Schnelle Drum-Patterns ohne großen Aufwand
CRB Labs Drummer-1 ist ein Drum-Plug-in, das sich dem Generieren von spezifischen Genre-Patterns widmet. Es lassen sich verschiedene Genres mit passenden Drum-Kits auswählen, wobei man weder an Patterns noch an die Samples der Drumkits fest gebunden ist. Vieles lässt sich nach Bedarf ändern, austauschen und erweitern. Ob der Drummer-1 damit einen frischen Mehrwert in unseren Studioalltag bringt, wollen wir in folgendem Test herausfinden.
Was ist es? CRB Labs Drummer-1, Drum-Plug-in, generiert genrespezifische Drum-Patterns und ermöglicht deren schnelle Anpassung
- Konzept: Step-Sequencer mit Genre-Pattern-Generator für schnelle Drumloops ohne tiefes Programming.
- Bedienung: Sehr übersichtlich und intuitiv, auch ohne Handbuch sofort verständlich.
- Flexibilität: Samples, Patterns und Parameter lassen sich anpassen, bleiben aber insgesamt eher einfach gehalten.
- Zielgruppe: Vor allem Einsteiger und Musiker, die schnell Ergebnisse benötigen, weniger für Sound Designer geeignet.
- Fazit: Solider Ideengeber mit gutem Workflow, aber noch nicht vollständig ausgereift und mit begrenzter Tiefe.
Inhaltsverzeichnis
Spezifikationen des CRB Labs Drummer-1
Der Drummer-1 ist mit einem Speicherbedarf von 54,6 MB ein sozusagen kleines Plug-in. Es bietet folgende Features:
- Step-Sequencer mit 7 Spuren
- genrespezifischer Pattern-Generator
- Tools für Dynamik, Groove und euklidische Patterns (pro Track)
- Sample-Kits
- Laden eigener Samples
- Audio- und MIDI-Export per Drag & Drop
Aktuell ist der Drummer-1 nur ab macOS 10.13 High Sierra (oder neuer) in den Formaten VST3 und AU erhältlich. Eine Version für Windows soll aber bald folgen. Zukünftige Updates für Version 1 werden kostenlos sein.
Welche Genres stehen zur Verfügung?
Da der Drummer-1 genrespezifische Patterns generiert, ist die potentielle Käuferschaft aktuell noch etwas eingeschränkt. Zur Auswahl stehen aktuell die folgenden vier Genres:
- Bodega Volume 1 (Boom Bap)
- Bando Bands Volume 1 (Trap)
- UK Rave Volume 1 (Breakbeat)
- Electro Volume 1 (House/Techno)
Weitere Expansion-Packs sollen in Zukunft erhältlich sein, werden jedoch kostenpflichtig sein. Hier gilt es abzuwarten, welche Genres sich dazugesellen und vor allem wie der Preis angesetzt ist.
Die Bedienoberfläche
Die Bedienoberfläche des CRB Labs Drummer-1 könnte kaum klarer strukturiert sein. Aktuell gibt es noch kein Handbuch und es würde mich auch nicht wundern, wenn keines folgt, denn man benötigt schlicht und ergreifend keines. Das Fenster lässt sich komplett frei skalieren, sowohl vertikal als auch horizontal. Ist das Fenster auf der vertikalen Ebene sehr schmal eingestellt, verschwindet lediglich der Bearbeitungsbereich.
In der oberen Leiste wird das aktuelle Preset angezeigt. Wechseln kann man die Presets über ein Dropdown-Menü oder mit den Vor- und Zurück-Tasten. Daneben sitzt die „Generate“-Taste. Über sie lässt sich ein komplett neues und zufälliges Pattern erstellen, wobei sich das Muster natürlich immer nach der ausgewählten Pattern-Kategorie richtet.
Mit einem Rechtsklick lässt sich bestimmen, ob Patterns und Samples, nur das Pattern oder nur die Samples neu generiert werden sollen. Über die Schaltfläche „Patterns“ lassen sie sich speichern und aufrufen. Zwischen den Generate- und Patterns-Tasten befindet sich noch ein Undo/Redo-Button.
Mittig sitzen die sieben Step-Sequencer-Spuren, auf die ich im Folgenden noch eingehen werde.
Unterhalb des Sequencers wird das Sample der aktuell ausgewählten Spur angezeigt und kann hier auch ausgetauscht werden. Es gibt eine Lock-Funktion und im Sample-Fenster werden Name und Länge des Samples angezeigt. Weiterhin gibt es vier Auswahlfenster für Sample, Dynamics, Groove und Euclidean.
Sollte keine Spur über die Sample-Taste ausgewählt sein, werden hier alle Sample-Fenster in einer Reihe angezeigt. In dieser Ansicht besitzt jedes Sample-Fenster eine Random- und eine Lock-Funktion sowie eine Abspieltaste.
In der untersten Leiste gibt es dann schließlich noch eine Abspieltaste für den Sequencer, eine BPM-Auswahl, eine Lösch-Taste und die Export-Funktion.
Mit der während des Tests veröffentlichen Version 0.9.1 wurde auch noch eine „MIDI only“-Taste hinzugefügt, die auf den meisten Bildern (gleiches trifft auf die Website des Hersteller zu) noch nicht zu sehen ist, da diese Version erst gegen Ende des Testzeitraums veröffentlicht wurde.
Der Sequencer und seine Werkzeuge
Jede Spur des Sequencers besitzt eine Bypass-Taste, eine Solo-, Random- und Lock-Funktion sowie eine Sample-Taste in der Form eines Auges. Über die Sample-Taste werden für die Spuren entsprechende Funktionen im unteren Bedienfeld angezeigt.
Die Anzahl der Steps ist abhängig vom ausgewählten Taktraster, das sich ganz rechts einstellen lässt. Hier lässt sich allerdings nur zwischen 1/16- und 1/32-Noten wählen. Je nachdem hat man also 32 oder 64 Schritte zur Verfügung, wobei sich die Länge immer auf zwei Takte beschränkt. Für die einzelnen Schritte gibt es ebenfalls eine Lock-Funktion, allerdings bezieht sich diese auf die Generierung und lässt sich nicht verwenden, um Parameterwerte pro Schritt zu ändern. Programmierte oder generierte Schritte im Lock-Modus bleiben bestehen und werden von der Generierung ausgeschlossen.
Die geladenen Samples werden immer gemeinsam mit dem Pattern geladen. Drumkits können aber auch separat gespeichert und wieder aufgerufen werden.
Zum Sequencer gehören noch die genannten Funktionen Dynamics, Groove und Euclidean, die sich immer auf eine einzelne ausgewählte Spur auswirken.
Für die Dynamikbearbeitung gibt es einen Minimum- und einen Maximum-Regler zur Einschränkung des Dynamikumfangs. Links befindet sich ein Fenster, in dem das Pattern der ausgewählten Spur angezeigt wird. Über die Taste „Randomize“ wird nur für diese Spur ein zufälliges Pattern (etwas irreführend im Kontext „Dynamics“) mit zufälliger Anschlagsstärke erzeugt und über die Taste „Humanize“ wird nur die Anschlagsstärke der Spur zufallsgeneriert.
Im Groove-Fenster gibt es drei Regler: Amount, Shift und Nudge. Per Shift lassen sich komplette Patterns schrittweise um bis zu 16 Schritte versetzen. Die Nudge-Werte sind in Millisekunden angegeben, mit Werten von bis zu 50 ms.
Der Amount-Wert bezieht sich auf den ausgewählten Algorithmus. Über ein Dropdown-Menü lässt sich aus neun Groove-Templates auswählen: Straight, Light Swing, Medium Swing, Hard Swing, Triplet, Dotted, Lazy, Rushed und UKG Swing.
Auch euklidische Patterns lassen sich pro Spur generieren. Das Prinzip ist sehr einfach gehalten. Es gibt einen Hits-Regler, um die Anzahl (bis zu 32) der generierten Schläge festzulegen, und einen Rotation-Regler, der das Pattern um bis zu eine Pattern-Länge rotieren lässt.
Ebenfalls in Version 0.9.1 neu hinzugefügte Features sind Ratchets (1x, 2x, 3x, 4x) und Probabilities (25 %, 50 %, 75 %, 100 %).
Bearbeitung von Samples
Die Bearbeitung von Samples fällt bei Drummer-1 sehr rudimentär aus. Es gibt lediglich fünf Regler für die Parameter Gain, Pitch, Saturation, Low Cut und High Cut.
Über den Gain-Regler lassen sich die Samples um bis zu 12 dB anheben oder absenken. Der Tonhöhenumfang umfasst eine Oktave, gerastert in 10-Cent-Schritten, die Sättigung wird in Prozent angegeben. Der Low Cut reicht von 20 Hz bis 2 kHz und der High Cut von 1 kHz bis 20 kHz.
Audio- und MIDI-Export
Erstellte oder generierte Patterns lassen sich als Summen-Audio oder MIDI schnell und einfach per Drag & Drop in ein Projekt exportieren. Es gibt auch eine Stem-Export-Funktion, hier werden aktuell jedoch ausschließlich die Einzelspuren als Dateien auf den Desktop geschrieben und lassen sich nicht direkt in die DAW ziehen.
Der CRB Labs Drummer-1 in der Praxis
Der CRB Labs Drummer-1 könnte in seiner Bedienung nicht einfacher sein. Da der Hersteller mit seinem Plug-in eher Musiker ansprechen möchte, die schnell zu Ergebnissen kommen und sich nicht in der Programmierung verlieren möchten, ergibt das Konzept schon Sinn. Sound-Designer und Tüftler werden sich dagegen mit den eher eingeschränkten Bearbeitungsmöglichkeiten vermutlich nicht anfreunden können.
Ein wenig Verbesserungspotential gibt es ohnehin noch. Wenn beispielsweise noch keine Noten in den Sequencer programmiert wurden, werden nur die ersten vier Spuren generiert. Dadurch werden zwar überladene Patterns vermieden, aber auch bereits programmierte Spuren wieder gelöscht.
Die Anzahl der Schritte, die bei der Random-Funktion des Dynamics-Tools entstehen, ergibt meiner Meinung nach ausschließlich für HiHats oder Percussions Sinn. Vor allem auf Kick-, Snare- oder Clap-Spuren ist das immer etwas zu viel des Guten.
Bei der Bewertung muss ich fairerweise ein paar persönliche Aspekte außer Acht lassen. Denn für meine eigenen Produktionen bietet mir der Drummer-1 absolut keinen Mehrwert. Er richtet sich ganz klar an Einsteiger und Instrumentalisten, die immer wieder mal einen Drumloop benötigen und nur minimal anpassen möchten.
Auch muss ich anmerken, dass der Hersteller sich während der Testphase meine Kritik sehr zu Herzen genommen und alle meine Wünsche binnen kürzester Zeit implementiert hat. Daher werden sehr wahrscheinlich auch meine aktuellen Kritikpunkte bald behoben sein.
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Interessantes Tool für die schnelle Beatprogrammierung. Werde ich mal im Auge behalten.
Schnellen Spaß beim Grooven verspricht auch Boomcha von Sampleson. Es liefert auf sehr einfache Art und Weise eine gute Inspirationsquelle, auf deren Ergebnisse man aufbauen und in der DAW weiter experimentieren kann. Funktioniert ähnlich wie Drummer-1, hat aber auch noch einige kleine Bugs. Gibt’s zur Zeit im Sale für € 29,-.
Nach lesen des Tests: Ich glaube, ich bin mit dem »DrumComputer« von SugarBytes und dem freien »Sitala« in Verbindung mit dem »MIDI Sequencer Megababy« von Reaper ganz gut bedient. Ich meine … wie schwierig ist es, mal eben schnell einen »Bumm…Tcha« in den Sequencer zu klicken und das Ganze dann zu variieren? Die Verklicker (Stichwort: Happy Accident) erzeugen dann oftmals schon automatisch genug Interessantes.
Der »MIDI Sequencer Megababy« kann zudem bis 128 Steps, 16 Pattern, Ratchetting in einem Step (bis zu 8 einzelne Schritte in einem Step), und natürlich Lautstärke sowie vier Modulationen sowie noch ein paar weitere Sachen. Ein irres Tool! Wenn das nicht reicht, dann lässt man einfach zwei oder mehr Instanzen parallel laufen. Ganz ehrlich: Ich wüsste schon gar nicht mehr, wie ich ohne das Tool meine Musik machen sollte. Genau deswegen habe ich mir bisher den »Stepic« vom Decivemeister nicht gekauft (und das Teil ist ohne Frage auch ein geniales Tool).
Wofür braucht man das? Das kann doch auch jede DAW?! Manche könne ja keine Piano Plugins mehr sehen. Bei mir sind es die Drum Plugins….
@Svenson73 Die erste Frage kann ich nachvollziehen und die Antwort findest du im Artikel. Ob jede DAW genre-spezifische Pattern generieren kann, wage ich zu bezweifeln ;)