Test: Dean Guitars Angel of Deth, E-Gitarre

21. Juli 2020

Dave Mustaine Signature

Dean Guitars Angel of Deth

Dean Guitars Angel of Deth

Die US-Band Megadeth gehört nun schon seit über drei Jahrzehnten zu einer festen Institution im Metal-Bereich. Aushängeschild und Bandgründer zugleich ist Dave Mustaine, dem man einen schwierigen Charakter nachsagt und der einst in grauer Vorzeit die Riffs für Metallica beisteuerte, ehe er nach Streitereien mit den Mitgliedern der Band schließlich von Kirk Hammett ersetzt wurde. Metallica gingen ihren Weg, Megadeth zwar auch ihren eigenen, konnten aber nie mit den großen kommerziellen Erfolgen von James Hetfield, Lars Ulrich & Co mithalten.

Dennoch gibt es Megadeth bis heute und nach wie vor lässt es Dave Mustaine an der Gitarre und den Vocals heftig krachen. Seiner Popularität ist in der Szene nach wie vor ungebrochen und was wäre ein Dave Mustaine ohne ein eigenes Signature-Instrument? Die Firma Dean Guitars stellt für den Künstler seit geraumer Zeit eine eigene Gitarrenserie her, die zum Teil aus US- und zum anderen Teil aus fernöstlicher Produktion stammt. Die jetzt und hier unter die Lupe genommene Dean Guitars Angel of Deth wurde in Korea gefertigt und unterscheidet sich rein optisch betrachtet so gut wie gar nicht von dem gut doppelt so teuren US-Modell – beide besitzen eine Optik, die ganz sicher die Geschmäcker in zwei Lager teilen dürfte.

Dean Guitars Angel of Deth front

Dean Guitars Angel of Deth – Facts & Features

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Flying-V-Form ist und bleibt der Inbegriff des Metal. Die Angel of Deth besitzt zwar nicht die exakt gleichen symmetrischen Flügel wie das allseits bekannte Original von Gibson, ihre Stammeszugehörigkeit ist allerdings unverkennbar. Und wer unsere Artikel aufmerksam liest, dem wird auch sicher nicht entgangen sein, dass Gibson die Firma Dean wegen dieses Designs sogar verklagen wollte. Dave Mustaine dürfte das beim Riffen aber sicher nicht weiter stören, gehört er doch schon lange zu den prominentesten Spielern von Dean-Gitarren. Genau so wie auch seine Angel of Deth, die sich mittlerweile schon 12 Jahre fest im Sortiment des Herstellers befindet.

Der v-förmige Korpus des Instruments besteht aus Mahagoni und besitzt ein Artwork, das geprägt ist von zwei Engelsflügeln und jeder Menge Blut in Form von roter Farbe. Klar, mit so etwas sollte man sich vielleicht nicht gerade auf die Bühne stellen, wenn man mit der Top-40-Band auf einer Hochzeit spielt oder mit dem Jazz-Trio in einer Chillout-Lounge beschäftigt ist. Die Beurteilung darüber, ob dieses Finish nun gelungen ist oder nicht, möchte ich an dieser Stelle doch bitte jedem selbst überlassen. Fakt ist aber, dass die Lackierung sauber aufgebracht wurde, Lacknasen oder Schleifspuren sind keine zu erkennen – obwohl das wahrscheinlich gar nicht auffallen bzw. stören würde.

Der Engel von der Rückseite betrachtet

Im Gegensatz dazu zeigt sich die Rückseite in einem hochglänzenden Schwarz, was auch die Rückseite des Halses betrifft. Doch an dieser Stelle kann bei diesem so wichtigen Punkt wieder Entwarnung gegeben werden: Nichts klebt oder stört die Greifhand auf andere Art beim Bespielen der Halsrückseite, deren Form nach Dave Mustaines Vorgaben designt wurde und sich recht flach präsentiert.

Mahagoni-Hals mit Ebenholzgriffbrett

Hergestellt wurde der Hals ebenfalls aus Mahagoni, darauf aufgeleimt gesellt sich ein Ebenholzgriffbrett, das mit einem Radius von 16″ (406 mm) sehr modern ausgefallen ist. Eingesetzt wurden Perlmutt-Inlays nach Daves Vorgaben und auch an dieser Stelle wurde sehr sauber gearbeitet. Ebenso wie bei der Bundierung, alle 24 Medium-Bünde wurden sorgfältig eingesetzt, an den Kanten abgerichtet und auch an einer Politur ihrer Oberflächen wurde keineswegs gespart. Ein Binding umschließt die Ränder des Griffbretts und sorgt für einen schönen Kontrast zur dunklen Farbe des Ebenholzes. Über die Erreichbarkeit der oberen Lagen muss man keine großen Worte verlieren, denke ich. Die V-Form des Korpus kommt ja konstruktionsbedingt ohne Cutaway aus, viel mehr sollte man sich darüber Gedanken machen, wie man das Instrument bespielen soll. Ohne Gurt ist dies, zumindest für Ungeübte, sehr schwierig. Im Lieferumfang der Gitarre befindet sich aber ein passender Gurt, der liegt bereit im Formcase, das ebenfalls mit dabei ist und durchaus als roadtauglich durchgehen kann.

Dean Guitars Angel of Deth Griffbrett Fretboard

Ebenholzgriffbrett mit Dave Mustaine Custom Inlays

Seymour Duncan Dave Mustaine LiveWire Pickups

Dave Mustaine benutzt seit vielen Jahren schon Pickups von Seymour Duncan in seinen Instrumenten. Der US-Hersteller honoriert dies entsprechend und entwickelte zusammen mit Mr. Mustaine ein eigenes Pickup-Set, basierend auf den Modellen, die der Künstler schon lange bevorzugt. Auf Basis der JB- und der Jazz-Humbucker entstanden so die LiveWire-Tonabnehmer, die man auch ohne die Gitarre bei Seymour Duncan bekommen und in jedes beliebige Instrument einsetzen kann. Erhältlich sind sie in drei verschiedenen Farben, die hier in die Decke der Dean Guitars Angel of Deth eingepflanzten besitzen Metallkappen mit dunkler Färbung, auf Wunsch gibt es sie aber auch in Gold oder in nickelfarbenen Varianten. Angesteuert werden sie über einen Dreiwegeschalter und jeder der Pickups ist separat in der Lautstärke regelbar, während eine gemeinsame Tonblende weitere Optionen zur Verfügung stellt.

Etwas spezieller ist die elektrische Schaltung aber dennoch ausgefallen, die wohl ebenfalls nach Mustaines Vorgaben designt wurde. Zum einen ist der vordere Regler für die Lautstärke des Steg-Pickups verantwortlich, das vordere Poti steuert hingegen die Lautstärke des hinteren Pickups. Sind beide Tonabnehmer angewählt (Schalter in Mittelposition), dann wirkt nur der vordere Regler auf das gesamte Volume beider LiveWire Humbucker. Nun ja, etwas ungewöhnlich ist das schon, kann man sich aber durchaus dran gewöhnen. In jedem Fall aber wirken die verbauten Bedienelemente sehr solide: Die Potis laufen wie in Butter auf ihren Achsen und der Schalter rastet knackig und zuverlässig in seinen drei Positionen ein.

Solide Tune-o-Matic Bridge und Grover-Tuner an Bord

Ein ähnlich gutes Bild vermittelt die Hardware mit der Tune-o-Matic Bridge und den an der Kopfplatte angebrachten Mini-Tunern von Grover. Das Instrument hielt während der Testdauer störrisch seine Stimmung und wenn es mal etwas nachzustellen gibt, dann kann man sich auf die US-Hardware von Grover auch hier wieder absolut verlassen!

Dean Guitars Angel of Deth Elektrik

Dean Guitars Angel of Deth mit LiveWire Pickups und spezieller Schaltung

Dean Guitars Angel of Deth – in der Praxis!

Wuchtig und druckvoll klingt die Angel of Deth schon im unverstärkten Zustand. Hinzu kommen ein mittenbetontes Frequenzbild sowie ein überaus kräftiges Sustain in allen Lagen auf dem Griffbrett, das sich ab Werk bereits dank der guten Saitenlage vorbildlich bespielen lässt. Fans bzw. langjährige Spieler von Flying-V-Type-Gitarren werden von Anfang an keine Probleme beim Bespielen des Instruments haben, für den Einsteiger gilt aber der Tipp, unbedingt zuerst den Gurt anzulegen.

LiveWire-Pickups in Bestform!

Ein großes Lob gibt es für die LiveWire-Pickuos. Nicht nur, dass sie den kräftigen Grundsound der Angel of Deth nahezu perfekt in Szene setzen: Sie liefern darüber hinaus ein warmes, fast schon organisches Klangbild mit einem guten „Schmatz“ bei extrem wenigen Nebengeräuschen und einem enorm hohen Headroom. Auch wenn die Angel of Deth in Korea gefertigt wird, hat man hier auf das richtige Pferd gesetzt bzw. ist keine Kompromisse eingegangen und hat der Gitarre einen Satz hochwertiger US-Pickups spendiert, die auch bei dem US-Modell zum Einsatz kommen. Das mit dem „Schade, keine Singlecoil-Option“ erspare ich mir an dieser Stelle besser, denn Mr. Mustaine kommt damit seit Dekaden schon bestens ohne dieses Feature aus.

Dean Guitars Angel of Deth Dave Mustaine

Dave Mustaine bei der Arbeit

Dean Guitars Angel of Deth – Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele wurde ein Mesa/Boogie Studio 22+ Gitarrencombo sowie AKG C3000 Mikrofon verwendet. Effekte wurden nicht benutzt.

Fazit

Über die Optik der Dean Guitars Angel of Deth kann man sicher streiten, rein technisch betrachtet liefert diese Flying-V aber alles, was das Metallerherz begehrt. Angefangen mit der guten Bespielbarkeit, über die solide Verarbeitung bis hin zum Klang der LiveWire Humbucker bietet dieses Instrument die volle Bedienung für den rauen Sound – und dabei muss man noch nicht mal Fan von Megadeth sein.

Plus

  • Verarbeitung
  • Sound der LiveWire-Pickups
  • gute Bespielbarkeit
  • solide Hardware
  • Case im Lieferumfang

Minus

  • sehr gewöhnungsbedürftige Optik

Preis

  • 1075,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    CloudSounds  

    Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten… für mich ist dies jedoch das schönste Design, das Dean für die VMNT anbietet. Insbesondere im Vergleich zu den Plattencover-Designs diverser VMNT(x)s finde ich es vergleichsweise schlicht und nicht so schrill… auch, wenn mir diese Motive als MD-Fan eigentlich gut gefallen.

    Ich habe die Gitarre im Gears of War Design (welches nochmals deutlich dezenter ist) und kann nur bestätigen, dass sie wirklich toll verarbeitet ist und einen klasse Klang hat.

    Danke für den schönen Test!

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    AMAZONA Archiv

    Flügel auf der Flying V machen schon Sinn. Jut, hier sieht es so aus, als hätte man ein Spielzeug von Leatherface in der Hand. Zumindest schomma optisch nix für Vegetarier und Vogelfreunde.

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    AMAZONA Archiv

    „Geflügelaxt“ wäre hier die richtige Bezeichnung, inkl. aller denkbaren Konnotationen.

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      AMAZONA Archiv

      Klampft da zufälligerweise auch den Titel „Enter Sweatband“ ;-) …. sehr verdächtig

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    wolftarkin  AHU

    Wenn jeder das Finish selbst beurteilen soll, warum steht es dann unter Minus?
    Das ergibt keinen Sinn.
    Zum Glück wurde Mustaine aus dem Kindergarten geschmissen. Die beiden Clowns hätten ihn nur behindert.

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    MusicChest

    Bei einem Signatureinstrument die Optik als gewöhnungsbedürftig zu kritisieren spricht für eine erhebliche Lähmung des prefrontalen Cortex. Lg

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    tantris  

    Was mich am meisten erstaunt, ist die Tatsache, dass Hersteller fast täglich neue Gitarrenmodelle auf den Markt werfen, die dann wie Sauerbier im Laden hängen. Letztlich bestehen alle Modelle aus einem Korpus, Hals, Tonabnehmer, Tuner und 6 Saiten. Wozu also jeden Tag ein neues Modell? Mal blau, mal grün, mal rot. Wer braucht’s?

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