low-End. In Kombination mit ein paar EL34 Röhren und einem mittenbetonten Vintage-Amp kann das richtig krachen. Im Grunde leistet der Boost, dass ihr eine Extra-Schippe an Gain und Volume gleichzeitig drauflegen könnt. Zum gängigen Zerrsignal kommt hier eine Extranote Obertöne und Bissigkeit dazu. Damit die Verzerrung nicht hässlich wird, hat man den Volume-Boost in der Signalkette hinter das Zerrsignal gesetzt. Da immer dran denken – wer sich bei einer Solo-Passage durch den Bandmix durchsetzen möchte, ist dankbar, wenn sein Overdrive-Pedal das entsprechende Feature besitzt. Ansonsten – keinerlei Anschluss-Features, die einen überraschen, kein Expression-Anschluss oder derartiges. Braucht es auch nicht, wie wir gleich im Praxistest feststellen werden.

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Crazy Tube Circuits Space Charged V2 in der Praxis

Also – ist das Space Charged V2 nur brauchbar für ausgewählte Song-Momente? Oder fällt es doch eher unter die „Always-on“-Rubrik? Wie gut reagiert das Pedal auf das Volume-Poti der Gitarre? Und ist das Pedal in Sachen Klangcharakter in einem bevorzugten Genre zu verorten?

Test: Crazy Tube Circuits Space Charged V2, Verzerrerpedal

Nein – wobei ganz klar ist, dass der Crazy Tube Circuits Space Charged V2 kein transparenter Overdrive oder gar Tubescreamer ist, sondern ein dreckiger, sehr warmer, sehr natürlich daherkommender Verzerrer, dessen Spezialgebiet das Bottom ist. So ist das Low-End hier ungemein aufgeräumt und kommt auf verschieden Wegen zum Tragen. Zum einem ganz klar: die Klangfarbe des Space Charged V2. Da gibt’s nichts dran zu rütteln – dreckig, dunkel, sowohl für Coils als auch für Humbucker gut geeignet, um eine gewisse Schwere in den Sound zu drücken. Doch vor allem der Tight-Fat-Knopf wird speziell bei Single-Coils ein kleines Wunder bewirken, wie wir sehen werden. Dürfte der sauberste und angenehmste Bass-Boost sein, den ich seit Langem bei einem Zerrpedal erleben durfte. Brutalisiert beispielsweise das KMA Logan mit seinem Boost das Gehör, geht das hier samtweich und trotzdem sehr effektiv zu.

Zunächst nehmen wir den Humbucker beim Godin HSS und lassen den Fat-Knopf und den Boost deaktiviert, ehe wir im zweiten Beispiel den Boost in regelmäßigen Abständen dazuschalten. Man merkt: Das gesamte Frequenzbild geht nach vorne, aber die Krux ist das Bottom – das gesamte Fundament geht nach vorne.

Jetzt nehmen wir den mittleren Coil und arbeiten uns durch verschiedene Zerrstufen – erst zurückhaltend, ehe wir ohne Boost und Fat-Knopf ordentlich was rausholen und am Ende meinem Single-Coil die ganze Bandbreite des Space Charged V2 schenken und ein richtiges Brett geliefert bekommen. Arbeiten wir Attack, wird die dezente Kompression des Space Charge V2 richtig spürbar. In Kombination mit erhöhtem Gain arbeitet selbst der Coil so mächtig wie ein Humbucker, ohne dabei seine Kontur zu verlieren. Spricht für den Space Charged, das er das so famos hinkriegt.

Crazy Tube Circuits Space Charged V2 Overdrive

Wir werfen noch mal einen genaueren Blick auf den Fat-Knopf: Der Unterschied geht ein bisschen unter, wenn Gain jenseits der 12 Uhr Marke und der Humbucker aktiv ist wie in den ersten zwei Beispielen. Es ist eine sanfte Schippe, kein Tag- und Nachtunterschied. Lässt man den Singlecoil jedoch weich und nicht allzu verzerrt kommen wie im letzten Beispiel, tut sich was – der Fat-Boost gibt sauberen Coil-Passagen ordentlich Druck und öffnet sie und sorgt im Tight-Modus für das passende Quäntchen Kompression.

Zu guter Letzt arbeiten wir mit dem Volume-Poti der Gitarre und testen das Tone-Poti des Pedals. So muss das: Wir haben das Maximum an Gain drinnen sowie den Boost und lassen das Volume der Stratocaster nur langsam kommen. Die Zerre bringt sich langsam, aber über das gesamte Frequenzspektrum gleichmäßig nach vorne. Der Tone-Regler arbeitet auch sehr sauber, nur wird das Pedal bei höheren Frequenzregionen bedeutend lauter als in den Dunklen – da wäre eine leichte Trimmung sicher was wert gewesen, anderseits besitzt das Space Charged V2 keine CV-Anbindung, entsprechend sind eure Tone-Einstellungen dann zumindest für die Dauer eures Songs in Stein gemeißelt.

Brit-Sound in the box? Nicht ganz, wie ich finde – hier passiert durchaus etwas Eigenes. Die Bandbreite vom komprimierten Mittensound bis hin zum Breitband-Gewitter, zu fast schon Mid-Scoop-artigem Sound sowie die Optionen, die der Tone-Regler und Fat-Button ermöglichen, machen das Space Charged V2 definitiv zu einer eigenen Angelegenheit. Schwerer Crunch, donnernde Riffs, Desert-Dirt – kann der Space Charged V2 alles, ohne euch die Freude am Sound zu nehmen.

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Fazit

Mein Anwärter auf Overdrive-Pedal 2021 – das Space Charged V2 trifft meinen persönlichen Geschmack zu 100 %. Warm, saturiert, analoger Röhrensound, der vielseitig kommt und durch sein sauberes Zuarbeiten des Volume-Potis definitiv ein „Always on“-Kandidat ist. Der Low-End und Gain-Boost verpassen deinen Riffs einen ordentlichen Schub nach vorne, der Grundsound ist dunkel, aber zu keiner Sekunde muffig. Bei allem, was es tut, arbeitet das Space Charged v2 ungemein sauber und behält sich diesen saturierten Brit-Sound. Saubere Arbeit aus Athen!

Plus

  • warmer Röhrensound
  • saturiert und differenziert im Sound
  • Boost arbeitet effektiv und sauber

Preis

  • 232,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd  AHU

    …und immer wieder die mit Effekten zugekleisterten Soundbeispiele. Warum?
    Wenn ich mir die Soundbeispiele eines Zerrers anhöre, möchte ich den Zerrer hören und keinen Chorus/Delay/Reverb.
    Oder sollen diese zusätzlichen Effekte irgendetwas verschleiern…

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hallo Harrymudd

      In keinem der Beispiele – weder bei denen, die den Grundsound demonstrieren, noch bei denen, die auf einen der Aspekte wie den Fat-Button eingehen – ist irgendein Effekt. Kein Delay, kein Reverb, keine Modulation. Cab-Sim, REVV G20, Audient Interface, Stereo-Aufnahme (über weite Teile).

      LG

      • Profilbild
        harrymudd  AHU

        ok keine Effekte aber das Einspielen paralleler Lines erzegt auch eine Form von Delay/Chorus , was mir eine Klangbeurteilung sehr erschwert.
        Was spricht dagegen, einfach das Pedal an einen cleanen Amp (ach ja – welcher Amp wurde verwendet) anzuschließen und einfach nen bisschen spielen. Oder kannst du das nicht?
        kopfschüttel ((Ö))

        • Profilbild
          ctrotzkowski  

          …also ich bin da ganz auf der Seite von Harrymudd.
          Auch ich dachte schon beim ersten Soundbeispiel: „Ok, mal wieder wertlose Beispiele“.
          Diese Stereoaufnahmen mit Overdubbing – so schön sie kklingen – erschweren das objektive Einschätzen der Qualität des gesteteten Produkts wirklich enorm.
          Ich fände es völlig ok, wenn man nach den cleanen Einzel-Disziplinen auch ein oder zwei Tracks im musikalischen Kontext macht – dann gern sogar im Band-Verbund oder eben auch per Overdub mehrspurig und auch mit Effekten. Aber eben nur als Kirsche auf der Torte.
          Wann immer ich einen Test höre (oder sehe), wo durch offensichtliche Tweaks der Eindruck entsteht „so ist das Produkt nicht einzeln und in echt“, zerstört das auch automatisch mein Vertrauen in die Qualität des Produkts: „Ist das Gerät wirklich so schlecht, daß man mit Stereo-Overdubbing womöglich von Unzulänglichkeiten ablenken muss“?
          Meiner Meinung nach tust Du weder dem Hersteller noch den potentiellen Käufern mit dieser Art Demos einen Gefallen.

  2. Profilbild
    t.goldschmitz  RED

    Hi Dimi!
     
    Hattest Du Gelegenheit in das Gerät zu schauen, um zu sehen, wie genau die erforderliche Anodenspanung aus den 9V erzeugt wird, und wie hoch diese ist? Vlt. irgendwelche Hinweise auf die Schaltpläne – würde mich brennend interessieren.

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hallo Thilo!

      Leider nicht – habe den Super Charged V2 nicht aufgeschraubt. Ich bezweifle auch, dass du den Schaltplan im Netz findest.

      Wo ich mir aber sicher bin, ist, dass dir die Jungs von Crazy Tube Circuits gerne Auskunft geben werden bzg. Anodenspannung & mehr.

      https://crazytubecircuits.com/contact

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