Test: Dean Guitars Custom 450 Flame Top, E-Gitarre

19. März 2019

Ein wahres Monster in Sachen Sustain!

Dean Guitars Custom 450 Flame Top

Dean Guitars Custom 450 Flame Top

Die meisten von uns werden bei dem Namen Dean Guitars vermutlich an den legendären Dimebag Darrell denken, der bis zu seinem Tod wohl zu den bekanntesten Endorsern des Unternehmens zählte und mit seiner Band Pantera bis heute noch eine große Strahlkraft auf viele Gitarristen rund um den Globus ausübt. Die Firma mit den Adlerschwingen im Emblem hat sich ganz klar und immer schon dem Metal-Bereich verschrieben und bietet in vielen unterschiedlichen Preisklassen bzw. Qualitätsstufen ihre Instrumente an, darunter USA-Signature-Instrumente, USA-Serienproduktionen und ein nicht unbeachtlicher Teil aus asiatischer Herkunft, die mit entsprechend günstigen Preisen locken. Eine dieser preisgünstigen E-Gitarren aus chinesischer Fertigung werden wir uns jetzt und hier mal anschauen. Also Vorhang auf für den Check der Dean Guitars Custom 450 Flame Top!

Dean Guitars Custom 450 Flame Top – Facts & Features

Ganz augenscheinlich haben wir es bei unserem Testinstrument mit einer Powerstrat zu tun. Das stimmt aber nicht so ganz, denn dazu fehlt der Custom 450 Flame Top ein Vibrato. Dafür aber gibt es eine String-through-Saitenführung, die zudem optisch mit den versetzten Metallhülsen ein edles Bild auf der Decke ergibt und dem Grundsound durch mehr Sustain und Resonanzen einen zusätzlichen Kick verpassen soll. Hinzu kommt ein eingeleimter Hals aus Mahagoni, sodass hier beste Voraussetzungen dafür bestehen – und die Gitarre macht davon auch reichlich Gebrauch, davon werde ich aber später im Praxisteil mehr berichten.

Basis dieser E-Gitarre ist ein Korpus aus Mahagoni, auf den ein in dunkelblau gebeiztes Ahornfinish aufgeleimt wurde. Die Illusion einer echten Decke ist hier mal wieder verblüffend gut gelungen, mit dieser intensiven Maserung kann man sich auf jeden Fall sehen lassen. Zudem ist die Decke mit reichlich Konturen versehen, was der Gitarre ein gutes Handling verpasst. Die Ränder der Decke wurden mit einem Binding geschmückt, das an der Kopfplatte seine Fortsetzung findet und das wohlbekannte Dean-Logo umschließt.

Dean Guitars Custom 450 Flame Top headstock

Auffallend ist das niedrige Gewicht der Dean, wenn man sie das erste Mal in die Hand nimmt. Ehrlich gesagt hätte ich hier bei einer China-Gitarre dieser Preisklasse eher ein Kampfgewicht erwartet, denn so ist es ja in aller Regel bei günstigen Fernost-Gitarren. Auch das gibt einen Pluspunkt, sorgt dies doch für weitere Vorteile in puncto Handling. Nicht ganz so schön ist jedoch die leichte Kopflastigkeit, die sich besonders beim Spielen des Instruments auf dem Schoß bemerkbar macht. Am Gurt lassen sich diese ungleichen Gewichtsverhältnisse jedoch gut kompensieren und wäre anstelle der durchgehenden Saitenführung ein „Floyd-Rose-Klotz“ auf der Decke montiert, dann wäre dieses Problem sicher keines.

Dean Guitars Custom 450 Flame Top bridge

Elegante Saitenführung über die Tune-o-Matic Brücke durch den Korpus

Das komplette Instrument wir umschlossen von einer Hochglanzlackschicht, die bis in die kleinsten Ritzen sauber aufgetragen wurde. Mit eingeschlossen davon ist auch die Rückseite des eingeleimten Ahornhalses, was immer irgendwie die Befürchtung aufkommen lässt, dass es hier klebrig zur Sache geht, sobald die linke Hand beginnt, bei ihrer Arbeit zu schwitzen. Hier scheint man bei Dean aber bei der Zusammensetzung des Lacks einen guten Kompromiss zwischen Schutz des Holzes auf der einen Seite und einer ungehinderten Bespielbarkeit mit feuchter Greifhand auf der anderen gefunden zu haben: Der Hals lässt sich stets tadellos bespielen und unterstützt zudem mit seinem flachen, modernen Profil moderne Spielarten, so gut es nur eben geht.

Dazu kommt die tadellose Verarbeitung der 24 Jumbo-Bünde, die allesamt sauber eingesetzt, abgerichtet und sorgfältig auf ihren Oberflächen poliert wurden. Auch das ist bei Gitarren in dieser Preisklasse nicht immer selbstverständlich, insbesondere das Polieren der Bundoberkanten wird gerne mal vernachlässigt. Das führt zu nervigen Schabgeräuschen und trägt nicht unbedingt zu einem guten Spielgefühl bei, hier ist aber alles bestens gelungen. Orientierung auf dem Griffbrett finden wir durch einfache Perlmutt-Dots an den bekannten Positionen, in der Oktavlage wurde hingegen etwas mehr reingeklotzt.

Dean Guitars Custom 450 Flame Top Inlay

Perlmutt-Inlay in der Oktavlage

Dean Custom 450 Flame Top – Hardware & Elektrik

Über eine leicht versetzt eingesetzte Tune-o-Matic Brücke wandern die Saiten in ihre Hülsen durch die Decke hindurch. Wieso die Brücke nun etwas „schief“ auf der Decke sitzt, kann nur gemutmaßt werden, vermutlich wird nur auf diese Weise eine einwandfreie Einstellung der Oktavreinheit gewährleistet. Entscheiden musste man sich wohl hinsichtlich der Lage der sechs Schrauben der Saitenreiter, die Entscheidung viel zugunsten einer Lage in Richtung des Steg-Pickups, was das Justieren der Oktavreinheit zu einer ziemlichen Fummelei werden lässt. Auf der anderen Seite der Brücke wäre aber genau so wenig Platz, um die Schrauben vernünftig zu erreichen, denn hier verschwinden die Saiten in einem scharfen Winkel Richtung Decke.

Neben den sehr soliden Teilen, wie dem knackig einrastenden Dreiwegeschalter und den weich laufenden Potis, finden wir an der Kopfplatte ein amtliches Stück solider Hardware – die sechs Mechaniken von Grover nämlich. Sie machen ihrem Namen alle Ehre und zeigen sich gutmütig beim Stimmen und zuverlässig beim Halten der Stimmung. Während der Testphase gab es überhaupt keine Probleme diesbezüglich. Es handelt sich um schlichte geschlossene Tuner, also ohne Klemmvorrichtung, was bei einer festen Brücke ja ohnehin nicht unbedingt notwendig ist und nur überflüssigen Ballast bedeutet. Dennoch haben auch die an der Dean Guitars Custom 450 Flame Top ihr Gewicht und vielleicht scheint das ja mit ein Grund für die leichte Kopflastigkeit zu sein.

Das Thema Pickups bei der Dean Guitars Custom 450 ist im Prinzip schnell abgehandelt, jeder kennt sie, der eine liebt sie und der andere hasst sie: aktive Pickups von EMG. Auch hier finden wir die beiden wohl beliebtesten Modelle im Duett an Hals und Steg, den EMG 85 bzw. den EMG 81. Zu schalten gibt es nicht viel, denn wie bereits weiter vorne erwähnt, bietet der Schalter nur drei Stufen. Das bedeutet also Hals-Pickup, beide EMGs oder Steg-Pickup als mögliche Optionen. Den Abschluss bildet ein Tone-Poti, das ein gutes Stück abseits auf die Decke geraten ist. Aber mal ehrlich, wer benutzt schon ein Tone-Poti? Obwohl man bei aktiven Pickups damit schon deutlich mehr erreichen kann. Ihre Energie bezieht die Elektronik aus einem 9-Volt-Block, der über einen Schnellverschluss auf der Rückseite zu erreichen ist.

Dean Guitars Custom 450 Flame Top backside

Blick auf die Rückseite des Korpus

Dean Custom 450 Flame Top – in der Praxis!

China-Gitarre hin oder her, was die Dean Guitars Custom 450 Flame Top aus dem Stand weg, das heißt trocken angespielt, schon liefert, ist schlicht beeindruckend. Die Grundkonstruktion mit dem eingeleimten Hals und der Saitenführung durch den Korpus trägt hier ganz offensichtlich reife Früchte und überrascht und verblüfft zugleich. Das Sustain ist bärenstark und erlaubt singende und sehr ausdauernde Sounds, die fast schon an den Einsatz eines E-Bow erinnern. Dabei habe ich mein Referenz-Set-up, den kleinen Orange Micro Dark mit der angeschlossenen 1×12″-Box, noch nicht einmal bis zur maximalen Zerrung getrieben. Es schiebt einfach unglaublich und das sage ich jetzt ganz bewusst: Nicht nur für ein Instrument dieser Preisklasse(!).

Doch lautet eines unserer vielen bekannten Sprichwörter nicht: Wo Licht ist, dort ist auch Schatten? Genau das betrifft auch die beiden EMGs, die ich beim besten Willen nicht zum Abgeben unverzerrter Sounds bringen konnte. Selbst bei fast komplett heruntergeregeltem Gain-Poti des kleinen Micro Dark war stets ein Zerren im Sound wahrzunehmen. Und ja, die Batterien wurden überprüft und als tauglich bewertet, denn oft ist ein solches Zerren auch Indiz dafür, dass es mit der Spannung des 9-Volt-Blocks dem Ende entgegengeht.

Fangen wir doch als Erstes gleich mit meinem Versuch an, die beiden EMGs zu einem Cleansound zu bringen. Egal, wie fein ich den Gain auch abstimme – ein Zerren ist unvermeidlich.

Dafür scheint die Dean Guitars Custom 450 Flame Top überhaupt nicht gemacht zu sein. Sie möchte braten und das hören wir in den nächsten Klangbeispielen. Das Letzte zeigt das unglaubliche Sustain, mit der diese E-Gitarre zu Werke geht! Dort habe ich den EMG 85 in der Halsposition benutzt, sein Kollege in der Stegposition steht dem aber in nichts nach!

Fazit

Sustain, Sustain und noch mal Sustain! Es ist schier unglaublich, mit welcher Macht die Dean Guitars Custom 450 Flame Top in diesem Punkt verblüfft und zugleich auch deutlich macht, was man heutzutage von einer Gitarre chinesischer Produktion erwarten kann. Abgesehen von der Unmöglichkeit, dem Instrument wirklich saubere Cleansounds zu entlocken, gibt es keinen echten Kritikpunkt. Somit ist diese E-Gitarre ein echter Geheimtipp für Leute mit nicht so praller Brieftasche und/oder für die, die Cleansounds ohnehin nur auf der Akustischen bevorzugen.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • Mörder Sustain
  • gute Bespielbarkeit
  • Leichtgewicht

Minus

  • Cleansounds nur schwer bis unmöglich
  • leichte Kopflastigkeit

Preis

  • Ladenpreis: 539,- Euro
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