Kleiner Switch, große Wirkung
Der D’Addario PW-IRMM-01 ist ein intelligenter Infrarot-Sensor, der Mikrofone automatisch stummschaltet, wenn sich keine Person im Erfassungsbereich befindet. Das kompakte Gerät richtet sich an Sänger, Redner und Musiker, die auf Feedback-Probleme und unerwünschte Bühnengeräusche im Mikrofonsignal verzichten möchten.
Was ist es? D’Addario PW-IRMM-01, intelligenter Infrarot-Mikrofon-Stummschalter für den Live-Einsatz.
- Prinzip: Automatische Stummschaltung per Infrarot-Sensor mit circa 40 dB Dämpfung bei Abwesenheit.
- Stabilität: Hohe Unempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht und schwierigen Lichtbedingungen.
- Praxisnutzen: Reduziert Übersprechen, Feedback und unbeabsichtigte Mikrofonaktivität deutlich.
- Einschränkung: Erfordert stabile 48 V Phantomspeisung und bietet begrenzten Erfassungswinkel.
Inhaltsverzeichnis
- Vorgezogenes Fazit: Evolution statt Revolution
- Das Prinzip: Infrarot als akustischer Türsteher
- Technische Eckdaten: Phantomspeisung als Achillesferse
- Praxistest: Wenn Becken zu psychedelischen Erlebnissen führen
- Verarbeitung: Kompakt statt Kompromiss
- D’Addario: Vom Saitenhersteller zum Problemlöser
- Vergleich zur Konkurrenz: Optogate bleibt Maßstab
- Anwendungsszenarien: Mehr als nur Sänger
Vorgezogenes Fazit: Evolution statt Revolution
Wer glaubt, automatische Mikrofonschaltungen seien Neuland, hat die letzten zwölf Jahre verschlafen. Was D’Addario hier präsentiert, ist weniger die Neuerfindung des Rades als vielmehr dessen Optimierung. Der D’Addario PW-IRMM-01 adressiert exakt jene Schwachstellen, die seine Vorgänger bei Außenbühnen unbeliebt machten: Sonnenlicht und ungünstige Beleuchtungssituationen. Während das altgediente Optogate PB-05 E von Axel Joost bei strahlendem Sonnenschein gelegentlich zu Aussetzern neigte, zeigt sich der D’Addario PW-IRMM-01 deutlich resistenter gegenüber optischen Irritationen.
Die Zielgruppe ist umrissen. Bühnensänger mit komplexen Backing-Vocal-Konfigurationen, In-Ear-Nutzer in beengten Verhältnissen, Redner in Konferenzsituationen und generell alle, denen das manuelle Stummschalten auf die Nerven geht. Wer allerdings mit batteriebetriebenem Equipment unterwegs ist oder mobile Fieldrecorder nutzt, sollte genauer hinsehen. Die Phantomspeisung muss ausreichend bereitgestellt werden.
Das Prinzip: Infrarot als akustischer Türsteher
Die Funktionsweise ist so simpel wie effektiv. Ein Infrarotsensor überwacht permanent den Bereich vor dem Mikrofon. Registriert er reflektiertes IR-Licht von Haut oder anderen Oberflächen, gibt er das Audiosignal frei. Entfernt sich die Person, schaltet das Gerät den Signalweg stumm. Präziser gesagt dämpft es um etwa 40 dB. Das kommt im Live-Kontext einem Mute gleich, ist technisch jedoch eine schaltungsbedingte Notwendigkeit, wenn die Phantomspeisung für Kondensatormikrofone durchgeschleift werden soll.
Was sich in der Theorie banal anhört, entpuppt sich in der Praxis als anspruchsvolle Ingenieursleistung. Die Vermutung liegt nahe, dass D’Addario die IR-LED moduliert oder kodiert und die Empfangsseite ausschließlich auf dieses spezifische Signal reagiert. Anders lässt sich die verbesserte Stabilität bei widrigen Lichtbedingungen kaum erklären. Die Sonnenstrahlung ist in diesem Frequenzspektrum nicht aktiv und konventionelle Bühnenbeleuchtung flackert bestenfalls mit 50 oder 60 Hz. Diese Frequenzen liegen deutlich unter den modulierten Signalen eines intelligenten IR-Systems.
Technische Eckdaten: Phantomspeisung als Achillesferse
Der D’Addario PW-IRMM-01 benötigt 48 V Phantomspeisung, soweit die Theorie. In der Praxis reichen unter Umständen bereits 30 V aus, allerdings nur, wenn das Mischpult diese stabil liefert. Batteriebetriebene Pulte wie das Behringer Xenyx 1003B mit seinen mageren 17,5 V bleiben außen vor. Hier zeigt sich der Preis der technischen Raffinesse. Eine derart aufwendige Schaltung mit lediglich maximal 10 mA aus der Phantomspeisung zu betreiben, ist in der Tat eine große Leistung. Sie verlangt jedoch auch nach einer entsprechenden Stromversorgung.
Zum Vergleich: Das Optogate PB-05 E funktioniert bereits bei niedrigeren Spannungen tadellos, bietet dafür jedoch jene Anfälligkeit gegenüber Umgebungslicht, die der D’Addario PW-IRMM-01 gerade nicht zeigt. Man kann nicht beides haben. Entweder Genügsamkeit bei der Stromversorgung oder Robustheit bei schwierigen Lichtverhältnissen.
Praxistest: Wenn Becken zu psychedelischen Erlebnissen führen
Der entscheidende Test findet nicht im sterilen Proberaum, sondern auf der Bühne statt. In meiner Praxis gibt es einen besonderen Anwendungsfall, in dem der D’Addario PW-IRMM-01 eine echte Hilfe ist. Um meine Backing-Vocals im Live-Einsatz meiner Band JÄST klanglich aufzuwerten, verwende ich einen Digitech Vocalizer, der durch die Analyse meiner Gitarrenakkorde und Gesangslinien zwei weitere Gesangsstimmen über mein Gesangsmikrofon erzeugt. So bin ich in der Lage, als einzelner Sänger einen dreistimmigen Satzgesang zu erzeugen, den ich im Studio in einzelnen Spuren eingesungen habe. Ich bin nicht auf Backing-Tracks angewiesen, deren Einsatz ich ablehne.
Problematisch wird es, wenn die Signale der Kollegen auf der Bühne, wir spielen mit Verstärkern und Lautsprechern, in das Mikrofon gelangen. Sie ruinieren nicht nur meinen Monitor-Mix, ich bekomme den Klang auch noch dreistimmig um die Ohren. Das gilt insbesondere für Instrumente wie Becken und lässt die Show klanglich entgleisen. Hier kann man den Vorteil eines stummgeschalteten Mikrofons kaum hoch genug einschätzen.
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Die Einrichtung ist denkbar unkompliziert. Das Gerät wird zwischen Mikrofon und XLR-Kabel platziert, die Phantomspeisung am Mischpult aktiviert und das Drehrad am D’Addario PW-IRMM-01 auf die minimale Einstellung gebracht. Anschließend positioniert man sich im gewünschten Aktivierungsabstand und dreht den Regler langsam hoch, bis die rote LED aufleuchtet und die Stummschaltung anzeigt. Die Generalprobe dient der Feinjustierung und der psychologischen Gewöhnung an das neue System. Gerade Unerfahrene sollten diese Testphase ernst nehmen, denn die Umstellung von manueller auf automatische Steuerung erfordert ein Umdenken im Bewegungsablauf.
Der einstellbare Erfassungsbereich von bis zu 61 cm bietet ausreichend Flexibilität für unterschiedliche Bühnensituationen und Mikrofonierungstechniken. Die Entfernungseinstellung erlaubt eine präzise Anpassung an individuelle Gesangsstile am Standmikrofon. Allerdings zeigt sich hier auch eine Schwäche. Der Erfassungswinkel könnte etwas breiter sein. Wer seitlich an das Mikrofon herantritt, muss mit einer leichten Verzögerung rechnen. Ein Schritt nach hinten vor dem eigentlichen Einsatz schafft Abhilfe, ist jedoch nicht immer praktikabel, besonders in choreografierten Bühnenabläufen.
Verarbeitung: Kompakt statt Kompromiss
Die Konstruktion wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, was im Bühnenbetrieb durchaus ein Qualitätsmerkmal darstellt. Die XLR-Verbindungen sitzen fest, das Einstellrad wackelt nicht und die Kompaktheit erlaubt eine unauffällige Integration in bestehende Konfigurationen. Wer hier ein Metallgehäuse und militärische Robustheit erwartet, wird enttäuscht, aber auch nicht mit überflüssigem Gewicht belastet.
D’Addario: Vom Saitenhersteller zum Problemlöser
Die Marke D’Addario mag primär für Saiten bekannt sein. Die Ursprünge reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück und die moderne Produktion befindet sich seit 1905 in New York. Das Sortiment hat sich jedoch längst erweitert. Unter dem Dach vereinen sich diverse Marken wie Planet Waves, Evans, Rico und Pro Mark, die Zubehör für sämtliche Instrumentengruppen produzieren. Der D’Addario PW-IRMM-01 demonstriert, dass auch jenseits von Phosphorbronze-Saiten entsprechende Expertise vorhanden ist.
Vergleich zur Konkurrenz: Optogate bleibt Maßstab
Man kommt nicht umhin, den direkten Vergleich mit dem Optogate PB-05 E von Axel Joost zu ziehen. Zwölf Jahre Bühnenerfahrung mit den Geräten zeigen, dass beide Systeme nach demselben Prinzip funktionieren, jedoch unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Das Optogate PB-05 E bietet eine breitere Kompatibilität mit mobilen Geräten und eine genügsame Stromversorgung. Der D’Addario PW-IRMM-01 punktet mit einer überlegenen Stabilität bei schwierigen Lichtbedingungen und einem zeitgemäßen Design.
Die Behauptung, der D’Addario PW-IRMM-01 sei lediglich ein Klon im aktuellen Gewand, greift zu kurz. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung, die spezifische Schwachstellen erkannt hat und dabei neue Kompromisse eingeht. Welches System besser passt, hängt von der individuellen Konfiguration ab. Wer mit konventioneller Stromversorgung arbeitet und Outdoor-Einsätze plant, findet im D’Addario PW-IRMM-01 den moderneren Partner. Mobile Konfigurationen mit Batteriebetrieb sind beim Optogate PB-05 E besser aufgehoben.
Anwendungsszenarien: Mehr als nur Sänger
Die offensichtliche Zielgruppe sind Lead-Vocals und Backing-Sänger, besonders in Kombination mit In-Ear-Monitoring auf beengten Bühnen. Doch das Einsatzspektrum reicht weiter. Talkback-Mikrofone zwischen Bandmitgliedern profitieren enorm. Niemand will ständig die Anweisungen des Schlagzeugers im In-Ear haben, doch manuelles Schalten kostet Konzentration und führt unweigerlich zu verpassten Einsätzen. Die Kommunikationsmikrofone auf der Bühne bleiben stumm, bis sie tatsächlich gebraucht werden. Das ist ein Komfort, den man erst zu schätzen weiß, wenn man ihn erlebt hat.
Redner bei Präsentationen und Konferenzen eliminieren die Peinlichkeit eines vergessenen Mute-Buttons. Wer kennt nicht die Situation, in der private Nebenbemerkungen ungewollt über die PA schallen? Der D’Addario PW-IRMM-01 fungiert hier als technischer Schutz vor unangenehmen Momenten. Theatertechniker und Veranstaltungstechniker schätzen die Reduktion manueller Eingriffe. Die Fehlerquote sinkt deutlich, wenn menschliches Versagen aus der Gleichung eliminiert wird.


































Danke für diesen Artikel! Scheint insgesamt eine interessante Alternative des FB-Kill…
Mal schauen, wie es sich bei mir verhält. Ggf. brauchbar!