Test: Creamware Dynatube, Gitarren Plugin

26. Juli 2006

Test: Dynatube

Nachdem Creamware mit den ASBs eindrucksvoll bewiesen haben, das Totgesagte nicht nur länger leben, sondern auch noch besser klingen, erfährt nun auch die Scope Plattform wieder einen Neuzugang. Creamware Dynatube heißt er und verschreibt sich der Welt der Ampsimulationen.

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„Der virtuelle VOX Dynatube VX“

Was drin ist

Vier Verstärker schickt Creamware ins Rennen. Allen ist zu Eigen, dass tatsächlich jeweils ausschließlich der Verstärker emuliert wird. Wer zusätzlich Effekte, weitere Kabinette oder Stompboxen erwartet, muss woanders suchen. Der Dynatube JM emuliert einen Marshall JCM800. Ohne diesen legendären Rockverstärker hätte sich ein ganzes Genre wahrscheinlich anders oder gar nicht entwickelt. Neben der reinen Röhrenverstärkung wird der ebenfalls prägende Klang der 4×12“ Lautsprecher simuliert. Keine virtuelle Amp-Sammlung kommt ohne einen Fender Twin Reverb aus. Als Dynatube FT ist er folglich auch in Creamwares Anthologie wieder zu finden. Zwei zwölf Zoll Oxford Lautsprecher geben den Ton an. Dass es keine Effekte gibt, erwähnte ich grad. Dass aber der Twin Reverb nicht mal seinen eigenen Hall spendiert bekommen hat, finde ich etwas verwunderlich.

Ein weiterer Klassiker ist der Vox AC30. War er es doch er, der der amerikanischen Übermacht endlich einen unverwechselbaren anderen Klang entgegen setzte. Im Dynatube VX wird ein frühes Modell emuliert, das von zwei zwölf Zoll Celestion Speakern „angetrieben“ wird. Zu guter Letzt wird dann noch das Monster in Nullen und Einsen gequetscht: Der Mesa/Boogie Dual Rectifier. Vier zwölf Zoll Treiber im Dynatube MB bringen Hauswände zum Einstürzen und sicher jeden Nachbarn gegen einen auf. Welch ein Spaß!

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„Ein Fender ohne Reverb: Dynatube FT“

Im Übrigen stehen alle Verstärker für läppische 69,- EUR auch einzeln zum Verkauf.

Praxis

Sicher mein Lieblingsthema bei Creamware Plug-Ins. Im Gegensatz zur nativen Welt hab ich hier noch nie eine negative Überraschung erlebt. Und so stürzt auch Dynatube nicht ab oder vertröstet einen auf Version-eins-punkt-irgendwas um zu überzeugen. Unabhängig vom gewählten Verstärker beansprucht Creamwares Ampsimulation grundsätzlich zwei DSPs. Für das Gebotene finde ich das sehr anständig. Nach der ersten Ankündigung hatte ich eher mit mehr gerechnet.
Da sich Dynatube auf nichts als die Verstärker/Boxen beschränkt, schraubt man innerhalb der Scope Oberfläche eine Weile, bis es komplett klingt. Diese traditionelle und puristische Arbeitsweise mag bei Pod und GuitarRig verwöhnten Zeitgenossen auf Argwohn stoßen. Letztlich wäre mir auch lieber gewiesen, es gäbe eine Auswahl an typischen Gitarreneffekten gleich inklusive.

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„Nicht Tony aber Marshall: Der Dynatube JM“

Konkurrenz und Klang

Im Softwarebereich gibt es zwei große allgegenwärtige Konkurrenten: GuitarRig 2 und Amplitube 2. Beide können den unschätzbaren Vorteil für sich verbuchen, ohne zusätzliche DSP-Hardware auszukommen. Klanglich ist ein Vergleich schwierig. IK und Native Instruments bieten rundum glücklich Pakete, die neben der obligatorischen Verstärker Fraktion jede Menge klassischer Effekte in teilweise überragender Qualität bieten. Zwar stehen auch auf der Scope Plattform viele hochwertige Effekte zur Verfügung. Allerdings muss man die erstmal verkabeln. Trial and Error gestaltet sich so sehr aufwendig. Das mag Profis ansprechen, die ihre Effektkette kennen und beinah blind einstellen. Viele abgefahrene Ideen ergeben sich auf der anderen Seite so aber auch nicht.

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„mach mich fett: Dynatube MB – Dual Rectifier“

 

In punkto Hauptdisziplin, nämlich dem eigentlichen puren verstärkten Gitarrenklang, beweisen Creamware einmal mehr, dass sie fähig sind mit jedem Produkt Weltspitze-Qualität abzuliefern. Creamware Dynatube klingt erdig und schiebt „untenrum“, dass beide nativen Mitbewerber dagegen etwas schmalbrüstig wirken. Lediglich die Einstellung der Entfernung des Mikros vom Kabinett sollte weniger künstlich klingen. Verzerrte Sounds wirken gegenüber der Konkurrenz dynamischer. Im direkten Vergleich ist das offensichtlicher als im Playback. Da wirkt der Druck in der Magengegend meistens eher kontraproduktiv und man muss mehr entzerren. Allerdings liegen alle eng beieinander. Um es mal so zu sagen: Ein Minimax ist im Vergleich zu einem VSTi Sex pur. Dynatube eher Hardcore Petting.

Hörbeispiele

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Zwar gibt’s in Creamware Dynatube selbst keine Effekte. In Scope selbst dafür aber mehr als genug. Hier ein klassisches Wah und ein Chorus sowie ein Phaser.

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Der Mesa/Boogie im Einsatz

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Ein Marshall und es rockt!

Fazit

Ganz ohne Zweifel bietet das Creamware Dynatube Gitarrensounds auf höchstem Niveau. Die Beschränkung auf den reinen Verstärker und Boxenpart schmälert den Gesamteindruck nur minimal. Allein die Vorstellung, auch Stompboxen in dieser Qualität stünden zur Auswahl, würde dem Creamware Dynatube das i-Tüpfelchen aufsetzen. Wer ein Scope System sein Eigen nennt, kann hier bedenkenlos zugreifen. Der große Vorteil gegenüber nativ erzeugten Amp-Simulationen ist die sehr geringe Latenz der Scope Systeme, die meist weit unter 2 ms liegt.

Plus

  • überragender Grundklang
  • sehr nah an den Originalen
  • mit 2 DSPs sehr geringe Beanspruchung der Scope Hardware

Minus

  • puristisches Konzept ohne Effekte nicht jedermanns Geschmack
  • Twin Reverb ohne Hall
  • Distanzreglung zwischen Mikro und Lautsprecher etwas künstlich

Preis

  • Vollversion: 189,- EUR
  • Einzelne Module: je 69,- EUR
Klangbeispiele
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