Test: D’Angelico Deluxe Bedford SH, E-Gitarre

28. Juni 2020

Kultfaktor aus New York - die Bedford SH

D’Angelico hat unsere Herzen in der AMAZONA.de Redaktion erobert, ganz klar. Die D’Angelico Deluxe Atlantic ist eine der besten E-Gitarren der letzten Jahre – zumindest, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht. Wir hatten auch die D’Angelico Deluxe Bedford im Test: Decó Formsprache, angesiedelt zwischen Understatement und Größenwahn und modernem Sound – irgendwie schaffen D’Angelico aus New York eine ganz eigene Gratwanderung, die vielen anderen Firmen misslingt. Ausgehend von der Deluxe Bedford wagten D’Angelico einen weiteren Schritt Richtung nostalgischem Flair plus zeitgemäßem Sound. Die Auflage ist limitiert – 150 Stück weltweit, je 50 in Matte Black, Matte Wine und Matte Rose Gold. Doch man kommt nicht umhin, in der Bedford SH eine perfekte Kombination der bisherigen Stärken von D’Angelico zu sehen. Warmer Semi-Hollow-Sound, angefeuert von Singlecoils und Humbucker. Die Idee ist es, für Surf-Rock, Country, Blues und Jazz ein klangliches Kleinod zu schaffen, dessen Auflage aller Wahrscheinlichkeit schon bald erhöht werden dürfte.

D’Angelico Deluxe Bedford SH, E-Gitarre – Facts & Features

Dass im Lieferumfang ein hochwertiger Lederkoffer mit Straplocks enthalten ist, ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für den Erwerb – Gitarren mit einem Preis über die 1000,- Euro Marke mit einem Gigbag zu versehen, ist eine Unverschämtheit, wie ich finde. Schön, dass sich D’Angelico zu solchen Fehlschritten nicht hinreißen lassen und dieses Schmuckstück in angemessener Form liefern. Das Design ist – typisch für Angelico Guitars – mit einem ganz eigenen, 20er-Jahre Decó-Stil versehen, was sich vor allem an der blütenhaften Kopfplatte zeigt und dem dort aufgelegten, an Fritz Lang und dem Metropolis-Flair der 20er Jahre erinnernden Artwork. Die Locking-Mechaniken stimmen da beeindruckend mit ein – wie immer eine Angelegenheit, die polarisieren kann: Nicht jedem dürfte dieses exzentrische Design zusagen.

Wir haben die Gitarre direkt von D’Angelico Guitars bekommen – und das merkt man. Die Werkseinstellung gewährleistet absolute Bundreinheit und schon in der Unplugged-Variante offenbart sich ein ungemein singender, warmer Grundklang – das lässt hoffen. Das Offset-Design ist ein bisschen gestauchter und schärfer als der klassische Jazzmaster-Korpus. Der große Unterschied zur klassischen Bedford: das F-Loch, das die Offset-Form mit organischer Klangwärme versehen soll. Bei dem vorliegenden Exemplar sind keinerlei Verarbeitungsmängel festzustellen – auch der Verlauf der Lackierung in das F-Loch hinein ist sauber und präzise aufgetragen. Der Korpus, das gilt sowohl für die Zargen als auch Boden und Wände, besteht aus höhenbetonender Linde. Was hat das zusätzlich zur Folge? Die enorme Leichtigkeit der Gitarre: Die D’Angelico Deluxe Bedford SH ist leicht, wiegt kaum mehr als eine Handvoll Kilogramm und liegt toll an.

Das matte Wine-Finish, das in diesem Falle dann vorliegt, ist eine von drei Optionen und meines Erachtens nach – sofern sich das beurteilen lässt – die eleganteste, die sich um den Linde-Korpus bis auf das Schlagbrett schließt, am Fuße des Halses jedoch vom dreiteiligen Hals abgelöst wird. Der Hals ist unlackiert und setzt sich aus zwei Ahorn-Spaten zusammen, die sich um ein mittleres Walnuss-Segment schließen. Anschließend wurde das Ganze hochwertig mit dem Lindekorpus geleimt und ist mit einem weißen Binding versehen. Die Perlmutt-Abalone Split-Block-Griffbretteinlagen sind für meinen Geschmack ein bisschen viel, dafür hat der Hals aber das leicht gestauchte und für gefühlvolle Spieler sehr geeignete C-Shape, das mit der ergonomischen Form der Gitarre dieses schmiegsame Gefühl verstärkt – manche Gitarren, hat man ja manchmal das Gefühl, sind allein wie sie aufliegen bereits widerspenstig und schwerfällige Biester – die D’Angelico Deluxe Bedford SH ist so ziemlich das Gegenteil davon.

22 Bünde über eine Mensur von 629 mm – keine Überraschungen an dieser Stelle also. Für diese semiakustische D’Angelico-Gitarre kommt zudem ein hochwertiges Ebenholz-Griffbrett zum Einsatz. Fast hätte man gemeint, dass zu der Ästhetik und der Genre-Lastigkeit der Gitarre ein Ahorn-Griffbrett besser gepasst hätte – doch es lässt kaum darüber streiten, dass auch diese Ebenholz-Verarbeitung sehr geschmeidig ist. Darüber hinaus ist der flache Hals mehr als zeitgemäß, zumindest für eine F-Loch Blues-Gitarre, bei der man normalerweise kräftige, breite Hälse gewohnt ist.

D’Angelico Bedford Semi-Hollow, E-Gitarre – Hardware

The silver lining ahead – schöne, verchromte Hardware, sowohl beim Tune-O-Matic-Steg als auch bei den Grover Locking Mechanismen. Die klangliche Ausstattung der D’Angelico Bedford Semi-Hollow soll das, was sich in der trockenen Handhabe bereits andeutet, ausbauen: ein warmer, mittiger Grundsound mit ordentlicher Ansprache. Der Korpus fühlt mit, das F-Loch und die damit einhergehende unmittelbare Resonanz machen den Grundcharakter der D’Angelico Bedford Deluxe SH aus. Und auf dieser baut die ungewöhnliche Konstellation der Pickups auch auf.

Statt mit drei separaten Coils zu arbeiten, wartet die D’Angelico Bedford Deluxe SH mit zwei USA Seymour Duncan STR-52-1 Coils in der Neck-Position auf, während an der Bridge für einen etwas räumlicheren und weitläufigeren Sound Humbucker-Klang angesagt ist: Der SM-1b Mini-Humbucker soll den akzentuierten Attack der Coils ausdrucksstark ergänzen. Daraus resultieren insgesamt fünf Pickup-Konstellationen: Die Coils jeweils vereinzelt, zusammen, mit dem Humbucker oder Humbucker allein – für gute Clean-Sounds und Rockabilly-Crunch-Sounds soll damit so ziemlich abgedeckt werden. Darüber hinaus wartet die D’Angelico Bedford SH Deluxe mit einem Volume- und einem Tone-Poti auf. Äußerst flexible Angelegenheit also – ob die D’Angelico Bedford SH Deluxe dadurch eher auf Vintage-Sound oder eine moderne Klangfarbe hat, werden wir nun im Praxistest ausführlich nachvollziehen.

D’Angelico Bedford SH Deluxe – in der Praxis

Wir nutzen die Sounds des Yamaha THR als Grundlage und die Cab-Simulationen von Two Notes, um dem Sound eine repräsentative Plastizität zu geben. Der Reihe nach schalten wir uns durch die fünf Positionen, welche die Bedford SH Deluxe bereitstellt.

Die Neck-Position und die dort angelegten Singlecoils bieten sich in erster Linie für cleane Sounds an. Die Reaktionsfähigkeit beim Finger-Picking spricht für sich – die Coils haben ordentlichen Attack und sind sehr warm im Klangbild. Der Grundcharakter ist sehr modern, weniger kratzig und Vintage-mäßig. Der warme Grundsound der Gitarre wird hier entsprechend potenziert – dadurch wirkt er überraschend tiefenbetont und voluminös, wie man es eigentlich von Bariton-Gitarren gewöhnt ist. Überhaupt verhält es sich so: Wenn man die Augen zumacht, könnte man meinen, es mit einer Bariton zu tun zu haben. Im ersten Beispiel garnieren wir den Klang mit ein bisschen Hall und Tremolo – steht dem brillanten, offenen Grundklang sehr gut.

Wir nutzen nun den Crunch-Kanal des Yamaha THR, verdunkeln die Klangfarbe mit dem Tone-Regler deutlich und entlocken einen interessanten, irgendwo zwischen Vintage und zeitgemäßem Modern-Sound angesiedelten Klang. Wer sich also an Vintage-Jazz versuchen möchte, kann der Bedford SH den entsprechenden Sound entlocken.

Wenn man über Crunch hinausgeht und den Gain hochdreht, zeigt sich vor allem eins: Obertöne. Die Bedford SH verliert etwas von ihrer voluminösen Tiefenbetonung, wenn man den Humbucker in der Bridge-Position nimmt und bringt im oberen Frequenzrahmen eine wundervolle Transparenz mit sich – macht richtig Spaß. Die höheren Mitten kommen durch, der Sound bleibt brillant und bewahrt sich seine Dynamik, auch wenn man den Volume-Regler ein bisschen zurückdreht. Die Kombination von Coil und Humbucker ist im Vergleich ein bisschen muffiger – der kräftige Grundsound bleibt erhalten, erklingt aber nicht ganz so brillant wie man auf den äußeren Positionen.

 

Fazit

Man bleibt dabei: D’Angelico produzieren echte Gitarrenschätze, in die man sich regelrecht verlieben kann. Die Bedford SH ist für das, was sie ist, ein makelloses Instrument: Eine vielseitige Gitarre mit warmem Grundcharakter, die zwischen raubeinig, Vintage und modernem Sound alles abdeckt. Unkompliziert, verlässlich, spielerfreundlich und toll bespielbar –  für Fans der Déco-Ästhetik also ein absolutes Rundumpaket.

Plus

  • vielseitiger Sound
  • gut balanciert
  • verlässliche Hardware

Preis

  • 1399,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    kinsast  

    „Gitarren mit einem Preis über die 1000,- Euro Marke mit einem Gigbag zu versehen, ist eine Unverschämtheit, wie ich finde“.
    Also ich bevorzuge allemal einen Gigbag gegenüber den üblichen Gitarrenkoffern! Ein guter Gigbag schützt die Gitarre genauso gut wie ein Koffer, ist Gewichtsmäßig wesentlich leichter und, ganz wichtig, mit einer Gitarre im Gigbag sid die Chancen ohne Probleme ins Flugzeug zu kommen um ein Vielfaches größer….

  2. Profilbild
    Oliver

    Sorry, aber was ist „wiegt kaum mehr als eine Handvoll Kilogramm“ für eine bescheuerte Gewichtsangabe? Was wiegt die Gitarre denn nun?

  3. Profilbild
    Hein Bloed  

    Leute, ihr testet Gitarren aller mögliche Preisklassen mit Billig-Amps. Ich lese hier immer was von „Yamaha THR mit Cab Sim“ oder „Referenzamp Orange Micro Dark“, das macht die Tests und auch die Soundbeispiele völlig nutzlos für mich. Ich habe kein Problem mit Modellern oder preiswerten Amps (ich habe hier unter anderem einen Joyo Meteor mit Bantcab und ich nutze sogar noch einen uralten POD 2.0), aber mir würde nie einfallen, den Sound und die Qualität einer Gitarre mit Line 6 Helix oder Guitar Rig zu beurteilen.
    Ich möchte allerdings ausdrücklich Axel Ritt von dieser Kritik ausnehmen, er schreibt nicht immer, welches Equipment er für die Aufnahmen verwendet, aber seine Audiobeispiele sind aussagekräftig, auch wenn mir die gespielte Musik meistens nicht gefällt.
    Ideal wäre ein mehr oder weniger genormtes Test-Setup für alle Redakteure, bei dem je nach Verwendungszweck ein entsprechender Amp benutzt wird. Kann euch Thomann nicht ein paar Boogies, Marshalls und Fenders in die Bude stellen?

  4. Profilbild
    Woody  

    …. auf jeden Fall sehr sexy – sprich: tolle Kombi – thinline – SSH – stoptail – twangy … was das Design betrifft, scheint sich die klassische D’Angelico-Art-Deco-Kopfplatte mit dem 60’s Style des Bodys zu streiten; aber beim zweiten Blick gewinnt der Stilmix zunehmend Sympathie ;) …. irgendwie geiles Teil.

    Die Gewichtsangabe ist auch bei D’Angelico nicht zu finden – spielt meiner Meinung nach bei ’ner Semi auch nicht die primäre Rolle.

  5. Profilbild
    Eibensang  

    Das Aussehen ist ja eh immer Geschmackssache … Mein Auge irritiert es, wenn es den schwungvoll schräg verzogenen Linien des Body folgt – die sich dann nicht in der Kopfplatte fortsetzen (die ich, wäre ich Designer, passend zur Korpusform gestaltet hätte). Der schlanke Korpus mit dem betont eleganten F-Loch lässt die perlmuttüberladene kauzige Kopfplatte umso plumper erscheinen. Sieht für mich insgesamt in etwa so aus, als trüge jemand in schmissig-sportlicher Kleidung eine altdeutsche Pickelhaube auf dem Kopf.

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