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Test: Danelectro ’59 Divine Fresh Cream, E-Gitarre

24. August 2021

50s Vibe zum fairen Preis

Danelectro '59 Divine Fresh Cream, E-Gitarre

Die ’59 Divine: Cadillac Feeling zum Kleinwagenpreis

Wenn es um Design geht, bestritt der 1947 gegründete Hersteller Danelectro aus New Jersey stets einzigartige Wege. So kann fast jede Gitarristin und jeder Gitarrist schon aus der ferne erahnen, dass es sich um eine Danelectro Gitarre handeln muss, wenn einem die Silhouette der flammenförmigen Hörner des „Longhorn“-Basses oder die auf Hochglanz polierten Chrom-Tonabnehmer der „Lipstick Pickups“ entgegenblitzen. Letztere befinden sich auch auf der neuen 59 Divine E-Gitarren Serie, die ich in diesem Test genauer unter die Lupe nehmen werde. Doch steckt in der Gitarre genau so viel „göttlicher“ Spaß unter der Haube, wie einem der Name und das Design suggerieren mag?

Die Optik der Danelectro E-Gitarre: 50er-Jahre in a Nutshell

Fast alles an der ’59 Divine in der Farbe „Fresh Cream“ schreit nach Retro-Design aus Zeiten von Cadillacs, Petticoats und Elvis inklusive seiner vor Pomade triefenden Haartolle. Angefangen von der Kopfplatte mit dem vertikalem „Danelectro“ Logo und 3 links, 3 rechts Stimmwirbeln von Gotho. Die Gitarre kommt mit einer „Matching Headstock“ Farbe von Cremeweiß daher. Allerdings bekommt man dieses Feature nur in der Farbe Fresh-Cream (einer Art Cremeweiß-Ton). Nicht so bei den zwei anderen zur Wahl stehenden Farben Dark-Walnut (braun) und Flame-Maple (orange/ rot). Der Schraubhals ist mit schlichten „Dot-Inlays“ auf einem Pau-Ferro-Holzgriffbrett und 21 Medium-Jumbo-Bundstäbchen bestückt. Laut Hersteller hat die Gitarre eine Mensur von 25 Zoll (63,5 cm) und einen Griffbrettradius von 14 Zoll (35,5 cm). Letzterer ist ein modernes Feature für eine Gitarre, die einen Vintage-Charakter ausstrahlt, da in den 50er-Jahren ein kleinerer Radius wie etwa 7,25 Zoll (wie z. B. auf Fender Gitarren) verwendet wurde.

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Danelectro '59 Divine Fresh Cream, E-Gitarre

Zentraler Blickfang ist der tulpenförmige Ahorn-Body, der nicht nur in einem schönen Cremeweiß lackiert, sondern auch von einem walnussbraunen Double-Binding umrahmt wird. Ebenfalls einzigartig für die Farbe Fresh-Cream ist das im selben walnussbraunen gehaltene Schlagbrett, das mit vier großen Schrauben verschraubt wurde. Direkt am und neben dem Schlagbrett finden sich das Markenzeichen von Danelectro: zwei schrägliegende Lipstick-Singlecoil-Tonabnehmer. Zugunsten des insgesamt sehr aufgeräumten Designkonzepts wurden die Schrauben zum Einstellen der Höhe der Tonabnehmer auf die Rückseite der Gitarre platziert. Unter dem Schlagbrett befinden sich die wohl ungewöhnlichste Volume- und Tone-Regler-Konfiguration, die mir bislang untergekommen ist. Zu dieser werde ich im Laufe des Artikels noch zurückkommen. Durch einen kleinen Kunstgriff konnte Danelectro einiges an Platz sparen, indem Tone- und Volume-Regler aufeinander gestapelt wurden. Vom gleichen Farbkonzept (cremeweiß und walnussbraun) getrennt, besitzt der tieferliegende Tone-Regler eine kreisrunde Form. Der aufliegende Volume-Regler besitzt eine auffällige Tropfenform. Jeder der zwei Lipstick-Tonabnehmer kann dadurch unabhängig von einander geregelt werden. Unterhalb von Volume und Tone liegt ein, im Vergleich zum restlichen Design, schlicht wirkender 3-Wege-Kippschalter für das Anwählen des Halstonabnehmers, für beide Tonabnehmer und des Stegtonabnehmers. Die Saiten laufen über eine sehr solide wirkende Chrombrücke mit sechs individuell verstellbaren Reitern für eine lupenreine Oktavreinheit und optimale Saitenlage. Die gesamte Brücke lässt sich mit drei Kreuzschlitzschrauben zusätzlich noch in der Höhe verstellen. Die Saiten werden „top loaded“, also von oben, durch die Brücke geführt. Am Anderen Ende der Gitarre laufen die Saiten über einen Knochensattel zu den anfangs erwähnten Stimmmechaniken. 

Danelectro ’59 Divine Fresh Cream – das Spielgefühl

Das Erste, was einem beim Griff zur Gitarre auffallen wird, ist das Gewicht. Mit ca. 2,8 kg ist die Gitarre relativ leicht, was der halbresonanz-Bauform mit einem Center-Block geschuldet ist. Doch nicht nur das Gewicht sticht positiv heraus, sondern auch ein insgesamt ausbalanciertes Gewichtsverhältnis zwischen Hals und Body. Laut Hersteller besitzt der Hals ein C-Profil, was ich zwar bestätigen kann, allerdings habe ich schon auf sehr viel unterschiedlichen Gitarren gespielt und kein Halsprofil hat mir jemals Probleme bereitet. Die Bünde sind ordentlich abgerichtet und an den Kanten abgerundet, sodass es keine Unannehmlichkeiten beim Spielen gibt. Der flache Griffbrettradius sorgt zudem dafür, dass selbst eineinhalb Ton-Bendings à la David Gilmour kein großes Problem darstellen. Mit meinen Händen hatte ich bislang keine Probleme, in höhere Lagen der Gitarre zu kommen, allerdings wird es für Menschen mit kleineren Händen ab dem 18. Bund schwerer werden, die Bünde zu erreichen. Dies bedeutet konkret, dass es für Freundinnen und Freunde der a-Moll Pentatonik (im beliebten Shape) in dieser Lage etwas kompliziert werden könnte. Die Schlaghand (im meinem Fall die Rechte) hat schön viel Platz auf dem Body. Nichts stört beim Palm-Muting oder beim Tonabnehmerwechsel. Die Brücke besitzt keine scharfkantigen oder abstehenden Reiter, wie das manchmal der Fall bei Tele- oder Stratocaster Modellen der Fall ist. Zudem liegt die Brücke angenehm flach auf dem Body und gewährleistet der Spielerin oder dem Spieler eine angenehme und natürliche Handhaltung. Der Kippschalter für die Tonabnehmerwahl spricht gut an, ohne dabei zu leicht oder zu schwer in eine andere Position zu gehen. 

Danelectro '59 Divine Fresh Cream, E-Gitarre

Größter Kritikpunkt meinerseits sind die Tone- und Volume-Regler. Versteht mich nicht falsch; das Konzept Tone- und Volume-Regler übereinander zu stapeln, ist nicht neu und kann, wenn gut umgesetzt, auch hervorragend funktionieren. Doch leider erweist sich das an der ’59 Divine umgesetzte Konzept in der Spielpraxis wenig praktikabel. Das verwendete Plastik wirkt zum einen eher minderwertig im Vergleich zum Rest der Gitarre. Zum anderen erweist sich als größtes Manko die Ungenauigkeit, mit der sich Tone und Volume regeln lassen. Allzu häufig kommt es vor, dass sich beides (Tone und Volume) parallel verstellen, obwohl man vielleicht nur das Volume runterregeln wollte. Oder man möchte die Höhen vom Stegtonabnehmer zähmen, verstellt jedoch unbeabsichtigterweise aber auch noch das Volume. Für das Üben zuhause mag das Konzept noch funktionieren. Aber spätestens auf der Bühne, mit ungünstiger bzw. schwacher Beleuchtung und all den anderen ablenkenden Faktoren, könnte all dies zu Unannehmlichkeiten führen. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass die Regler an sich einwandfrei funktionieren. Allerdings tut sich beim Tone-Regler nur bei den ersten 3 % einer Umdrehung was und die restlichen 97 % einer Umdrehung sind vollkommen wirkungslos.

So klingt die Danelectro ’59 Divine Fresh Cream

Maßgeblich verantwortlich für den charakteristischen Sound sind die Lipstick-Tonabnehmer und leisten, wie zu erwarten, tolle Dienste. Für Singlecoils besitzen sie auch einen ordentlichen Output (anders als viele Singlecoil-Instrumente aus den 50er-Jahren). Besonders gefallen mir der Stegtonabnehmer-Sound und die Mittelposition, in der beide Pickups benutzt werden. Für knackige Rocksounds bietet der Stegtonabnehmer den nötigen „Biss“, um sich bei angezerrten Rocksoli gut durchzusetzen. Clean kann dieser Tonabnehmer aber auch gute Dienste im Country-Bereich leisten. Die Mittelposition klingt in meinen Ohren besonders interessant und einzigartig, weil sich der Halstonabnehmer nicht, wie meist üblich, direkt am Übergang zum Hals der Gitarre befindet, sondern etwa zwischen Hals- und mittlerem Tonabnehmer bei einer Stratocaster. Das Ergebnis ist ein der Strat zwischenstellungsähnlicher Sound, den ich in dieser Form noch bei keiner anderen Gitarre gehört habe. Benutzt man den Halstonabnehmer alleine, bekommt man einen nicht minder einzigartigen Sound. Dieser ist etwa zu vergleichen mit dem mittleren Tonabnehmer einer Stratocaster. Für einen schönen runden und warmen Jazz-Sound wäre mir der Tonabnehmer schon eine Nuance zu hell. Aber für den Funk-Bereich kann er ziemlich interessante Sounds hervorzaubern und grundsätzlich gilt auch immer, dass der Sound in den Händen der Spielerin und des Spielers liegt und der Phantasie so oder so keine Grenzen gesetzt sind. 

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Da es schwerer ist, einen Sound zu beschreiben, als ihn selber zu hören, findet ihr hier ein paar Klangbeispiele. Die verzerrten Sounds sind mit einer Marshall JTM45 Simulation und die Clean-Sounds mit einer Fender Twin Reverb Simulation eingespielt.

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Fazit

Wer ein optisch und klanglich individuelles Instrument mit 50s-Optik für den schmalen Geldbeutel sucht, ist mit der ’59 Divine von Danelectro mehr als gut beraten. „You geht what you see.“ Dennoch sollte man schauen, dass man insbesondere mit der Tone- und Volume-Regelung zurecht kommt oder sich mit ihr zumindest arrangieren kann. Die Gitarre fühlt sich zweifelsfrei hochwertig an, wohl ohne das Gefühl zu bekommen, dass man die Gitarre mit Samthandschuhen behandeln muss. Im Gegenteil: Sie ist absolut roadtauglich durch einfache Handhabung und Einstellmöglichkeiten, also eine absolutes „Working Horse“. 

Plus

  • Vintage-Optik
  • Sound
  • Individualität
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Verarbeitung

Minus

  • Tone- und Volume-Konfiguration
  • Tone-Regler Verhalten

Preis

  • 689,- Euro
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