Test: Darkglass Alpha-Omega, Effektgerät für Bass

21. Juli 2017

Denn ich bin dein Alpha und dein Omega

Mit Sicherheit eine der am meisten erwarteten und im Vorfeld „gehypten“ Neuerscheinungen im Bereich der Basseffektpedale stellt derzeit sicherlich das Darkglass Alpha-Omega dar. Mit John Stockman, dem Bassisten der australischen Progrockband Karnivool, hat man sich einen Meister der Basssounds zur Entwicklung mit ins Boot geholt. Das jedenfalls sagt Darkglass, ich hingegen habe ehrlich gesagt weder von dem Mann noch seiner Band jemals etwas gehört. Das mag Ignoranz meinerseits sein – immerhin hat die Band einen Major-Deal – und ändert sich auch gerade, während ich den ersten Teil dieses Artikels schreibe.

Während mir also das neueste Karnivool-Album, das mir übrigens zusagt, um die Ohren ballert, verliere ich ein paar Worte zum Darkglass Alpha-Omega. Die finnische Schmiede Darkglass ist schon seit einigen Jahren bekannt für exquisite Zerrpedale und Vorverstärker und ein solches Gerät liegt auch hier vor. Zum stolzen Preis von 379,- Euro bringt Darkglass einen neuen Konkurrenten für Sansamp & Co auf den Markt, ein komplett auf Basis von Op-Amps aufgebautes Zerrpedal/Vorstufe mit DI-Ausgang und allerlei Reglern. Das flexibelste Darkglass-Pedal bislang – sagen Darkglass und John Stockman.

Facts & Features

Das Darkglass Alpha-Omega kommt in einem nobel anmutenden lackierten Pappkarton mit Magnetverschluss (!) und Bedienungsanleitung. Letztere ist auf dickem Papier gedruckt, sieht schön aus, ist aber etwas spartanisch. Die nötigen Infos bekommt man aber und mehr braucht man an sich ja auch nicht.

Das Pedal selber macht optisch ebenfalls durchaus was her. Schick im dunkelblauen Metallgehäuse, mit Alpha/Omega-Grafik auf die Vorderseite lackiert, sieben griffigen schwarzen Kunststoffreglern und der Seriennummer und Darkglass-Logo auf die Rückseite geätzt. Das Pedal ist relativ leicht, wirkt aber stabil, dem Trend zu unnötig ultrafetten Blechgehäusen hat man sich also nicht gebeugt. Nettes Detail: Die rückwärtige Blechwand ist mit Torxschrauben verschraubt, was zwar beim Schraubenziehersuchen nervt, aber dafür sorgt, dass die Schrauben garantiert nie ausgelutscht sein werden.

— Rückseite: Torx-Schrauben und geätzte Beschriftung —

Die Gefahr besteht aber ohnehin nicht, das Darkglass Alpha-Omega kann nicht mit Batterie beschrieben werden. Grund sind laut Bedienungsanleitung Umweltgründe, das lässt sich natürlich nicht verifizieren. Der Stromverbrauch von lediglich 11 mA im Durchschnitt war jedenfalls nicht für das Fehlen der Batterie ausschlaggebend. Vielmehr mag man sich gedacht haben, dass die übliche Zielgruppe wohl kaum nur ein einziges Effektpedal nutzen würde und somit bereits über eine Stromversorgung auf dem Board verfügt. Das erklärt auch, dass das Gerät trotz fehlender Batterieoption ohne Netzteil ausgeliefert wird …

Mit grob 12 x 10 x 4,5 cm ist das Darkglass Alpha-Omega im Vergleich zu so manchem vergleichbaren Preamp-Brecher relativ kompakt, was sich im etwas gedrängten Bedienfeld bemerkbar macht. Zwischen den sieben Potiknöpfen sind noch zwei Kippschalter angebracht, die nur mit etwas Fingerspitzengefühl zu bedienen sind. Auch der Fußschalter liegt relativ nah an den Reglern.

An Reglern hat man zunächst eine dreibändige EQ-Section, die jeweils +/-12 dB bei 80 Hz, 500 Hz und 5 kHz bewegt. Weiterhin kann man über den Blend-Regler cleanes Signal und Zerrsignal mischen, über Level die Lautstärke des Zerrsignals bestimmen und über Drive auf den Gain zugreifen. Der mit „Growl“ beschriftete Kippschalter bewirkt einen Boost in Bässen und Tiefmitten, während der für „Bite“ die Präsenz-Hochmitten bei 2,8 kHz anhebt. Die Schaltung könnte der Gitarrenfraktion vom Peavey 5150 und 6505 bekannt sein, da heißt das „Resonance“ und „Presence“ und ist bei der Auslegung des Amps als brutales Zerrbrett sehr sinnvoll. Warum also nicht hier auch?

— Bedienfeld mit sieben Reglern und zwei Kippschaltern —

Herzstück des Pedals dürfte aber der Mod-Regler sein, der an den Vollausschlägen mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega beschriftet ist. Laut Hersteller hat man beim Darkglass Alpha-Omega zwei verschiedene Zerrschaltungen verbaut, die man mit dem Regler einzeln anwählen und mischen kann. Alpha wird als „punchy, tight with a lot of definition“ beschrieben, während Omega „simply brutal and raw“ sein soll.

— Stromversorgung, Input und Durchschliff —

Mit Strom versorgt wird das Darkglass Alpha-Omega wie erwähnt über eine handelsübliche 9-V-Buchse, neben der der Input und der Parallel Output angeordnet ist. Letzterer gibt einfach das durch den Input empfangene Signal wieder heraus, was für Recording und diverse Line-Selector-Schaltungen sinnvoll sein kann, kennt man auch vom Bass Big Muff und diversen Synthesizerpedalen. Auf der anderen Seite liegen der Output sowie der XLR-Anschluss der eingebauten DI-Box sowie der Ground Lift-Schalter.

— Output, DI-Out und Ground Lift —

Zwischenfazit

Mit dem Darkglass Alpha-Omega legt die finnische Company einen weiteren Konkurrenten für Sansamp und Konsorten vor, der mit guter Verarbeitung, wertiger Optik und Haptik und interessanten Einstellmöglichkeiten punkten kann. Auf den ersten Blick: Schönes Ding, aber ist es nur schön, oder die 379,- Euro tatsächlich wert?

In der Praxis mit dem Darkglass Alpha-Omega

Beim Ausprobieren und Herumbasteln stellt sich realtiv schnell heraus, dass Darkglass mit der ausgelobten Flexibilität des Darkglass Alpha-Omega keineswegs zuviel versprochen hat. Entsprechend ist die Anzahl der Hörbeispiele auch ziemlich eskaliert, deckt aber noch lange nicht das volle Spektrum des Geräts ab. Vorab, alle Hörbeispiele wurden mit einem Precision Bass mit Erlenkorpus, Ahorngriffbrett und EMG-Tonabnehmer über das Pedal direkt ins Pult gespielt.

Zunächst einmal wurden alle Regler auf Mittelstellung gelassen und so die beiden Hauptsettings Alpha und Omega gespielt, jeweils als 50/50 Mix aus cleanem und verzerrtem Signal und als reines verzerrtes Signal. Das bringt auch direkt die Marschrichtung der beiden Schaltungen zum Vorschein. Während Alpha eher hochmittig und definiert den Anschlag hervorhebt, schiebt Omega unten rum tiefmittig und setzt noch ein leichtes fuzziges Knistern obendrauf. Direkt zu hören ist auch, dass das Alpha-Setting mit dem Cleansignal gemischt schön fett klingt, während das ultrafette Omega-Setting dadurch erst mal eher ausgebremst wird und dafür allein sehr mächtig klingt.

Die fast komplette Unbrauchbarkeit der Mischfunktion des Bass Big Muff dürfte fast jedem Bassisten, der schon mal mit Zerrpedalen experimentiert hat, bekannt sein – es ist quasi unmöglich, die Balance zwischen „genug Zerre drin“ und „viel zu laut“ zu finden. Das Problem hat man lobenswerterweise beim Darkglass Alpha-Omega überhaupt nicht. Die Lautstärke des Zerrsignals ist unabhängig vom Blend-Regler einstellbar, und mit etwas Herumprobieren hat man schnell den richtigen Mix gefunden.

Mit dem gemischten Signal und den beiden Boost-Switches (Bässe und Präsenzen) aktiviert, drängt sich das Spielen mit dem Plektrum geradezu auf. Dabei sollte man allerdings vor allem mit dem mit „Bite“ beschrifteten Switch vorsichtig sein, um nicht direkt die absolute Höhen-Krach-Hölle loszutreten. Etwas Höhen am EQ, der deutlich höher greift, raus und man bekommt bei Alpha Motörhead und bei Omega an ein Fuzz erinnernde aggressive Sounds.

Ein beherzter Griff zum Gain-Regler, Bite raus, Growl rein, Bässe und Höhen etwas gefeatured, und dann brüllt das Darkglass Alpha-Omega erst so richtig los. Zwei verschiedene brachiale Stoner-Doom-Sounds stehen so in den Hauptsettings zur Verfügung, je nach Geschmack. Trotz oder gerade wegen des weiterhin leicht zugemischten Cleansignals, gibt das ein richtig fettes Brett.

In der Zwischenstellung zwischen Alpha und Omega, mit Bite aktiviert, Höhen etwas herausgedreht und Bässen geboostet, dringen röhrig-mittige Sounds ans Ohr. Wirklich überraschend, was man hier mit wenigen Eingriffen schon wieder verändern kann!

Ebenfalls verblüffend ist, wie klar das Darkglass Alpha-Omega in fast allen Settings trotz Hi-Gain-Settings klingt – solange man nicht mit dem Bite-Schalter die besagte Höhenhölle lostritt. Omega fühlt sich nach wie vor im schweren, fetten Stoner und Doom zu Hause, lässt sich aber durch Mischen mit der Alpha-Schaltung auch für angezerrte Sounds mit prägnantem Anschlag verwenden.

Ein wenig Herumspielen mit dem EQ fördert mit einem Boost in Mitten und Höhen beim Omega auch „boxige“ Overdrive-Sounds zu Tage. Die sind gerade im Retrobereich ja bei der Gitarrenfraktion gerade sehr in, aber mit etwas Kreativität kann man so was auch am Bass – als sporadisch genutzten Effekt natürlich – sinnvoll nutzen.

Ganz sachtes Zumischen des Zerrsignals zum Cleansignal hingegen ist zum Beispiel für Plektrumsounds mit etwas Dreck sehr schön. Gerade die Alpha-Schaltung kann hier durch ihr leichtes Betonen des Attacks glänzen und wenn man das Ganze dann mit einem Bassboost noch etwas anfettet – herrlich.

Im Mix der beiden Schaltungen, mit einem dem Cleansignal ebenfalls nur ganz leicht zugemischtem, aber sehr hi-gainigem Zerrsignal, bekommt man den definierten, fetten Fuzzsound, den man vom Big Muff immer gern gehabt hätte.

Was das Darkglass Alpha-Omega nicht kann, ist als ganz cleane Vorstufe zu agieren. Auch im niedrigsten Gain-Setting zerrt es noch satt, meine Versuche, das Ding zum Slappen als fast cleanen Bass- und Höhenboost zu nutzen, gingen alle nach hinten los. Fängt man die Höhen mit dem entsprechenden Regler etwas ein, kann man dafür in Richtung leicht anzerrender Ampeg gehen. Cleaner wird es aber nicht mehr, selbst bei nur ganz leichtem Zumischen des Zerrsignals.

Fazit

Darkglass hat nicht zuviel versprochen, das Darkglass Alpha-Omega ist sicherlich eins der flexibelsten und bestklingenden Zerrpedale auf dem Markt. Darkglass stellen damit einmal mehr unter Beweis, dass Spezialisierung sehr sinnvoll sein kann – die Company produziert ausschließlich Verzerrer, aber das auf allerhöchstem Niveau. Die Flexibilität des Alpha-Omega geht allerdings schon fast in Richtung „mit Kanonen auf Spatzen schießen,“ hier kann man Tage und Wochen nur mit Zerrsounds basteln verbringen. Da ist es fast ärgerlich, dass man durch die komplett analoge Bauweise nicht per Fußschalter verschiedene Settings abrufen kann. Im Studio ist das egal, aber live bleibt so eventuell Potenzial unerschlossen – andererseits, würde das Pedal mit digitalen Zusatzschaltungen auch noch so gut klingen?

Trotz dieses kleinen Mankos und des hohen Preises von 379,- Euro – vergleichbare Sansamps sind für die Hälfte zu haben – bleibt hier gar nichts anderes übrig, als dem Darkglass Alpha-Omega eine Wertung von drei Sternen zu geben. Zu hoch sind Qualität und Anzahl der gebotenen Sounds, als dass man hier wirklich über irgendetwas meckern könnte. Daumen hoch, gut gemacht, der Hype war berechtigt!

Plus

  • Verarbeitung
  • Ausstattung
  • Flexibilität
  • Sound

Minus

  • Preis
  • bauartbedingt nicht mehrkanalig

Preis

  • Ladenpreis: 379,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    hejasa  

    wenn ich auf meinem Mac etwas hören könnte, könnte ich einen Kommentar schreiben. Hör aber nichts(:-

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      Zetahelix  

      Auch wenn es mit dem Test überhaupt nix zu tun hat, wieso kaufst Du dir dann keinen schicken PehZeh? :D Ich kanns auf dem Mac hören und find den Sound klasse!

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      AMAZONA Archiv

      Ich kann es auch nicht auf dem Mac hören weil ich kein habe, wozu auch. Ein PC braucht man auch nicht, ich nutze das Handy. Und jaaaa ich hör was. Tja, das was ich höre ist schwer beurteilbar. Solche Geräte muss man einfach persönlich im Laden testen. Ansonsten schicker Bericht. Und die Band gefällt mir sehr.

    • Profilbild
      A.Vogel  AHU

      Dann starte neu und wähle per Bootcamp mal nicht WIn10 aus, vielleicht hörst du dann auch was….
      Im Ernst: Kein Problem von amazona, denn mein Mac spielt die Soundbeispiele wie gewohnt ab.
      Ist wohl eher ein Layer8-Problem.

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