Test: Denon DJ Engine Prime, DJ-Software

6. Juli 2017

Vorbereiter für die Prime-Modelle

Nachdem wir uns in den letzten beiden Wochen die Geräte der Denon Prime Serie angeschaut haben, sowohl den SC5000 Prime als Medien-Player als auch den X1800 Prime als den neuen Top-Mixer aus dem Hause Denon DJ, ist es mehr als sinnvoll, einmal einen Blick auf die Software zu werfen, die speziell für die Prime-Player entwickelt worden ist – als Musik-Management Software.

Denon DJ Engine Prime ist damit das Pendant zu der Pioneer Software Rekordbox, zumindest solange es um die Musikverwaltung geht. Heißt: Engine Prime ist keine DJ-Software, die von den Prime-Modellen gesteuerte werden kann, so wie Rekordbox im Performance-Modus. Engine Prime ist auch nicht die Überarbeitung der alten Engine Software, die für die Controller wie den MCX8000 oder dem MC7000 genutzt werden konnte und die offenbar einige Bugs besaß. Engine Prime wurde komplett neu überarbeitet und funktioniert auch nur mit den Prime-Modellen – wie der Name schon sagt.

Zu allererst: Engine Prime ist auf der Homepage von Denon DJ kostenfrei erhältlich. Möglicherweise bin ich zu blöd, den Download-Link auf der deutschen Denon DJ Homepage zu finden, auf der internationalen findet er sich wie zu erwarten beim Produkt Engine Prime, also HIER. Seine E-Mail-Adresse muss man kurz angeben, dann kann es losgehen. Die Software ist erhältlich für Mac OSX 10.11 oder 11.12. Das ist bereits erstaunlich, denn mein Rechner läuft auf 10.9.5 und es gibt eigentlich keine Probleme. Die Windows-Version ist erhältlich für Versionen ab 8.1.

Denon DJ Engine Prime in der Praxis

Wie schon erwähnt ist Denon DJ Engine Prime die Software zur Vorbereitung der eigenen Tracks und zum Export auf Speichermedien.

Ein erster Blick zeigt, die Software ist relativ simpel und übersichtlich gestaltet, aufgeteilt in den oberen Teil, der einem Player gleicht und in dem Einstellungen für geladene Songs getätigt werden können, sowie den unteren Teil, der verschiedene Fenster für Ordner und Playlisten bietet.

Also ran da, Mission Nr.1: Tracks importieren. Dazu muss man sich kurz einen Überblick verschaffen, welche Arten von Listen Engine Prime eigentlich bietet. Unter einem kleinen Feld zum Suchen nach Artist-Namen oder Tracks findet sich linksseitig eine Spalte für ebensolche Listen und Ordner. Der erste Ordner davon ist tatsächlich der Ordner für die gesamte Collection, also alle Tracks, die in Engine Prime geladen sein werden. Anhand verschiedener Crates kann man Unterordner erstellen. Für mich zum Beispiel würde das bedeuten, ich könnte meine Ordner mit meinen gekauften Tracks, die ich nach Jahren und im Jahr-Ordner nach Monaten ordne, in ebensolcher Struktur auch in der Collection unterbringen – müsste dafür keine Playlisten anlegen.

Playlisten wären tatsächlich die nächste Option, zu der nicht viel zu sagen erst einmal. Die nächsten beiden Optionen für Listen allerdings bewirken Freude: iTunes wie auch Serato sind direkt eingebunden in Engine Prime und auch als komplette Spalte vorhanden. So kann direkt auf Tracks auf iTunes zugegriffen werden. Ebensolches gilt für Serato, hier aber noch sehr viel tiefgehender. Während die iTunes-Schnittstelle nur Tracks und Playlisten bietet, können von Serato nicht nur Tracks und Playlisten integriert werden, sondern es werden auch gesetzte Hot Cues importiert. Das ist natürlich klasse, denn sind wir uns einig: Hot Cues und Loop-Punkte setzen ist ein hoher Aufwand auf die Anzahl von Tracks hochgerechnet – diese Arbeit zu verlieren bei einem Import in eine andere Software ist sehr ärgerlich.

Ein letzter Punkt: Zugriff auf normale Order auf der Festplatte.
Ich für meinen Teil importiere am liebsten per Drag & Drop direkt in Playlisten oder die Collection.
Dabei akzeptiert die Software eigentlich alles an Formaten, was notwendig ist: MP3, WAV, AIFF, FLAC, ALAC, AAC und MP4.

Importiert man Tracks oder Listen aus einem externem Medium in interne Playlisten oder die Collection, werden diese direkt analysiert. Dies geschieht im Hintergrund in guter Geschwindigkeit. 29 WAFF Files mit Techno-Tracks, also im Durchschnitt vermutlich 7 Minuten lang, dauern circa 50 Sekunden.

Danach sind alle notwendigen Informationen vorhanden – Wellenform, Tempo, Tonart. Ebenso wird ein Grid-Raster erstellt und auf den Track gelegt, ebenso ein Cue-Punkt am Anfang gesetzt. Der Track sollte dann spielbereit sein.
Aus Erfahrung weiß man: Es funktioniert nicht immer einwandfrei, daher ein Check der 29 importierten Tracks. Resultat: 6 der 29 Tracks waren fehlerhaft analysiert, das Grid-Raster sitzt nicht auf der 1, ebenso folglich der Cue-Punkt ebenfalls nicht.
Im Vergleich: Bei der Analyse mit Rekordbox waren nur zwei der 29 Tracks fehlerhaft.

Aufgefallen und stören tut mich, dass ein doppelter Import in die Playliste möglich ist. Eine Information, ob man den Tracks wirklich hinzufügen möchte, obwohl sich dieser bereits in der Playliste befindet, erfolgt nicht. Nachholbedarf!

Hat man nun alle Tracks wie gewünscht importiert und in Playlisten untergebracht, kann man diese nach verschiedenen Parametern sortieren. Tonart, Tempo, Interpret, Dauer, Tracktitel, eigene Wertung oder auch Genre (wenn man es eingegeben hat). Weitere Merkmale können oben in der Zeile per Rechtsklick eingefügt werden – Datum des Hinzufügens zum Beispiel oder eigener Comment. Nur nach der Cover-Art, die am Anfang einer jeden Zeile eingeblendet ist, kann man nicht Sortieren – ich wüsste aber auch nicht, welches Kriterium hier gelten sollte.

Änderung Grid und Cue, Loops und Hot Cues

Mit gewünschten Änderungen von Grid und Cue-Punkten wird es einmal Zeit, in die abspielende Sektion der Software zu schauen. Doppelklick auf einen Track oder Drag & Drop, was man lieber mag, befördert einen Track in diese Sektion. Nun ist die Wellenform zu sehen samt Beatgrid, natürlich auch alle Meta-Daten wie oben bereits genannt. Anhand der Wellenform und anhand der eigenen Ohren kann nun das Grid-Raster kontrolliert werden, ebenso der Cue-Punkt und auch, ob die BPM-Angabe korrekt ist. Sollte dies nicht stimmen, kann dies (Klick auf den Marker neben dem Cover), recht einfach verändert werden. Das Raster des Beat-Grids kann zu den Takt-Schlägen nach links und rechts verschoben werden, ebenso die Takt-Anfänge in 1/4-Takt-Schritten. Hier fehlt mir ehrlich gesagt aber die akustische Rückmeldung via Metronom.

Per Tap-Tempo oder direkten Eingriff kann hier ebenso das Tempo angepasst werden. Ehrlich gesagt fehlt mir aber auch hierzu dazu aber ein Metronom. Ohne dieses ist zwar möglich, aber definitiv nicht so einfach, erst recht nicht für ungeübte Nutzer. Ich hoffe ich übersehe diese Funktion, ein Fehlen wäre definitiv ein großes Manko.

Ich muss zugeben, Änderungen von Hot Cue und Grid-Raster finde ich jedoch am SC5000 Prime durchgeführt was angenehmer. Hier kann direkt über den Push-Encoder rechts oben in das Raster des geladenen Tracks eingegriffen werden. Auch wenn sich die Verfahren gleichen, kann man hier direkt mit einem Track auf dem zweiten Layer gegen hören, ob alles korrekt ist.

Das wäre nun der richtige Punkt zu erwähnen, dass Denon DJ Engine Prime ebenso einen Dual Layer Modus erlaubt – so dass zwei Decks untereinander angezeigt werden, inklusive Crossfader und Sync-Button. So ist genau das, was ich gerade erwähnte auch Software-seitig möglich – ein Metronom hätte es aber auch getan.

Was der weitere Grund für die beiden Layer sein könnte, ist mir ansonsten unklar. Vielleicht entwickelt sich Denon Engine Prime ja in Richtung DJ-Software – wobei das dem Denon Partner Serato sicher nicht gefallen würde.

Ein weiterer Punkt, der in diesem einen oder beiden Layern erledigt werden kann: Loops und Hot Cues können hier gesetzt werden, passgenau, farbig codiert und so, dass sie automatisch am Player angezeigt werden. Loops sind aktiv, so dass der Track in sie hineinläuft, sofern nicht deaktiviert.

Großer Pluspunkt der Software: Hot Cues und Loops können benannt werden, ebenso können die Farben gewählt werden. So ist ein sehr guter Überblick möglich, mehr noch kann man sich Hot Cues und Loops setzen und in jedem Track farbig gleich markeren, sei es die Farbe Rot für einen Break-End-Loop oder Blau für einen Loop am Ende des Tracks.

Export auf Medien

Ein wichtiger Punkt ist ohne Frage der Export der Tracks und Playlisten auf USB- und SD-Speichermedien.
Dieser Punkt wird dadurch besonders wichtig, dass der Export bei Rekordbox bisher nicht überzeugen konnte, sich nun aber schnell herausstellte, dass das nicht der Standard ist. Engine Prime hat hier ohne Frage die Nase deutlich vorn.

Der Export selbst ist relativ einfach, eigentlich ist es nur ein Drag & Drop der gewünschten Playlisten in den Ordner Playlisten auf dem USB-Stick. Manuell aktualisieren kann man ansonsten auch ganz smart über den Synchronisations-Button. Das spart Arbeitsschritte. Vorteil des Sync-Managers von Rekordbox hier gegenüber ist jedoch, dass man hier die eigene Library und die auf dem USB-Stick synchronisieren kann, auch, um Playlisten auf dem Stick zu entfernen.

Über Schnelligkeit muss man sich allerdings bei Engine Prime keine Sorgen machen, bei Rekordbox tatsächlich keine Gedanken – oder viele, denn man hat viel Zeit.
An Rekordbox gewöhnt war ich im ersten Moment sehr baff, wie schnell Engine Prime USB-Medien befüllt.
Im Test brauchte Engine Prime für die 29 Tracks, alles WAV-Files, inklusive Analyse 1 Minute und 46 Sekunden.
Rekordbox braucht dazu im Vergleich 3 Minuten und 44 Sekunden.

Ein wenig deutlicher wird der Abstand, schaut man sich einmal eine Track-Menge an, die man eventuell schon mal synchronisieren möchte. 189 Tracks, die Library meines Jahres 2015. Insgesamt 10,88 GB Daten. Einfach auf den Stick gezogen dauert es 2 Minuten und 55 Sekunden. Engine Prime benötigt hierzu 6 Minuten und 32 Sekunden mit einer Datenmenge von 10,92 GB. Bei der Synchronisierung mit Rekordbox war ich tatsächlich duschen zwischendurch und habe mich nicht einmal beeilt. Nach 18 Minuten und 49 Sekunden war Rekordbox fertig mit dem Datentransfer für 11,4 GB. Diese Zeit ist schlecht, anders kann man es nicht beschreiben. Katastrophal waren die Zustände tatsächlich aber früher mit USB 2.0 Sticks und den früheren Rekordbox-Versionen. Hat man hier 2-3 Stunden vor Abfahrt in Richtung Club angefangen, noch mal seine Playlisten zu synchronisieren, hat man, beziehungsweise habe ich, nicht nur einmal kurz vor Abfahrt vollkommen genervt abgebrochen, den Stick formatiert und alles als Ordner verschoben. Leider kein Einzelfall eines langsamen Rechners, sondern tatsächlich definitive Schuld eines langsamen Rekordbox-Systems. So, Seitenhieb an Pioneer DJ beendet, Engine Prime punktet hier ganz massiv.

Ein „aber“ gibt es jedoch: Beim Export hat sich Engine Prime bei mir das ein oder andere Mal aufgehängt. Im Suchfeld erschien ein kleiner runder Ladebalken und nichts ging mehr. Ärgerlich. Gut jedoch: Der Export war bis dato immer schon abgeschlossen. Möglicherweise liegt es an der 10.9.5-Software, da ja OSX eigentlich laut Spezifikationen ab 10.11 unterstützt wird. Ich kann es schlecht sagen, die letzten Exporte liefen aber auch ohne Zwischenfälle.

Settings für die Prime-Modelle

So wie man es von der Pioneer Software Rekordbox kennt, kann man auch aus Engine Prime heraus auf seinen Speichermedien Einstellungen für die Player speichern und diese an jedem Player sofort aufrufen. Dazu gehört zum Beispiel die Art der Quantisierung, Zeit-Anzeige, Track Start Position und und und. Bevor ich es alles niederschreibe, seht selbst:

Man findet diese Settings übrigens nicht über Preferences bei Engine Prime, sondern über den USB-Stick (oder die SD-Karte direkt). Ist dieser eingeblendet, sieht man ein kleines Symbol mit einem Oberkörper in einem Kreis. Nutzer soll es wohl bedeuteten, hier hinter versteckt sich der Weg zu den Einstellungen.

Hier können alle gewünschten Einstellungen gespeichert und später auf dem SC5000 Prime aufgerufen werden. Auch können am Player Einstellungen verändert und wiederum auf dem Speichermedium gesichert werden.

Fazit

Simpel gestaltet, übersichtlich und funktionell – so wie es sein soll, so präsentiert sich Denon DJ Engine Prime, die Software zu den neuen Prime-Playern. In den Grundfunktionen beschrieben bietet die Software die Analyse von Tracks, Vorbereitung für den Export auf Speichermedien inklusive aller Meta-Daten wie Tempo, Tonart und Beat-Grid. Darüber hinaus lassen sich Playlisten erstellen und die gesamte Library verwalten.

Gerade der einfache Aufbau gefällt sehr gut, so ist es ein Tool, mit dem man schnell ans Ziel kommt. Schnell ist übrigens ein gutes Stichwort, der Export auf Speichermedien ist unerwartet schnell – hier packt Engine Prime den Konkurrenzen Rekordbox komplett in den Sack.

Man kann sicherlich gespannt sein, was die ersten Updates noch an Verbesserungen bringen werden, ebenso an neuen Funktionen.

Plus

  • übersichtliches Design
  • schneller Export
  • Import von iTunes und Serato (inkl. Hot Cues) möglich

Minus

  • Analyse von Tracks teilweise fehlerhaft
  • kein Metronom für Tempo/Grid-Korrektur
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