Die herrliche Dreifaltigkeit der Verzerrung
Das Crazy Tube Circuits Triptychon Pedal vereint die beliebte Schaltung, bei der ein bereits zerrender Amp mittels eines Boosters und/oder eines Fuzz-Pedals „angeblasen“ wird, in einem einzigen Pedal. Neugierig?
Was ist es? Das Crazy Tube Circuits Triptychon ist ein analoges Multi-Gain-Pedal mit Overdrive-, Fuzz-, Boost- und Oktav-Sektion für klassische bis experimentelle Sounds.
- Sound: Dynamische Vintage-Overdrives, aggressive Fuzz-Sounds und psychedelische Octavia-Klänge.
- Flexibilität: Drei kombinierbare Klangsektionen mit umfangreichen Stacking-Möglichkeiten.
- Bedienung: Direktes, intuitives Layout ohne Menüstrukturen oder versteckte Funktionen.
- Praxis: Reagiert gut auf Anschlag, Volume-Poti und Pickup-Wahl.
- Fazit: Kreatives Boutique-Pedal für Vintage-Rock, Stoner, Psychedelic und Sounddesign.
Inhaltsverzeichnis
Crazy Tube Circuits Triptychon
Manche Pedale wollen einfach nur ein bestimmtes Problem lösen. Ein guter Overdrive hier, ein (un)ordentliches Fuzz dort, vielleicht noch ein Booster fürs Solo. Und dann gibt es Geräte wie das Crazy Tube Circuits Triptychon, die offensichtlich mit dem Vorsatz entwickelt wurden, Gitarristen möglichst viele Klangfarben auf einmal zur Verfügung zu stellen, ohne dabei wie die berühmte eierlegende Wollmilchsau zu wirken. Spannend.
Das Crazy Tube Circuits Triptychon kombiniert nicht nur mehrere Gain-Welten in einem Gehäuse, sondern verfolgt dabei ein erstaunlich musikalisches Konzept. Overdrive, Fuzz, Oktaver und Booster greifen ineinander, lassen sich stapeln und erzeugen Sounds, die irgendwo zwischen klassischem Vintage-Rock, psychedelischem Wahnsinn und modernem Sounddesign liegen.
Das Ganze passiert erfreulicherweise ohne überfordernde Menüstrukturen oder kryptische Digitalfunktionen. Stattdessen bekommt man Regler, Kippschalter und sofortige Ergebnisse. Also genau das, was man sich bei einem Effektpedal eigentlich wünscht.
Ein erster Eindruck
Schon beim Auspacken macht das klar, dass hier kein gewöhnliches Boutique-Pedal auf dem Tisch liegt. Das bronzefarbene Finish wirkt edel, die cremefarbenen Regler erinnern angenehm an Vintage-HiFi-Geräte und die gesamte Gestaltung besitzt eine gewisse „mittelalterliche Sci-Fi“-Ästhetik, die erstaunlich gut zum Namen passt. „Triptychon“ ist schließlich ein dreiteiliges Kunstwerk. Und genau so fühlt sich das Pedal letztlich auch an. Also wie ein Kunstwerk. Nicht dreiteilig.
Die Verarbeitung bewegt sich, wie bei CTC üblich, auf absolut hohem Niveau. Das Gehäuse ist massiv, die Potis laufen satt und gleichmäßig und auch die Fußschalter hinterlassen einen vertrauenerweckenden Eindruck. Trotz der recht komplexen Möglichkeiten wirkt das Crazy Tube Circuits Triptychon nie chaotisch oder überladen. Das Layout ist logisch aufgebaut und man versteht relativ schnell, welche Sektion für welchen Klangbereich zuständig ist.
Als sehr angenehm erweist sich der direkte Zugang zu allen Klangoptionen. Man schaltet etwas ein, dreht an den Reglern und landet fast automatisch bei brauchbaren Sounds. Genau diese Art von Pedal führt dazu, plötzlich zwei Stunden zu spielen, obwohl man eigentlich nur mal kurz testen wollte. Und so kommt dann folgendes Soundfile zustande, bei dem ich „nur mal kurz“ anspielen wollte, schnell ein Random Backing erzeugt habe, um dann loszunoggern …
Facts & Features
Das Crazy Tube Circuits Triptychon besteht im Kern aus drei miteinander kombinierbaren Klangsektionen: einer Overdrive-Abteilung, einem Fuzz-Bereich sowie einer zusätzlichen Boost- und Octave-Sektion. Diese drei Elemente können unabhängig voneinander genutzt oder gestackt werden.
Die Overdrive-Sektion orientiert sich eher an offenen, dynamischen Vintage-Sounds und liefert eher organische Ampsounds. Der Hersteller spricht von der „Amplifier Foundation“. Das Fuzz dagegen geht deutlich aggressiver zur Sache und besitzt diesen leicht wilden Charakter, den man von klassischen germaniumartigen Schaltungen kennt. Selbstverständlich inklusive des herrlich kaputten Sounds und der rauen Obertonstruktur.
Die Fuzz-Sektion umfasst vier unterschiedliche Voices:
- ff: inspiriert vom Dallas Arbiter Fuzz Face
- vtb: inspiriert vom Vox Tone Bender
- 3/2: inspiriert vom Sola Sound Tone Bender Mk1.5
- 2: inspiriert vom Sola Sound Tone Bender MkII
Besonders wird das Pedal wird es jetzt durch die zusätzliche Oktavfunktion, die dem Signal eine weitere Ebene hinzufügt. Je nach Einstellung bewegt man sich hier irgendwo zwischen psychedelischem Chaos und fast schon synthartigen Klangtexturen. Die komplette rechte Seite des Pedals, die diese Okatavschaltung beherbergt, kann bei Bedarf auf eine Boost-Funktion umgeschaltet werden.
Beide Modi, Boost und Oktaver, verfügen über je zwei unterschiedliche Sounds. Entweder man wählt zwischen einem klassischen Treblebooster und einem mittenfokussierten Boost oder nutzt zwei unterschiedliche Octave-Voicings.
Zwei kleine Taster mit der Bezeichnung „Buffer“ lassen aufhorchen. Sind sich Buffer und klassische Fuzz-Schaltungen nicht spinnefeind? Ja, sind sie. Buffer (und auch aktive Pickups) können die Eigenschaften eines Fuzz-Pedals zunichtemachen. Und genau deshalb kommen hier die Buffer-Schalter zum Einsatz. Genau genommen sind es „Anti-Buffer“, die aus dem niederohmigen Signal, das aus einer vorgeschalteten Elektronik kommen kann, wieder ein hochohmiges Signal machen. Krass, oder?
Die wichtigsten Specs im Überblick:
- Kombination aus Overdrive-, Fuzz-, Boost- und Oktav-Sektion
- Mehrere unabhängig schaltbare Klangbereiche
- Vier unterschiedliche Fuzz-Modi
- Analoge Schaltung
- Separate Regler für Drive, Gain, Tone, Voice und Lautstärke
- Kippschalter für unterschiedliche Schaltlogik
- „Anti-Buffer-Schaltung“ zur Anpassung an aktive Pickups oder Buffer
- Hochwertiges Metallgehäuse
- True-Bypass-Schaltung
- Betrieb per 9-Volt-Netzteil
- Hergestellt in Griechenland
Vor allem die verschiedenen Fuzz-Modi machen beim Crazy Tube Circuits Triptychon enorm viel aus. Die Schalterstellungen verändern den Grundcharakter teilweise deutlich und sorgen dafür, dass sich das Pedal eher wie eine komplette Reihe alter Treter anfühlt. Inklusive der unbeliebten Nebengeräusche, aber irgendwas ist ja immer …
Bedienung
Zwei Schalter für drei Teile des Gemäldes. Ja Moment mal … Wie geht das denn? Hier ist der kleine Switch im unteren Teil der Drive-Sektion unser Freund. In Stellung „Fuzz“ schaltet der linke Fußschalter Overdrive- und Fuzz-Sektion gemeinsam ein und aus, der rechte Fußschalter übernimmt die Aktivierung des Booster-/Oktaver-Teils.
In der Mittelstellung schaltet der linke Schalter ausschließlich das Fuzz, während die Overdrive-Sektion ausgeschaltet bleibt. Wer diese noch separat schaltbar machen möchte, benötigt einen externen Fußschalter, der diese Aufgabe übernimmt. Die passende XT-Buchse dafür befindet sich an der linken Seite des Gehäuses. Wer richtig dekadent auftreten will, kann sogar einen externen Schalter im passenden Design erwerben.
In der rechten Schalterstellung schließlich schaltet der rechte Fußschalter Booster und Overdrive, es sei denn, die XT-Buchse ist mit dem eben erwähnten Schalter belegt, dann wird nur der Boost geschaltet. Der linke Fußschalter bleibt jetzt dem Fuzz vorbehalten.
In der Praxis
In der Praxis zeigt das Crazy Tube Circuits Triptychon eine große Stärke: Es inspiriert ständig zu neuen Ideen. Verheerend, denn G.A.S. ist ein gefährlicher Begleiter.
Bereits die Overdrive-Sektion allein klingt ausgesprochen hochwertig. Der Ton bleibt offen, dynamisch und reagiert sehr schön auf Anschlag und Volume-Poti der Gitarre. Dreht man leicht zurück, wird der Sound glockiger und transparenter, während härterer Anschlag sofort mit zusätzlichem Biss beantwortet wird. Das erinnert stark an gute klassische Amp-Zerre und funktioniert besonders mit Singlecoils hervorragend.
Mit Humbuckern schiebt das Crazy Tube Circuits Triptychon dann ordentlich nach vorne. Blues-Rock, Classic Rock oder leicht angezerrte Stoner-Sounds liegen dem Pedal ausgesprochen gut. Dabei bleibt der Ton stets angenehm organisch und verliert nie komplett seine Kontur.
Das eigentliche Highlight beginnt aber spätestens dann, wenn die Fuzz-Sektion hinzugeschaltet wird. Hier wird aus „gut klingendem Overdrive“ plötzlich ein völlig anderes Tier. Das Fuzz besitzt genau diese leicht unberechenbare Komponente, die gute Vintage-Fuzzes auszeichnet. Einzelne Noten singen herrlich, Akkorde zerfallen teilweise kontrolliert auseinander und bei langem Sustain entstehen wunderbare Obertöne.
Besonders spannend ist dabei die Kombination mit der Oktavfunktion. Das Crazy Tube Circuits Triptychon kann hier Sounds erzeugen, die sich fast schon wie ein analoger Synth anfühlen. Gerade in höheren Lagen entstehen aggressive, sägende Leads mit enormer Präsenz.
Natürlich verlangt das Pedal dabei auch etwas Anpassung vom Spieler. Wie bei vielen klassischen Fuzz-Schaltungen reagiert das Crazy Tube Circuits Triptychon stark auf Spielweise, Pickup-Wahl und Dynamik. Wer sauber und kontrolliert spielt, wird mit enorm lebendigen Sounds belohnt. Wer dagegen unsauber arbeitet, bekommt gnadenlos Chaos zurück. Was zugegebenermaßen allerdings ebenfalls Spaß machen kann.
Trotz der teils extremen Sounds bleibt genügend Mittenstruktur vorhanden, damit man im Mix nicht verschwindet. Sehr gelungen ist außerdem die Abstimmung der Boost-Sektion. Diese arbeitet nicht einfach nur als Lautmacher, sondern verändert subtil die Gesamtcharakteristik. Soli bekommen bei Bedarf mehr Fokus, mehr Sustain und setzen sich deutlich besser durch.
Die Nebengeräusche bleiben leider bei extremeren Einstellungen alles andere als moderat. Natürlich rauscht ein derart komplexes Gain-Pedal bei extremen Einstellungen hörbar, das gehört bei Fuzz und Oktaver aber irgendwie dazu. Im dezenten Betrieb bewegt sich das auch alles absolut im grünen Bereich. Merke: Was nich rauscht, dit klingt ooch nich!
Das Crazy Tube Circuits Triptychon eignet sich alles in allem nicht nur für klassische Vintage-Rock-Gitarristen, sondern eben auch für experimentierfreudige Musiker, die gern zwischen traditionellen Sounds und kaputtem Sounddesign pendeln.
Soundbeispiele
Klanglich deckt das Crazy Tube Circuits Triptychon ein breites Feld ab. Bereits im reinen Overdrive-Betrieb liefert das Pedal offene Crunch-Sounds mit schöner Dynamik und reichlich Vintage-Charakter. Besonders Blues-Rock-Licks und klassische Rock-Riffs profitieren von der direkten Ansprache und den angenehmen Mitten. Ihr hört zunächst den cleanen Referenzsound meines Hughes & Kettner Grandmeister Deluxe 40, dieser wird in der Folge nicht mehr geändert.
Der letzte der eben gehörten Sounds der Drive Section bleibt jetzt unberührt und dient als Basis für einige der folgenden Beispiele.
Schaltet man die Fuzz-Sektion ein, wird der Sound natürlich deutlich aggressiver und rauer. Das Pedal entwickelt dabei eine herrlich wilde Obertonstruktur, die besonders bei langen Sustains und singenden Leads zur Geltung kommt. Die folgenden Beispiele 2 und 3 demonstrieren das Fuzz ohne die nachgeschaltete Drive Section, Beispiel 3 bringt euch jeweils beide Modi des Octavers nahe.
Stabil bleibt dabei stets die Reaktion auf das Volume-Poti der Gitarre und die Artikulation des Spielers. Das Crazy Tube Circuits Triptychon lässt sich gut zurückregeln und liefert dadurch viele unterschiedliche Gain-Abstufungen direkt aus der Spielweise heraus.
Jetzt hört ihr noch zwei Beispiele aus der Kategorie „All-In“. Einmal mit Octave Voice 2 und einmal mit Midboost. Die Nebengeräusche verlangen hier jetzt zwingend ein effektives Noisegate, sonst wird’s echt übel.
Besonders in Kombination mit Delay- oder Reverb entstehen extrem coole Sounds, von denen ich hier jetzt noch einen demonstrieren möchte.
Das Crazy Tube Circuits Triptychon kann nicht nur klassisch fuzzen, sondern bewegt sich problemlos auch in experimentelleren Ambient- oder Stoner-Gefilden.
Die Signalkette möchte ich euch noch genauer aufschlüsseln:
Ich → Ibanez AZ226 → Crazy Tibe Circuits Triptychon → Hughes & Kettner Grandmeister Deluxe 40 → Palmer 1×12″ Cabinet mit Celestion Greenback → MXL DX-2 Mikrofon → UA Volt 476 Audiointerface → iMac Pro mit Logic Pro 12

































