Genussvoll schweben
Rotary-Sounds gehören zu den Effekten, die eine Gitarre innerhalb weniger Sekunden in eine völlig andere Welt versetzen können. Mit dem Dawner Prince Eclipsa Triple Rotary wird das Prinzip allerdings deutlich weitergedacht: Drei virtuelle rotierende Lautsprecher, ein zusätzlicher statischer Speaker und ein vom Alembic F-2B inspirierter Preamp sollen den ungewöhnlichen Charakter des Yamaha RA-200 ins Pedalformat übertragen. Klingt speziell? Ist es auch – und genau deshalb haben wir uns das Eclipsa genauer angesehen.
Worum geht es?
Das Dawner Prince Eclipsa Triple Rotary ist ein aufwendig ausgestattetes Rotary-Pedal, das sich am ungewöhnlichen Yamaha RA-200 orientiert. Drei virtuelle rotierende Lautsprecher, ein statischer Speaker-Anteil und ein integrierter Preamp sollen einen besonders räumlichen und vielseitig formbaren Rotary-Sound ermöglichen.
- Yamaha RA-200 als Vorbild: Das Eclipsa emuliert das ungewöhnliche Konzept aus drei rotierenden Mittelton-Treibern und einem statischen Lautsprecher.
- Flexible Rotary-Sektion: Slow Speed, Fast Speed, Distance, Inertia und Blend erlauben weitreichende Eingriffe in Charakter und Bewegung des Effekts.
- Integrierter Preamp: Eine vom Alembic F-2B inspirierte FET-Schaltung mit 3-Band-EQ und Bright-Schalter erweitert die Klanggestaltung.
- Für Bühne und Studio: Stereo-Ausgänge, Expression-Anschluss, MIDI In/Thru, 127 Presets sowie Instrument- und Line-Pegel machen das Pedal ausgesprochen flexibel.
- Boutique-Qualität: Sehr gute Verarbeitung, intuitive Bedienung und eine hohe Signalqualität treffen auf einen eigenständigen, dreidimensionalen Rotary-Sound.
Inhaltsverzeichnis
Dawner Prince Eclipsa Triple Rotary
Wer sich mit ausgefallenen Gitarreneffekten beschäftigt, dürfte früher oder später über Dawner Prince Electronics stolpern. Die 2009 gegründete Firma aus Kroatien hat sich auf aufwendig entwickelte Effektgeräte spezialisiert und mit dem Boonar vor allem unter Fans des legendären Binson Echorec einen Namen gemacht. Das aufwendig konstruierte Echo-Pedal hat es sogar auf David Gilmours Pedalboard geschafft und zeigt ziemlich gut, in welche Richtung Dawner Prince denkt: historische Klangkonzepte möglichst detailgetreu nachbilden, dabei aber moderne Möglichkeiten integrieren.
Mit Geräten wie dem Diktator MKII, dem Revolving-Speaker-Emulator Pulse oder dem analogen Viberator hat die Firma inzwischen ein eigenständiges Portfolio aufgebaut. Handarbeit, ungewöhnliche Schaltungen und ein Faible für spezielle Klassiker gehören dabei gewissermaßen zur Firmen-DNA.
Mit dem Dawner Prince Eclipsa widmet man sich nun der Emulation eines rotierenden Lautsprechersystems. Als klangliches Vorbild diente dabei nicht einfach irgendein Leslie, sondern das Yamaha RA-200, ein heute kaum noch anzutreffendes Rotary-Cabinet mit gleich drei rotierenden Mittelton-Treibern und einem statischen 12″-Speaker darunter. Das Eclipsa versucht, genau diesen ungewöhnlichen, dreidimensionalen Sound in ein Pedalformat zu übertragen – ergänzt um eine eigene Preamp-Sektion, für die der Alembic F-2B Vorverstärker als Vorbild herangenommen wurde. Wir schauen und hören uns das Teil im folgenden Review mal genauer an.
Facts & Features
„Built like a tank“ schoss mir durch den Kopf, als ich das 450 Gramm schwere Metallgehäuse des Dawner Prince Eclipsa zum ersten Mal in der Hand hielt. Das Dawner Prince Eclipsa Triple Rotary strahlt im echten Boutique-Pedal-Style und wirkt schon fast wie ein kleines Kunstwerk. Die fünf großen Potis für die Rotary-Sektion sitzen oben nicht einfach brav in einer Reihe, sondern laufen leicht wellenförmig über das Gehäuse. Sieht ziemlich cool aus und passt irgendwie zum ganzen Auftritt des Eclipsa, denn Wellen soll das Teil ja machen. Und davon möglichst viele.
Die vier kleineren Regler der Preamp-Sektion sitzen etwas tiefer im Panel, sodass man sie im Eifer des Gefechts nicht mit dem Stiefel absäbelt. Auch die Anschlüsse an der Vorderseite sind so ein kleines Detail, an dem man merkt, dass hier jemand nicht einfach nur ein Standard-Metallgehäuse nach ISO-Norm zusammengeschraubt hat.
Die Buchsen wurden in sauber gefasten Öffnungen eingesetzt, sodass die Stecker etwas tiefer im Gehäuse sitzen. Da wackelt mal überhaupt nichts und dazu sieht das auch noch richtig schick aus – genau solche Kleinigkeiten machen bei einem Boutique-Pedal den Unterschied.
Die Rotary-Sektion
Die schwungvoll angeordneten Potis im oberen Teil des Panels sind für die Rotary-Sektion zuständig. „Slow Speed“ und „Fast Speed“ geben die beiden möglichen Drehgeschwindigkeiten der virtuellen Rotor-Speaker vor. Mit „Distance“ lässt sich die Position der virtuellen Mikrofone verändern. „Inertia“ entscheidet darüber, wie gemütlich oder zackig die Rotoren beim Wechsel zwischen Slow und Fast auf Touren kommen.
Der Blend-Regler mischt schließlich das Signal der drei rotierenden Lautsprecher mit dem statischen Lautsprecheranteil eines 1×12″-Speakers. Er besitzt zudem eine spürbare Rasterung in der Mitte, sodass beide Signalanteile in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen. Der Charakter der Rotary-Emulation lässt sich allein schon mit diesen fünf Reglern ordentlich variieren. Sämtliche Regler wurden (natürlich) fest mit dem Gehäuse verschraubt und laufen wie in Butter auf ihren Achsen. Zudem lassen sich die Regler des Dawner Prince Eclipsa auch mit zwei oder drei Fingern sauber umschließen, was ein sensibles Einstellen der Parameter ermöglicht.
Die Preamp-Sektion
Direkt darunter sitzt die Preamp-Sektion mit den vier Mini-Potis für Volume, Bass, Middle und Treble. Als klangliches Vorbild dient hier der Alembic F-2B, wobei Dawner Prince beim Eclipsa auf eine FET-Schaltung setzt. Mit Volume wird der Ausgangspegel eingestellt, Bass, Middle und Treble übernehmen die klassische Klangregelung. Der kleine Bright-Schalter hebt die Höhen an und soll vor allem bei niedrigerem Volume für etwas mehr Präsenz sorgen. Eine Peak-LED zeigt an, wenn die Preamp-Sektion zum Clipping neigt.
Schalten ohne nerviges Knacken
Die beiden Metallschalter des Eclipsa sind Soft-Click-Typen und arbeiten daher absolut geräuschfrei. Mit dem linken der beiden wechselt man zwischen FAST und SLOW, ein längerer Druck aktiviert die Brake-Funktion und bremst die virtuellen Rotoren ab. Der rechte Taster schaltet den Effekt ein und aus. Hält man ihn gedrückt, wechselt das Eclipsa zwischen True-Bypass und dem Buffered-Preamp-Modus, bei dem der Rotary-Effekt umgangen wird, der Preamp aber im Signalweg bleibt. Die drei orangefarbenen LEDs zeigen die Geschwindigkeit und die Distance-Einstellung der virtuellen Rotoren an.
Über den Instrument/Line-Schalter an der linken Gehäuseseite lässt sich die Eingangsstufe an unterschiedliche Signalpegel anpassen. Die Instrument-Stellung ist für Gitarre und vergleichbare Instrumentensignale gedacht, die Line-Position für höhere Pegel, wie sie beispielsweise von Synthesizern oder anderen Line-Signalen kommen können.
Dazu kommen ein Expression-Eingang für die kontinuierliche Steuerung der Rotationsgeschwindigkeit sowie MIDI In und MIDI Thru für die externe Steuerung und den Abruf der Presets, von denen 127 zur Verfügung stehen. Die beiden Ausgänge ermöglichen sowohl Mono- als auch Stereobetrieb, was bei einem Effekt dieser Art natürlich besonders reizvoll ist.
Das Eclipsa in der Praxis
So edel das Auftreten, so edel der Sound! Das Dawner Prince Eclipsa ist eines dieser Pedale, bei denen man nach dem Anschließen erst einmal eine ganze Weile an den Reglern herumdreht, ohne wirklich einen schlechten Sound zu erwischen. Die Bedienung ist dabei recht intuitiv: Slow, Fast, Distance, Inertia und Blend erklären sich eigentlich von selbst und laden dazu ein, einfach loszulegen. Dazu kommt eine ausgesprochen hohe Signalqualität. Das Rotary-Signal bleibt sauber und definiert, Nebengeräusche halten sich erfreulich weit zurück und auch bei stärkeren Effekteinstellungen wirkt der Klang nie matschig oder künstlich.
Einen großen Anteil daran hat ganz sicher der integrierte Preamp. Der am Alembic F-2B orientierte Preamp ist nämlich weit mehr als eine nette Zugabe zum Rotary-Effekt. Volume, Bass, Middle und Treble greifen kräftig in den Klang ein und erlauben es, das Signal schon vor der eigentlichen Weiterverarbeitung sehr genau auf den jeweiligen Verstärker oder die verwendete Anlage abzustimmen. Besonders der EQ hat es mir angetan: Die einzelnen Bänder machen sich deutlich bemerkbar, ohne dass man dabei gleich in extreme oder unbrauchbare Einstellungen abrutscht. Mit dem Bright-Schalter kommt noch ein weiteres Werkzeug hinzu, wenn „oben herum“ etwas mehr Biss und Präsenz gefragt sind.
Auch das Zusammenspiel von Preamp und Rotary-Sektion macht Spaß. Mit dem Volume-Regler des Preamps lassen sich unterschiedliche Pegel und Klangcharaktere erzeugen, die sich anschließend mit dem Blend-Regler weiter miteinander vermischen lassen. Gerade hier entstehen beim Ausprobieren einige ziemlich interessante Kombinationen. Der statische Lautsprecheranteil kann dem rotierenden Signal mehr Fundament geben, ein stärker zugemischter Rotary-Anteil sorgt für mehr luftige Bewegung im Sound. Man kann sich dabei durchaus eine Weile festspielen, denn schon kleine Veränderungen an den fünf Rotary-Reglern führen zu anderen Ergebnissen.
Das Eclipsa funktioniert aber nicht nur mit Clean-Sounds. Auch mit einem angezerrten oder stärker verzerrten Amp bleibt das Signal erstaunlich sauber und der Rotary-Effekt fügt sich gut in den Grundsound ein. Gerade dadurch wird das Pedal interessanter, als es die Bezeichnung „Rotary“ zunächst vermuten lässt. Man bekommt hier nicht einfach einen Effekt, den man für zwei Songs einschaltet und danach wieder vergisst, sondern ein Werkzeug, mit dem sich der komplette Charakter des Signals verändern lässt.
Eclipsa Klangbeispiele
Für die Klangbeispiele habe ich das Eclipsa in den Effektweg meines Mesa/Boogie Studio 22 gelegt. Vor dem Amp wurde ein AKG C3000-Mikrofon platziert, eingespielt wurden die Tracks mit einer Harley Benton Tele-Kopie.
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Danke für den sehr informativen Test. Das Teil klingt ja wirklich gut! Allerdings empfinde ich den Preis trotzdem etwas happig.
so man instrument und sound will.unbedingt
ohne abstrich okay sind es 600 wohl wert dann.🙂enamel
klingt sehr schön.auch gutes geheuse.power supply ist incl.?
Rotary gehört für mich zu diesen Effekten, die man eigentlich gar nicht unbedingt braucht, bis man einen richtig guten hört. 😄 Das Eclipsa geht mit drei virtuellen Rotoren, statischem Speaker und dem Alembic-inspirierten Preamp aber noch deutlich weiter als ein klassisches Leslie-Pedal. Besonders spannend finde ich Distance und Inertia, weil genau diese Bewegung und das Hochlaufen der Rotoren den Effekt erst lebendig machen. In Stereo würde ich das Ding wirklich gerne einmal hören, wahrscheinlich eine ziemlich gefährliche Erfahrung fürs Konto. 😂