Test: Creamware Electra

 

Der Mixer

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Kommen wir schließlich zum Mixer, mit dessen 24 Kanälen sämtliche Signale abgemischt werden können. Hier können Sie also die Modular-Sounds, aber auch Signale von externen Quellen oder von anderen Programmen, etwa HDR-Spuren, abgemischen. Allerdings ist die Ausstattung des Mixers mit Panorama, Volume, Mute und Solo nicht gerade üppig. Zwar gibt es noch immerhin 4 Aux-Wege, interne Effekte zum Anschluss daran gibt es jedoch nicht. So kann man mit den Aux-Wegen nur externe Effekte einbeziehen oder die Aux-Wege als Monitorweg missbrauchen. Da Elektra aber ein Modular-Synthesizer ist und kein Studio-Mischpult, möchte ich diesen Kritikpunkt nicht überbewerten. Freuen wir uns vielmehr, dass überhaupt ein Mixer vorhanden ist.

Sound und Performanz
Zunächst habe ich verschiedene Werks-Patches geladen, von denen Elektra über 40 Stück enthält.
Damit konnte ich schon jede Menge abgefahrener Sounds erzeugen. Die Filter gefallen mir gut, womit ein Kritikpunkt an den ersten Pulsar-Synthesizer entfällt. Elektra kann beeindruckend fett klingen und auf Wunsch brachiale Bässe erzeugen.
Da auch die Qualität der IOs über jeden Zweifel erhaben ist, wird der Sound optimal hörbar gemacht. Insgesamt braucht sich Elektra auf keinen Fall klanglich hinter anderen Produkten zu verstecken.
Typisch für DSPs ist die Latenzfreiheit. In der Tat kann man Elektra wie einen externen Hardware-Synthesizer spielen, irgendwelche Verzögerungen sind schlichtweg nicht wahrnehmbar.
Auffällig ist der hohe DSP-Verbrauch einiger Patches. Je komplizierter und umfangreicher ein Patch ist, desto weniger Stimmen sind möglich. Dies kennt man ja auch von der Konkurrenz. Ein „Standard“-Patch liefert aber durchaus akzeptable Stimmenzahlen. Will man komplexe Arrangements mit mehreren Elektra Synthesizern fahren, so bleibt also nur das Aufnehmen einzelner Synths als Audio-Datei in der Recording-Software, was aber dank der vorbildlichen Treiberausstattung schnell erledigt ist. Für mehr DSP-Power (und gleichzeitig mehr IOs) kann man zwei Elektra-Karten kaskadieren, womit die doppelten Stimmenzahlen drin sind.

HDR
Ich habe es bereits mehrfach angedeutet, die Elektra-Karte ist mit ihren IOs, Treibern und dem Mixer ganz nebenbei eine erstklassige Audiokarte für Hard-Disk-Recording. So kann man die Sounds des Modulars in die aktuelle Produktion integrieren oder Elektra als reine HDR-Karte fahren. Treiberseitig werden alle gängigen Schnittstellen unterstützt. Auf dem PC MME, ASIO2, EASI, Gigasampler (alle jeweils bis zu 32 Kanälen!!), tripleDAT und DirectSound.
Für den Mac wird ASIO2, Gigasampler, OMS und Soundmanager geboten. Den EASI-Treiber gibt es hier leider noch nicht. Vom branchenübliche Warten beispielsweise auf brauchbare ASIO-Treiber bleiben Elektra-Usern verschont. Die Latenz der ASIO- bzw. EASI-Ausgabe lässt sich übrigens konfigurieren, wobei mit 3ms auf schnellen Rechnern hervorragende Werte erreicht werden können.
Bedenkt man, dass normalerweise vergleichbare Audiokarten schon ohne DSPs oder modularen Synthesizer in ähnliche Preisregionen vorstoßen, kann ich für dieses HDR-Bonbon von Elektra nur meinen Lob aussprechen.

Pulsar-Integration
Außer für Musiker, die einen modularen Synth samt HDR-Karte suchen, ist Elektra auch für eine weitere Käuferschicht interessant. Ab Pulsar Software v2.02, die CreamWare zur Zeit vorbereitet, lässt Elektra sich nämlich auch in ein bestehendes Pulsar-System integrieren. Steckt ein Pulsar-User ein Elektra hinzu, so stehen ihm in der Pulsar-Software die drei zusätzlichen DSPs zur Verfügung, ganz so, als hätte er ein Board mit mehreren DSPs.
Das gleiche gilt für die IOs, für deren Nutzung entsprechende Module für das Pulsar Project Window bei der Elektra-Installation in das Pulsar-Verzeichnis kopiert werden. Der Elektra-Modular und selbst der Mixer lassen sich in Pulsar ebenfalls laden, sodass man alle Möglichkeiten von Elektra innerhalb der Pulsar-Software nutzen kann.
Höchst interessant ist das Ganze schon allein deshalb, da sich durch das Elektra-Board auch mit Pulsar die geringen Latenzen von bis zu 3ms nutzen lassen, was mit einem Pulsar I Board sonst nicht machbar ist.

Fazit
Elektra bietet sehr viel für’s Geld: Der modulare Synthesizer hat alles, was das Herz des anspruchsvollen Klangbastlers höher schlagen lässt, wobei der Klang mit einem Nord Modular mithalten kann. Die Elektra-Karte ist zudem eine ernsthafte Alternative für HDR-Anwendungen, und dies dank der Routing-Möglichkeiten des System Patches und der erstklassigen Treiberausstattung mit ungekannter Flexibilität.
Abstriche muss man bei der Stimmenzahl machen. Hier merkt man, dass drei DSPs allein auch nicht zaubern können. Allerdings ist auch die Stimmenzahl von Konkurrenzprodukten oft beschränkt bzw. geht im Falle reiner Software-Lösungen zu Lasten der Host-CPU und damit anderer Anwendungen.
Für mich stellt Elektra insgesamt eine äußerst gelungene Sache dar.

 

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