Test: DBX AFS2, Anti-Feedback Prozessor

17. Februar 2017

Bitte kein Feedback!

Mit dem DBX AFS2 ist die Firma DBX zum wiederholten Male in das Feld der „Feedback Unterdrückung“ gestartet. Geräte dieser Art findet man auch unter den Bezeichnungen Feedback-Killer, Feedback-Controller oder Feedback-Supressor. Das Angebot auf dem Markt an solchen Gerätschaften ist durchaus übersichtlich. Das Prinzip ist jedoch bei den meisten Prozessoren gleich. Eingehende Rückkopplungen in Form von „Dröhnen“ oder „Fiepen“ werden automatisiert erkannt, es wird ein schmalbandiges Filter gesetzt und die erkannte Frequenz wird gedämpft und somit ausgeblendet. In der Theorie klingt das schon mal verheißungsvoll, ob es in der Praxis auch funktioniert, will ich nachfolgend überprüfen.

DBX AFS2 und die übersichtliche Bedienfläche

Wie entsteht Rückkopplung?

Normalerweise freut man sich über „Feedback“ des Publikums, jedoch nicht über das aus Front- oder Monitor-Boxen. Das Phänomen Rückkopplung beruht letztendlich auf dem Prinzip der „Selbst-Oszillation“. Das Beispiel-Szenario besteht einfach gesagt aus der Kette Mikrofon, Verstärker und Lautsprecher. Erhöhe ich nun die Verstärkung in diesem Kreislauf, beginnt das System rückzukoppeln in Form einer Frequenz, die von der Räumlichkeit und den jeweiligen Komponenten abhängt. Wenn nun eine Frequenz X sich „aufschaukelt“, ist es sinnvoll, diese Frequenz mittels Equalizer schmalbandig herauszufiltern. Mit dieser Methode kann ich dem Gesamtsystem eine quasi höhere Verstärkung ermöglichen.

Die Meisten haben wahrscheinlich schon mal einen 30-Band oder auch Terz-EQ gesehen und sogar damit hantiert. Ein vollparametrischer EQ hat im Gegensatz zum 30-Bänder den Vorteil, frequenzmäßig nicht festgelegt zu sein. Bei beiden EQs besteht nun die Option, die Rückkopplungsfrequenz gezielt zu bearbeiten, sprich herauszufiltern. Das findet in der Praxis häufig statt, um Lautsprechersysteme jedweder Art anzupassen und somit zu optimieren. Ein wichtiges Kriterium hierfür ist jedoch die Filtergüte beziehungsweise der “Q-Faktor“ oder auch „Filter-width“ genannt. Dieser Parameter bestimmt, wieviel Signal um den rückkoppelnden Störenfried herum mit abgesenkt wird. Je schmaler ich nun das Feedback bearbeiten kann, desto weniger Einbußen habe ich im Gesamtklang.

Was bietet der DBX AFS2?

Für den Anwender bietet der DBX AFS2 die Möglichkeit, auf bis 24 Bändern in zwei Kanälen Feedbacks wirkungsvoll und sehr schmalbandig zu unterdrücken. Die dazugehörigen 48 Front-LEDs zeigen den jeweiligen Filter-Status an. Die Front unseres Testgerätes ist sehr übersichtlich und rückseitig sind mit Klinken und XLR-Ein- und Ausgängen alles Notwendige abgefrühstückt. Das Gerät besitzt ein internes Netzteil, was meiner Meinung nach in der Praxis immer von Vorteil ist. Daneben kann man das DBX AFS2 pegelmäßig von +4 dBu auf -10 dBV anpassen.

DBX AFS2 rückseitig

Zauberei?

Kommen wir zum Praxis-Einstieg in Form der „Wizard“-Funktion, die frontseitig mit einem eigenen Button versehen wurde. Sie bietet ein komplettes Prozedere, das den Anwender zur System-Optimierung anleitet. Als Beispiel soll eine Soundcheck-Situation einer Band dienen, wobei der DBX AFS2 in die Front insertiert wurde.

  • das DBX AFS2 wird auf „bypass“ geschaltet
  • alle Filter sind frei
  • nach dem Soundcheck mit der Band bleiben alle Mikrofone offen und alle Gates werden deaktiviert
  • es werden im Gerät 12 „fixed“ Filter gesetzt
  • die Filterbreite wird gewählt (Preset „Music“ hat die höchste Filter-Güte)
  • ein virtueller Hochpass kann gesetzt werden, um zum Beispiel tiefe Frequenzen auszugrenzen
  • langsam die Lautstärke des Systems erhöhen und die Feedbacks werden erkannt und eliminiert

Hier sind nun schon viele Spezialbegriffe benutzt worden. Das DBX AFS2 unterscheidet zwischen „fixed“ und „live“ Filter. Erstere behalten ihre Einstellungen bei, während der „live“ Modus zum Beispiel nach einer definierten Zeit das Filter wieder lösen kann. In unserem Beispiel waren es 12 „fixed“ und 12 „live“ Filter, das kann man aber nach Belieben vorgeben und auf den 5 Presets speichern. Der virtuelle Hochpass verhindert, dass beispielsweise Sub-Bässe mit in den Feedback-Detektor verarbeitet werden. Er lässt sich übrigens bis 500 Hz hochsetzen. Außerdem kann man kanalweise die Erkennungs-Empfindlichkeit +/-6 dB justieren. Die global einstellbaren Filtergüten gibt es in den Arten:

  • „Speech“ – schmalbandiges Filter
  • „Music“ – sehr schmalbandiges Filter
  • „Music/Speech“ – Mischform

Will das Filter?

Noch ein vergleichendes Wort zu den Filterbreiten; der landläufige 30-Band EQ arbeitet in der Regel mit 1/3 Oktave Filterbreite. Vergleichbare Mitbewerber arbeiten mit 1/5, 1/10, 1/20 oder sogar 1/60 Oktave Filterbreite. Unser Testkandidat bringt es auf bis zu 1/80, je nach Modus. Selbstverständlich handelt es sich bei derartig schmalbandigen Filtern um ein Digitalgerät. Die Wandlerqualität ist mir zu keinem Zeitpunkt negativ aufgefallen, insofern man das ohne aufwendige Messung nachweisen könnte.

Des Weiteren wurde das DBX AFS2 in einer Livesituation im Monitorweg getestet. Hierbei verrichtete es klaglos und unmerklich seinen Dienst. Ich hatte das Gerät testweise auf jeweils 24 freie Filter gesetzt, die sich nach zwei Minuten wieder lösen sollten. Was soll ich sagen, es war ein ruhiger Abend ohne „technisches“ Feedback.

Zum Erstellen des Soundfiles habe ich den „Klassiker“ gewählt. Ein Redner nimmt sich ein Mikrofon und geht über die „rote“ Linie, also vor die Box. Eine Situation, die ich als Musiker und Tonmann schon x-mal erlebt habe.

Diesmal aber in kontrollierter Umgebung kam eine Fullrange-Aktivbox und ein dynamisches Mikrofon zum Einsatz. Aufgezeichnet habe ich direkt aus dem weiterführenden Line-Out der Box ohne weitere Bearbeitung. Lediglich die Lautstärke der Sprache wurde nach dem Einmessvorgang angepasst, um sie vergleichbar machen zu können. Hierbei waren die Filter im „Music“-Modus und das virtuelle HPF bei 100 Hz. Das Mikrofon stand zwei Meter vor der Box und in deren Richtung zeigend. Dann wurde die Lautstärke langsam und kontinuierlich erhöht, bis alle 12 Filter gesetzt waren. Den klanglichen Unterschied zwischen vorher und nachher würde ich als äußerst vernachlässigbar bezeichnen. Wenn man bedenkt, wie groß räumliche Einflüsse oder generelle Nichtlinearitäten der Schallwandler (von Phasenverschiebungen ganz zu schweigen) auf Schallereignisse sind, dann schneidet der DBX AFS2 hier prima ab.

Fazit

In einer Zeit, in der Audiowiedergabe-Systeme immer effektiver und opulenter werden, fragt man sich natürlich nach dem Nutzen eines Anti-Feedback-Prozessors. Dabei will ich gleich vorweg schicken, dass der DBX AFS2 ohne Vorkenntnisse kein „no-brainer“ ist. Man muss sich vorher definitiv mit den reichhaltigen Möglichkeiten dieses Gerätes auseinandersetzen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Wenn man dann allerdings das Gerät in sein System einbindet, kann es sehr effizient helfen, Livesituationen ohne Schweißausbrüche zu meistern. Der sehr gute Wandler und die extrem schmalen Filter sprechen hierbei für sich. Wer im Monitoring oder FoH auf Nummer sicher gehen will, ist mit dem AFS2 von DBX sehr gut beraten. Wohlgemerkt: Unser Testkandidat ist kein EQ zum „Sound-shaping“ im klassischen Sinne, sondern eben ein „Rückkopplungs-Vernichter“. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist auch ohne digitale Anbindungsmöglichkeit absolut im grünen Bereich.

Plus

  • sehr neutraler Klang
  • extrem schmalbandige Filter zur Feedback-Unterdrückung
  • einfache Bedienung

Minus

  • keine Digitalschnittstelle

Preis

  • Ladenpreis: 349,- Euro
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