Federn statt Flossen!
Das Crazy Tube Circuits White Whale Junior bringt zwei echte Effektklassiker auf einem Pedal zusammen: analogen Federhall und Vintage-inspiriertes Tremolo. Drei kleine Hallspiralen sorgen dabei für echten Spring-Reverb, während die Tremolo-Sektion klassische optische und Bias-Schaltungen zum Vorbild nimmt. Klingt nach ordentlich Vintage-Flair. Schauen wir mal, wie sich der weiße Wal in der Praxis schlägt.
Worum geht es?
Das Crazy Tube Circuits White Whale Junior kombiniert zwei klassische Effekte in einem kompakten Pedal bei angenehm übersichtlicher Bedienung.
- Zwei Klassiker in einem Pedal: Federhall und Tremolo lassen sich unabhängig voneinander oder gemeinsam verwenden.
- Echter Federhall: Drei kleine Hallspiralen sorgen für authentischen Spring-Reverb – ganz ohne digitalen Reverb-Algorithmus.
- Vintage-Tremolo: Die Tremolo-Sektion ist von klassischen optischen und Bias-Tremolo-Schaltungen inspiriert.
- Übersichtliche Bedienung: Dwell, Tone und Mix für den Hall sowie Speed, Intensity und Volume für das Tremolo ermöglichen eine schnelle und intuitive Einstellung.
- Kompakter als der große Bruder: Gegenüber dem White Whale V2 fällt die Junior-Version kleiner und etwas reduzierter aus, bietet aber weiterhin beide Effekte in einem Gerät.
Inhaltsverzeichnis
Crazy Tube Circuits White Whale Junior
Crazy Tube Circuits hat in der Vergangenheit bereits einige recht spektakuläre und gut durchdachte Produkte auf dem Markt etabliert. Dazu zählt für mich vor allem das großartige Ziggy-Zerrpedal, das VOX-AC30- und Marshall-Plexi-Amps ausgezeichnet analog simuliert. Die Effektpalette des griechischen Herstellers ist riesig. Von Overdrive und Distortion über Delay und Hall bis hin zu Modulation wird hier alles geboten.
Heute testen wir den „weißen Wal“ (White Whale Junior), der über zwei Effektsektionen (Hall/Tremolo) verfügt, die sich einzeln oder in Kombination betreiben lassen. Dieses Pedal gibt es bereits in einer Vorgängerversion, die deutlich „klobiger“ ist. Deswegen legte man nun mit der Junior-Version nach, die letztlich die gleichen Features besitzt, aber nicht ganz so viele Einstellmöglichkeiten bietet. Klanglich sind beide Varianten auf demselben Level.
Facts & Features
Die Abmessungen des in Athen entworfenen und hergestellten Pedals betragen 15,4 x 8,3 x 6,8 cm (L x B x H). Somit ist dieses etwas größer und höher als die meisten seiner Kollegen. Eine gewisse Höhe ist hier erforderlich, da auch drei kleine Hallspiralen verwendet wurden, dazu später mehr. Durch diese Gehäusebreite hat man zudem etwas mehr Platz für die Umschaltung mit dem Fuß. Es können zwei Effekte je nach Bedarf einzeln oder auch zusammen aktiviert werden.
Die Umschaltung erfolgt mithilfe von Relais, die beim Betätigen der Fußtaster einen Impuls erhalten und den Effekt in den Signalweg schalten. Die stabilen Taster arbeiten absolut „smooth“ und knackfrei.
Zwei kleine weiße Leuchtdioden signalisieren den Schaltungszustand. Diese sind auch im Dunkeln auf der Bühne gut zu sehen und blenden dabei nicht. Das Pedal arbeitet ausschließlich mono. Die Buchsen für Ein- und Ausgang und die Stromversorgung (9 V, DC) wurden stirnseitig montiert.
Letztere erfolgt wie üblich über eine Hohlsteckerbuchse (2,1 mm x 5,5 mm, Minuspol innen). Der Stromverbrauch gestaltet sich mit 110 mA relativ anspruchslos.
Reverb-Effekt mit Hallspiralen
Vermutet man, dass wie in vielen Hall-Pedalen ein sogenannter Belton-Brick verwendet wurde, der mit einer Handvoll zusätzlicher Bauteile zu einem Reverb-Schaltkreis gemacht werden kann, wird man hier eines Besseren belehrt. Im Fall unseres Testobjekts wird der Hall tatsächlich rein analog mithilfe dreier kleiner Hallspiralen erzeugt. Solche findet man im Allgemeinen bis heute (jedoch deutlich größer) am Boden vieler Kofferverstärker bzw. Amp-Heads.

Hallspiralen, wie in vielen (Vintage-) Verstärkern, jedoch mit kleinen Federn, das ist außergewöhnlich
Nutzt man einen Verstärker, der mit langen Hallspiralen bestückt wurde, kann es bei Erschütterungen der Bühne zu unangenehmen Geräuschen à la „Raumschiff Orion“ (eine damals futuristische deutsche Science-Fiction-Serie aus den 60er-Jahren) kommen. Das ist hier aufgrund der deutlich kleineren Konstruktion wesentlich weniger problematisch.
(Anm. d. Red.: Ich feiere heute noch das Bügeleisen als „Weltraumtelefon“).
Tremolo
Der Tremolo-Effekt des White Whale Junior wurde von klassischen optischen und Bias-Tremolo-Schaltungen inspiriert. Solche findet man in vielen analogen Tremolo-Pedalen und klassischen Verstärkern.
Handling
Das Pedal sollte auf dem Pedalboard im Signalweg hinter den Verzerrer-Pedalen positioniert werden. Nutzt man die Verzerrung des Amps, böte sich das Einschleifen in den Effektweg (FX-Loop) an, sofern der Verstärker damit ausgestattet ist. Der Hall ist mehrheitlich (nicht zwingend) das letzte Glied der Effektkette.
Durch die integrierte sogenannte „Power-Up-Bypass-Preset-Funktion“ merkt sich das Pedal den Schaltzustand beim Ausschalten.
Beide Effekte können sowohl einzeln als auch im Verbund eingesetzt werden. Möchte man beide Effekte gleichzeitig schalten, ist das aufgrund der Positionen der Fußtaster unkompliziert zu bewerkstelligen.
Die Einstellung der Parameter erfolgt intuitiv, man hört einfach und passt an. Da wir hier eine sehr übersichtliche Anzahl an Parametern ohne überladene Möglichkeiten vorfinden, geht das im Handumdrehen vonstatten.
Regler
An Bord ist jeweils ein Volume-Regler für den Hall und das Tremolo. So kann man sich schnell die passende Balance herstellen. Die Möglichkeit, den Tremolo-Effekt in der Lautstärke regeln zu können, ist absolut sinnvoll, denn oft sinkt der Pegel des Effektsignals bei heftigerer Intensität. So kann man dies durch dessen leichtes Anheben wieder ausgleichen.
Der Hall kann mithilfe der drei Parameter Dwell (Heftigkeit), Tone (Höhenanteil) und Mix (Lautstärke des Effekts) den persönlichen Bedürfnissen angepasst werden. Für das Tremolo sind Speed, Intensity und Volume zuständig.
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Sound
Wir beginnen mit dem Tremolo. Hier ist noch kein Hall im Spiel. Die ersten fünf Sekunden hören wir ohne Effekt, um anschließend beurteilen zu können, wie der Tremolo-Effekt klingt. Die Möglichkeit, unter diversen LFO-Kurven zu wählen, existiert nicht. Hier moduliert eine Sinusschwingung den Verlauf der Lautstärke. Wir hören eine Telecaster auf dem Steg-Pickup:
Hören wir nun den Hall, der durch seine Bauweise mit den drei Hallspiralen schön authentisch klingt. Dwell steht auf etwa 3 Uhr und ist damit relativ weit aufgedreht, der Tone-Regler etwas zurückgenommen, was den Hall etwas wärmer gestaltet.
Hier nun beide Effekte zusammen, hier mit relativ heftigen Einstellungen, um die klanglichen Möglichkeiten auszutesten. Diese sind praxisnah und daher nicht überdimensioniert:
Eine „Federhall-mäßige“ Einstellung ohne Tremolo, wieder mit der Telecaster:
Für eine 50er-Jahre-Ballade könnte das folgendermaßen klingen. Wir hören das Tremolo und den Hall gemeinsam:
Signalweg: Bill Lawrence Telecaster bzw. Suhr Classic Strat → Crazy Tube Cercuits White Whale Junior → Peavey Classic 20 Minihead mit etwas Hall → Mesa/Boogie 1×12″ Thiele-Box mit Creamback-Celestion-Lautsprecher → Sennheiser e906 → MOTU M4 → Mac Studio mit Logic

































so macht man augen zu und fühlt
sound wird sensitive getragen.
federhall ich mag ihn sehr.🙂
hier bei instrument es ist alles authentic / authentisch.
instrument versucht es nicht durch volle
presenz im vordergrund zu sein.
hier ist alles stimmig ehrlich.
und sound er nervt nicht man möchte garnicht mehr ausschalten.
poticaps musicding hallo klaus brunner:)
danke für test!🙂
ist kofferverstärker eine andere Bezeichnung für Combo?
Ich bin ja ein Freund von Pedalen-vor allem wegen Overdrive/Distortion, auch wenn ich da lieber Synths durch jage.
Das einzige was mich beim blinden Wal ein klein wenig stört: Mono. Aber da kann man ja den Ausgang des Pedals in ein Stereo Verbreiterungspedal stöpseln.
@Sogyra Es ist sowieso nicht verkehrt, Synthies von vornherein in Mono aufzunehmen…ein breites Stereosignal ist im Mix einfach nicht ideal, wenns um das Panning geht.
Alles, was breit macht, benutze ich erst später im Mix.
Es hat mich erst ein wenig Überwindung gekostet, auf „Stereo“ zu verzichten, einfach, weil die Hardware es KÖNNTE…aber das geht vorbei.
@mort76 Grundsätzlich hast du da schon recht…ich denke es kommt aber eher auf den Sound selber drauf an. Ein Bass oder Leadsound in Mono ist sicher nicht verkehrt, aber ein dicker Padsound in Mono halte ich für ungeeignet.
Für die meisten Sounds kannn man so ein Pedal schon nutzen, wer Stereo will braucht 2 blinde Wale gg 😂
Echten Federhall in einem Pedal finde ich schon ziemlich cool. 😄 Keine digitale Simulation, sondern tatsächlich drei kleine Hallspiralen, dazu noch ein klassisches Tremolo. Gerade diese Kombination hat einfach etwas herrlich Oldschooliges. Und manchmal gefällt mir ein Pedal mit wenigen Reglern, bei dem man schnell einen guten Sound findet, besser als eines mit hundert Möglichkeiten und Untermenüs. Das White Whale Junior würde ich wirklich gerne einmal ausprobieren.