Test: Danelectro 59X Black, E-Gitarre

16. Oktober 2018

Upgrade eines Klassikers

Danelectro 59X

— Die Danelectro 59X —

Schon der legendäre Jimmy Page wurde gelegentlich (abgesehen von einer Les Paul oder Telecaster) mit Gitarren der Marke Danelectro gesehen. Die neue Danelectro 59X Black hat jedoch eine neue Tonabnehmerkombination erhalten, die sich positiv auf den Klang auswirkt. Die Danelectro 59X ist auch in vielen weiteren attraktiven Farbgebungen zu bekommen, dazu zählen die Varianten Dark Red, Dark Blue, Silver, Cream und Aqua.

Facts & Features der Danelectro 59X Black

Die Danelectro 59X Black ist ein Double Cutaway Modell mit 21 Bünden und einer Mensur von 635 Millimetern. Somit liegt die Mensur zwischen den Herstellern Fender und Gibson.

Der Rahmen und der Mittelblock der Danelectro 59X wurden aus Pappel gefertigt. Die Decke und Boden bestehen aus Masonite. Jetzt taucht evtl. die berechtigte Frage auf, was das überhaupt ist. Masonit ist eine Holzfaserplatte, die aus Zellulosefasern besteht, die nach dem von William H. Mason entwickelten Mason- oder Explosivverfahren gewonnen werden. Gegenüber den üblichen Verfahren zur Zerfaserung von Holz können hierbei längere intakte Fasern gewonnen werden. In den 1930er und 1940er Jahren wurde Masonit für viele Anwendungen verwendet, etwa Türen, Dachziegel, Wände, Tischplatten oder Autokennzeichen. Künstler haben Masonit als Grundlage für Zeichnungen und Gemälde verwendet. Die glatte Oberfläche ist auch günstig für die Herstellung von Tischtennisplatten.

Ob das Ganze tatsächlich auch klingt, werden wir hier nochmals überprüfen, wir wissen aber aus der Vergangenheit, dass die Danelectro Gitarren bei vielen bekannten Gitarristen (Eric Clapton, Ry Cooder, Mark Knopfler, David Lindley, Ron Wood) gerne einmal Verwendung fanden, was seine Gründe bestimmt nicht zuletzt auch in der individuellen und kultigen Optik hat.

Die Danelectro 59X ist auch gegen einen Aufpreis von ca. 60,- Euro in einer weiteren Variante mit Wilkinson Tremolo zu bekommen. Das könnte für den einen oder anderen „Tremolierer“ bestimmt interessant sein. Die Instrumente von Danelectro finden auch häufig ihr Einsatzgebiet im Slide-Spiel, was ein Vibratohebel wiederum überflüssig machte.

Danelectro 59X Black rear

Die Gitarre kommt gut verpackt jedoch ohne Koffer oder Gigbag ins Haus, bei ihrem günstigen Preis ist das zu akzeptieren. Die Danelectro 59X wurde in Korea gefertigt. Verarbeitungsmäßig wurde hier gut gearbeitet, die Lackierung ist einwandfrei ausgefallen.

Danelectro 59X – der Hals

Der Hals der Danelectro 59X wurde aus Ahorn gefertigt und ist mit dem Korpus mit vier Schrauben befestigt. In den Hals wurde ein Double Action Halsstab implantiert, das ist immer gut zu wissen. Der Hals ist auf der Rückseite gleichfalls schwarz lackiert. Auch die Kopfplatte hat einen sogenannten „matched Headstock“. Dies gilt übrigens auch für alle anderen Farbvarianten dieses Modells. Verarbeitungstechnisch wurden hier keine Fehler gemacht, die Bundkanten sind frei von Graten bzw. Mängeln. Die Bünde sind sehr breit, recht hoch und wurden gut abgerichtet und anschließend einwandfrei poliert. Das hellbraune Griffbrett aus Palisander (Dalbergia latifolia) erinnert ein bisschen an eine Rickenbacker Gitarre und sieht charmant aus. Auffällig ist hier die Verwendung eines Metallsattels, was den Klang der Leersaiten im Verhältnis zu einem Knochen- bzw. Plastiksattel natürlich etwas verändert.

Auf der Rückseite der Kopfplatte finden wir einen Aufkleber mit der Seriennummer. Die Saiten werden hinter dem Sattel nur in einem kleinen Winkel an die Mechaniken geführt. Da die Danelectro 59X keine Klämmerchen besitzt, die die Saiten etwas näher an die Kopfplatte drücken und somit mehr Druck auf den Sattel erzeugen, wird hier womöglich eine minimale Einbuße im Sustain entstehen. Auf der anderen Seite wird evtl. die Stimmstabilität etwas positiv beeinflusst. Da man hier keinen direkten Vergleich hat, sind beide soeben getroffenen Aussagen vermutlich eher Spekulation als belastbare Aussagen.

— Typische Danelectro Kopfplattenform, Metallsattel —

Elektrik der Danelectro 59X Black

An Bord der Danelectro 59X befindet sich ein P90 Singlecoil Pickup am Hals und ein splitbarer Dual Lipstick Humbucker am Steg. Das Splitten des Lipstick-Tonabnehmers erfolgt durch das Ziehen des Push/Pull-Tone-Potis. Wir finden ebenfalls einen Volume-Regler und einen Dreiwegeschalter, der ähnlich einer Les Paul die Anwahl der Tonabnehmer vornimmt. Somit sind fünf verschiedene Sounds möglich. Die Potis erhielten jeweils einen silbernen Knopf mit einem D-Emblem, was erwartungsgemäß die Abkürzung des Firmennamens ist. Die Knöpfe sind leicht geriffelt, sodass sie sich relativ gut packen lassen, um beispielsweise den Coilsplit vorzunehmen. Der Hals-Pickup ist entsprechend der Formgebung des Halses leicht schräg montiert.

Danelectro 59X – die Hardware

Wie bei einigen Modellen z. B. der Marke Gibson verfügt auch die Danelectro 59X über eine sogenannte „Wraparound“ Brücke. Das bedeutet, die Saiten werden auf der am Pickup gelegenen Seite des Steges in ihre jeweiligen Löcher eingeführt und dann um den Steg gezogen und entsprechend weiter zu den Mechaniken geführt. Das ist immer etwas fummelig, zumal der Steg der Danelectro 59X in einer rechteckigen Fräsung im Korpus sitzt. Denn nur diese gestattet es, die Saiten auf das benötigte Niveau zu legen. Die individuell einstellbaren Saitenreiter ermöglichen eine recht komfortable Justage der Bundreinheit. Die Mechaniken sehen aus, als wären sie von der Firma Kluson, sie besitzen aber kein Firmenlogo.

Handling

Eine eventuell zu befürchtende Kopflastigkeit aufgrund des nicht vollmassiven Korpus ist nicht festzustellen. Die Bespielbarkeit war ab Werk bereits gut eingestellt. Hier erlebe ich als Tester gerne mal böse Überraschungen und dies nicht nur bei vermeintlich preisgünstigen Gitarren. Da der Hals einen Radius von ca. 15 Zoll besitzt, ist das Saitenziehen ein Kinderspiel. Die Bespielbarkeit ist aufgrund der angenehmen Halsform (schlankes D) als ausgezeichnet zu bezeichnen. Um eine Kopflastigkeit der Gitarre aufgrund des verhältnismäßig leichten Korpus zu vermeiden, hätte der Hals auch nicht fetter ausfallen dürfen. Was die Bundreinheit betrifft, musste jedoch erst nachgearbeitet werden. Ausgerechnet der Reiter der G-Saite war so schlecht eingestellt, dass normale offene Akkorde wie G-Dur und a-Moll stets verstimmt klangen. Glücklicherweise kann man die Bundreinheit mit einem Schraubendreher schnell optimieren.

Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Ah, da isser ja, der Test, auf den ich sehnsüchtig wartete. Bei dem ersten Hörbeispiel erwartete ich auch gleich die Stimme Johnny Cashs aus seinem Grab. ;-)
    Jo, clean und Crunch auf dem Lipstick P90 schommal fein, angezerrt auf dem Lipstick, wie erwartet, etwas nervöser Sound, ohne Eier.
    Gute Bespielbarkeit war zu erwarten, auch das geringe Gewicht, keine Kopflastigkeit. Für im Sitzen Spieler sehr gut. Yep, mit dem Sliden muss ich bei der Gitarre auch mal anfangen – auch wenn man es stilistisch nicht gut unterbringen kann. Vermutlich gekauft. Aber in blau dann.
    Super, danke, guter Test, schöne Klangbeispiele, die dem Instrument gerecht werden (also auch stilistisch).
    Eine Frage noch: Wurde da nix angetestet in P90 und Lipstick Kombi (Mittelstellung)? Wenn ja, warum?

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      Stephan Güte  RED

      Der Test ist ganz speziell für dich, ich hab auch extra noch Blümchen in das Artikelbild reingesetzt. Just for u :D

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        AMAZONA Archiv

        Hahahaha, ehrlich jetzt (also, auch das mit den Blümchen)? Da drücke ich mir doch nun ein zärtliche Träne der Erregung aus dem Knopfloch.
        Nee, wirklich, schöner Test, hat mir gefallen. Ging auch ziemlich zackig (wenn das sachtätlich auf den geäußerten Wunsch hin gemacht wurde), muss ich ja mal sagen. Dafür spendiere ich euch ’ne virtuelle Runde Whisky, im Masonitfass gereift.

  2. Profilbild
    kinsast

    Masonite = Hartfaserplatte

    so wie’s verschiedene ‚Masonite‘ Platten gibt, gibts auch verschiedene Hartfaserplatten –
    im grossen und ganze jedoch identisch ;-)

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