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Test: DAngelico Deluxe Atlantic Vintage White, E-Gitarre

28. März 2019

Graziöse Wuchtbrumme!

DAngelico Deluxe Atlantic Vintage White

DAngelico Deluxe Atlantic Vintage White

In der nahezu unüberschaubaren Heerschar der Singlecut E-Gitarren fiel mir letztens bei der Suche nach neuen interessanten Testobjekten eine Gitarre des Herstellers D’Angelico ins Auge. Zugegeben, viele der Instrumente des Herstellers aus Manhattan/USA hatten wir bisher auf AMAZONA.de noch nicht im Angebot bzw. im Test, von daher kommt die DAngelico Deluxe Atlantic gerade recht. Aber sie kommt nicht aus den Staaten, sondern aus Korea, was auch den fairen Preis erklärt, für den diese E-Gitarre in den Läden zu bekommen ist. Dafür kommt sie sogar in einem stabilen Koffer, der ihr edles Äußeres bestmöglich schützt. Na dann klappen wir doch mal den Deckel hoch!

DAngelico Deluxe Atlantic Vintage White

DAngelico Deluxe Atlantic – Facts & Features

Jedermanns Geschmack wird die Optik der Deluxe Atlantic bestimmt nicht treffen, ich persönlich habe jedoch sofort Gefallen an der Vintage-Optik gefunden, die zweifellos aus der Masse der „Mainstream-Klampfen“ heraussticht. Gut, etwas weniger Gold an der Hardware hätte es sich auch getan, denn von Kopf bis Fuß wird die Gitarre von vergoldeten Metallteilen geschmückt. Das fängt am Gurtendknopf an, geht weiter über die Tune-o-Matic Bridge, das Tailpiece und die Kappen der beiden Humbucker, bis hin zur Kopfplatte – und die hat ganz besonders viel davon abbekommen. Da sind natürlich die sechs Mechaniken, sogar mit Klemmmechanismus ausgestattet, eine überdimensional große Abdeckplatte für den Truss Rod sowie ein vergoldeter Zapfen, der im oberen Teil der verschnörkelt designten Kopfplatte seinen Platz gefunden hat. Einen praktischen Nutzen scheint dieser Zapfen nicht zu haben, einfach abschrauben kann man ihn aber auch nicht. Er ziert – und das nicht zu knapp.

DAngelico Deluxe Atlantic Headstock

Doch bevor wir uns mit den ganzen Verschnörkelungen beschäftigen, noch ein paar Worte zur Basis des Instruments. Die besteht aus einem durchgehenden Hals aus Ahorn, an die zwei Teile aus Linde angeleimt wurden, eine wunderbare Basis also für einen kräftigen und zugleich sustainreichen Klang. Das Finish unseres Testinstruments bezeichnet der Hersteller als „Vintage White“, zu bekommen ist die Gitarre darüber hinaus noch in schlichtem Schwarz oder in „Army Green“, einem olivfarbigen Grünton.

Alle gemeinsam besitzen sie ein Tortoise-Pickguard, das gut die Hälfte der Decke besetzt und einen Teil der Elektronik beinhaltet. Genau genommen ist es der vordere Pickup, der, genau wie sein Kollege am Steg, aus der Fernostproduktion von Seymour Duncan stammt und am Hals vom Pickguard umschlossen wird. Gut zu erreichen ist der Dreiwegeschalter, der die beiden Pickups ansteuert und sich in guter Qualität präsentiert. Der andere Teil der Elektronik, die vier Potis am unteren Ende des Korpus, bietet eine maximale Performance in Sachen Klangvielfalt. So können mit ihnen wie üblich Lautstärke und Ton geregelt werden, die beiden Tone-Potis bieten jedoch darüber hinaus die Möglichkeit, beide Pickups auch im Singlecoil-Modus betreiben zu können. Mehr geht also kaum und was da so geht, werden wir im Praxisteil nachher noch genauer hören.

Die Qualität der vier Regler steht der der übrigen Hardware in keiner Weise nach, völlig frei von Spiel und absolut präzise verrichten sie ihren Job, allenfalls die aufgesetzten Knöpfe sind nicht ganz ohne Schwierigkeiten zu bedienen. Bei wem es zu sehr flutscht, der kann gerne ein paar griffigere Typen anbringen, vielleicht sogar goldene? In Anbetracht des vielen Glitzerns hat man hier wohl ganz offensichtlich einen rigorosen Sparkurs gewählt.

DAngelico Deluxe Atlantic Vintage White Potis

Harter Sparkurs bei den Potikappen – passt irgendwie auch optisch so gar nicht

Um der Greifhand ein möglichst natürliches Spielgefühl zu bieten, wurde der Hals auf seiner Rückseite nur mit einer hauchdünnen Satinlackschicht überzogen – Kleben hat hier auch bei schwitzigen Händen keine Chance! Weiteren Komfort in Sachen Bespielbarkeit erwartet den Benutzer am Hals-Korpus-Übergang, der so flach ist, dass er eigentlich gar nicht als solches bezeichnet werden dürfte. Zusammen mit dem weit ausgesägten Cutaway und der unglaublich guten Saitenlage, mit der unser Testinstrument ausgeliefert wurde, ergibt sich eine Bespielbarkeit, die ich bei einer Gitarre dieser Preisklasse wirklich selten erlebe. Wer meine Artikel liest, der wird wissen, dass ich mich gerne und zu Recht über schlecht eingestellte Instrumente ärgere, die in Kundenhand ausgeliefert werden. Saitenlagen von 3 bis 4 Millimetern in der Oktavlage sind keine Seltenheit und leider eher die Regel, dagegen ist das, was die DAngelico Deluxe Atlantic bietet, purer Luxus!

Und dabei reden wir noch gar nicht über das mehrschichtige Binding am Rand des Griffbretts oder die 22 eingesetzten Jumbo-Bünde, die an ihren Kanten und Oberflächen perfekt verarbeitet wurden. Man merkt schon, ich bin bis hier schon ziemlich beeindruckt von der hohen Qualität der Verarbeitung, der Optik und auch der Haptik, wenn man das Instrument in die Hand nimmt. Und genau das mache ich jetzt für den Praxisteil!

DAngelico Deluxe Atlantic – in der Praxis

Ich muss zugeben: So ganz habe ich der Sache nicht getraut, denn allzu oft befinden sich gerade in dieser Preisklasse „Blender“ und mit diesem Übermaß an vergoldeter Hardware und dem Ursprungsland Korea wäre die DAngelico Deluxe Atlantic eigentlich genau ein solcher Kandidat für diese Kategorie. Doch es kommt ganz anders, schon nach wenigen Minuten Umgang mit der Gitarre mag man sie eigentlich nicht mehr abstreifen bzw. vom Schoß nehmen. Von der unglaublich guten Bespielbarkeit habe ich bereits geschrieben, von der enormen Klangvielfalt der zwei Humbucker und dem druckvollen Sound, den die Grundkonstruktion mit dem durchgehenden Hals bietet, könnte man noch eine ganze Menge mehr schreiben.

Es ist schon erstaunlich bzw. doch sehr überraschend, wie gut die „Fernost-Duncans“ mit dem Grundsound der Gitarre harmonieren und sich dabei mit Nebengeräuschen erfreulich zurückhalten. Selbst im Singlecoil-Modus und eingeschalteter Zerre herrscht weitestgehend Ruhe, was das Klangspektrum natürlich enorm erweitert. Blöd nur, dass die flutschigen Potiknöpfe das Anheben der Tone-Regler erschweren. Hier noch mal eine Grafik, die die Schaltungsmöglichkeiten darstellt:

DAngelico Deluxe Atlantic Schaltung

Für die nun folgenden Klangbeispiele habe ich die DAngelico Deluxe Atlantic an mein Test-Setup Orange Micro Dark mit 1×12″ Celestion Vintage 30 Box angeschlossen. Als Mikro diente ein AKG C3000, ehe das Signal in Logic aufgenommen und lediglich in den Pegelspitzen bearbeitet wurde. Weitere Effekte wurden nicht hinzugefügt.

Hören wir in Klangbeispiel 1 zunächst den Cleansound der Gitarre, hier eingespielt mit den beiden Pickups im Singlecoil-Modus, beide Tone-Potis sind also angehoben. Nach echtem Einspuler klingt es zwar nicht, dennoch ist dieser Sound mehr als brauchbar!

Dass auch der Humbucker am Hals einen charmanten Singlecoil-Sound liefert, zeigt das nächste Klangbeispiel. Eine perfekte Unterstützung erhält der Ton durch das kräftige Fundament der Konstruktion mit dem durchgehenden Hals. Das spürt man fast bei jedem Anschlag der Saiten.

Kommen wir zu den verzerrten Sounds, bei denen die DAngelico Deluxe Atlantic einen nicht weniger überzeugenden Sound abliefert. Vom angezerrten Bluesrock bis zum Heavy-Gewitter macht sie alles anstandslos mit! Zunächst ein Riff  mit hoher Verzerrung des Orange und eingespielt mit dem Humbucker am Steg.

Die beiden nächsten Beispiele zeigen die Qualität der Leadsounds der beiden Humbucker. In Beispiel 4 hören wir den Sound des Front-Humbuckers und im abschließenden Beispiel den des Gegenübers am Steg. Beides wirklich mehr als passabel, oder?

Fazit

Der einzige Minuspunkt an der DAngelico Deluxe Atlantic ist so marginal, dass er mich in keinem Fall davon abhält, dieser E-Gitarre unser Best-Buy-Prädikat zu verpassen! Die Rede ist von den rutschigen Potiknöpfen, die allenfalls als Schönheitsfehler an einem sonst hervorragend gelungenen Instrument sind. Sicherlich wird die Optik die Geschmäcker in zwei Lager spalten, in puncto Klangvielfalt und Bespielbarkeit jedoch kann es in diesem Fall keine zwei Meinungen geben. Bravo!

Plus

  • vielseitiger Klang
  • famose Bespielbarkeit
  • hervorragende Verarbeitung
  • perfekt eingestelltes Werkssetting
  • königliche Optik
  • robuster Koffer mit dabei

Minus

  • Potiknöpfe glitschig

Preis

  • UVP: 1299,- Euro
  • Ladenpreis: 1199,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Guernica  

    Ok vielleicht ein bisschen zu viel Blingbling, aber alles sehr stylish und in sich stimmig. Und wenn Bespielbarkeit und Soundvielfallt auch noch stimmen, Daumen hoch. Mir gefällt sie.

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