AMAZONA.de

Test: Cyclone Analogic TT-78 Beat Bot, Analog Drummachine


Beatbox ohne Presets

Gerade hatte ich noch die Cyclone Analogic TT-606 Drum Drone auf dem Tisch, da steht mit dem nächsten Kandidaten wieder das gleiche Teil vor mir. Na ja, fast. Die Cyclone Analogic TT-78 Beat Bot ist zwar äußerlich der Schwester überaus ähnlich und kommt mit dem gleichen Karton und der gleichen Anleitung daher, doch die analoge Tonerzeugung verfolgt hier ein ganz anderes Ansinnen.

 

Stellt sich die TT-606 als moderner Clone der Roland TR-606 Drumatix dar, hat die Cyclone Analogic TT-78 Beat Bot ein ganz anderes Vorbild, nämlich die Roland CR-78. Und das macht die Angelegenheit in diesen Clone-übersättigten Zeiten durchaus interessant, denn an eine Reproduktion der CR-78 hat sich bislang noch niemand gewagt. Selbst im Software-Bereich finden sich nur zwei, drei Sample-basierte Imitate, aber keine Plug-ins, die die Schaltungen des Klassikers nachempfinden.

Die Cyclone Analogic TT-78 Beat Bot kann man jedoch nicht als Clone bezeichnen. Zwar entsprechen die Sounds denen des Vorbildes und werden, wie es sich gehört, auch analog erzeugt, doch das Gesamtkonzept ist ein gänzlich anderes. Um das im Laufe des Testes nachzuvollziehen, werfen wir erst einmal einen Blick auf das Original.

Die Beste aller Beatboxen

Die Roland CR-78 stellt den Höhepunkt und gleichzeitig auch das Ende einer Ära dar. Sie wurde von 1978 bis 1981 gebaut. Bis dahin waren Drummaschinen in erster Linie als Rhythmusbegleiter für Orgelspieler gedacht und boten Preset-Rhyhmen wie Rock, Disco, Swing, Foxtrott etc. und in der Regel auch verschiedenen Latin-Stile. Damit war man für Auftritte in Tanzlokalen, Bars oder auf Partys ausreichend versorgt.

Die CR-78 trieb dieses Konzept auf die damals mögliche Spitze. Sie besaß 17 Rhythmen mit jeweils A- und B-Variation, dazu eine Auswahl an Fill-Ins, die manuell oder automatisch eingefügt werden konnten. Es war auch möglich, durch Drücken von zwei oder drei Tasten Rhythmen zu kombinieren und einzelne Instrumente stummzuschalten und in einem Mixer Tambourine und Guiro hinzuzumischen.


Die Preset-Rhythmen der CR-78 sind überdurchschnittlich gut, hier hatten offenbar versierte Musiker dran gearbeitet. So verwundert es nicht, dass die CR-78 in einigen bekannten Hits verwendet wurde, obwohl Beatboxen allgemein bei Profimusikern eigentlich kein hohes Ansehen genossen. Zu hören ist sie unter anderem in „Fade to Grey“ von Visage (Preset Rock 3B) und „Heart of Glass“ von Blondie (Preset Rhumba).

Doch am häufigsten wird die CR-78 mit Phil Collins in Verbindung gebracht. Er nutzte ein Feature, das die CR-78 von der Konkurrenz weit abhob: Programmierbarkeit. Mit Hilfe des Programmers WS-1 ließen sich vier eigene Rhythmen in Echtzeit eintappen. Damit zeigte die CR-78, wohin die Reise gehen sollte, die nachfolgenden Drummaschinen der TR-Serie setzten dann auf vollständige Programmierbarkeit, Preset-Rhythmen waren, wie bei der TR-626, bestenfalls nur noch eine Dreingabe.

Die CR-78 ist aber nicht nur was für Nostalgiker, die in den 80ern stehen geblieben sind. Radiohead – Jonny, Thom & a CR78 zeigen wie organisch die alte Beatbox auch in modernen Songs eingesetzt werden kann.

1 2 3 4 5 >

Klangbeispiele

  1. Profilbild
    Atarkid AHU

    Auch wenn sie nicht wirklich dran ist am Originalklang, ist’s doch eine geile Drummachine mit etwas anderen Sounds (endlich!). Die üblichen Verdächtigen kann man langsam wirklich nicht mehr hören… Frühachtziger-Flair vermittelt die Kiste auf jeden Fall!

  2. Profilbild
    lightman ••••

    Ich finde auch, daß Cyclone Analogic mit der TT-78 und TT-606 zwei gute Drummies abgeliefert haben. Statt 1:1-Clones aufzulegen, wurde der Grundschnarr der Originale übernommen, aber auch reichlich eigener Charakter dazugetan, der mir persönlich gut gefällt. Das Fehlen der Presetrhythmen stört mich nicht, kann man ja nachprogrammieren, wenn man sie braucht. Die Dosenoptik des Geräts ist nicht mein Fall. 500 Euro sind allerdings kein Pappenstiel für eine Drum Machine, die eher für spezielle Zwecke eingesetzt wird. Da ich mir über die Jahre schon verschiedene einschlägige Samplesets erstellt habe und außerdem einen Hohner Automatic Rhythm Player aus den 70ern besitze, der den Bereich frühes Blibbity-Blob recht gut abdeckt, werde ich erstmal abwarten, wie sich der Preis der TT-78 entwickelt.

  3. Profilbild
  4. Profilbild
    patcassady

    Interessantes Gerät, wenn auch jeglicher optischer Sexappeal der für mich persönlich schönsten Drummachine aller Zeiten komplett fehlt.

  5. Profilbild
    Steppenwolf

    Warum sind die Klangbeispiele alle so brav? Hab eben erst auf Youtube erfahren dass man den Accent bei der TT78 und TT606 so weit aufreißen kann dass interne Verzerrung entsteht. Schade dass sich offenbar mal wieder keiner traut auch zu zeigen was tatsächlich alles möglich ist. Hauptsache sauber und glatt und bloß nicht riskieren irgendwelche Regler maximal aufzudrehen, sonst explodiert das Teil noch! Gell? :|

    • Profilbild
      Steppenwolf

      Ich muss mich korrigieren, wenn das was zerrt dann der Preamp vom Mixer. Allerdings nimmt der Accent Level sehr starken Einfluss auf die Cymbal und Guiro sounds, indem ersteres stufenweise länger wird und zweiteres kürzer.

Kommentar erstellen Kommentar erstellen Leser-Story erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

Cyclone Analogic TT-78 Beat Bot

Bewertung: 5 Sterne Bewertung des Autors
Leserbewertung: 4
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.

Aktion