Test: Dean Guitars Exile Select 7 String, E-Gitarre

11. August 2020

Donner und Grollen!

Dean Guitars Exile Select 7 String

Dean Guitars Exile Select 7 String

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte ich die Gelegenheit, der Dean Exile Select auf den Zahn zu fühlen. Das Resümee damals: eine fast perfekte Metal-Gitarre. Fast nur deshalb, da das montierte Floyd Rose Vibrato partout nicht die Stimmung halten wollte, was bei einer E-Gitarre dieser Kategorie ein ziemliches No-go und zudem keine Neuigkeit ist. Das Fernost Floyd-Rose sorgt auch auf den Instrumenten vieler anderer Hersteller immer wieder für Sorgenfalten. Zum damaligen Artikel geht es HIER mit einem Klick.

Gut 2 Monate später erreicht unsere Redaktion nun die siebensaitige Version dieser Shred-Gitarre und in Sachen Stimmunghalten dürften diesmal wohl keine Probleme auftauchen, denn die Dean Guitars Exile Select 7 String besitzt anstelle eines Vibratos eine feste Brücke und darüber hinaus eine String-through-Saitenführung, was sich in aller Regel sehr positiv auf das Klangverhalten auswirkt und der tiefen H-Saite ein besseres Fundament liefert. Sind wir also mal gespannt, wie sich das auf den Sound auswirkt und ob die Konstruktion mit der Mensur einer gewöhnlichen E-Gitarre überhaupt in der Lage ist, mit solch tiefen Frequenzen umzugehen.

Dean Guitars Exile Select 7 String – Facts & Features

Genau wie ihre sechssaitige Schwester wurde für den modern designten Korpus der Exile Select 7 String Erle als Basis verwendet. Durch die nur mit einer dünnen Satinlackschicht versehene Oberfläche auf der Rückseite lässt sich gut erkennen, dass hier drei Teile verwendet wurden. Der mittlere Teil ist eindeutig der Größte, dort wurden auch alle Komponenten eingesetzt: Die beiden Pickups, die ToM-Bridge und auch die Hülsen für die Saitenführung finden hier ihren Platz. Sehr weit ausgefräst präsentieren sich erneut die beiden Cutaways, die oberen Lagen des Halses sind bis zum Bund Nummer 24 perfekt zu erreichen. Selbst dort oben ist immer noch enorm viel Platz für die Greifhand übrig, so könnte die Gitarre auch 26, 28 oder noch mehr Bünde haben – es wäre immer noch mehr als ausreichend. Wieder in Bestform präsentiert sich der Hals-Korpus-Übergang, der so dezent geraten ist, dass man ihn kaum spürt.

Fummeliges Batteriefach

Die blau-bräunlich gefärbte Decke aus Pappel wird an ihren Rändern von einem weißen Binding eingefasst, was einen schönen Kontrast zum natürlichen Erle-Look der Korpusrückseite ergibt. Dort hinten finden wir neben dem Zugang zur Elektronik auch das zum Betrieb der beiden aktiven EMG-Pickups nötige Batteriefach, das einen Schnellverschluss besitzt, um den dort eingesetzten 9-Volt-Block bei Bedarf zu tauschen. Soweit die Theorie, in der Praxis zeigt sich dieser Mechanismus allerdings etwas fummelig in der Bedienung, darüber hinaus wurde das Fach, im Gegensatz zur Abdeckung der Elektronik und der Hülsen für die Aufnahme der Saiten, nicht versenkt angebracht. Mit etwas Reibung sollte man also dann und wann an dieser Stelle rechnen.

Blick auf die Rückseite der Exile Select 7 String

Ahornhals mit Ebenholz-Griffbrett

Aus drei Streifen Ahorn wurde der Hals zu einem Ganzen zusammengefügt und mit einem extrem flachen, der Zielgruppe angepassten Profil versehen. Flach geht es auch auf dem Griffbrett zu, denn mit 16″ bzw. 406 mm Radius könnte es kaum planer ausfallen. Das verwendete Ebenholz besticht mit einer typisch pechschwarzen Farbe, da kommen die eingesetzten Perlmutt-Inlays besonders gut zur Geltung. An der Bundierung gibt es nichts auszusetzen, sämtliche Bundstäbchen wurden sauber eingesetzt, an ihren Kanten sorgfältig abgerichtet und mit einer ausreichenden Politur auf ihren Oberflächen bearbeitet.

Das gleiche gute Bild gibt auch der Sattel ab, der sich mit einer Breite von 48 mm ebenfalls typisch für eine siebensaitige Gitarre präsentiert. Bei der Mensur finden wir keinen Unterschied im Vergleich zur sechssaitigen Schwester – 648 mm sind hier ebenfalls angesagt. So wie auch der Korpus wurde die Halsrückseite nur mit einer dünnen Satinlackschicht überzogen, bei unserem Testinstrument kann man aber das eine oder andere Staubkörnchen im jetzigen Neuzustand unter der Lackschicht fühlen. Stören tut das aber nicht, es fällt nur eben beim Darübergleiten mit der Hand auf.

Dean Guitars Exile Select 7 String Headstock Kopfplatte

Dreiteiliger Ahornhals mit ultraflachem Profil

EMG-Pickups mit Coilsplit-Option

Die Dean Guitars Exile Select 7 String besitzt die siebensaitigen Varianten der EMG-Pickups ihrer schlankeren Schwester. Am Steg sitzt ein EMG 57 TW7, am Hals wartet ein EMG 66 TW7 auf seinen Einsatz, beide im Brushed-Chrome-Design, so wie im Prinzip die komplette Hardware mit diesem matten Silberton versehen wurde. Erfreulich ist auch hier, dass sich beide Pickups unabhängig voneinander in den Singlecoil-Modus versetzen lassen. Das geschieht durch Anheben des Volume- bzw. des Tone-Potis, die beide zwar etwas Spiel auf ihren Achsen aufweisen, ansonsten aber einen idealen Drehwiderstand bieten. Nicht ganz frei von Wackeln zeigt sich auch der Fünfwegeschalter, der erneut wieder, zumindest meiner Meinung bzw. meines Spielgefühls nach, zu nah an den Reglern eingesetzt wurde. Speziell bei angehobenem Volume-Poti kreuzen sich die Wege des Schalters und des vorderen Reglers doch sehr nahe.

Dean Guitars Exile Select 7 String Schaltung

Fünfwegeschalter und Volume-Regler mit Platzproblemen

Gotoh-Mechaniken mit gewohnt hoher Qualität

Bleiben als Teil der Hardware noch die Mechaniken an der Kopfplatte übrig. Wie bei der sechssaitigen Variante schraubt Dean an die Kopfplatte im Matched-Design erneut Mechaniken des US-Herstellers Gotoh. Es sind wieder Typen ohne Klemmmechanismus, was bei einem Instrument mit fester Brücke vollkommen in Ordnung geht. Die Tuner arbeiten so, wie man es von Gotohs gewohnt ist: völlig frei von Spiel und sehr präzise in ihrer Funktion. Während der Testdauer gab es ohnehin keine Probleme mit der Stimmung, die Dean Guitars Exile Select 7 String hielt tapfer ihren Klang, ebenso war die Oktavreinheit unseres Testinstruments perfekt eingestellt. Allerdings zeigt sich ein anderes Problem, nämlich eine ausgeprägte Kopflastigkeit. Ob das an der einen Mechanik mehr liegt oder einfach nur an dem wuchtigen Hals im Vergleich zum recht zierlichen und schlanken Korpus: Darüber kann nur spekuliert werden.

Dean Guitars Exile Select 7 String Matched Headstock

Dean Guitars Exile Select 7 String Matched Headstock mit Gotoh-Mechaniken

Dean Guitars Exile Select 7 String – Praxis-Check

Ja, wie macht sie sich denn nun im Klangbild, die tiefe H-Saite? Nun, durchwachsen, möchte ich sagen und es hätte dem Sound sowie der Performance insgesamt sicher gutgetan, hätte man dem Korpus etwas mehr Masse und dem Instrument dazu eine längere Mensur verpasst. So aber geht die tiefste Saite speziell bei High-Gain-Sounds recht schnell unter, zumindest in der Stärke .054, mit der die Exile Select 7 String ausgeliefert wird. Gut möglich, dass ein dickerer Draht bzw. ein komplett stärkerer Satz Saiten hier Besserung bringt, zur Not also besser gleich im Laden ausprobieren oder sicherheitshalber stärkere Saiten dazu bestellen. Dennoch ermöglicht diese siebte Saite ganz neue Möglichkeiten des Ausdrucks, dabei müssen es aber nicht nur zwangsläufig „brutal geschrubbte Riffs“ sein, auch im unverzerrten Betrieb bietet der erweiterte Tonumfang sehr kreative Möglichkeiten, die Singlecoil-Schaltung der EMG-Pickups bietet auch in diesem Bereich eine ideale Basis.

Ansonsten aber klingt das Instrument auch dank der EMGs sehr vielseitig, ausgewogen und dynamisch und Bespielbarkeit des flachen Halses mit dem noch flacheren Halsprofil dürfte die Zielgruppe der Metal-Gitarristen ganz sicher gefallen. Nervig ist jedoch die Kopflastigkeit, die beim Spielen ohne Gurt und mit dem Instrument auf dem Schoß abgelegt natürlich besonders auffällt.

Dean Guitars Exile Select 7 String – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich einen Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion Vintage 30 Box verwendet. Davor wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal ohne Effekte in Logic Audio aufgenommen wurde.

Fazit

Wie auch ihre „kleine sechssaitige Schwester“ überzeugt die siebensaitige Dean Guitars Exile Select 7 String mit ihrer sehr guten Verarbeitung, hochwertiger Hardware, potenten und vielseitigen Pickups und einer ausgesprochen bequemen Bespielbarkeit, die allen Metal-Gitarristen ausnahmslos gefallen dürfte. Allerdings fehlt der tiefen H-Saite doch hier und da spürbar der nötige Punch, was sich besonders im verzerrten Bereich durch ihren undifferenzierten Klang bemerkbar macht. Weitere Minuspunkte sind vor allem die Kopflastigkeit und das Batteriefach, das einen Wechsel des 9-Volt-Blocks mehr oder minder zur Geduldsprobe werden lässt.

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • gute Bespielbarkeit
  • Klangvielfalt der EMG-Pickups

Minus

  • Klang der H-Saite undifferenziert
  • fummeliges Batteriefach
  • kopflastig

Preis

  • 1075,- Euro
Klangbeispiele
Forum

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