Test: Creamware Power Sampler

8. Dezember 2000

Test: Creamware Powe

CreamWare PowerSampler
Professioneller Sampler für PC oder Mac

Der PowerSampler ist ein Produkt, das mich überraschte. Er verrichtet seine Aufgabe als Sampler ausgezeichnet, klingt einwandfrei und lief während des ganzen Tests sehr stabil. 

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Sampler gehören seit langem zur Grundausstattung eines jeden Studios. Ungeachtet der Musikrichtung sind sie die unentbehrlichen Arbeitstiere hinter den Kulissen und sorgen mal für Natur- und mal für Effektsounds, für Drums oder Bläser, Loops oder Geräusche, sind mal Fender Rhodes, mal Hammond B3.

Lange Zeit gab es keine Alternative zu den bewährten, aber teuren Hardware-Samplern. Schaut man sich einen Hardware-Sampler genauer an, so erinnert vieles an einen Computer: Auch der Sampler hat Arbeitsspeicher, ein Disketten oder CD-Laufwerk, meist eine Festplatte, ein Anzeige-Display oder gar einen Mausanschluss usw. Folglich war es nur eine Frage der Zeit, bis angesichts immer leistungsstärkerer Computer die Idee aufkam, mit dem Computer den Sampler zu ersetzen und Geld zu sparen, da man besagte Komponenten so schließlich nicht zwei mal bezahlen muss.

Aus dieser Idee heraus entstanden vor Jahren erste Soundkarten mit Sampling-Funktionen, die jedoch schlichtweg nicht die Klangqualität eines Hardwaresamplers erreichten, so dass sie bei halbwegs professionellen Ansprüchen keine wirkliche Alternative darstellten.
Reine Softwaresampler, die den Arbeitsspeicher des Computers nutzen, haben hinsichtlich der Klangqualität keinen grundsätzlichen Nachteil, da diese in erster Linie von der für die Soundausgabe verwendeten Audiokarte abhängt. Sie bieten Vorteile wie übersichtliche Bearbeitung der Samples am Monitor, direkte Integration in das HDR-Programm über Schnittstellen oder die Sample-Verwaltung auf der Festplatte. Dafür haben sie jedoch mit anderen Nachteilen zu kämpfen, wie etwa durch das Betriebssystem bedingte Latenzen (Verzögerung der Soundausgabe), hohe Prozessorbelastung oder Inkompatibilitäten zur zusätzlich benötigten Audiokarte.
Was liegt also näher, als die für Echtzeit-Sampling und Soundausgabe erforderliche Hardware auf eine speziell hierfür ausgelegte Computerkarte zu packen und diese komfortabel über eine Software am Monitor zu bedienen und so die Vorteile beider Welten – Soft- und Hardware – zu vereinen? Genau dies ist der Ansatz des PowerSamplers der Siegburger Firma CreamWare, die ja bereits durch die „virtuellen Studioumgebungen“ Pulsar und Scope bekannt ist, anderseits aber schon vor Jahren mit dem HD-Recording-System tripleDAT Aufsehen erregte.

Konzept des PowerSamplers
Der PowerSampler entspringt der gleichen Technologie wie Pulsar und das High-End-System Scope – CreamWare selbst spricht sinnigerweise von „Scope Technologie“. Dies bräuchte uns nicht weiter zu interessieren (nach dem Motto „Hauptsache das Ding tut, was es soll!“), wenn sich hieraus nicht ein weiterer Vorteil des PowerSamplers ergeben würde: Der PowerSampler ist zum einen ein „Stand-Alone-Produkt“, kann anderseits aber auch zur Erweiterung eines bestehenden Pulsar-Systems dienen, wobei die zusätzliche Rechenpower, Ein- und Ausgänge und die Sampler-Software dann völlig in die Pulsar-Umgebung integriert werden.

 

Wieso Rechenpower …?
Ganz recht, denn PowerSampler basiert auf DSP-Technologie (DSP: Digital Signal Prozessor), d.h. auf der Karte sorgen drei dieser Rechenknechte dafür, dass der PowerSampler den Prozessor des Host-Computers nicht belastet. Daher bleibt dieser für andere Dinge wie HD-Recording, Soft-Synths oder Effekte nutzbar.
Durch die DSPs kann der PowerSampler zum einen unabhängig von der Geschwindigkeit und derzeitigen Auslastung des Host-Computers eine garantierte Performance liefern, zum anderen spricht er praktisch latenzfrei an, also ohne durch das Betriebssystem bedingte Verzögerungen. Denn anders als bei nativen Berechnungen auf der Host-CPU, bei denen Daten immer „in Blöcken“ – man spricht auch von Buffern (Puffern), ein Wort, bei dem ich immer Hunger bekomme – über das Betriebssystem zum Prozessor geschaufelt werden müssen, ist diese Pufferung bei DSPs nicht erforderlich. So lassen sich bis zu 32 Stereostimmen wie bei einem Live-Instrument spielen.
Erwähnenswert ist auch, dass die eigentliche Funktionalität des PowerSamplers nicht fest in der Hardware „verdrahtet“ ist, sondern in de r zugehörigen Software liegt, die auf den universellen SHARC-DSPs läuft. Daher sind jederzeit Änderungen und Erweiterungen durch Software-Updates möglich.
Der PowerSampler nutzt übrigens den Speicher des Computers, so dass bei entsprechendem RAM-Ausbau mehr Speicher verfügbar ist als bei den teuersten Hardware-Samplern. Außerdem ist man nicht auf schnell veraltende und dadurch teuer zu beziehende RAM-Module angewiesen, wie es bei Karten mit aufsteckbarem RAM meist der Fall ist.
Doch der PowerSampler ist nicht nur ein Sampler. Was liegt nämlich näher, als die hochwertigen Ein- und Ausgänge der Karte auch für andere Dinge wie etwa HD-Recording zu nutzen? Da ein vorbildlich geschnürtes Treiberpaket beiliegt und die Software zudem einen Mixer enthält, in dem sowohl Sampler-Stimmen, Audiospuren vom Sequencer oder gar externe Audioquellen zusammengemischt werden können, macht der PowerSampler die Anschaffung einer weiteren Audiokarte für Recording überflüssig.
Dieser Test soll nun zeigen, ob dies alles nur schöne Worte sind oder ob der PowerSampler den Erwartungen gerecht wird.
Fangen wir aber erst einmal „ganz vorne“ an mit den …

Systemvoraussetzungen
CreamWare gibt als absolute Mindestvoraussetzung einen PC mit Pentium-CPU mit MMX und 166 MHz sowie 64 MB RAM an, als MAC einen G3 mit 128 MB. Da es uns aber nicht darum geht, das Ding überhaupt irgendwie laden zu können, sondern damit im Verbund mit modernen Sequenzern arbeiten möchten, erscheinen die empfohlenen Mindestvoraussetzungen realistischer: PC mit PII ab 300 MHz und 192 oder besser 256 MB Arbeitsspeicher bzw. MAC G3 b/w mit 350 MHz und 256 MB RAM und OS 8.6 oder höher. Jeder aktuelle Computer mit ausreichend RAM sollte also geeignet sein. Viel RAM ist schon deshalb wichtig, da ja auch die Sampledaten selbst im RAM abgelegt werden.
Die MAC-Version ist von der Ausstattung bis auf einige Treibermodelle, die es auf dem MAC nicht gibt, identisch mit der PC-Version, so dass ich diese nicht gesondert teste. Auf dem PC werden derzeit nur Windows 95 und 98 unterstützt, die Unterstützung von Windows 2000 ist aber laut CreamWare geplant.

Die Hardware

Auf der PCI-Karte kurzer Baulänge sitzen zunächst die drei schon erwähnten DSPs, die für die Audio-Berechnungen zuständig sind.
Die Karte beherrscht „Busmastering“, d.h. sie kann Samples eigenständig bei minimaler Prozessorbelastung aus dem RAM des Computers abrufen.
Die Ein- und Ausgängen (I/Os) sollten auch gehobenen Ansprüchen genügen. So befindet sich auf der Karte ein analoger und ein digitaler Stereo-I/O (SPDIF, koaxial) mit einer maximalen Auflösung von 24 Bit bei 96 kHz. Die anlogen I/Os sind in Form großer Klinkenbuchsen realisiert, sehr schön! Dafür dient für sowohl den digitalen Ein- als auch Ausgang eine gemeinsame Mini-Klinkenbuchse. Eine andere Lösung wäre vielleicht eleganter gewesen, anderseits sind Mini-Klinkenstecker schon allein aus Platzgründen auf der engen Slot-Blende nicht unüblich.

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Reicht einem die Anzahl der I/Os nicht, so lässt sich über einen speziellen Steckverbinder CreamWares Luna-Wandlerbox mit weiteren 8 Wandlerpaaren in besagter 24/96er-Auflösung anschließen. Darf’s noch etwas mehr sein? In diesem Fall können Sie eine kleine optionale Zusatzplatine mit zwei digitalen ADAT-Schnittstellen (also weitere 16 digitale I/Os) hinzunehmen, auf der es zudem eine Anschlussmöglichkeit für eine zweite Wandler-Box gibt. So kommt man im vollem Ausbau auf ungeschlagene 36 I/Os.
Ein MIDI-Ein- und Ausgang (etwas unüblich als Mini-DIN-Stecker, passende Adapter liegen aber bei) und ein sogenannter STDM-Stecker auf der Platine selbst runden die Palette an Verbindungsmöglichkeiten zur Außenwelt ab. An Letzteren lässt sich ein zweiter PowerSampler anschließen, wodurch die Zahl der I/Os und die Rechenleistung verdoppelt werden. Aber auch Besitzer eines Pulsar- oder SCOPE-Systems können über diese Verbindung den PowerSampler nahtlos in ihr System integrieren, dazu später mehr.

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